Jenter Zuchtsystem

  • Hallo alle miteinander,


    ich habe mich dieses Jahr erstmals entschossen, selbst Königinzucht zu betreiben. Dazu habe ich mir das Zuchtsystem nach Jenter gekauft. Ich habe am 30.04.03 die Weisel darauf abgesperrt (Wabe war vorher schon ausgebaut und bestiftet – um Zuchtwabe herum).


    Am 01.05.03 war die Zuchtwabe bereits von der Weisel bestiftet worden, worauf ich diese wieder frei gelassen habe. Heute, am 03.05.03 habe ich immer noch stehende Stifte und immer noch keinen Zuchtstoff zum Umlarven.


    Was habe ich falsch gemacht???
    Soll ich die Zuchtwabe reinigen, um die Weisel nochmals abzusperren, oder weiter warten, was mit den Stiften passiert???


    Für Eure Antworten bin ich Euch sehr dankbar.


    Fleißige Bienen wünscht


    Uwe

  • Da das Umlarven heist und nicht umeiern musst Du warten, bis aus den Stiften Larven geworden sind. Das Eistadium dauert wenn ich mich recht erinnere drei Tage. So viel Zeit musst Du den Mädels schon lassen.
    Ich selbst kann es auch gar nicht erwarten, bis endlich die Brut in meinem Pflegevolk verdeckelt ist, damit ich den Zuchrahmen zu hängen kann. Morgen nachmittag hoffe ich. Am Montag vielleicht? Mals sehen. Viel Spass allen beim Königinnen vermehren. Und danke Michael2 für die Erläuterungen eines erfahrenen Züchters.
    Stefan aus Berlin, das am Montag 32 Grad erwartet. Holt schon mal die Schwarmkisten.

  • Hallo,
    kannst du mir vielleicht erklären, was das "Zuchtsystem nach Jenter" ist bzw. wo man nähere Infos oder Bilder dazu finden kann?
    freundliche Grüsse
    Detlef Horn

  • Hallo, alle Miteinander,
    Hallo, Uwe


    Ich beschäftige mich im Moment nur rein theoretisch mit der Königinnenzucht und habe in dem Buch “Aufzucht, Paarung und Verwertung von Königinnen“ von Tiesler/Englert folgendes über das Jenter- Verfahren gefunden.
    Ich zitiere;
    Das Umlarven jüngster Maden bereitet besonders älteren Imkern häufig Schwierigkeiten.
    Jenter hat in den letzten Jahren ein Verfahren entwickelt, bei dem es möglich ist, aus einer Wabe mit Kunststoffmittelwand den Boden samt der jungen Larve herauszunehmen und in ein Weiselnäpfchen, ebenfalls aus Kunststoff, umzustecken.
    Zunächst benötigt man dazu die komplette Zuchteinrichtung. Sie ist im Imkerfachhandel erhältlich und eignet sich für die üblichen Wabenmaße.
    Die Zuchtwabe aus Kunststoff wird in eine möglichst frisch ausgebaute Wabe eingesetzt und in ein Bienenvolk gegeben, um die Zellen ausbauen zu lassen. Der Boden jeder dritten Zelle ist als sog. Einsteckzelle herausnehmbar. Die Zuchtwabe ist nur einseitig verwendbar; von hinten wird sie mit einer Platte abgedeckt, um Wildbau zu verhindern.
    Im Zuchtvolk wird die so vorbereitete Wabe von der Königin bestiftet.
    Um genau datierten Zuchtstoff zu bekommen, wird die Königin unter dem mitgelieferten Absperrgitter auf der Zuchtwabe abgesperrt.
    In wenigen Stunden ist die Eiablage beendet, das Absperrgitter kann wieder abgenommen werden, und die Königin ist frei.
    Sowie die jungen Larven am dritten Tag geschlüpft sind, werden die Näpfchen mit den Einsteckzellen in die sog. Zellenträger und dann in die normale Zuchtlatte gesteckt. Die weitere Verwendung der Zellen ist die gleiche wie bei anderen Verfahren.
    Wesentlich einfacher und preiswerter ist ein im Frühjahr 1987 im Fachhandel erschienenes französisches System der Firma Niko. Es beruht auf dem gleichen Grundgedanken wie das Jenter- verfahren. Dieses System besteht jedoch aus weniger Einzelteilen.
    Eine Kunststoffwabe von 14,5 x 13 cm wird in ein Rähmchen eingesetzt.
    Nur jede zweite Zelle ist als solche ausgebildet; es fehlt jedoch der Boden.
    Dafür wird von hinten ein Kunststoffnäpfchen- wie es im Handel erhältlich ist- aufgesteckt. Zum Bestiften der Wabe wird die Königin wie bei dem Jenter- Verfahren unter einem Plastik-Absperrgitter auf der Zuchtwabe abgesperrt. Futter (Teig) wird in einem speziellen Abteil angeboten.
    Nach dem Bestiften der Zellen und nach dem Schlupf der Larven werden die künstlichen Weiselnäpfchen, auf deren Boden nun die Larven liegen, nach rückwärts abgezogen und auf Holz- oder Kunststoff- Stopfen befestigt.
    Beide Verfahren haben gemeinsam, dass als Zuchtstoff junge Larven verwendet werden.
    Man kann aber auch statt einer Larve ein Ei aus einer Arbeiterzelle zur Königinnenzucht verwenden.
    Dahinter steht die Vermutung, dass eine Larve, die von Anfang an mit Weiselfuttersaft versorgt wird, eine größere, leistungsfähigere Königin ergibt. Das klingt zunächst überzeugend. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass die Bienen eine Larve wesentlich leichter annehmen als ein Ei.


