Vespa velutina / Asiatische Hornisse

  • ...hier in der Region wurden 2014 wohl die ersten Einzelexemplare der VV gesichtet, 2017 in Karlsruhe die ersten Nester, 2018 in Baden-Baden und Umgebung die ersten Nester. Trotzdem scheint sie sich nicht in dem Maß auszubreiten wie an anderen Orten (z.B. Jersey), es scheinen nach wie vor einzelne Nester zu sein. Und ich kenne niemanden, der/die Probleme damit bei den Bienen hatte. Gibt es vielleicht andere Bedingungen (Klima, Vegetation...), die das beeinflussen?


    Beste Grüße,

    Thanaidh

  • ... Unterscheidungsmerkmal die Einflugöffnung.

    IdentMerkmale VV

    Das ist auf jeden Fall eine Hilfe, falls man völlig unsicher sein sollte. Allein schon das Nest und die Unterscheidung über das Einflugloch sind gut Hinweise.


    Was mir schon häufiger negativ aufgefallen ist, anderen scheinbar nicht, ist die Größenangabe zur zur Crabro:

    Auch auf diesem Infoblatt ist sie wesentlich kleiner angegeben, als sie in der Natur tatsächlich vorkommt. Dadurch können wiederum Unsicherheiten und ggf. "Panikanfragen" verursacht werden, wenn denn mal so ein richtiger Brummer ins Sichtfeld kommt. Die Größenangabe stimmt einfach nicht, die Cabro ist fast doppelt so groß, wie auf dem Infoblatt!

    Es sei denn, dass ich bei mir noch eine andere Unterart im Revier habe, die sind ohne Übertreibung mindestens 30-40mm lang mit 7-9mm Rumpfdurchmesser - es werden wohl kaum nur Königinnen unterwegs sein. Oder wird als Körperlänge nur der Hinterleib angegeben?


    Gruß Andreas

  • Moin Andreas,


    Größenangaben beziehen sich auf getrocknete Sammlungstiere, und die sind bei Hymenopteren abdominal deutlich kürzer, als die lebenden und zumal aktiven Tiere.

    Das mögen die Entomologen nicht recht wahrhaben und zeihen den Laien der Überschätzung.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Aktuelles Interview (22.2.2020) zur Vespa velutina mit Dr. Christian Schmid-Egger

    Hab da mal kurz reingehört, und einen Teil davon kurz festgehalten...


    "Googelt man das Tier findet man viel Panikmache: Die Asiatische Hornisse frisst unsere Bienen, heißt es. Sie verdrängt einheimische Arten. Sind Hornissen die gefährlicheren Wespen, oder ist das alles nur Fremdenhass? ...


    ... hmm, ja, in dem Fall kann man es auf Fremdenhass buchen, die... man muss dazu wissen, dass auch die normale europäische Hornisse ernährt sich von Honigbienen. Sie ernährt sich darüber hinaus von ganz vielen anderen Insekten, auch von Wespen, diesen klassischen Kuchenwespen, die im Sommer um den Grill und Kuchen herum fliegen, ist auch Futter der Hornisse. Und die Asiatische Hornisse hat eine ziehmlich ähnliche Lebensweise, und frisst genau dasselbe ... aber es ist wissenschaftlich zumindest noch nicht belegt, dass sie einen größeren... oder einen Schaden anrichtet bei den Honigbienen. Allerdings wird gerade in Frankreich sehr viel Panik von den Imkern gemacht, doch da geht's wie immer ums liebe Geld, weil die wollen natürlich Fördermittel, wollen Unterstützung, und behaupten einfach diese Hornisse rottet ihre Bienen aus, aber wissenschaftlich ist das überhaupt nicht belegt. Die Art ist ganz im Gegenteil, auch gegenüber Menschen, sehr friedfertig."


    Das Interview dauert insg. gut 5 Minuten. - Soweit die Deutsche Wildtierstifung.


    :/:/:/... mit anderen Worten: Liebe Imkers, netter Versuch! Aber leider persönliches Pech. - So ein Asiatisches Tier frisst auch nichts anderes, oder mehr als eine Einheimische Hornisse. (Und die VV wäre genauso nützlich wie die VC, klingt durch das Interview.)


