Imkergerätschaften als Gemeinschatsgut (Vor- und Nachteile) / Vereinsheim oder freier Zusammenschluss von Imkern und so weiter

  • Insofern weiß man schon vorher, das die zu treffende Entscheidung in weiten Teilen 'falsch' sein wird

    Nein, das stimmt so nicht. Man kann nur die Gründe berücksichtigen, die zum Zeitpunkt der Entscheidung vorliegen. Hellsehen kann keiner. Planen schon.

    Wenn ich entscheiden soll ob ich mit zwei kleineren Schleudern arbeiten, oder mit einer etwas größeren effektiveren, dann weiß ich zu dem Zeitpunkt schon, dass die zwei kleineren (in der Regel) mehr Platz und Investition benötigen, als die eine etwas größere. Das lässt sich messen.

    Richtig ist, dass viele das nicht so dolle überlegen und es erst später wahrnehen.

    An der Stelle, wo die ganzen Geräte schon vorhanden sind

    Eigentlich zu spät für die Entscheidung, hätte man aber vorher problemlos machen können. Doch es ist selbst dann noch auszubügeln. Wenn sich die Voraussetzungen ändern, kann/sollte man auch noch mal neu überlegen.

    Die Honigschwemme kommt auch nicht ohne Entscheidung zustande.

  • Ich habe vielleicht eine Idee, warum eine solche Gerätegemeinschaft nur so selten anzutreffen ist.

    ...
    Im Grunde stehe ich da jetzt :-), vielleicht kann jemand anderes die Geschichte weitererzählen?

    Kurz: du hast ein feines Detail übersehen:

    Schlechte Erfahrungen aus andere Vereinen und "Gemeinschaften", wegen der man den sauren Apfel Mitgliedschaft soweit es sich nicht vermeiden lässt akzeptiert und sich nicht in weitere Abhängigkeit begeben will. Es muss nicht immer schlecht weitergehen, aber schlechte Erfahrungen sind nachhaltig.

  • Ich sag mal so: wenn es sich lohnen würde, würde es gemacht. Da es fast nirgendwo gemacht wird, stehen dem wohl handfeste Gründe entgegen.

    Danke, das beantwortet mir die gesamte Diskussion. :thumbup:


    Wird die Serviceleistung nicht angeboten, hat es Gründe. Und die dürften auch die Teilung von Gerätschaften immer wieder schwierig machen.

  • Nicht ganz. Wenn es das Angebot nicht gibt, kauft man eben das Zeug selbst und dann so billig wie es geht, ist doch klar. Wenn ein solches Angebot da ist, kann ich es mir verkneifen. Das Problem ist, man muß drüber reden. Damit dürften die Aktiven hier kein Problem haben, aber die haben ihren Kram auch schon 20 Jahre oder mehr.

    Ich kenne einige Imkervereine, die angesichts des drohenden Auses ihre alten Gewohnheiten geändert haben. Für manche war das schon eine Revolution, die nicht alle mitgetragen haben. Aber sie hatten Erfolg damit. Eine Schulimkerei mit den entsprechenden Gerätschaften wäre der nächste Schritt.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang, der sich, als er noch jünger war eine Scheibe warmen Leberkas auf den Arm tätowieren lassen wollte

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Wird die Serviceleistung nicht angeboten, hat es Gründe. Und die dürften auch die Teilung von Gerätschaften immer wieder schwierig machen.

    Das stimmt, aber es ist nicht das gleiche.


    Es ist ein Untrschied, ob sich zwei Imker zusammen ein Waffeleisen kaufen, um garantiert eigenes Wachs in den Mittelwänden zu haben, oder ob sich einer eins kauft und dann für einen weitern die Wände mitzumachen gegen (geringe) Bezahlung.

    Für die wirtschatliche große Anlage hat es dann wieder nicht genug Imker in der Gegend.

  • Hallo Zusammen,

    ich habe soeben die "Betriebsanleitung" von Melanie von Orlow gelesen. Sehr klar und stimmig.

    Jetzt stellt sich für mich die Frage wie sich diese Angebot (Bericht von 2016) in der Praxis bewährt hat und wie groß der Zuspruch war.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Ich habe vielleicht eine Idee, warum eine solche Gerätegemeinschaft nur so selten anzutreffen ist.

    Und wo genau steht in dem langen Text jetzt der Grund, warum das mit wenigen Leuten (grundsätzlich) nicht funktionieren kann?

    Wenn du meine vorherige Antwort gelesen hättest würdest du meine Einstellung dazu kennen, ich bin absolut pro - Kooperation, Imkergemeinschaft.

    Mit meinem Text (der übrigens nicht mich beschreibt, ich habe keinen Abfülldeckel :-) ) habe ich auf etwas lustige Art versucht den Jungimker, wie ich ihn kenne, zu beschreiben.

