Buckfast auf Zander? Und dann noch nach Dr. Liebig?

  • Hallo,


    ich bin bisher noch kein glücklicher Bienenbesitzer, will aber gern anfangen. Von den Büchern hat es mir besonders Liebigs "Einfach imkern" angetan. Nun lese ich hier im Forum immer wieder Beiträge, in denen Imker(innen) von Buckfast schwärmen (weil die kaum schwärmen :)), vor allem aber von deren Sanftmut. Jetzt scheint da so ein Dogma "Buckfast nur auf Dadant" zu bestehen, kann mir jemand sagen, warum? Gibt es eine genetische Vorliebe von Buckfastbienen für Dadantbeuten und von Carnica für zweigeteilte Bruträume? Oder könnte ich auch getrost Buckfast in eine Liebig-Zanderbeute einquartieren ohne gleich Katastrophen heraufzubeschwören?


    Und stechen Buckfastbienen tatsächlich so viel weniger als Carnica? Muß ich mit einer "Verschlechterung" der "Bienenqualität" rechnen, wenn ich später eigene Königinnen zöge und die einfach von meinem Stand aus auf Hochzeitsreise fliegen ließe?
    Grüße aus Witten, Johannes

  • Hallo, Johannes,
    ich hab meine Buckis auf Segebergern und werde nächstes Jahr doch auf Dadant umstellen (Teuer).
    Grund: die Arbeitshöhe! Boden+3 Brutzargen+Deckel sind schon mal fast brusthoch. Jetzt stell dir noch drei 28-kg-Honigzargen obendrauf vor und dann sag mir, wie das ohne Kran noch geht! Ich kann's dir sagen: sehr mühsam!
    Und, ja, sie sind erheblich schwarmträger und viel lieber.
    In den ersten beiden Generationen ändert sich nicht ganz viel, du mußt halt sehr genau beobachten, und nicht von "Stechern" nachziehen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ker, Sabine, das ging ja schnell!!!


    Vielen Dank! Warum hast Du eigentlich 3 Brutzargen? Ich habe bei Liebig und auch schon mehrfach anderswo gelesen, daß 2 Brutzargen eigentlich reichen sollten; liegt das daran, daß das DNM der Segeberger einen etwas kleineren Brutraum bedeutet und darum die 3. Zarge notwendig ist?


    Und das mit den drei 28-kg-Honigräumen klingt ja vielversprechend - ist Iserlohn so ein Tracht-Eldorado? :o


    Grüße aus der fast-Nachbarschaft, Johannes

  • Ich habe vor 20 Jahren ganz "ordentlich" mit Carnica aus Institutsherkünften begonnen und in Segeberger Kunststoffbeuten gearbeitet. Solange ich nur 10 - 15 Völker hatte und Schüler/Student war, ging das gut, alldieweil viel Zeit war für Schwarmkontrollen usw. Nach der Ausbildung und ein paar Jahren Berufstätigkeit beschloß ich aber, die Imkerei beruflich auszuüben und stieß da auf Buckfast und Dadant. Ein völlig anderes Imkern!!


    Meine zur Zeit 150 Völker sitzen im Brutraum auf 12 Waben und haben zu Spitzenzeiten drei bis vier Honigräume à 10 halbhohe Dickwaben zur Verfügung. Besonders starke und brutfreudige Völker benutzen manchmal auch die erste Honigraumzarge als zusätzlichen Brutraum. Ich komme ohne Absperrgitter aus, der erste Honigraum wird manchmal auf ein bis zwei Mittelwaben bebrütet.