    Das ist ein mögliches Bild, dass in die Öffentlichkeit getragen wird.

  • Ich finde genauso schade, dass er am Schluss die Frage, was der Bürger dann tun solle, wenn er Nester im Schuppen findet, so falsch beantwortet. Hier erwähnt er nur die großen Nester in den hohen Bäumen. Eigentlich sollte er wissen, dass diese in der Regel die Sekundärnester sind. Die Primärnester finden sich ja durchaus in Schuppen und Unterständen in erreichbarer Höhe, und man sollte sie auf alle Fälle nach genauer Artbestimmung vernichten. So wird suggeriert alle Hornissen in Schuppen wären die einheimischen, die ja geschützt sind.


    Viele Grüße

    Meike

  • Zuständig für die Vernichtung wäre wenn überhaupt irgendeine offizielle Stelle (Umweltamt, Naturschutzamt...)- und nur die würde ich informieren und handeln lassen wenn ich als Laie ein verdächtiges Nest entdecke.

    Was glaubt ihr was ich alles an Bildern bekommen habe als die Meldung aus Hamburg kam...und durchweg war was anderes drauf! Die Leute können nicht mal Biene und Wespe auseínanderhalten! Daher gibt es auch nur die Empfehlung in diese Richtung von mir...die Behörde sollte wissen, was sie tut und bevor Laien dann "normale" Hornissennester in gutem Glauben platt machen...


    Herzliche Grüße

    M.

  • Ich glaube, dieser Mensch ist nicht richtig informiert oder er fühlt sich verpflichtet, die Sache kleinzureden.

    Sind denn die vielen Videos keine Beweise. Vielleicht denken solche Leute, wenn die Beweise nicht von Wissenschaftlern und Titelträgern gemacht wurden, gilt das nicht.

    Wenn 'zig V. velutina vor den Beuten patrouillieren und sich Bienen schnappen..., dann sind sie bestimmt ebenso harmlos, wie die ersten Varroen, als sie sich Anfang der 1980er bei uns ausbreiteten.

  • Ich sehe das genau anders herum: Ein Zoologe sieht die Sache garantiert objektiver und fachlich solider als aufgeregte, französische Laien die zufällig Imker sind.


    Für den Durchschnittsfranzosen sind meiner Erfahrung nach Umwelt,- Natur- und Artenschutz nichts als eine deutsche Spinnerei und völlig überflüssig. Hornissen und Wespen sind für die nichts als Schädlinge, egal welche.


    Und ich brauche nur mal an mich selbst und meine Gefühle denken, als in meinen ersten Imkerjahren Meisen, Schwalben und Hornissen rund um meine Bienenkästen gejagt haben. Obwohl ich aufgrund meiner außerimkerlichen Ausbildung WUSSTE, dass das nicht viel ausmachen KANN, hat es mich gestresst. Was wohl passiert dann mit Leuten, die bezüglich biologischer Zusammenhänge völlig unbeleckt und desinteressiert sind, abgesehen von ihrem Imkerwissen?


    Die größte Gefahr durch VV besteht in meinen Augen momentan darin, dass im Zuge einer panisch-fehlgeleiteten Bekämpfung die heimische Hornisse als Kollateralschaden untergeht, während VV vermutlich nur gebremst wird.


    Bekämpfung ja und unbedingt, aber bitte nicht durch aufgehetzte, wütende Imker! Und ich habe gerade das Gefühl, dass einige Leute jetzt auch in Deutschland anfangen, das Thema negativ hochzukochen.


    Ich empfehle auch den Abschnitt "Berichterstattung in den Medien" ganz unten auf der Seite. Beachte auch das Zitat eines !französischen! Imkers dort.

  • Hallo,

    So langsam wird es mir doch zu dumm, wie Vv von einigen verniedlicht wird. Wieso setzen sich die verharmlosenden Besserwisser -bisher vom auch nur kleinsten Schaden verschont- nicht ein, dass schleunigst die Wickipedia-Seite neu geschrieben wird. Dort ist bis dato auf Deutsch übersetzt zu lesen unter dem Kapitel

    Wirtschaftliche und ökologische Folgen:

    Diese Hornisse greift hauptsächlich die Arbeiterbienen von Stöcken der europäischen Art Apis mellifera an.

