Honig einfrieren, deklarieren

  • Die Lösung für die Frage ist doch ganz einfach.


    Schreib das LWG an und schicke den Zitierten Paragraphen von WFLP mit. Konkrete Fragestellung: wo sehen sie die Qualitätsminderung, welche die Kennzeichnung erforderlich macht.


    Evtl. kommt da ja ne Antwort wie: Durch das Einfrieren wird die Enzymaktivität vermindert, was die Kennzeichnung erforderlich machen würde.

  • Was schreibt Ihr aktuell auf Euren "Gefriertruhenhonig"?

    Die Frage suggeriert, dass das ein übliches Verfahren sei. Das bezweifle ich aber sehr. Die allerwenigsten Imker dürften ihren Honig in der Gefriertruhe aufbewahren und ehemals gefroren gelagerter Honig kaum in nennenswerte Mengen in den Markt gelangen. Viel zu aufwändig und teuer.


    Ansonsten sehe sehe es wie WFLP.

    in physikalischem Sinne bedeutet "aufgetaut": eine gefrorene Flüssigkeit, also ein Feststoff, wird beim Auftauen flüssig. Das trifft aber hier nicht zu, weil Honig in haushaltsüblichen Gefriertruhen nicht gefriert.

    Kristallisierter Honig entspricht physikalisch dem Eis beim Wasser. Honig gefriert halt schon bei +-20°C. Da hat jeder Stoff so seine typischen Gefrierpunkte, Glas z.B. bei irgendwo über +1000°C, Quecksilber irgendwo bei -38°C. Du bestätigst das ja, indem du schreibst "Honig in ...Gefriertruhen nicht gefriert", d.h. kristallisiert.

    Auch das "imkerliche Auftauen" kann nicht gemeint sein. Das wäre kristallisierten Honig durch Erwärmung verflüssigen, was hier auch nicht zu trifft.

    Insofern wäre Verflüssigen von kristallisiertem Honig durch Wärmezufuhr genau das, was es bei Eis auch ist: Auftauen. Der imkerliche Begriff trifft es daher in meinen Augen auch physikalisch genau. Nur wenn man den Begriff "Gefroren" mit auf "unter 0° C" einengt, wäre es falsch.

    Weil nun aber das Verflüssigen von festem Honig ein fachlich typisches Verfahren ist und nicht gekennzeichnet werden muss, ist das ebenfalls schon ein Hinweis darauf, dass das Einfrieren beim Honig nicht unter die Kennzeichnungspflicht fallen sollte, weil bei Honig "das Auftauen keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheit oder Qualität des Lebens­mittels hat". Von übermäßig starker oder langer Wärmezufuhr mal abgesehen.


    Warum die Bayerische Landesanstalt hier dennoch ein Problem sieht, sollte man dort mal nachfragen, wenn man sicher gehen will. Auch dort arbeiten nur Menschen, die Fehler machen können oder aber sie haben Gründe für ihre Meinung, die wir hier bisher nicht berücksichtigen.

  • Evtl. kommt da ja ne Antwort wie: Durch das Einfrieren wird die Enzymaktivität vermindert, was die Kennzeichnung erforderlich machen würde.

    Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein. Bei den üblichen Lagertemperaturen leiden die Enzyme sicher mehr. Die Enzymaktivität wird beim Einfrieren nur temporär vermindert. Der Honig wird ja nicht gefroren verkauft oder verzehrt.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Konkretes Problem: Ich weiß nicht, was ich auf den Honig schreiben soll. Hab schon ein paar Gläser als "aufgetaut" verkauft, was den Käufer irritiert hat. Wohl auch meine Erklärung, dass der Honig zwar im Gefrierschrank war, aber nie gefroren.


    Ich will Honigkunden nicht betrügen, aber "aufgetaut" ist ein sehr unglücklicher Begriff. Gibts da nicht was besseres?


    Das LWG zu befragen könnte helfen. Aber eine schnelle und hilfreiche Antwort erwarte ich da nicht unbedingt.

  • Das LWG zu befragen könnte helfen. Aber eine schnelle und hilfreiche Antwort erwarte ich da nicht unbedingt.

    Dann ruf Herrn Müller-Engler an, der ist für Mittelfranken der zuständige Fachberater

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • Ich glaube mich dunkel daran zu erinnern, dass "aufgetaut" verwendet werden muss, wenn es sich auf die Qualität auswirkt, es also einen Unterschied zwischen niemals gefrorener Ware und zwischenzeitlich tiefgekühlter Ware gibt. Das dürfte auf Honig nicht zutreffen. Mit diesem Argument wurde in meiner Erinnerung gerechtfertigt, dass Butter diese Kennzeichnung nicht haben muss, wenn man Weidemilchbutter in Blöcken einfriert, um sie ganzjährig anbieten zu können.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Das LWG zu befragen könnte helfen. Aber eine schnelle und hilfreiche Antwort erwarte ich da nicht unbedingt.

    Dann ruf Herrn Müller-Engler an, der ist für Mittelfranken der zuständige Fachberater

    Dann bitte auch gleich fragen ob das auch für Honig gilt, der auf dem Weihnachtsmarkt einen Tag bei Minustemperaturen gestanden hat.