    Ein Dogma ist das Dadantmaß nicht, Bienen kann man auch in einem Schuhkarton halten. :D Nach mehr als 20 Jahren Erfahrung tendiere ich aber dahin, das Dadantmaß und dazugehöriges Beutensystem als optimale Betriebsweise anzusehen. Dazu muß man auch wissen, daß die Imkerei in Deutschland eine ganz andere Tradition hat als schon bei unseren Nachbarn. Mein alter Imkermeister erzählte mir einst von einer Reise, die der seinerzeitige DIB-Präsident Gnädinger in den 60ern des XX. Jhdts. mit einer Imkergruppe nach Frankreich unternahm. Stolz fuhr man los, im Bewußtsein der romantischen Bienenhäuser mit den kleinvolumigen Hinterbehandlungsbeuten im Freudensteinmaß und sagenhaften 8kg-Ernten (Das galt damals wirklich als gut!) und kam völlig deprimiert wieder, weil die französischen Imker mit ihren großvolumigen Beuten über 8kg Honig nur müde lächelten....


    Was die Friedlichkeit betrifft, gibt es keine großen Unterschiede zwischen einer guten Carnica und der Buckfast. Im großen und ganzen geht die Buckfast als etwas größeres Volk über den Winter als die Carnica, was in Frühtrachtgegenden von Vorteil ist. Mit meinen Buckfastbienen (Herkunft Aumeier/Zandt - sehr zu empfehlen) arbeite ich ohne Schleier und Handschuhe und gehe regelmäßig mit Kindergartengruppen zu Führungen ran.


    Bekannt ist, daß die Buckfast sich leichter durch die Schwarmzeit lenken läßt. Soviel wie möglich bauen lassen, d.h. bei mir 50% des Brutraums und alle Honigraumwaben und gelegentlich Zellenbrechen, dann kommt man gut über die Runden. Bei der Carnica habe ich es seinerzeit oft erlebt, daß noch Völkchen auf 11 Waben schwärmen wollten.


    Als Anfänger würde ich an Deiner Stelle wirklich sofort auf Dadantkästen beginnen. Die Buckfast braucht das größere Wabenmaß, um voll loslegen zu können. Ein genetisches Erbe ist der zweiräumige Brutraum ganz gewiß nicht. Die Bienen kennen die Unterteilung in Brut- und Honigraum auch nicht. Das Wildvolk in meiner Figurenbeute hat bald 1m lange durchgehende Waben.

  • Der einzige und wichtigste Grund für die "Symbiose" Buckfast und Dadandmaß ist folgender: In Deutschland hatten die Imker Bienenkästen und züchteten dafür passende Bienenvölker; Bruder Adam als "Urzüchter" der Buckfast, hatte Bienenvölker und suchte passende Bienenkästen, den er dann mit dem 12er-Dadand gefunden hat. Kleiner Unterschied mit großer Wirkung.V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Johannes und alle miteinander!
    Mit dieser Frage habe auch ich mich im letzten Jahr beschäftigt und inzwischen die Sache praktisch erprobt. Habe im letzten Sommer F1-Buckfastköniginnen in beinahe alle Völker eingeweiselt und bin nun glücklicher Besitzer :D derselben. Bis dato haben die Völker sich perfekt entwickelt. Buckfast in Zander funktioniert.


    Noch ein paar Zahlen: Eine 12er Dadant hat im Brutraum eine Wabenfläche von ca. 2,62 qm. Im Zandermaß mit 20 Ganzrahmen haben die Bienen auf gut 3,0 qm Raum. Selbst im Zander - Brutraum mit 10 Ganzrahmen plus 10er Flachzargen (Rähmchenhöhe ca. 16 cm) sind es etwa 2,6 qm Wabenfläche. Dürfte meiner Erfahrung nach ausreichen.


    Aber... der Aufwand beim Weiselzellenbrechen (diese Großvölker haben während der Rapstracht Schwarmzellen angesetzt. Sammeln aber fleißig weiter) ist relativ groß. Du mußt 20 Waben in die Hand nehmen und kontrollieren. Da wünsch ich mir dann doch eine 12er Dadantbeute.


    Sehr interessant zu diesem Thema ist das Buch "Die Buckfast-Biene in Fragen und Antworten" von R. ZIMMER. Darin findet sich u.a. ein Erfahrungsbericht von T. PAAR der mit Buckfast & Zandermaß anscheinend erfolgreich imkert. Seehr lesenswert dieses Buch.


    Solltest Du noch Detailfragen haben; nur zu.


