Wesensgemäss, Artgerecht, Natürlich, Konventionell.

  • Wäre es nicht auch für die Biene wesensgemäß, sie an einem Standort zu halten, an dem sie die ganze Flugsaison über ihren Honig und Pollen in ausreichender Menge selber sammeln könnte unabhängig von den Massentrachten, die wir Menschen ihnen bieten? Und wesensgemäß wäre es hier in unseren Breiten auch, dass die Bienen keine Behandlungen (ganz egal, welchen Weg der einzelne geht) gegen Parasiten wie der Varoa benötigen würde, da die Varoa eigentlich importiert wurde.

    Eigentlich kann man es doch so sagen, dass wir die Honigbienen am ehesten "nur" artgerecht halten können, aber nicht wesensgemäß. Dafür wird zu sehr ins Landschaftsbild (Monokulturen, zu frühes und häufiges Abmähen von Blühwiesen usw.) eingegriffen.

    Ich sehe hier nicht nur das Bienenvolk an sich, sondern eher auch ganzheitlich über das Bienenvolk hinaus, was für mich wesensgemäß bedeuten würde. Bitte seht es nicht als Werteurteil an, sondern eher als allgemeine Beobachtung.

  • Eigentlich kann man es doch so sagen, dass wir die Honigbienen am ehesten "nur" artgerecht halten können, aber nicht wesensgemäß. Dafür wird zu sehr ins Landschaftsbild (Monokulturen, zu frühes und häufiges Abmähen von Blühwiesen usw.) eingegriffen.

    Würde aber beideuten, dass die Wildbienen -auch wenn sie vom Imker nicht gehalten werden- nur noch artgerecht aber nicht wesensgemäß leben, da der Eingriff in das Landschaftsbild für sie auch greift.

    Bedeutet, dass kein Wildtier mehr wesensgemäß leben kann, wegen der Landwirtschaft und der damit zusammenhängenden Veränderung der Landschaft.

    Und Ackerbau gibt es schon sein paar hundert Jahren.

    9 Völker Carnica, 1 Volk Buckfast in Segeberger

  • Vom Prinzip her nur halb. So intensiv und in derart großen Nutzflächen wie es heute betrieben wird, existiert es erst seit einigen Jahrzehnten. Und früher wuchsen zwischen den angebauten Nutzpflanzen auch noch Wildpflanzen. Heute nicht mehr, selbst die Randstreifen sind nur noch grün mit wenigen Blumen. Ich sprach hier auch von Monokulturen. Früher war ein Acker vielleicht 1 ha groß aber es wurden dort wesentlich mehr Pflanzen paralell angebaut.


    Und Ackerbau existiert schon seit Jahrtausenden.

  • Bei Styropor und anderen Kunststoffen geht es in erster Linie nicht darum, ob das die Bienen okay finden, sondern das Bestandteile aus diesen Stoffen schwer bis gar nicht abbaubar sind, sich daraus toxische Stoffe in der Nahrungskette anreichern, sie die Umwelt wie z.B. die Weltmeere belasten und aus Erdöl gewonnen werden.


    Das ist weit weg vom ökologischen Gedanken, scheint aber viele Imker nicht so zu stören, weil nach uns die Sintflut oder so. Und dieser Punkt hat auch gar nichts mit Anthroposophie zu tun. ;)

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Sloveig

    Punkt 1) Standort (ganze Flugsaison Honig und Pollen)

    Nein, wird es nicht geben und hat es früher auch nicht gegeben. Immer starben Bienen, wenn mal das Wetter nicht mitspielte. Größtes Beispiel, die Eiszeit. Da war Europa bis auf ganz wenige Gebiete Bienenfrei. Als es dann wärmer wieder wurde, breitete sich eine Bienenrasse weiter aus. Apis mellifera mellifera, die mit ihren Eigenschaften in diesen Gebieten sich durchsetzen konnte. Aber es gab immer Wetterlagen und Gebiete, wo es die Biene schwer hat.

    Punkt 2) Wesensgemäß: Bienen ohne Behandlung durch den Winter.

