Weisellosigkeit

  • Hallo,


    ein Volk weisellos vorzufinden, ist ja nichts ungewöhnliches. Doch gestern war ich überrascht: auf drei Waben lief verdeckelte Arbeiterinnenbrut aus, aber keine Maden, keine Stifte, keine Drohnenbrut. Auch keine verdeckelte oder verlassene Weiselzelle. Das Volk hing ziemlich aphatisch rum, etwa acht Waben besetzt.
    Was ist da los? Eine derartige Selbstaufgabe sah ich noch nie.


    Grüße, Thomas

  • Nach der Weisel hatte ich schon gesucht, bei den wenigen Bienen werde ich sie auch kaum übersehen haben.
    Das Volk wurde inzwischen aufgelöst, sein Zustand war ungewöhnlich: Auf den Waben mit der restlichen verdeckelten Brut saßen ausschließlich Jungbienen, wenige Tage alt. Im ganzen Volk keine Altbiene. Futter war noch vorhanden, aber keinerlei Pollen. Ein Teil der Jungbienen war schon von den Waben gefallen und lag tot oder sich kaum bewegend unten. Daß die Jungbienen verhungerten, ist bei dem Pollenmangel klar.
    Mich erinnern die Symptome an Beschreibungen des Völkersterbens diesen Winter: Futter ist da, aber keine Bienen mehr.
    Eine direkte Wirkung der Varroa ist ausgeschlossen: weder die abgefallenen, noch die lebenden Bienen trugen Varroen, Stichproben der verdeckelten Brut ergaben auch nichts.


    Rätselnd, Thomas

  • Hallo Thomas,


    was für eine Tracht hatte das Volk zuletzt? was wächst in der näheren Umgebung?


    Gibt es einen Mastbetrieb (Hähnchen, Schweine oder Rinder)?



    Gruß

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Toyotafan,


    vor zwanzig Tagen, als die Weisel schätzungsweise noch stiftete, war die Kirschblüte im Gange. Die Völker stehen mitten in Gärten. Raps steht etwa zwei Kilometer weg (geht gerade auf).
    Eine Hähnchenmast ist in etwa fünf Kilometer Entfernung - da werden sie sich bei der guten Tracht wohl kaum rumgetrieben haben. Bedenklich ist, daß dieses Jahr alle Völker nicht so richtig aus dem Knick kommen.
    Hast Du mit dem Mastbetrieb einen Verdacht?


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,


    ja ich hab zwei Verdachtsrichtungen. Aber bei 5 Km ist der Mastbetrieb nicht als Ursache anzusehen. Wenn aber deine Bienen alle nicht richtig in die Hufe kommen, so ist da Pflanzenschutz bestimmt mit im Spiel!


    Die Kirschen / Obst könnte es sein! aber auch die Gärten! der Raps doch wohl kaum. Ich selbst hatt letztes Jahr große Probleme mit der Königinnenaufzucht. Meine Völker hatten letztes Jahr in der Kirsche / Obst bzw. Gärten sehr starken Schwarmtrieb und ich machte Sammelbrutableger. Diese pflegten dann auch gut Königinnen an, aber jetzt kommtes: von den 120 Zellen (in 3 Sammelbrutableger) schlüpften nur die hälfte. Begattet wurden 25 St. und im Herbst hatten alle diese 25 umgeweiselt! Sowas hatte ich noch nie! auch meine ganzen restlichen Ableger waren bis auf eine Serie alle nur schlecht! Die Varroa kann es nicht gewesen sein, denn die Sammelbrutableger werden bei mir immer Behandelt!
    Dieses Jahr bin ich nicht mehr dort hin. Bei meinen bisherigen Zuchten (3 Serien) sind alle zu 100 % geschlüpft. Über den Paarungserfolg kann ich z.Z. noch nichts sagen da noch zu früh!


    Ich vermute bei dir ist da auch was mit dem Pflanzenschutz. Setz dich doch bitte mal mit der BBA in Braunschweig in Verbindung, am besten mit Dr. Brasse selbst und schildere ihm deine Beobachtungen! Es würde mich sehr interresieren was er dazu meint!


    Gruß

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Toyotafan,


    Pflanzenschutzmittel hatte ich ausgeschlossen, da in der Umgebung nur Gärten sind, keine Obstplantagen. Doch Kleingärtner sind ja manchmal auch Chemie-Ferkel. Hm, Du machst mich nachdenklich.
    Meinst Du, das man Herrn Brasse damit belästigen soll? Ein Nachweis ist nicht möglich, da es kaum tote Bienen gibt.


    Dein Verdacht hinsichtlich Mastbetrieb würde mich interessieren. Was kann da passieren?


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,


    natürlich würde ich Brasse damit belästigen, weil er auf irgend einer Imkerversammlung gesagt hatte, es kämen zu wenig Schadensmeldungen! und er unter anderem auch für schwierige Fälle hilfe zugesichert hat. Wo zu wird er den bezahlt? das ist sein Jop!


    übrigens gibt es bei Insegarschäden kaum tote Bienen, weil es ein Häutungshemmer ist!


    Wenn es noch Waben mit Pollen (resten) gibt, dann gib ihm diese zum Untersuchen!


    Es ist möglicherweise der Pollen der giftig oder auch nur so schwach giftig sein könnte, dass eben solche Dinge geschehen können, aber das muß eben in den Labors nach geprüft werden! Bei dir ist das ja jetzt aktuell!


    Bei den Mastbetrieben gibt es Sojaschrot, sehr fein gemahlen, und letztes Jahr waren (meine) Bienen bei einem solchen Betrieb am Sojaschrot höseln! Der Bauer rief mich ganz verstört an, warum da auf einmal so viele Bienen fliegen! 3 Tage später bei einer Kontrolle, waren auffallend viele Tote vor meinen Fluglöchern zu finden! Möglicherweise ist das Sojaschrot nicht gut für die Bienen. Wir haben dann den Bienen den Zugang zum Sojaschrot abgedichtet.


    Ich machte mir erst lange Zeit später diese Gedanken und zu einer Labor-Nachprüfung war es dann aber zu spät!


    Grüße

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Toyota-Fan, wenn Dein Verdacht mit dem Soja-Schrot stimmt, würde mich interessieren, ob andere Imker ähnliche Erfahrungen wie Du mit Soja-Poll gemacht haben, oder mit anderen Pollenersatzmitteln, die Soja enthalten. V.H. w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • @ Lothar,


    die Soja-Pollenersatz Produkte sind mit Sicherheit nicht gegen Mehlwürmer und andere Schadinsekten behandelt, aber für die Mastbetriebe mit ihren Silos und so wird bestimmt was dagegen gemacht!


    @ Thomas


    schade! würde dennoch mal mit Dr. Brasse kontakt auf nehmen!


    Grüße

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!