Handflächen und Fußsohlen???

  • Irgendwo hat die Fremdverantwortung auch Grenzen. Bienen können stechen. Weiß jeder, sogar Kinder. Wenn er trotzdem näher kommt, muss er mit Stichen rechnen. Wenn Du nochmal drauf hinweist, hast Du wirklich genug getan.

    Oder bist Du auch dafür verantwortlich, wenn einer über die Straße zu Dir rennt und er wird von einem Auto überfahren? Oder er bricht sich den Knöchel, weil er neben Deinem Stand in ein Karnickelloch tritt?

    Coronataugliches Freiluft-Imkerforumstreffen am 3.-5.9.2021 in Bad Karlshafen an der Weser.

  • Wenn es sein Pen ist, hat er ihn verschrieben bekommen und der Arzt hat (hoffentlich) vorher das Risiko abgeklärt, das mit der Gabe verbunden ist. Nicht jeder bekommt ihn einfach so verschrieben, es gibt Erkrankungen, bei denen man vorsichtig sein sollte.


    Auch ohne Notfall dürfen Lehrer Medikamente geben, dazu gibt es eine Verwaltungsvorschrift, zumindest in BW. Eines, das das Kind ohne jede Absprache einfach so mitbringt, natürlich nicht... und das ist auch gut so.


    Grüße Thanaidh

  • Ich hatte vor nicht all zu langer Zeit einen ersten Hilfe Kurs von der Arbeit aus und da wurde genau das besprochen. Die Frau sagte, man darf jemanden was verabreichen wenn es dem jenigen auch gehört.

    Ansonsten eigentlich nicht. Man darf nicht mal dem Nachbarkind Jod auf die Wunde tun. Wenn das Kind darauf reagiert, hat man evtl danach ein größeres Problem.

    So laut DRK in BW.


    Im Zweifelsfall würde ich die Person am Notruf fragen, da muss man ja sowieso direkt anrufen.

  • Die Frau sagte, man darf jemanden was verabreichen wenn es dem jenigen auch gehört.

    Nicht, wenn Du z.B. LehrerIn in Bayern bist und das Kind Dein/e SchülerIn. Die müssen das schön brav selber nehmen. Es gibt Ausnahmen, aber es ist ziemlich streng geregelt.

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Ich hatte vor nicht all zu langer Zeit einen ersten Hilfe Kurs von der Arbeit aus und da wurde genau das besprochen. Die Frau sagte, man darf jemanden was verabreichen wenn es dem jenigen auch gehört.

    Ansonsten eigentlich nicht. Man darf nicht mal dem Nachbarkind Jod auf die Wunde tun. Wenn das Kind darauf reagiert, hat man evtl danach ein größeres Problem.

    So laut DRK in BW.


    Im Zweifelsfall würde ich die Person am Notruf fragen, da muss man ja sowieso direkt anrufen.

    Selbstverständlich nur die eigenen Medikamente und nur Medikamente, die nicht von Ärzten oder Pflegepersonal verabreicht werden müssen... das steht alles in der Verwaltungsvorschrift.

  • Wenn jemand, der nicht wusste, dass er allergisch auf irgendwas ist, neben mir erkennbar einen anaphylaktischen Schock bekommt, dann ruf ich nicht nur den Notarzt an, sondern lass den Betroffenen auch mein Antihistamin schlucken und wenn es notwendig ist hau ich dem meinen Epi-Pen ins Bein - das ist doch wohl keine Frage, oder?

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."

  • sondern lass den Betroffenen auch mein Antihistamin schlucken und wenn es notwendig ist hau ich dem meinen Epi-Pen ins Bein - das ist doch wohl keine Frage, oder?

    Würde wahrscheinlich auch so handeln. Auch mangels Zeit zum Nachdenken.


    Verallgemeinert - bin selber kein Allergiker - aber war schon in einer Kritischen Situation als Ersthelfer. Kam hart, plötzlich, unvorbereitet und Blutig.
    Mangels "Erfahrung" solcher Situationen denkst du nicht nach. Du spulst irgendein Programm ab. Umso näher das Programm am Ersthelfer-Kurs umso besser. Lief bei weitem nicht perfekt.... wobei die Mithelfer mir im Nachgang sagten, das ich wohl die Sache ganz gut im Griff hatte.