    Faktisch möglich, allerdings anders, als viele Imker es haben wollen. Sehr kleine Völker mit begrenztem Brutnest überleben ohne Behandlung. Auch Völker mit bestimmten Klimatischen Bedingungen können ohne Behandlung überleben. Auch unsere Völker überleben häufiger 2-3 Jahre ohne Behandlung. Aber Carnica, wie Buckfast haben sehr große Brutnester mit langer Brutphase, was irgendwann zu zu vielen Varroen führen kann. Nicht jedes Volk ist gleich und hat die gleichen Voraussetzungen. Die Varroa wäre irgendwann hier eingewandert, sobald sie den Wirtssprung geschafft hatte, war das klar. Und auch so etwas, dass ein Parasit einen anderen Wirt, bzw auch Fehlwirt irgendwann erwischt, ist natürlich. Es gibt keine Konstanz in der Natur. So starben und sterben auch Tierarten aus, wo wir Menschen noch keinen Einfluss darauf hatten. Ein Beispiel ist der Terrorvogel in Amerika, oder der Säbelzahntiger, die durch Umweltveränderungen ihre Lebensgrundlage verloren haben. Nur gab es zu der Zeit keine Zoos, die diese Tiere betreuten. Ja, wir Menschen sind derzeit die größten Weltveränderer, aber wir sorgen nicht nur für das Aussterben von Tieren und Pflanzen, sondern auch für unser eigenes Aussterben, denn es ist ungewiss, ob wir den Klimatischen Bedingungen gewachsen sind, die auf uns zukommen. (Ja, klar haben wir Heizung und Klimaanlagen, aber unsere Nahrungspflanzen brauchen bestimmte Voraussetzungen und unsere Tiernahrungsmittel auch....:). Somit ist das Problem nicht nur auf Bienen begrenzt.


    Wesensgemäß wäre, wenn wir den Bienen den Honig klauen und stiche dafür kassieren (Wir sind wesensgemäß schlaue Räuber) und ihnen keine Beute, Betriebsweise oder sonstiges zumuten, sondern der Natur ihren Gang ließen. Allerdings würde dann mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Aussterben eingeleitet.

  • Das ist weit weg vom ökologischen Gedanken, scheint aber viele Imker nicht so zu stören, weil nach uns die Sintflut oder so. Und dieser Punkt hat auch gar nichts mit Anthroposophie zu tun. ;)

    Wenn wir so anfangen, dann reden wir mal vom Imkerfahrzeug. Hat Reifen verbraucht Sprit.

    Wie ist der ökologische Fußabdruck von der Holzbeute? Wo kommt die her, unter welchen Bedingungen wurde das Holz geschlagen? Auch das kann man alles differenziert betrachten.

    Ob die paar Zargen aus Styropor am Ende die Sintflut auslösen, aber gut, kann man als Argument anführen.


    Wenn Du so willst, dann sollten wir das Imkern lassen, die Bestäubung können Wildbienen übernehmen, und auf den Honig kann man verzichten, ist für den Menschen nicht lebensnotwendig.

    9 Völker Carnica, 1 Volk Buckfast in Segeberger

  • Bei den Beuten gibt es eine Alternative zu Styropor und auch in vielen Fällen beim Zubehör. Ein Auto kann auch substituiert werden, erfährt aber neben der Unterstützung der Imkerei in aller Regel vielseitige Verwendungszwecke.


    Klar, wenn der Mitarbeiter eines Automobilkonzerns das halbjährliche/jährliche Leasing von Neuwagen in Anspruch nimmt, damit der Absatz schön hoch bleibt und er selbst immer eine neue Karre fährt, wenn man noch das Dritt-Cabrioauto und Motorräder braucht, kann man das aus hinterfragen, aber das normale Imkergebrauchsauto ist ja auch Familienkutsche, Einkaufs- und Transportmöglichkeit.


    Kann ja jeder machen, ist ein freies Land. 8)


    Holz baut sich ab, egal wo es geschlagen wird. Es reichert sich auch nicht schadhaft in Organismen an oder versifft die Weltmeere. Die Fichten/Kiefer-Monokulturen sind aus verschiedenen Grünen ein Problem und haben aber allein aus ökonomischer Sicht keine Zukunft. Und aus Teak oder Mahagoni baut sich der geizige Imker sicherlich keine Beuten.


