Lebensmittelkontrolle und Imkerei

  • Hallo,

    wie hoch legt die Lebensmittelkontrolle bei Euch die Meßlatte ? Bisher gab es in dieser Hinsicht bei mir

    nie Probleme. Nun war ein neuer Prüfer da welcher keinerlei Unterschied mehr macht zwischen Imkerei

    und z.B. fleischverarbeitendem Betrieb. Auch die größe der Imkerei ist zweitrangig, entweder bringt

    man Lebensmittel in den Verkehr oder nicht. Janik und ich beschäftigen uns mit unseren beiden

    Imkereien seit dem zeitigen Frühjahr schon sehr intensiv mit der Zertifizierung unserer Betriebe, von

    daher waren wir schon ganz gut aufgestellt. Jedoch kam der gute Mann genau während der Heide-

    Schleuderung, Bodenfliesen im Schleuderraum klebten natürlich, Bienen kreisten um die

    Deckenbeleuchtung und erleichtern sich natürlich auch ab und an an den Wänden......

    Kabel auf dem Boden.....die Dichtung vom Industriespüler war nicht mehr schick genug, unter

    der Spüle zu viele Reinigungsmittelflaschen, Hygienepläne der einzelnen Räume im

    Sauberbereich nicht auf aktuellem Stand, leere saubere Eimer am Lager nicht in lebensmittelechten

    Säcken verpackt, separates Schuhwerk (Sauberbereich) nicht an den Füßen sondern nur im

    Regal......, Türschilder fehlten (Türen geschlossen halten / Abtrennung Sauber u. Normalbereich),

    Fußmatten erneuern.......so las sich später die Liste der Mängel. Zur "kostenpflichtigen" Nachkontrolle

    war dann alles toppo.


    Wie läuft das bei Euch ? Haben die Prüfer einen so großen Spielraum wie hoch sie die Latte

    anlegen ?


    LG

    Frank

  • ... dann kann ich als Kleinstimker ja schon mal dicht machen... ?(


    Auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt ( Frank Osterloh , das hast Du ganz offensichtlich ja!) wird so ein Kontrolleur was zu bemängeln finden. Wie soll das die Mehrheit der Hobbyimker denn machen?

    Mehr als aufräumen und putzen, sauberer Imker, Werkzeug, Gläser etc. geht da halt nicht. Ob das genügen würde?


    Grüße

    Roland

  • Es gibt alles zwischen 'jaja' und Korintenkacker. Und die wechseln. Safe ist man nie. Am 'besten' sind die direkt von der Uni.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich befürchte mal, auf kurz oder lang wird es wohl diesen Weg gehen. Dann reicht es nicht dass die Honigverarbeitung "sauber durchgeführt" wird, dann werden wohl solche Auflagen der Maßstab sein.

    Das aber alleine wird noch nicht reichen. Die Dokumentationspflicht wird weiter ausgebaut werden, denn was nicht dokumentiert ist, wurde nicht umgesetzt. HACCP!

    Ob Hobbyimker dann noch ihren Honig in den Verkehr bringen dürfen, wenn sie diese Vorgaben nicht einhalten können, wird sich zeigen. Ich habe da so meine Zweifel.

    Anderen "Lebensmittelproduzenten" ist es ähnlich ergangen. Dann wird es auch die selbst produzierte Marmelade im Verkaufsstand am Straßenrand nicht mehr geben können. Es wird vieles anders - nur wenig wird aber besser.:cursing:

    Imkern ist kein Hobby - imkern ist eine Lebenseinstellung!<3

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • Mein Prüfer hat die Latte nicht so hoch gehängt. Die Kriterien waren:

    - leicht zu reinigende Wände und Böden (mussten nicht zwingend Fliesen sein) sowie Geräte, Arbeitsplatten usf.

    - Doppelwaschbecken mit Warm- und Kaltwasser

    - Fliegengitter am Fenster

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Mein Prüfer hat die Latte nicht so hoch gehängt. Die Kriterien waren:

    - leicht zu reinigende Wände und Böden (mussten nicht zwingend Fliesen sein) sowie Geräte, Arbeitsplatten usf.

    - Doppelwaschbecken mit Warm- und Kaltwasser

    - Fliegengitter am Fenster

    So bisher auch hier der Standart. Jetzt halt Schippe drauf. Wobei ich den einen

    oder anderen Punkt gerne zur Verbesserung aufnehme, man neigt ja auch

    irgendwie zur Betriebsblindheit. Und sich zu verbessern ist ja nicht schlecht.

    Nur erzeugt dieses Level natürlich auch zusätzliche Kosten, und die lassen

    sich im ja recht speziellen deutschen Honigmarkt nicht so ganz einfach mal

    eben umlegen.