    Nach einigen Minuten findet man dann die Reste der eigene Intelligenz wieder, die sich irgendwo zitternd zwischen dem Adrenalin versteck. Habe dann angefangen mich mit den anderen Abzustimmen. Davor habe ich nur willkürlich irgendwelche Leute am kragen gepackt und Aufgaben Verteilt. Selbstschutz hatte ich bis dahin gänzlich ignoriert. Von daher würde ich wahrscheinlich, wenn ich ein Medikament bei mir hätte und die Lange des Patienten entsprechend beurteilen könnte, dieses auch anwenden.


    Mich interessiert aber eben auch irgendwie die Rechtliche Lage, daher die Fragen weiter oben.

  • Nach einigen Minuten findet man dann die Reste der eigene Intelligenz wieder, die sich irgendwo zitternd zwischen dem Adrenalin versteck.

    Kenn ich :D Ich hab vor vielen Jahren mal eine liebe Freundin nach einem Unfall mit Beatmung etc. erfolgreich wiederbelebt - aber erst, nachdem ich ihr beim Schütteln um sie wieder zu Bewusstsein zu holen, fast den Kopf auf dem Boden eingeschlagen hatte ^^

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."

  • Von daher würde ich wahrscheinlich, wenn ich ein Medikament bei mir hätte und die Lange des Patienten entsprechend beurteilen könnte, dieses auch anwenden.

    Würde wahrscheinlich auch so handeln. Auch mangels Zeit zum Nachdenken.



    Mich interessiert aber eben auch irgendwie die Rechtliche Lage, daher die Fragen weiter oben.

    Die Schweizer haben da mal was ausgearbeitet, zur Anaphylaxie und Adrenalin Fertig-Injektion.

    Adrenalin Fertigspritze

    der allergische Notfall.

    Nach der Lektüre wird vielleicht Manchem klarer, was es mit der Verabreichung von Medikamenten auf sich hat, die ggf. noch nicht mal der betroffenen Person gehören.

  • Zitat aus dem Text den du verlinkt hast: "..... Es gibt keine absolute Kontraindikation, Adrenalin bei klinischem Verdacht einer Anaphylaxie einzusetzen, dies ungeachtet der Initialsymptome [7, 10]. Vor allem wenn sich ein Blutdruckabfall nach einem für den Patienten bekannten Allergenkontakt einstellt (z.B. nach Injektion einer allergenspezifischen Immuntherapie), gilt es, Adrenalin unverzüglich einzusetzen und nicht erst den Verlauf abzuwarten. ...."


    Wenn ich eine Herzmassage durchführe, brechte ich demjenigen dabei mit großer Wahrscheinlichkeit eine oder mehrere Rippen - und auch beim Adrenalin kann ich Schaden anrichten.

    Das meinte ich mit "nach bestem Wissen und Gewissen" - man sollte umfassend informiert sein und die Folgen kennen und dann in der akuten Situation entscheiden, ob man das Risiko eingeht oder nicht.

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."

  • Das meinte ich mit "nach bestem Wissen und Gewissen" - man sollte umfassend informiert sein und die Folgen kennen und dann in der akuten Situation entscheiden, ob man das Risiko eingeht oder nicht.

    Problem ist aber bei der Situation das "nach bestem Wissen und Gewissen" nur schwer funktioniert, außer man ist in der misslingen Situation entweder öfters als Ersthelfer ran zu müssen oder gar Fachpersonal.

    Die Abläufe in einer solchen Stresssituation werden ja vom Fachperson geübt und bis sich bei Ihnen die übermäßige Stressbedingte Reaktion in der Praxis legt, werden diese ja auch immer von erfahrenem Personal begleitet.

    Ich habe im Bekanntenkreis einige Mitglieder der FF und DRK. Was ich bei mir selber beobachtet habe, kennen die üblicherweise von den meisten Ersthelfern.

    Über sich selber berichteten Sie, das es aufgrund der Übung und der standardisierten Vorgehensweisen bei Ihnen nicht mehr so oder zu mindestens nicht mehr so ausgeprägt auftritt.


    Ich kenne das mit der Wiederholung von Routinen aus meiner Zeit bei der Bundeswehr. Hatte da mal eine etwas "seltsame" Situation als ich Wache hatte. Da ist mir zwar auch das Adrenalin durchgegangen, aber ich habe dennoch durch wiederholte Übung solcher oder ähnlicher Situationen meine "Faden" nicht verloren und erstmal alles richtig gemacht - zwar nach "Schema F" - aber genau darum geht's ja. Aber das hat mich und die Situation erstmal beruhigt und dann kam auch sehr schnell die Intelligenz zurück und man konnte dann alles in eine vernünftige Richtung lenken. Der andere Beteiligte, ein Heizungsinstallateur auf der anderen Seite vom G3 hat das nicht so gut weggesteckt. Der war durch...


    Für uns nicht Fachpersonal sollte das eigentlich heißen, alle zwei Jahre das Ersthelfer-wissen auffrischen sollte. Wiederholung festigt bekanntermaßen Wissen.

  • Problem ist aber bei der Situation das "nach bestem Wissen und Gewissen" nur schwer funktioniert,

    Ich gebe dir zu 100% Recht und bleibe trotzdem gleichzeitig bei der Aussage, dass ich, wenn ich zu erkennen glaube, dass neben mir jemand stirbt und ich gleichzeitig glaube, dass ich ihm das Leben retten kann, indem ich etwas tue, dessen Auswirkung ich vermutlich gar nicht vernünftig beurteilen kann, ich es vermutlich tun werde.


    Ich kann das vielleicht etwas leichter auch ohne regelmäßige Ersthelferauffrischung sagen, weil ich in Teenager-Tagen beim Malteser-Hilfsdienst ehrenamtlich tätig war und dementsprechend natürlich einiges an Kursen mitgemacht habe - von denen viele übrigens auf "im extremen Notfall scheiß auf das vorgeschriebene Prozedere und mach einfach" hinausliefen - z.B. dass man zum Stoppen von Blutungen natürlich eigentlich sauberes, am besten sogar steriles Material nehmen soll, dass es in einer lebensbedrohlichen Situation aber auch ein ölversiffter und bakterienverseuchter Lappen vom dreckigen Werkstattboden tut.


    In der Tat würde uns allen eine regelmäßige Auffrischung unseres Erste-Hilfe-Wissens sehr gut tun.

    Ich habe erst vor kurzem von einem Bekannten aus dem medizinischen Bereich gehört, dass Rettungssaitäter und Notärzte unheimlich oft bei Notfällen ankommen, wo dann Leute um jemanden herumstanden und einfach nur auf die Helfer gewartet haben, anstatt selber mal was zu unternehmen und dass es bei diesen Fällen dann fast immer zu spät ist, obwohl ein Eingreifen des Anrufers dafür gesorgt hätte, dass die Person überlebt.


    Was mich interessieren würde, wäre (ohne dass ich es jemals ausprobieren möchte), was mich strafrechtlich erwartet, wenn ich, beim erkennbaren Versuch zu helfen so richtig danebenliege ...

    "Wie stellst du dir das Land vor in dem Milch und Honig fließen?" "Klebrig."

  • Was mich interessieren würde, wäre (ohne dass ich es jemals ausprobieren möchte), was mich strafrechtlich erwartet, wenn ich, beim erkennbaren Versuch zu helfen so richtig danebenliege ...

    Ich habe einige Erste-Hilfe-Kurse machen dürfen (betr. Ersthelfer). Da wurde immer gesagt, dass der Ersthelfer NICHT für Fehler und Folgen bei Erster Hilfe belangt werden kann. Aber Medikamentengabe geht wohl über erste Hilfe hinaus. Ich würde aber vermutlich auch den Pen geben. Wer jemand einen Epi-Pen verschrieben bekommen hat, dann erkennt vermutlich die Syptome wieder.


    s.