    Ich hoffe es hilft ein wenig weiter.
    Mir erleichtert dieses Buch, meine Fragen auch mit Bildern und Zeichnungen zu beantworten.
    In diesem komplexen Thema, ist es für mich, nicht einfach nur mit Lesen getan.



    Ich wünsche Euch viele gesunde Bienen!


    Margret

  • Also ich habe auch jahrelang mit dem Jenter - System gearbeitet. Es hat verschiedene Vorteile.
    1.) wenn man nicht mehr so gut sieht oder sich mit dem Umlarven schwertut kann man auf diese Art leicht Königinnen züchten.
    1.) Die so gezüchteten Königinnen schlüpfen fast alle zur selben Stunde.
    Das heisst, die Eier werden ziemlich zur selben Zeit von der Zuchtmutter gelegt und es ist eine Wonne, denen dann beim Schlüpfen zuzuschauen.
    Da sie gleich alt sind kann man sie auch einen Tag später verschulen.
    3.) Die Schlüpfkafige von Jenter oder Nicot sind kleiner als die alten Holzkäfige, dadurch ein besserer Wärmehaushalt und die Kö schlüpfen sicherer.
    Der Nachteil und der Grund warum ich mit diesen Systemen aufgehört habe ist der, dass sich durch das 3- tägige Einsperren der Zuchtmutter die Zuchtvölker oft weisellos fühlen und dann beim freilassen die wertvolle Zuchtmutter abstechen. Ich habe auf diese Weise schon einige Mütter verloren.


    mfg. happybee

  • Hallo, alle miteinander,
    Hallo Margret,


    Danke zunächst für Eure Antworten.
    Ich kann Euch vorerst Entwarnung geben. Ich bin gestern zu meinen Bienen gefahren mit dem Vorsatz, eigentlich eine neue Serie anzusetzen Als ich nach der 1. Serie sah, siehe da, meine Maden sind wunderbar vorhanden.. Ich habe gleich den Anbrüter fertig gemacht.


    Es hat mich nur gewundert, dass es halt so lange gedauert hat, bis die Stifte „umfallen“.
    Hätte eigentlich schon 1 Tag eher passieren sollen. Die Natur lässt sich halt nicht ins Handwerk pfuschen. Vielleicht auch ganz gut so.


    @Margret: Danke, ich arbeite nach genau diesem Buch. Kann es nur empfehlen: Aufzucht, Paarung und Verwertung von Königinnen aus dem Ehrenwirth Verlag


    P.S.: Aber wie gesagt, ich versuche die Zucht dieses Jahr das erste Mal, da hat man halt noch so manche Fragen. Macht ja nichts, solange man auch fragt !!!!!


    Ich bin schon jetzt auf meinen nächsten Besuch bei meinen Bienen gespannt.


    Fleißige Bienen wünscht


    Uwe

  • Hallo Detlef,


    Marget hat es eigentlich schon wunderbar beschieben.
    Man hat die Möglichkeit, genau datierten Zuchtstoff zu erhalten und muß zur Verwertung nicht umlarven, sondern man kann berührungslos umstecken. Ich habe auch lange gelesen und gegrübelt, wie ich es am besten anstelle. Das Teil ist ja auch nicht gerade billig, wenn man es neu kauft.


    Im Markt habe ich jetzt ein gebrauchtes gesehen für 25 € Ich könnte mich fast in den A.... beißen.


    Schau Dir die Geschichte einfach mal im Imkereifachhandel oder besser bei einem Imker an, der eines benutzt. Feine Sache.


    Fleißige Bienen wünscht


    Uwe

  • Hallo Uwe,


    ich bin auch gerade dabei, mit dem System von Jenter anzufangen, habe im Gegensatz zu Dir aber noch überhaupt keine Erfahrung. Wie lange hast Du denn die Königin auf der Zuchtwabe eingesperrt gehabt (s. den Beitrag von happybee) bzw. wie lange hast Du die Zuchtwabe insgesamt im Zuchtvolk belassen ? Hattest Du beim Umhängen in das 3-Stunden weisellose Pflegevolk dort noch offene Brut ?


    Weiterhin viel Erfolg !


    Rudi

  • Hallo zusammen
    Bis jetzt habt ihr ja nur die Vorteile des Jenter- und Nicosytems aufgezählt. Aber ist das mehrmalige Absperren einer hochwertigen Zuchtkönigin nicht ein zu hohes Risiko? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das auf die Dauer unbeschadet übersteht. Oder liege ich mit meiner Vermutung falsch?
    Gruß Guido

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Hallo Rudi, hallo Guido und alle anderen,


    Rudi Du täuschst Dich, ich habe nicht wirklich Erfahrung mit der Zucht. Ich habe mich im letzten Winter regelrecht in die Materie reingekniet. Ich sehe es einfach als einen ganz neuen Reiz der Imkerei. Mach ja schließlich auch Spaß.


    Die Zuchtwabe habe ich vom Zuchtvolk ausbauen lassen, ohne Mittelwand oder so, sieh es halt als Baurähmchen. Habe damit auch gleich was gegen die Varoa getan (Drohnen ausgabeln...) und das Volk „kennt“ die Wabe. Allerdings war die gesamte Zeit das Gitter auf der Zuchtwabe, damit mir die Weisel nicht meinen ganzen Zuchtplan durcheinander bringt. Mußt halt nur aufpassen, dass die Bienen die ZW nicht voll Honig oder Pollen tragen.


    Die Weisel hatte ich ca. ½ Tag abgesperrt. Sie hatte sofort mit der Eiablage begonnen.
    Weiselunruhe trat bei mir überhaupt nicht auf. Sie war ja noch im Volk und hatte durch das Gitter Bienenkontakt. Nach der Zeit habe ich Sie wieder frei gelassen und das Gitter abgenommen. Waren ja jetzt bestiftete Zellen – konnte also nicht all zu viel schief gehen.


    Zur Gleichen Zeit habe ich aus dem Pflegevolk einen kleinen Ableger mit Weisel gemacht. Allerdings mit sehr wenig Brut. Den zeitlichen Ablauf habe ich ja schon oben geschildert.


    ..... Nach 24 Stunden Anbrüter habe ich heute die Zellen ins Pflegevolk zwischen offene Brutwaben gehängt, jedoch vorher noch mal das ganze Volk auf Weiselzellen untersucht und ausgebrochen. Sie haben ja noch jede Menge offene Brut. Allerdings sind die Zuchtstopfen jetzt die Jüngsten.


    Bis jetzt sieht alles sehr gut aus. Noch darf ich zufrieden sein. Ich lasse mich überraschen wie es weiter geht.


    @ Rudi: Ich habe mir vorher einen Zuchtplan unter Exel erstellt. Man kann die Termine dann schön hin und herschieben und hat immer die wichtigen Termine – Arbeiten zum jeweiligen Tag im Blick.
    Jetzt wird die Liste jeden Tag mit Erläuterungen erweitert. Dann brauche ich mir im nächsten Jahr nur noch nachzulesen.


    Bei Fragen einfach mailen. Ich schicke Dir die Liste gerne zu. Ist aber sehr einfach gehalten


    Fleißige Bienen wünscht


    Uwe

  • Hallo Guido und alle zusammen,


    das Jenter-System ist eine feine Sache. Man hat am 4. Tag gezielt
    die Jungmaden zur Verfügung.
    Ich arbeite mit 2 Jenterrahmen in 2 Zuchtvölkern und die werden jede
    Woche neu ins Volk gehängt bis die Zuchtphase zu Ende ist.
    Ich gebe in der Zeit weit mehr als 1000 Maden ab.
    Auch in den letzten Jahren habe ich keine Probleme mit einer Königin
    gehabt. Nach dem Umlarven wasche ich das komplette Rähmchen
    unter einer Brause sauber zur nächsten Verwendung.
    Wichtig ist, daß das Jenterrähmchen -auch nach der Freilassung der
    Königin- immer an der gleichen Stelle steht. Für die Zeit wo der Jenter-
    Rahmen draußen ist gebe ich eine Mittelwand zu.
    Viel Spaß bei der Zucht.


    Viele Grüße aus dem Westerwald - Martin.