    Die Auswirkungen dieser Art auf Bienenstöcke oder Wildbienenpopulationen sind inzwischen deutlich erkennbar. Es wird jedoch kein europäischer Kontrollplan umgesetzt. Die Wirksamkeit der Kontrollpläne ist daher je nach Reaktionsfähigkeit oder mangelnder Reaktionsfähigkeit der lokalen Behörden variabel...

    Bitte auf dem Teppich bleiben. Danke.

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Ganz unabhängig davon, was in Interviews oder in der Presse so alles gesagt wird: Die rechtliche Regelung ist eindeutig und sogar zwingend nach VO/EU 1143/2014: Vv ist dort als invasive Art eingestuft. Deshalb ist sie in jedem Falle zu bekämpfen und zwar durch "schnellstmögliche Beseitigung" (Zitat Zf. 24).

    In Europa gibt es bereits mehrere Beispiele, daß das auch funktioniert, resp. die Invasion erfolgreich beendet, abgewehrt werden kann. Das ist lediglich eine Frage, mit welcher Konsequenz dabei vorgegangen wird und ob die verfügbaren Kräfte dafür auch mobilisiert werden.. Verharmlosen und auf Zeit spielen - mit welchem Argument auch immer - macht einen Erfolg der Invasion nur wahrscheinlicher bzw. erhöht den Bekämpfungsaufwand expotentiell bis zur Unmöglichkeit.

    Warum nicht jetzt alle diejenigen schon einbinden, die von Berufs wegen oder im Hobby öfters in die (derzeit noch nicht belaubten) Baumkronen schauen (Forst, kommunale Bauhöfe bei Verkehrssicherungsüberprüfungen des örtlichen Baumbestandes, Fachverbände, Imkervereine etc.) und zur Meldung von Sichtungen von Nestern oder einzelnen Exemplaren der Vv animieren, dazu Informationsblätter wie z.B. HLNUG oder StUA Aulendorf verteilen usw.?

    https://www.hlnug.de/themen/na…zen/arten-melden/hornisse

    http://www.stua-aulendorf.de/p…t_Asiatische_Hornisse.pdf

    Damit keine Meldung verloren geht bzw. zur automatischen Beifügung der Geodaten des Fundortes kann jeder Finder eine Eintragung im Melderegister des HLNUG vornehmen und dazu selbstverständlich noch seine örtlich zuständige Behörde informieren/auf ihre Bekämpfungspflicht hinweisen:

    https://meldeportal-hessen.mul…spx?ID_Art=1051572&Type=M

    Zwar ist das Melderegister bundesweit nutzbar, aber leider haben sich die Behörden noch nicht soweit abgestimmt, daß die nicht-hessischen Meldungen an die Behörde des betreffenden Fundortlandes weitergeleitet werden. Da müssen die zuständigen Verwaltungen ggf. ein wenig aus ihrem selbstvergessenen Dämmern geweckt und zum Jagen getragen werden.

    Wir Imker bzw. unsere Völker sind leider die Hauptbetroffenen im Invasionsfall. Wir sollten uns daher entsprechend intensiv und jeweils vor Ort selber darum kümmern, möglichst viele Beobachter zu gewinnen und im Falle von Funden ein effektives und schnelles Eingreifen/Vernichten initiieren. Die gegenwärtigen Baumkontrollen sind eine hervorragende Gelegenheit, die i.d.R. augenfälligen großen Nester in den unbelaubten Baumkronen ausfindig zu machen, zu melden und zu fotografieren. Im Frühjahr ziehen dann u.U. mehr als 300 Jungköniginnen/Volk aus, um zunächst kleine Singularnester zu gründen – zumeist in geschützten Bereichen wie die Europäische Hornisse auch (Dachvorsprünge, Schuppen, Dachböden etc.). Später im Frühjahr dann ziehen die Jungvölker in inzwischen belaubte Baumkronen um und bauen dort dann die bis zu 1 m großen Sekundärnester. Ab sofort sollte also gelten:

    - Augen auf und Suchen nach den großen Nestern und nach den dunklen Hornissen mit den gelben Beinen!

    - Mitsucher gewinnen!

    - Funde schnellstmöglich melden und auf sofortige Bekämpfung bestehen!