    Die Entscheidungen, die auf kurze Sicht getroffen werden, weil die lange Sicht ja noch gar nicht bekannt ist. Sehr wenige meiner Imkerkollegen mit mehr als 20 Völkern kannten ihren Weg zu einem Zeitpunkt als sie noch 2..3 Völker hatten. Und vor allem ist es wohl diese "Haben-Will" Einstellung, das man eigentlich alles selber, und im direkten Zugriff haben möchte, ohne jemanden zu fragen - ohne Konfliktpotential...


    Wir haben hier im Ort ein paar richtig kleine Imker, also 1..2 Völker und hier dann vielleicht einen Honigraum Ernte pro Jahr. Da funktioniert das wirklich toll. Die gehen einfach zu dem Lieblingsimker der eine Schleuder hat und nutzen die mit. Ich weiss nicht, ob sie später auch beim saubermachen helfen, oder vorher bei der Vorreinigung geholfen haben. Ich vermute jetzt mal böse, das sie die Arbeit des Reinigens gar nicht kennen, wenn ihre Rähmchen durch sind, dann müssen sie wahrscheinlich schnell nach Hause und die Kinder oder Hund brauchen sie...


    Ich habe einen Imkerkollegen, mit dem könnte ich mir glatt vorstellen eine Kooperation einzugehen, natürlich wohnt der gefühlt >50km weit weg, oder andere Gründe machen es dann schwierig (also Entfernung, Zugang, Synchronisation usw.)


    Es gibt ja durchaus ein paar Honig-Gemeinschaften. Aber ich glaube das diese nur für die gemeinsame Vermarktung gebildet werden. Da "zwingt" dann der Markt (z.B. der Rewe) die Imker ganzjährig zu einem Lieferversprechen, was der einzelne Imker nicht halten kann, aber ein Zusammenschluss schon. Hier wäre doch der beste Ansatz auch das Equipment zu teilen?

  • Ich habe vielleicht eine Idee, warum eine solche Gerätegemeinschaft nur so selten anzutreffen ist.

    Und wo genau steht in dem langen Text jetzt der Grund, warum das mit wenigen Leuten (grundsätzlich) nicht funktionieren kann?

    Das ist doch nur eine vollkommen unnötige Sperre im Kopf, wenn man Zusammenarbeit gar nicht erst in Erwägung zieht. Bei fast allen, dort beschriebenen Entscheidungen, gab es die Option ja wohl gar nicht. Warum nicht?

    Die Nachteile werden hier abgespult ohne lange nachzudenken. Die hat jeder parat. Dass man Klagen über Platz- und Geldmangel, Genörgel des Partners, Zeitverschwendung... abmildern könnte, fällt unter den Tisch.

    Es ist nicht in Ordnung die Waage nur auf einer Seite zu beladen, während auf der anderen Seite die Gewichte daneben auf dem Tisch stehen bleiben. Sie stehen aber da auf dem Tisch.

    Na ja, dem Grunde nach ist das ein gesellschaftliches Luxusproblem.

    Die Allermeisten (nicht nur Imker) sind es gewohnt, dass alles genau dann und genau so, wie ich es will, ablaufen muss. Es ist einerseits schön, wenn es uns so gut geht. Aber andererseits friert es mich manchmal, wenn ich Haus für Haus, Wohngebiet für Wohngebiet hinter zwei Meter hohem Sichtschutz verschwinden sehe. Nur weil anscheinend keiner mehr Willens ist sich mit anderen zu beschäftigen oder gar zusammen zu arbeiten. Das selbe passiert in den Vereinen, einer sagt was und will Veränderungen, oft ist das nicht erwünscht und wird abgewürgt. Da gibt es Vereine mit Geld auf dem Konto um wirklich eine Imkerei einrichten zu können. Lieber bleibt es für 0,0001 % auf dem Konto liegen. Aber dafür wurde es doch angespart, damit die Mitglieder nicht jeder alles selber kaufen müssen. So einen klassischen Kompromiss finden und alle versuchen mit der Lösung zu leben, wäre in der Regel immer noch viel lohnender als die Einzelkämpfer Nummer.

    Aber in dem Moment, wo einer als Sieger heimkommen will, ist der Kompromiss tot.

    Es wird immer so sein, dass es mit dem einen oder anderen nicht funktioniert und dann jeder seiner Wege geht. Aber dass es wirklich nicht möglich sein soll, wenigstens die Hälfte der Imker zu kooperieren, das kann ich fast nicht glauben. Dass es anscheinend der weit überwiegende Teil gar nicht erst in Betracht zieht es wenigstens zu versuchen, kann ich beim besten Willen nicht verstehen.

    Aber es gibt auch Lichtblicke, ich kenne schon ein paar Beispiele.

    Wünsche eine erfolgreiche Woche

    Peter

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.

  • Vergessen wir mal das Reinigen nach dem schleudern, des. Einzelnen. Ich finde diese n Faden Interessant betreffend, zb. Faulbrut.