    Ich denke auch nicht, dass es nur "ein paar" Styroporbeuten sind. ;)

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Wesensgemäß ist ein Schlagwort einer ökoromantischen Weltsicht, die nix mit der Welt zu tun hat.

    Was ist denn wirklich den Bienen wesensgemäß? Damit meine ich nicht, was der Ökoromantiker darunter versteht.


    Für mich (und damit auch nur die Weltsicht eines toxischen alten weißen Mannes...) ist ein starkes und gesundes Bienenvolk wesensgemäß gehalten.


    PS: Jetzt schreite ich zur Varroabehandlung.... damit es meinen Bienenvölkern auch weiterhin gut geht.

    "Damit ein Skeptiker geboren wird, müssen tausend Gläubige wüten." [Cioran]

  • Sloveig jetzt hast Du nur auf einen Teil meiner Antwort geantwortet. Wie ist das denn mit den Wildbienen? Wesensgemäß oder nicht?

    Naja, ich dachte halt, dass für die Wildbienen durch einen zu frühen Grasschnitt auch ein Teil ihrer Nahrungsgrundlage wegfällt und dadurch, dass keine blühenden "Un"kräuter mehr auf den Ackerflächen zwischen den Monokulturpflanzen wachsen, die selbst dann noch blühen, wenn die blühfähige Kultur bereits abgeblüht hat und auch zwischen nicht blühfähige früher gewachsen ist, ebenso.

    Und mit dem Auto braucht man wirklich nur dann zu den Bienen (bei Vorhandensein vieler Völker) fahren, wenn es um die Honigernte oder den An- bzw. Abtransport großer Mengen Material in kurzer Zeit geht und diese ein gewisses Stück vom heimischen Garten entfernt steht. Ansonsten kann man sagen: Imkeranzug unter den Arm klemmen, Werkzeugtasche in die Hand und losmarschieren. Da sind die wenigsten (gemeint sind Hobbyimker) aufs Auto angewiesen - abgesehen vom Wanderimker, der weite Strecken zur Völkerkontrolle fahren muss. Und wenns barfuß ist, weil man sonst gerne Plastikschuhe trägt.


    Night Shadow Und an klimatischen Bedingungen wie den früheren Eiszeiten, können wir Menschen wohl selbst heute keinen so großen (nein, nicht überhaupt keinen, sondern nur keinen so großen) Einfluss nehmen. Es sei denn, sehr viele Menschen haben damals vergessen ihre Gefrierschränke zu schließen. Und dass Parasiten einen Wirtssprung machen, kam in der Natur zwar schon häufiger vor (zählt zwar nicht zu der Kategorie Parasit, aber bei Viren kommt dies sogar noch häufiger vor), aber wenn der Mensch eingreift, geschieht dies schneller.

  • Holz baut sich ab, egal wo es geschlagen wird. Es reichert sich auch nicht schadhaft in Organismen an oder versifft die Weltmeere. Die Fichten/Kiefer-Monokulturen sind aus verschiedenen Grünen ein Problem und haben aber allein aus ökonomischer Sicht keine Zukunft. Und aus Teak oder Mahagoni baut sich der geizige Imker sicherlich keine Beuten.


    Ich denke auch nicht, dass es nur "ein paar" Styroporbeuten sind. ;)

    Mir geht es nicht um die Verrottung beim Holz, sondern um die Holzgewinnung. Was stand an Stelle der Plantage. Mir geht es nicht um Teak und Co. Welches indigene Volk hat seinen Wohnraum für deine Kiefer verloren? (Überspitzung als Stilmittel)


    Styropor - sofern nicht mit Brandschutzmitteln behandelt (was nur bei Dämmaterial im Hausbau notwendig ist)- kann gut Recycled werden. Da hat sich einiges getan.


    Edith: Und gemessen an der Menge an Kunststoff Verpackungen und Einweggeschirr sind es wirklich paar Beuten. Corona sei dank, darf unsere Kantine auf der Arbeit nur Essen zum mitnehmen ausgeben. Da geht seit März täglich mehr als eine Segeberger Zarge als Essensbehälter raus.

    9 Völker Carnica, 1 Volk Buckfast in Segeberger

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  • Für das Holz kann man doch auch Holzreste aus der Möbel- oder Häuserproduktion nehmen. Dann wäre hier auch ein gewisses Recycling gegeben. Das Werkzeug, das zu Teilen auch aus Holz hergestellt werden kann, wird dann aus den Resten hiervon hergestellt. Und die Reste hieraus und die Sägespäne können gut Verwendung im Räuchermaterial finden.

    Also kann man auch hier einen gewissen Grad an Wieder- oder Weiterverwendung erreichen.

  • Mittlerweile sind - durch starke mediale Einflüsse bestimmte Begriffe mit einer dahinter stehenden "Philosophie" besetzt.

    Ich würde mich als Öko bezeichnen, bin auch kein Freund von Plastik/Styropor etc.,

    Genau das meinte ich damit.


    Was ist das Problem bei Styropor ? Die Herstellung aus vor Jahrmillionen verrotteten Pflanzenteilen (Erdöl) - die 20-jährige Nutzung - die Entsorgung durch Verbrennen ??? Ob die CO2-Bilanz von Holz besser ist, wage ich zu bezweifeln - da gibt es genügend Studien, die das nicht begründen können.


    Da wird der achtlose Umgang mit Kunststoffen aller Art angeführt, die dann in der Umwelt landen; Stichwort Meeresverschmutzung mit Kunststoffnanopartikeln. Eine geordnete Entsorgung kann man unterstützen, indem die nach 20 bis 30 Jahren genutzte Styroporbeute der Verbrennung zugeführt wird (thermische Verwertung). Das passiert mit der Holzbeute wohl auch...

    Wenn die Kisten, die ich habe für die Bienen nicht artgerecht / wesensgemäß wären, würden die da noch drin bleiben?

    Eben nicht - sie würden Anderes vorziehen. Insofern sind die Materialien der Beuten den Bienen ziemlich egal, solange sie ihre Lebensweise übers Jahr dort einrichten können.

    Wäre es nicht auch für die Biene wesensgemäß, sie an einem Standort zu halten, an dem sie die ganze Flugsaison über ihren Honig und Pollen in ausreichender Menge selber sammeln könnte unabhängig von den Massentrachten, die wir Menschen ihnen bieten?

    Der Punkt ist essentiell - es gibt diese Standorte in Deutschland kaum noch. Wir leben in einem Industriestaat, der von seinem Know how, dessen Realisierung und Vermarktung ziemlich gut lebt. Die restlichen Flächen sind überwiegend dem Ackerbau und der Weidewirtschaft zuzuordnen - da bleibt für die Bienen, insbesondere für die Spezialisten, die Wildbienen, kaum noch etwas übrig. Insofern beginnt m.E. "wesensgemäß und artgerecht" bei der Landschaft, nicht bei der Kiste oder beim Fahrzeug.

  • Wäre es nicht auch für die Biene wesensgemäß, sie an einem Standort zu halten, an dem sie die ganze Flugsaison über ihren Honig und Pollen in ausreichender Menge selber sammeln könnte unabhängig von den Massentrachten, die wir Menschen ihnen bieten?

    Der Punkt ist essentiell - es gibt diese Standorte in Deutschland kaum noch. Wir leben in einem Industriestaat, der von seinem Know how, dessen Realisierung und Vermarktung ziemlich gut lebt. Die restlichen Flächen sind überwiegend dem Ackerbau und der Weidewirtschaft zuzuordnen - da bleibt für die Bienen, insbesondere für die Spezialisten, die Wildbienen, kaum noch etwas übrig. Insofern beginnt m.E. "wesensgemäß und artgerecht" bei der Landschaft, nicht bei der Kiste oder beim Fahrzeug.

    Deswegen kam so ziemlich am Anfang das Wort "auch" drin vor. Das bedeutet, dass es neben dem genannten Punkt auch andere mit einbezieht, welche ich nur nicht genannt habe.