Wesensgemäss, Artgerecht, Natürlich, Konventionell.

  • Die Vielzahl deutscher Höfe als kleine und mittlere Betriebe erzeugen, unabhängig von der Betriebsform, hochwertige Premiumprodukte unter Einhaltung strikter gesetzlicher Vorgaben.

    Zu glauben, kleine Betriebe wären besser, ist ein bedauernswerter Irrtum. Z.B. geht es Kühen in Freilaufställen mit hoher Automatisierung meist besser als auf kleinen Höfen. wo sie oft das ganze Jahr angekettet stehen.

    Es kommt nicht auf die Zahl der Tiere an, sondern auf das Verhältnis von Fläche und Tieren.

    Was die gesetzlichen Vorgaben anbelangt kann ich wirklich nur lachen. Fast jede Qualhaltungsform ist heute erlaubt. Deine "strikten gesetzlichen Vorgaben" sind eine Farce. Da werden ganz strikt nach gesetzlichen Vorgaben Ferkel betäubungslos kastriert und Muttersauen in Abferkelbuchten gehalten, in denen sie sich nicht mal umdrehen können.

    Bezahlt Dich der Bauerverband dafür, so was zu behaupten?

    An und für sich hat obi11 recht. Viele Höfe halten ihre Tiere nach strikten gesetzlichen Vorgaben. Dabei wird immer die Vorgabe gewählt, bei der am billigsten Masse produziert werden kann.


    Bei der Kuhhaltung - egal ob für Fleisch oder Milch - ist der Augenmerk der Öffentlichkeit höher, da es solche Betriebe sind, da diese in der Regel eher zugänglich für das Puplikum - sei es durch Hofladen, Gastronomiebetrieb oder aber durch gelegentliche Höfefeste. Diese haben häufiger eine Art Freilandhaltung mit Stallanbindung, in der sie sich frei bewegen können. Eine solche Haltungsform ist allerdings für Kleinbetriebe fast gar nicht rentabel.

    Bei der Schweinehaltung hingegen wird im konventionellen Bereich die Boxenhaltung bevorzugt - weil billiger mehr Tiere gehalten werden können, da hier das wirkliche Billigfleisch produziert wird. Rinderfleisch ist ja von je her meist teurer gewesen und man ist auch heute noch bereit für Rinderfleisch mehr Geld auszugeben.

    Und selbst Bioeier von Biohühner in Bodenhaltung kommen nicht selten aus Legebatterien mit mehreren Hundert Tieren im Stall. Und wenn dann noch auf einer großen Weide 5 bis 11 dieser Ställe Wand an Wand stehen, vervielfacht sich diese Haltung entsprechend. Und da Hühner Fluchttiere sind, werden sie sich trotz einer enorm großen Wiese, auf der sie frisches Gras und Insekten fressen könnten, nie so weit vom Stall entfernen, als dass sie sich nicht schnell wieder im sicheren Unterschlupf verstecken könnten. Trotzdem hat jedes Biohuhn nach strengen gesetzlichen Vorgaben potentiell x m² Auslauf, die es aber nicht nutzen wird.


    Aber wir können hier noch lange über die gesetzlichen Vorgaben hin und der konventionelle Haltung her unterhalten. Solange es der Verbraucher so wünscht (billiger ist besser) und es dem Schlachtbetrieb / Großhandel / Einzelhandel gelingt, es zu verkaufen, solange dieser auch noch was verdient, wird sich daran nichts ändern. "Am Ende muss ja eh ein Tier dafür geschlachtet werden. Dann kann es auch billig sein."

  • Zur Frage, wie sich wesensgemäß, artgerecht, natürlich und konventionell voneinander unterscheiden, hat sich der Erfinder der Bienenkiste im Imkerview geäußert. Denn diese Frage lag mir auf dem Herzen und so habe ich sie ihm gestellt.

    In einem anderen Thread habe ich gerade das neue Buch von Torben Schiffer vorgestellt. Bei ihm ist die Bienenkiste nach der Styroporbeute die am wenigsten Artgerechte ...

  • Guten Abend Rolf G und Benjabien .


    Besten Dank, für eure Beiträge.


    Für mich gab es nur Bienenhaltung ohne spezielle Bezeichnung.


