Nebenerwerbe für steuern sparen

  • Hallo Zusammen,


    gerade habe ich gelesen, dass man nur eine Einkommenssteuer zahlt, auch wenn man einen Vollzeitjob und ein Nebengewerbe hat. Und dass Verluste des Nebengewerbes die gesamteinkünfte senken und damit die Einkommenssteuer.


    Nun wollen wir dieses Jahr noch für mehrere tausend Euro eine Schleuder etc. anschaffen. Damit fahren wir definitiv ins minus, sind wir eh schon, aber ich vermute die Kosten vor der Anmeldung zählen nicht.


    Ist das eine kluge Idee bei meinen 12 Völkern da ein Nebengewerbe anzumelden, um Einkommenssteuer auf meinen Hauptjob zu sparen oder handle ich mir da andere Imker-spezifische Nachteile ein?

    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Wenn man sich dafür entscheidet, den Gewinn nicht pauschal zu ermitteln bzw. die steuerlichen Erleichterungen in Anspruch zu nehmen (bis 30 Völker keine Steuern, von 31-70 Völker pauschal € 1.000 als Gewinn), dann muss man zumindest eine einfache Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG erstellen. Bei einer Honigschleuder, die mehr als € 800 kostet (geringwertiges Wirtschaftsgut) sind die Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer zu verteilen. Diese beträgt 20 Jahre lt. Bieneninstitut Kirchhain. Wenn also die Schleuder € 3.000 kostet hast Du nur € 150 Betriebsausgaben pro Jahr aus dem Kauf. Und das wird dann noch bei unterjährigem Kauf monatsgenau ermittelt (Kauf im September 4/12 vom Jahreswert).


    Das Problem mit der Liebhaberei tritt meiner Erfahrung nach ca. ab Jahr 4 auf. Anfangsverluste werden eine Zeit lang akzeptiert und können nachträglich vom Finanzamt nicht kassiert werden. Danach ist eigentlich eine sogenannte Totalgewinnprognose zu erstellen, d.h. kommt von Beginn der Tätigkeit bis zu deren Einstellung insgesamt ein Gewinn raus.

  • Naja die Schleuder wirst su aber nicht über 20 Jahre sondern über 3 Abschreiben. Steuerliche Abschreibung ist nicht gleich Nutzungsdauer.

    So leider nicht ganz richtig. Wenn die Angaben hier Abschreibung imkerliche Geräte korrekt sind, ist der Anschaffungspreis bei der steuerlichen Gewinnermittlung auf 20 Jahre zu verteilen.


    Kleiner Nachtrag noch: wenn man auf die Durschnittsatzbesteuerung verzichtet, ist man daran meines Wissens für drei Jahre gebunden.

  • Steuerliche AfA hin oder her - der Verlust aus dem "Nebenerwerb (Hobby)" wird die Steuerlast des Haupteinkommens bestenfalls marginal kompensieren. Der Aufwand, das alles zu erfassen, zu belegen, mit dem FA zu erstreiten etc. ist es kaum wert, solange es Hobby bleibt, sprich < 30 dauerhafte Völker. Bei bis zu 70 Völkern gibt's ja die Pauschalsteuer.


    Wenn man ein Hobby betreiben möchte, steht man dazu und kann es auch finanziell tragen; es kann ja zwischen einem und 30 Völkern flexibel angepasst werden. Daraus ein Steuermodell machen zu wollen, durchschaut jeder Finanzbeamte...


    Mein Tip: Kaufe eine für 10 - 20 Völker passende Schleuder, erweitere sukzessive die Völkerzahl und wenn die Begleitinvestitionsabschreibungen den Rohertrag deutlich übersteigen, sprich mal mit einem Steuerfachmann.


    Viel Erfolg!

  • Du musst halt wissen wo Du hin willst.

    Wenn es absehbar keine Lebensgrundlage werden soll, dann wirst Du erst mit dem Aufwand, dann mit dem Finanzamt keine Freude haben. Und das mit Recht.

    Darum kannst Du ja dann einen Mischsteuersatz von 10,7 % ausweisen und darfst dieses Geld auch behalten, im Gegenzug dann keine 19 % Vorsteuer zurück holen.

    Wenn es groß werden soll, dann wirst Du nach 4 Jahren eine große Steuerprüfung bekommen und wirst genau darlegen müssen, wie und wann Du in die Gewinnzone kommen willst. Bis dahin wird Dir das ziemlich sicher noch nicht gelungen sein. Kannst Du das dann auch für die Zukunft nicht glaubhaft machen, dann steht eine ordentliche Rückzahlung an, incl. (ich meine) 8% Zinsen.

    Von mir auch, viel Erfolg.

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.

  • (bis 30 Völker keine Steuern, von 31-70 Völker pauschal € 1.000 als Gewinn), dann muss man zumindest eine einfache Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG erstellen.

    Bitte nicht vergessen: es gibt auch die Möglichkeit eine größere Völkerzahl auf mehrere Leute zu verteilen um im 'Hobby-Bereich' zu bleiben. z.B. 3 Leute x 25 Völker = 75 Völker.

    Jonas

  • Hoffe nur, meine Frau muß kein Alibi vorweisen wenn ich schleudere und ich kein Alibi brauche wenn meine Frau ihre Honigräume runternimmt.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Es gibt auch die Möglichkeit, dass du noch gewisse Mengen Honig entweder zukaufst oder dich neben dem Honig breiter aufstellen möchtest (Kerzen, Cremes, Salben, Met, Honig mit Zusätzen usw.) verkaufen möchtest. Dann ist es auf jeden Fall ein Nebengewerbe. Bleibst du beim eigenen Honig und ggfs. Wachsverkauf ohne weitere Verarbeitung, wäre es hier finanzamttechnisch wenn überhaupt ein Nebenerwerb und kein Nebengewerbe. Das Gewerbe müsstest du dann nochmal gesondert anmelden und hier würde es automatisch ans Finanzamt weitergegeben werden.