    Gruß Bernd http://www.hommel-blechtechnik.de

    "Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel."

    (Bertrand Russel, englischer Philosoph und Mathematiker 1872 - 1970, Nobelpreis für Literatur 1950)

  • Dann bitte auch gleich fragen ob das auch für Honig gilt, der auf dem Weihnachtsmarkt einen Tag bei Minustemperaturen gestanden hat.

    Nein, bitte nicht nur auf einen Tag beschränken, meiner stand auch schon mal drei Tage in Folge bei < -10°C im Marktstandlager ;-)

  • Ich glaube mich dunkel daran zu erinnern, dass "aufgetaut" verwendet werden muss, wenn es sich auf die Qualität auswirkt, es also einen Unterschied zwischen niemals gefrorener Ware und zwischenzeitlich tiefgekühlter Ware gibt. Das dürfte auf Honig nicht zutreffen. Mit diesem Argument wurde in meiner Erinnerung gerechtfertigt, dass Butter diese Kennzeichnung nicht haben muss, wenn man Weidemilchbutter in Blöcken einfriert, um sie ganzjährig anbieten zu können.

    DAS war das Argument, mit dem hier auch schon vor zwei oder drei Jahren im Forum eine Deklaration verneint wurde. Ich ging und gehe davon aus, das eine Tiefkühlung von Lebensmitteln immer anzugeben ist, weil es im Gesetz so steht. Die Einschränkung, dass man keine Veränderung wahrnimmt, würde ja auch bei Garnelen, Gänsen, Rindfleisch und anderem gelten, die man ja nicht erneut einfrieren soll. Und auch da wird es immer angegeben, schon in den Prospekten ist es vorgeschrieben. Nur bei Eiscreme wäre es offensichtlich!


    Auch wurde ich - als ich das mit der feinen Kristallisation einmal mit einem Eimer bei einem professionellen Gefrierkostanbieter im Kühlraum getestet habe, gleich bei der Kontaktaufnahme darauf angesprochen, dass ich das ja dann kennzeichnen müsste. Oder die Teiglinge. die er anbietet, die verschlechtern sich ja auch nicht in der Qualität, weil sie gefroren sind - im Gegenteil, die werde ja erst so haltbar!


    Anders könnte es sein, weil sich Honig durch den Zucker und Butter durch den Fettgehalt ja keine Eiskristalle so verändern, wie andere Lebensmittel mit hohem Wassergehalt.

  • Hi,


    vor diversen Jahren war ich in der Lebensmittelbranche tätig und dort wurde gesagt


    das Ware die im Zuge der Verarbeitung gefroren war, nicht als aufgetaut deklariert


    werden muss. Beziehen wir das auf den Honig, kann man es ggf. so drehen das er halt


    in diesem Zuge gefroren wird, um ihn flüssig abfüllen zu können.


    Aber für mich wäre das ganz dünnes Eis. Und eine Aussage zur Qualitätsminderung


    können wir ohne Labor kaum treffen. Da dürften sich die Kontrolleure eher an die


    Aussagen der Institute halten, als an unsere.


    Gruss Joachim

  • Das LWG zu befragen könnte helfen. Aber eine schnelle und hilfreiche Antwort erwarte ich da nicht unbedingt.

    Dann ruf Herrn Müller-Engler an, der ist für Mittelfranken der zuständige Fachberater

    Eigentlich eine gute Idee, er hat mir auch früher schon mal geholfen. Allerdings dürfte er sich schwer tun, was anderes zu sagen, als in einer offiziellen Broschüre seines Arbeitgebers steht.

  • Lagere ein Glas Honig 14 Tage bei minus 20 Grad. Bringe es danach auf Umgebungstemperatur und schicke es an ein Labor zur Qualitätsanalyse. Wenn im Untersuchungsbericht nichts über unsachgemässe Lagerung erwähnt wird, können wir diese Diskussion zu Grabe tragen.
    6 Glas nicht „gefrorener“ Honig von mir, wenn da eine Beanstandung kommt.


    Gruss

    Ulrich

  • Lagere ein Glas Honig 14 Tage bei minus 20 Grad. Bringe es danach auf Umgebungstemperatur und schicke es an ein Labor zur Qualitätsanalyse. Wenn im Untersuchungsbericht nichts über unsachgemässe Lagerung erwähnt wird, können wir diese Diskussion zu Grabe tragen.

    Hallo Ullrich,


    ich bin völlig bei Dir, dass der Honig dadurch nicht schlechter werden muss.

    Dein Ansatz könnte aber als "So lange es eh keiner merkt, ist es ok!" verstanden werden. Dann wäre auch eine Trocknung und beimischen von chinesischem, pollenbefreitem Honig ok, weil es keine Beanstandung gäbe? Ich weiß, das ganz andere, böse Extrem... Es geht mir ja auch nicht darum, Imkern zu unterstellen, dass sie den Honig damit schädigen, sondern um eine klare Auskunft, ob es nicht angegeben werden MUSS.


    Ein Kennzeichnung macht ja gerade dann Sinn, wenn man es sonst nicht feststellt. Blaue Gummibärchen brachen eigentlich nicht den Hinweis, dass sie gefärbt sind, dennoch ist es aus guten Gründen genau anzugeben....