    Ich wurde erst in den letzten 10 Jahren durch mein nicht Behandeln, mit einer diferenzierten Bienenhaltung konfrontiert.

    Als dann das nicht Behandeln mit Wesensgemäss in Zusammenhang gebracht wurde, und Neuimker mit wesensgemäss an eine Varroaresistenz glaubten, musste ich mich wohl mal genauer informieren.


    Anhand von den Angaben, welche hier nun vorliegen, komme ich zu dem Schluss:


    Wesensgemäss, hat nichts mit dem führen eines Bienenstandes ohne Varroabekämpfung zu tun.....Dies sind definitiv 2 verschiedene Paar Schuhe.


    Lg Sulz.

  • Varroa mußt Du immer bekämpfen. Ein Bienenstand ohne Varroabekämpfung ist ein Freiluftkistenlager das Du nicht in deiner Nähe haben willst.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Varroa mußt Du immer bekämpfen. Ein Bienenstand ohne Varroabekämpfung ist ein Freiluftkistenlager das Du nicht in deiner Nähe haben willst.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang

    Ich persönlich, finde es recht angenehm meinen solchen Bienenstand in der Nähe zu haben......Freiluftkisten, sind es nicht. Ich habe ein Dach auf dem Bienenhaus.

    Und dass ich die Varroa immer bekämpfen muss, hätte ich vor gut 20 Jahren wissen müssen......Aber hier geht es um ein anderes Thema, und nicht um meinen Bienenstand, da ich nur Bienen halte.


    Lg Sulz.

  • wenn man die Bienen am Haus halten kann, schön, aber auch wenn's ortsüblich ist, ist es nicht immer machbar. Ich hab nen Außenstand, den ich weder überdachen noch in irgendeiner Weise einzäunen darf, da ich in einem Landschaftsschutzgebiet wohne.

  • Für mich:

    - BienenVölker leben vereinzelt
    - Sie leben von Nektar und Pollen aus der Landschaft

    - Sie ernähren sich im Winter von ihren Vorräten

    - Die Behausung soll ein bienengerechtes Innenklima unabhängig von der Jahreszeit ermöglichen

    - ... (kann ergänzt werden)

  • In einem anderen Thread habe ich gerade das neue Buch von Torben Schiffer vorgestellt. Bei ihm ist die Bienenkiste nach der Styroporbeute die am wenigsten Artgerechte ...

    Definiere Artgerecht… Die Bienen leben in Hohlräumen, ein bestimmts Volumen bevorzugend. Das entspricht ihrer Art und ihrem Wesen. Alles Weitere dürfte eher die innere Überzeugung des Einzelnen darstellen, denn imkern in Styroporbeuten im reinen Naturbau dürfte Art und wesensgerechter sein als durchgängig Mittelwandimkerei und einheitlichem Zellmaß, bevorzugt noch kleine Zellen mit Drohnenbrutschneiden und ähnliche Eingriffe. Auch wenn man die Bienenkiste nicht mag, so ist der reine Naturbau wohl artgerechter als die Mittelwandimkerei.

    Schon klar, die Bienen bauen aus lauter Langeweile unterschiedliche Zellgrößen im Wabenwerk, weil sie eben dümmer sind als der Mensch und keine schlauen Bücher lesen.

    Art und wesensgerecht heißt den Mut zu haben sich auf den Bien einzulassen, für ihn und nicht gegen ihn zu arbeiten und sich Gedanken über sein Tun zu machen, denn eines ist sicher, der Bien weiß es besser als selbsternannte Bienenpäpste und ist unser bester Lehrmeister.

  • Definiere Artgerecht…

    Oh je. Jetzt hast du was losgetreten. Torben Schiffer in Evolution der Bienenhaltung S.136ff: „Außerdem wurde erstmals der historische Schritt unternommen, die artgerechte Bienenhaltung zu definieren.“ „Die artgerechte Honigbienenhaltung [...] verfolgt keine wirtschaftlichen Interessen.“Hierbei grenzt sie sich [...] insbesondere [von] der Standardimkerei ab.“

    Dies ist ausdrücklich nicht meine Meinung! Für dich scheint die Mittelwandfrage wesentlich zu sein, für andere ist die Anlage des Brutraums vor dem Honig (Bienenkiste) unnatürlich, andere betrachten eine Teilung des Brutraums als nicht Artgerecht. Einwinterung mit Zucker? Widernatürlich oder Nosemaberhinderung?


