Nur starke Völker einwintern! Wie genau?

  • Können wir mal die wichtigsten Anhaltspunkte und Vorgehensweisen für die Herbst-Völkervereinigung sammeln? Es sollte ja im Interesse jedes Imkers sein, nur starke Völker in den Winter zu schicken. Aber was heisst «stark»? 10.000 Bienen oder mehr? Wann soll die Beurteilung erfolgen? Und wie legt man ganz konkret am besten Völker zusammen? Brutnest an Brutnest oder Brutnest möglichst weit vom andern Brutnest entfernt? Je mehr Gedanken ich mir zu konkreten Details (Zeitpunkt, Beurteilungskriterien, Vorgehensweise) mache, umso unsicherer werde ich.


    Auch wenn hier eine kleine Sammlung an Erfahrungen und bewährten Vorgehensweisen sicher in allgemeiner Weise hilfreich wäre, noch kurz zu meinem Hintergrund: Nach einem schwierigen letzten Jahr habe ich nur Völker eingewintert, die nach den allgemeinen Kriterien als einwinterungswürdig zu qualifizieren waren. Ich hatte keine Winterverluste, aber die Völker waren echt nicht stark, um es mal zurückhaltend zu formulieren. Sie benötigten in der Folge dann die Frühtracht (die dieses Jahr sehr früh kurz vor Ende April mit einem Schlag zu Ende war), um das zu erreichen, was ich Trachtstärke nennen würde. Es gab also kaum Frühtrachthonig zu ernten. Nun habe ich mir eine Maximalzahl an Völkern, die in den Winter gehen sollen, festgelegt, aber kein Minimum. Ich könnte also theoretisch aus 3 mach 1 machen, wenn ich wüsste, dass die 3 alle zu schwach, das 1 aber sicher frühtrachtreif sein wird. Nur tue ich mich jetzt mit der Beurteilung und dem Vorgehen etwas schwer. Der Theoretiker halt … ;)

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Hängt sehr mit der 'richtigen' Biene zusammen. Eine Biene, die max. brutstark ist und mit riesen Völkern einwintert, aber dann keinen Brutstopp einlegt, die kommt ggf. als Häufchen Elend aus dem Winter. Im Gegensatz dazu eine Biene wie z.B. mit Anatolierblut, wo Du den ganzen Winter denkst, die sei tot, die aber dann aufgeht wie Hefeteig und marschiert. Deswegen, so pauschal kann Dir das keiner sagen ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich sprech beim Imkern viel mit mir selber.

    Wenn ich im Oktober nochmal kurz in die Kiste schau, und es kommt ein 'Oh' aus meinem Mund, dann muss ich überlegen zu vereinigen. Wenn ich die Kiste aufmach und es kommt ein 'Oho' - dann ist das stark genug.

    Beachte aber: 'Oho' braucht doppelt so viel Futter wie 'Oh'.

    Viele 'Oho' bringt dir nichts, wenn die dann ab März auf Sparflamme Brüten, weil das Futter fehlt. Da wird aus 'Oho' dann schnell 'Oh'...

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • Wer nur Frühtracht hat, sollte Völker mit 25.000 Bienen einwintern, wer aber das ganze Jahr Tracht hat, dem sollten 10.000 Bienen genügen, dann ist es mit dem Schwarmdruck Etwas entspannter. Wobei es auch hier Völker gibt, die früh ihren Höhepunkt erreichen. Am besten man hat gesunde Völker mit guten Königinnen, das ist wichtiger als die Einwinterungsstärke. VG Jörg

  • Ich sprech beim Imkern viel mit mir selber.

    Wenn ich im Oktober nochmal kurz in die Kiste schau, und es kommt ein 'Oh' aus meinem Mund, dann muss ich überlegen zu vereinigen. Wenn ich die Kiste aufmach und es kommt ein 'Oho' - dann ist das stark genug.

    Beachte aber: 'Oho' braucht doppelt so viel Futter wie 'Oh'.

    Viele 'Oho' bringt dir nichts, wenn die dann ab März auf Sparflamme Brüten, weil das Futter fehlt. Da wird aus 'Oho' dann schnell 'Oh'...

    Das rahme ich mir ein!

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré klassisch, aktuell 6 Völker

  • Bei meiner Schwarmbienenhaltung habe ich im Herbst mehr Völker, als das ich in die Frühtracht/Saison mitnehmen möchte.

    Im Oktober, wird nur vereinigt, was wirklich zu schwach ist,(5 Wabengassen Schweizerkasten) was selten der Fall ist.

    Im Frühjahr, entscheide ich dann welches Volk, mit welchem vereinigt wird, bis zur gewünschten Anzahl Völker.

    Dies mache ich, je nach Wetter, etwa 10-14 Tage vor der zu erwartenden Frühtracht. Dazu entweisle ich das aufzulösende Volk, und lasse es noch etwa 10-15Min am Licht im Wabenknecht hängen. Danach Brut an Brut vereinigen.