    Die Sporen halten sich sogar im Wachs.

    Spannend, wenn dann einer, sagen wir 20 andere derart Sporen belastet.

    Ja, eine Lösung für den kleinimker ist es, ohne Frage.

    Bis es dann einen Faulbrut Fall gib.

    Dann wird es interessant....

    Frage fünf Imker, bekomme sieben Antworten und bilde Dir die achte Meinung.

    Das sind Imker Foren...

    Keiner hat Unrecht, nur den Weg, den muss man selber finden.

    In der eigenen Lage, Höhe, Umgebung, mit der eigenen Genetik.

    Und können, oder Unvermögen.

    :thumbup:

  • Ich hab zwar keine Zahlen dazu, aber setz doch mal die Faulbrutfälle in Relation zu den imkerlichen Schleuderstätten. Es ist wie mit Corona, es ist hochinfektiös, aber wenn es nachverfolgbar ist und somit behandel- und bekämpfbar, dann ist es kein (großes) Problem. Es werden ziemlich sicher alle Akteure bekannt sein bei einem Faulbrutausbruch.

    Ich würde sogar behaupten, wenn es im Ort 30 Eigenbrötler gibt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Faulbrut Ausbruches zum einen höher und zum anderen schlechter bekämpfbar, da die Hälfte der Imker am Ort, die andere Hälfte gar nicht kennt. Die Bienen werden aber sehr wohl das sterbende Volk finden und den Honig direkt vom belasteten Volk in das eigene tragen.

    Soweit aber nur meine Meinung.

    Aus fachlicher Sicht zieht das Argument (auch meiner Meinung nach) nur, wenn einer der ersteren stark Faulbrutsporenbelasteten Honig schleudert, richtig viel als Rest in der Schleuder lässt und ein hinterherschleudernder Imker dann seinen mit diesem Honig vermischten, an die Bienen zurück verfüttert. Die Sinnhaftigkeit eines solchen tuns hat sich mir noch nie erschlossen. Erst die Konzentration macht den Ausbruch. Rähmchen mit Brut von einem zum Anderen Volk/ Imker umhängen, ja, das erhöht das Risiko. Und wie oft wird das praktiziert? Das wird selbstverständlich gemacht. Das Schleudern würde ich nicht als risikobelastet sehen. Auch nicht, wenn verschiedene Imker hintereinander ohne riesen Waschaktion die Schleuder benutzen.

    Ich habe es in einem Vorpost schon mal geschrieben, das Risiko durch Honigwasser in der Stehfalzfuge der Schleuder usw. von einer kurz nach dem Putzen weiter verwendeten Schleuder, wird um Welten wahrscheinlicher Deinen Honig zum Gären bringen als die ungeputzte die Faulbrut in Deine Völker. Schmutziges Equipment putzen? Ja, selbstverständlich! Aber fünf Imker mit je 3- 15 Völkern an einem Wochenende nacheinander die selbe Tracht schleudern, ohne putzen?

    Ja, auch selbstverständlich. (Wohl nicht nur meiner Meinung nach).

    So, jetzt dürfen die Reinraumschleuderer wieder ran. Ich hör sie schon die Messer wetzen...

    Grüße

    Peter

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.

  • Freebee16 Gut zu Wissen dass sich die AFB nur im eigenen Stock oder beim Schleudern verbreiten kann. Wird im Internet zwar nicht so beschrieben (oder ich habe es überlesen), aber gut zu Wissen. Und wenn's doch andere Kontakte zwischen den befallenen Bienen und anderen geben sollte außer dem Honig Schleudern? Aber das wäre wohl undenkbar.

    Schöne Grüße und ne schöne neue Woche

  • es sollte selbstverständlich sein, das jährlich Futterkranzproben gezogen werden, wenn man mit anderen Imkern zusammen arbeitet.

    Das wird in vielen Vereinen bei der Geräteleihe verlangt. Und wird auch teilweise von Vereinen übernommen (zB eine 6er Probe oder abwechselnd im Rahmen vom Flächenmonitoring ganze Stände kostenlos). Das ist sinnvoll angelegtes Geld.


    Zum Verkauf von Weiseln/Völkern/Kunstschwärmen und Wanden/Belegstellen ist sowieso die teurere Seuchenfreiheitsbescheinigung/ Gesundheitszeugnis vom Vet.amt erforderlich.


    Kommt es zum AFB-Ausbruch/Sperrgebiet muß der Veterinär sowieso den Transport vom Material absegnen, da muß das Hygienekonzept vom gemeinsamen Schleuderraum sicherlich auch angepasst werden, genauso wie es jetzt durch die Corona- Kontakt-Vorschriften eingeschränkt wurde.


    PS: zu Faulbrut gibt es einige Dissertationen und auch die Vorträge von Guido Eich und die BSV-Ausbildungen...