    LG

    Frank

  • Hier wird mit Augenmaß geprüft, Auflagen i.d.R. nur so erteilt, daß deren Erfüllung auch im jeweiligen Kontext des kontrollierten Betriebes realistisch erscheint. So entsteht manchmal der Eindruck, daß der Hobbyimker mit seiner für 3 Tage im Jahr zum Schleuderraum umfunktionierten Wohnküche anders behandelt wird als der Hobbyimker, der bereits einen separaten Schleuderraum in Keller oder Bungalow ausgebaut hat und noch einmal anders als der Berufsimker.

    Von Schwarz-/Weiß- (Sauber-)trennung z.B. erfahren die meisten Hobbyimker weder im Grund- noch im DIB-Honigkurs oder in ihrem beschaulichen Hobbyleben etwas. Davon hören sie frühestens von einem Berufsimker oder anläßlich der Erstkontrolle ihres stolzen Schleuderraumausbaus.


    Es kommt auf den Blickwinkel an: Der Geprüfte stöhnt über Auflagen, der Prüfer über die Abweichungen vom Standard, der eigentlich für alle Lebensmittelproduzenten einheitlich ist - ob Bäcker, Fleischer oder Imker.

  • Ich denke, es hängt auch ein wenig mit der Bekanntheit zusammen, ob man geprüft wird. Die meisten von uns fliegen im wahrsten Sinne des Wortes unterm Radar. Wobei, sauber ist immer gut und sollte auch unser Ziel sein.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • es wird uns gehen wie mit der Hausschlachtung;(

    Von der Industrie wird ins Ohr geflüstert was sie haben will, nämlich keinerlei häusliche Konkurenz.

    Das geht nicht, warten wirs ab!

    Wenn die Hürden immer höher werden (und das werden sie), vor allem für die Kleinen, kannst du am Ende nur noch selber essen, oder unter Preisdiktat an Abfüller verkaufen.

    ...versuch ma wie früher beim Bauern nebenan Schinken aus echter Hausschlachtung zu bekommen.......

    schaut ma nach Ö:)

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.


    Hier gibts was Gutes zu lesen

    http://www.pedigreeapis.org

    Eure Pedigrees, könnt ihr ab sofort hier problemlos u. fachlich geprüft im Original eintragen

  • Wollte schon das so schreiben, aber wollte es auch nicht verschreien.

    Betrifft nicht nur Hausschlachtung. Hat auch ganz viele Metzger getroffen, nicht nur die ganz kleinen. Oft scheiterte es an so "Trivialitäten" wie der Raumhöhe im 200 Jahre alten Fachwerkhaus wo seit 150 Jahren geschlachtet wird.

  • es wird uns gehen wie mit der Hausschlachtung;(

    Von der Industrie wird ins Ohr geflüstert was sie haben will, nämlich keinerlei häusliche Konkurenz.

    Das geht nicht, warten wirs ab!

    Wenn die Hürden immer höher werden (und das werden sie), vor allem für die Kleinen, kannst du am Ende nur noch selber essen, oder unter Preisdiktat an Abfüller verkaufen.

    Oder nur drei Völker anmelden, den Rest schwarz und verstecken. Das ist die Konsequenz aus zu starkem Kontrolldruck. Geht halt nicht bei 5to Honig.

  • Die Lebensmittelkontrolle war auf uns durch das Etikett auf den Honiggläsern im Regal einer einzelhandelnden Freundin aufmerksam geworden und kam nach telefonischer Anmeldung vorbei, weil sie gerade in der Gegend war.

    Ich habe die "Honigbude", eine Gartenlaube mit PVC-Fußboden und darin das Honiglager mit den vorzeigbaren Honigeimern und der sauberen Schleuder vorgeführt.

    Im Gespräch zum Protokoll kamen dann die zu spülenden Rücklaufgläser zur Sprache, worauf der Kontrolleur die Spülmaschine gezeigt haben wollte - Siebe - Dichtungsgummis etc. . Ich habe meine Fingernägel und auch die Küche, damals noch ohne Spülmaschine, vorgezeigt.

    Es war ein freundliches Gespräch und wir sind gewarnt.

    Natürlich werden wir versuchen einem Mindeststandard gerecht zu bleiben und nicht dumm aufzufallen.

    Bei uns im LK sind die Wege kurz, weil die Lebensmittelkontrolle im Veterinäramt angesiedelt ist.

    Durch die Gesetzgebung wurde außer der Hausschlachtung auch die (Rasse-) Kaninchen- und Geflügelhaltung nahezu kaputt gemacht. Wer heute ein geschlachtetes Kaninchen oder Suppenhuhn abgibt macht sich strafbar.

    Es war schon schöner auf der Welt, als ich noch den Überblick hatte. Sofie Pfister-Odermatt