    So kann ich die Frühtracht mit verstärkten Völkern besser nutzen.


    Aber auch da gillt: Umso stärke aus dem Winter, umso besser, kann die Frühtracht genutzt werden.


    Lg Sulz.

  • Es ist ja nicht ganz unwichtig wie die Bienen in der Kiste entstanden sind. Eine rappelvolle Kiste abgearbeiteter Arbeitsbienen bringt dir nicht sehr viel. Die bauen schneller ab als du kucken kannst.

    Ich versuche die Völker ab Juli etwa noch zur Jungbienenaufzucht in möglichst großer Anzahl zu bewegen. Viele übliche Arbeitsweisen sind dazu geeignet.

    TBE mit ständiger guter Futterversorgung für den Kunstschwarm. Teilen und Behandeln. Ableger, wenn sie nicht zu klein sind.

    Feste Zahlen sind schwer zu sagen. Pias Mindestmenge von 5000 Bienen ergeben im Frühjahr kein trachtreifes Volk. Mit etwas Glück kommen sie über den Winter. Ich versuche im Oktober eine gut volle Zanderkiste mit jungen Bienen einzuwintern. Es geht auch noch größer.

  • Ich sprech beim Imkern viel mit mir selber.

    Wenn ich im Oktober nochmal kurz in die Kiste schau, und es kommt ein 'Oh' aus meinem Mund, dann muss ich überlegen zu vereinigen. Wenn ich die Kiste aufmach und es kommt ein 'Oho' - dann ist das stark genug.

    Beachte aber: 'Oho' braucht doppelt so viel Futter wie 'Oh'.

    Viele 'Oho' bringt dir nichts, wenn die dann ab März auf Sparflamme Brüten, weil das Futter fehlt. Da wird aus 'Oho' dann schnell 'Oh'...

    Hahaaaa ! Sehr geil !


    Manchmal rutscht auch mir ein OHAAAA ?! raus.

    Sind aber oft andere Zusammenhänge .....

    Meist hier im Forum !

    ^^

  • Ein Schema mit ultimativen Limits wird schwierig werden. Was im Oktober gerade mal 5 DD-Waben besetzt ist grenzwertig schwach. Die kommen aber auch über den Winter, wenn's 'ne Carnica ist; ob die zur Frühtracht jedoch stark sind, steht dahin. Es gibt aber solche, die klein überwintern und im frühen FJ sehr dynamisch aufbauen. Weiß man bei neuen Kö's eher nicht, gerade dann, wenn sie erworben wurden...


    Die kann man verteilen, wenn die Kö' raus ist. Dabei hänge ich Waben mit Bienen ohne Brut an den Rand vorhandener Völker. Brutwaben kommen an den Rand des BN beim Empfängervolk.


    Hier (!) sitzen sie per Okt. meist auf 7 - 8 DN1,5 / DD-Waben; besonders junge, spät begattete Kö's zeigen bei guter Versorgung was sie können und legen größere BNer an. Die sind dann auch im FJ sehr gut.


    Wie Berggeist schon schreibt, fördert eine TBE im Juli den Aufbau größerer Brutfelder, was sich bis zum Oktober bemerkbar macht. Auch mit mehrmaligen Futterstaffeln kann man steuern - nicht zuviel auf einmal, besser 3 - 4 Gaben zwischen Juli und Sept.


    Zumeist ist eine Vereinigung geplant (Tub) oder zwangsläufig wg. später Umweiselung und unzureichender oder fehlender Begattung, wegen zu kleiner Einheiten oder oder oder.


    Habe z. B. gerade einen Kandidaten, der umweiselt (2 mittige große WZ), obwohl die Kö' letztjährig mit SBA gezogen wurde und tadellos gearbeitet hat - alles schick. Sie wollen aber 'ne Neue! Bin gespannt, ob die noch begattet wird...

    Wenn das noch klappt, wird die bis Okt. / Nov. viel Brut anlegen usw.


    Es hängt m.E. von vielen Faktoren ab.

  • Ich sehe zu, dass im August gut gebrütet wird. Da hier auch jetzt immer noch Tracht ist, geschieht das praktisch automatisch. Da konzentriere ich mich eher auf das Varroathema; zunächst mit einer Milbenerhebung von 10 Tagen im Juli und einer Milbenerhebung von 10 Tagen im August, um zu sehen, wo gleich behandelt werden muss.


    Es gibt so eine Regel: Mitte August sollen sie über mind. 5 Waben in den Boden durchhängen, um gut auszuwintern. Ich denke, das ist aber nur ein ganz grober Anhaltspunkt. Die Frage ist ja immer, wie es im September mit Reinfektion aussieht.

  • An die Großraumbeutenimker: Mich würde ja noch interessieren, wie ihr dann die Vereinigung im Herbst vollzieht... Bei der mehrräumigen Betriebsweise heißt es dann ja immer Aufsetzen mit Zeitungspapier, aber welches Vorgehen empfiehlt sich bei Dadant oder DN 1,5?