    Ansonsten viel Freude und Erfolg beim Einstieg


    Stefan

  • Hallo und vielen Dank für die Reaktionen.


    Stefan, eine Frage zur Schwarmkontrolle: Liebig (sorry, daß ich immer mit dem komme, aber ich finde das Buch schon beeindruckend und motivierend), schreibt, daß zur Schwarmkontrolle das Ankippen der oberen Brutraumzarge ausreicht, nur, wenn man dabei Weiselzellen entdeckt, müßten alle Rähmchen gezogen werden. Auf diese Weise würde man unterm Strich gegenüber Dadant Arbeit sparen. Wie erlebst Du das?


    Noch eine Frage, in den Dickwaben soll doch der Honig länger einen höheren Wassergehalt haben und damit anfälliger für Gärung sein. Wie sind Eure praktischen Erfahrungen damit beim Dadantimkern?


    Grüße aus Witten, Johannes

  • Ich habe keine Probleme mit einem zu hohen Wassergehalt in Dickwaben - nach Messungen noch nie gehabt. Hinzu kommt der Vorteil, daß die unbebrüteten Dickwaben einen um einiges saubereren Honig ergeben und beim Schleudern stabiler sind als die relativ großen Zanderwaben im Honigraum. Außerdem fällt es den Bienen leichter, eine Halbzarge im Frühjahr mit zu heizen. Bei Verwendung von Dickwaben brauche ich kein Absperrgitter.


    Die Schwarmkontrolle ist kein großes Thema bei mir. Schwarmauslösende Faktoren sind: Genetische Veranlagung, zu alter Wabenbau, zu alte Königin und zu wenig Platz für Brut und Honig/Pollen. Ich halte ausschließlich Buckfast, die bekanntlich schwarmträger ist als die Carnica. Es wird soviel wie möglich gebaut, jeweils der halbe Brutraum und alle Honigräume neu, ab dem dritten Lebensjahr der Königin wird bei Schwarmtriebaufkommen ein Ableger mit der Altkönigin gebildet. Das Volk behält eine Weiselzelle und für den Notfall steht der Ableger mit der Altkönigin bereit oder ein anderer Ableger mit Jungkönigin.


    So komme ich auf eine Schwarmquote von etwa 5%. Und wenn dann doch mal ein Schwarm kommt - es ist ein schönes Erlebnis und kein Grund in Panik zu geraten.

  • Bei der Entwicklung der Biene vom Ei über Larve und Puppe bis zum fertigen Imago bleiben Reste (Verdauungsrückstände, Puppenhemd etc.) in der Zelle zurück. Im Lauf der Zeit werden die Waben dadurch immer dunkler, bis sie irgendwann schwarz sind. Darüber hinaus sammeln sich auch Krankheitserreger an. Sogar der Zelldurchmesser wird kleiner.


    Aus einem weißen Rapshonig kann dadurch ein gelblicher Honig werden. In alten Imkerbüchern findet man gern noch den Hinweis, alte Brutwaben im Honigraum auslaufen zu lassen und dann als Honigraumwabe zu benutzen. Durch die Bebrütung wird die Wabe tatsächlich stabiler, da die Entwicklungsrückstände wie eine Art Stützgerüst wirken. Aber eben auch unappetitlicher...


    Ein hoher Wachsumsatz durch viel Bauen ist auch aktive Faulbrutprophylaxe und keineswegs Honigverschwendung.

  • Hallo, Klaus,


    Klar, aber wenn ich doch im Honigraum keine Waben verwende, die mal bebrütet wurden, sollte der Honig doch sauber bleiben, oder?


    Gruß, Johannes

  • Hallo Johannes!
    100%ig kannst du der Kippmethode nicht vertrauen. Eine schwarmträge Biene kann sich auch durch das Pflegen einer geringen Anzahl Schwarmzellen auszeichnen. Und diese müssen dann nicht gezwungener Maßen an den Rähmchen Ober- bzw. Unterträger gebaut sein. Sind also beim Aufklappen des oberen Magazins nicht zu erkennen.


    Viele Grüße


    Stefan Kahlert