    Aber die „blöden“ Bienen können alles. In eckigen Styroporkästen mit genormten Mittelwänden im geteilten Brutraum, offenen Gitterböden, breiten Flugschlitzen und kiloweise Zucker quellen die Völker aus den Kisten. Welcher Faktor ist nicht artgerecht?

  • Imker 2016 schreibt:

    „Aber die „blöden“ Bienen können alles. In eckigen Styroporkästen mit genormten Mittelwänden im geteilten Brutraum, offenen Gitterböden, breiten Flugschlitzen und kiloweise Zucker quellen die Völker aus den Kisten. Welcher Faktor ist nicht artgerecht“?

    Jeder! Was soll da dem Bien in welche Art und Weise förderlich sein.

    Erkläre das den dummen und irregeleiteten Bienenhaltern.

  • Jeder! Was soll da dem Bien in welche Art und Weise förderlich sein.

    Erkläre das den dummen und irregeleiteten Bienenhaltern.

    Kommse mal hier vorbei, ich hab alles Böse auf einem Haufen versammelt. ;)

    Wirfst einen Blick auf meine Völker und dann reden wir noch mal über Artgerecht und Wesensgemäss.

    Ach ja der blöde Zucker... nur auf eigenen Honigvorräten hätten die Wenigsten dieses Jahr sitzen bleiben können, hat nämlich nicht geregnet. Was machst du dann? Beim Verhungern zugucken?

  • Das Masthähnchen, das in (sehr) wenigen Wochen sein Schlachtgewicht erreicht, kann nie und nimmer artgerecht gehalten werden.

    Ein übergroßes Volk, das dazu auch noch 60 oder mehr kg Honig „erzeugt“ ,kann artgerecht gehalten werden.

    Das geht nur mit Massentracht, maximaler Legeleistung der Kö, maximaler Flugleistung der Flugbienen.
    Aber natürlich artgerecht.

  • Das Masthähnchen, das in (sehr) wenigen Wochen sein Schlachtgewicht erreicht, kann nie und nimmer artgerecht gehalten werden.

    Ein übergroßes Volk, das dazu auch noch 60 oder mehr kg Honig „erzeugt“ ,kann artgerecht gehalten werden.

    Das geht nur mit Massentracht, maximaler Legeleistung der Kö, maximaler Flugleistung der Flugbienen.
    Aber natürlich artgerecht.

    Ich weiß nicht, ob man die gewöhnliche Haltung der Honigbiene mit der Masthähnchenproduktion vergleichen kann. Die Honigbiene hat durch Zucht, wie das Masthähnchen, Leistungssteigerung erfahren.


    Ab diesem Punkt geht die Haltung und Nutzung doch relativ weit auseinander.


    Die Honigbiene wird als Volk in einem Hohlraum gehalten und kann den ganzen Tag in der Natur ihrer Bestimmung nachgehen. Das Surrogat, welches die Biene für ihren Honigeintrag erhält, schadet ihr nicht oder verkürzt ihre Lebenszeit.


    Das Masthähnchen wird entweder ganz oder größtenteils in einem Stall mit dutzenden, hunderten oder in der Regel tausenden Artgenossen gleichen Alters ein- und ausgestallt. Weder in Anzahl noch in Altersstruktur ist das Nahe an der Natur. Es "lebt" auch nicht in der Natur und, sofern Auslauf vorhanden ist, ist er meist nicht buschig/waldig, wie es das Tier eigentlich gern hat. In der Regel wird Kraftfutter verabreicht. Die ausgebiegige Futtersuche und das Scharren am Boden wird oft auch nicht ausgelebt. Im Zweifel pickt man die Artgenossen.


    Wir haben also eine Tier, welches etwas modifiziert, vollkommen seinem Ursprung entsprechend lebt und in großen Teil auch seine natürliche Lebensspanne erreicht. Demgegenüber werden Masthühner entgegen ihrer Natur in Sachen "Familienstruktur", Haltungsumwelt und Fütterng gehalten und leben nur eine kurze Zeit entsprechend ihrer eigentlichen Lebenserwartung.


    :/

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain