"Antiautoritäre" Bienenhaltung

  • Hallo liebe Bienenfreunde,
    durch alte Beuten in unserem Garten kam ich auf die Idee, Bienen anzusiedeln.
    Tracht ist nach meiner Meinung reichlich vorhanden, Gärten, Öko-Wiesen, Wald. Und keine Konkurrenz weit und breit!
    Da ich (noch) nicht an Honigernte interessiert bin, dachte ich so als Laie, man könnte doch den Bienen eine Behausung stellen und sie einfach machen lassen.
    Ein Kollege, der Hobbyimker war, lachte, als ich ihm davon erzählte und gab mir erst mal zwei Bücher zum Lesen. Jetzt weiß ich was von Krankheitsbekämpfung, Schwarmverhinderung, Reiz- und Wintereinfütterung, Räuberei, Schädlingen usw.
    Aber die Idee, so ein Bienenvolk mal nicht zu bewirtschaften, sondern nur zu beobachten, und sich ansonsten am Gesummse und Gebrummse unterm Kirschbaum zu freuen, läßt mich nicht los.
    Was meint Ihr, wieviel Pflege braucht ein Bienenvolk als Minimum, wenn man keinen Honig ernten will?
    Könnte man auf Mittelwände oder gar Rähmchen verzichten?
    Kommt so ein Volk mit den eigenen Vorräten über den Winter?
    Wie würde es sich im Frühjahr entwickeln (Schwärme?)
    Ist meine Idee, so etwas zu probieren, realistisch oder völlig naiv?


    Ich würde mich über Gedanken und Anregungen freuen.
    Viele Grüße
    Uta

  • Die Idee ist nicht so dumm. Ich beobachte meine Bienen auch gerne. Der Honig ist für mich ein netter Nebeneffekt. Wenn dir das Gesumme und Gebrumme gefällt ... bis zum ersten eigenen Honig ist es dann nur noch ein kleiner Schritt, der sich vielleicht einmal auch ergibt. :) 
    Das Überwintern auf Eigenfutter ist wohl kein großes Problem (nur Waldhonig bekommt ihnen nicht so gut). Ich habe 3 Ableger ohne zu füttern auf Eigenfutter über den Winter gehen lassen. Die Völker haben sich prächtig entwickelt.
    Um eines wirst du aber nicht herumkommen, wenn du dich an deinen Bienen mehr als 1 oder 2 Jahre erfreuen möchtest: Behandlung gegen Varroa. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass sie ohne Eingriff nicht lange leben werden. Die Arbeit ist bei wenigen Völkern aber nicht so groß.
    Wenn du nur Beobachten möchtest, sehe ich bei Schwärmen auch kein Problem; ein faszinierendes Spektakel. Wenn einer anfällt, beobachte ihn und lass ihn ziehen.
    Rähmchen würde ich schon hineingeben, das erleichtert das Beobachten im Volk; auf Mittelwände könntest du eventuell verzichten. Ein ca. 2 cm schmaler Streifen tut es auch, um den Bienen zu sagen, wo sie bauen sollen, damit es wir leichter haben mit der Arbeit.
    lg, gazdin

  • Hallo Uta.
    So wie Du möchtest, imkere ich auch (ähnlich), aber unter anderen Voraussetzungen. Ich wohne in Spanien und Gazdin wohnt glaube ich in Ungarn (?). Ich denke, dass das Klima dort etwas wohlwollender ist als in D.land. Mit der Varroa hat Gazdin leider recht und somit wird Deine Idee der Bienenhaltung doch wieder arbeitsintensiv.
    Wenn es dennoch klappt, glaube mir, kommt dann irgendwann doch die Neugier auf eigenen Honig - und das ist gut so - denn wenn man Hühner hat, wird man sicher auch mal ein Ei probieren.
    Dann allerdings brauchst Du eine (Hand)schleuder, denn immer nur die Waben auskauen und das Wachs ausspucken ist auf Dauer nichts :D:D 
    Haben wir in unseren Jugendjahren, wenn wir ein wildes Bienennest ausgeräuchert haben immer so gemacht :wink: 
    Auf jeden Fall Erfolg, wenn Du Dich dazu entschliesst.
    Pedro

    In diesem Sinne. Pedro.
    (aus dem sonnigen Spanien)

  • Hallo Gazdin, hallo Pedro,
    danke für Euren Zuspruch und den Hauch große weite Welt, der mit Euren Antworten in meine Thüringer Hütte kam :D 
    Gegen Varroa behandeln...ja, das habe ich mir schon gedacht, dass ich da nicht drumherum kommen werde :-? 
    Im Zusammenhang mit Varroa habe ich hier viel über kleine Zellen im Brutraum erfahren. (Danke sabi(e)ne!)
    Mir schwebt vor, dass die Bienen die Brutzellen im Naturbau mit der Zeit verkleinern, so dass sich die Milben wieder auf die Drohenzellen beschränken.
    Und Honig werde ich bestimmt auch irgendwann ernten. Mich haben nur die Diskussionen über verschiedenen Betriebsweisen, Beuten, Rähmchenmaße so verwirrt, dass ich erst mal eine Philosophie entwickeln muss, wie man halbwegs effektiv und halbwegs wesensgemäß imkern kann.
    (Aber dazu sollte ich das Ganze vielleicht doch mal am lebenden Objekt ausprobieren.)
    Ich wünsche Euch viel Freude mit Euren Bienen und viel Honig!
    Viele Grüße
    Uta

  • Hallo Uta,


    die Idee ist reizvoll (schwebt mir auch schon lange vor). Das Meiste wurde schon gesagt. Ohne Varroabehandlung geht es nur kurze Zeit gut. Da Du dazu an/in das Brutnest mußt, muß dieses zugänglich sein. Bei Zugang von oben wären Magazine mit Rähmchen angebracht (der Honigraum muß abgenommen werden). Bei einer traditionellen Klotzbeute mit Tür an der Seite kämest Du es sogar bei Stabilbau an das Brutnest - bloß wie Träufeln? Begasen/Vernebeln ginge wahrscheinlich, eventuell auch das Einhängen von Verdampfern. Im Stabilbau also alles nicht so einfach.
    Das wäre aber auch das einzige Problem dieser Bienenhaltung. Sonst kommen Bienen wunderbar ohne Imker zurecht. Es kann Dir nur passieren, daß sie verwildern in dem Sinne, daß sie stechlustig werden. Dann macht das Zuschauen weniger Spaß.


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo Uta und ihr anderen,


    mit diesem Thema ist eine mir sehr am herzen liegende Frage angeschnitten. Es ist so, wie es schon von allen anderen geschrieben wurde.Honigbienen können ohne menschlische Betreuung nicht mehr existieren. Das bezieht sich im wesentlichen auf die Behandlung gegen die Varroamilben. Mit allem anderen Unbilden der Natur kommem die Bienen selbst klar, wenn der Imker nicht besondere Leistungsanforderungen an das Wesen und die Leistung der Bienenvölker stellt.
    Nun kommt aber mein Problem:
    Wenn ein bei uns einheimisches lebendes Tier, wes ehedem natürlich verbreitet war, nur noch mit menschlicher Betreuung überleben kann., dann sollte es doch als vom Aussterben bedroht anerkannt werden.
    Aber dazu gibt es in unserm Raum und in unserer Organisation(DIB) keinerlei Aktivitäten. Es ist an der Zeit, etwas zu veranlassen :roll::roll::roll: 
    Wenn in Afrika eine Herde Wildhunde bald ausgestorben ist , oder Elefanten sich nicht richtig vermehren,
    dann finden sich in Deutschland (Europa) Gruppen ,welche mit viel Mühe und Mittel sich um die Rettung bemühen.
    Wir lassen aber das einheimiche Tier "Honigbiene" sang- und klanglos eingehen und werden einestages nur noch feststellen können: es war einmal.



    Gerhard
    vom Strand der Elbe

    Viele Grüße
    Gerhard
    vom Strand der Elbe

  • Hallo Gerhard vom Strand der Elbe,


    es gibt außerhalb des "DIB" die GEDB e.V., welche im europäischen Dachverband SICAMM sich um die einheimischen Bienen bemüht.
    In Deutschland organisieren wir uns in der GEH, dort wurde die einheimische Biene zusammen mit dem Leutstettener Pferd zum "Nutztier des Jahres 2004" gewählt. Wir arbeiten mit SAVE zusammen und gründeten mit den wenigen Erhaltern der Alpenländischen Apis mellifera mellifera unseren länderübergreifenden DACH-Verband zum Erhalt der Dunklen Bienen. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.


    Mit herzlichem Imkergruß
    Gerhard

  • Hallo zusammen
    Hallo Gerhard
    Für alle Interessierten ist hier der Link zu den Seiten.
    http://www.genres.de/tgr/geh-raku/bienen/bien.htm
    Gruß Guido

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Hallo Thomas,
    Ich habe mir gerade den Disput für und wider Oxalsäureverdampfung ("Weltuntergangsstimmung" im Forum Varroabekämpfung) reingezogen. :o
    Da ich Hinterbehandler habe, ist das Verdampfen von Oxalsäure meinem Eindruck nach wohl das Wirkungsvollste und Unbedenklichste, wenn auch nicht das Einfachste.
    (Aber vielleicht gibt es ja, bis ich endlich Bienen habe, das ultimative Mittel gegen Varroa.)


    Hallo Gerhard vom Strand der Elbe,
    das Problem der Bienen ist wohl eins der Kleinen, Stillen, Unauffälligen. (Zusätzlich zu dem großen Problem, das die Vielfalt der Natur mit dem Menschen hat.) Das betrifft ja auch andere Insekten, nicht nur die Honigbiene.
    Sag ehrlich, was ist eine Biene gegen ein Robbenbaby? Würdest Du eine Zeitschrift abbonnieren, wenn Dir jemand das Bild einer abgeschlachteten Biene vorhält? :wink: 
    Scherz beiseite, ich meine nur, die Problematik müsste viel mehr in die Öffentlichkeit gebracht werden. Das fängt schon in den Grundschulen im Heimatkundeunterricht an.
    Muss man unbedingt lernen, welche Industrie in welchen Landesteilen vorherrscht? Immerhin haben wir noch was über Fuchs und Reh und sogar Singvögel gehört, aber an Bienen erinnere ich mich nicht. Ein Besuch beim Förster ist noch üblich. Aber ein Besuch beim Imker?
    Ich muss gestehen, vor ein paar Monaten wusste ich noch nicht mal, dass es verschiedene Honigbienenrassen gibt. :oops: Rückstände im Honig, Bienensterben, Bestäubungsproblem: mal flüchtig gehört.
    In der breiten Öffentlichkeit ist die Biene bestenfalls ein Honiglieferant (Aber wer braucht schon unbedingt Honig, wir haben ja auch Zucker.), im seltensten Fall ein Bestäuber (Wozu, die Äpfel kommen ja eh aus Neuseeland.), meistens nur Ungeziefer, wie alle Insekten, und schlimmstenfalls eine öffentliche Gefahr.
    Und guck Dir mal die deutsche Gärten an! Was glaubst Du, wie ich mich fühle, wenn die Nachbarn ihre Gärten staubsaugen, ihre Thujenhecken polieren und bei mir der Löwenzahn wuchert: Irgendwie schlampig. Die Nachbarn sind wirklich nett, sie wissen es nur nicht anders und Ordnung ist nun mal eine Tugend! :roll: 
    Aber als Biene würde ich auch Reißaus nehmen.
    Noch was Positives, auch wenn es nicht viel ist: Wir haben einen Nutzungsvertrag mit einem Pferdehalter für unsere Wiese. Er bewirtschaftet sie ökologisch, d.h. er mäht einmal im Jahr. Dabei wird er sicher nicht an die Insekten denken, eher an die EU-Fördermittel, die er dafür kriegt und an das Heu, aber immerhin, es gibt Leute, die solche Fördermittel durchgesetzt haben.


    Hallo Gerhard, hallo Guido,
    vielen Dank für die interessanten Informationen!
    Was mich erstaunt: Gibt es keine Bestände der dunklen Biene in Deutschland?


    Viele Grüße an Euch alle
    Uta

  • Hallo Uta, die dunkle Biene war früher bei uns heimisch. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte man andere Bienenrassen bei uns ein: zunächst Italienische (Apis mellifera licustica), dann aus der Schweiz(Apis mellifere mellifera"Nigra"), danach fast nur noch Apis mellifera carnica aus Österreich und Jugoslawien. Dadurch wurde die einheimische Bienenpopulation mehr und mehr vermischt, so das "reine" dunkle Bienen nicht mehr vorkamen, da die Carnica-Anhänger diese durch Verdrängungszucht ihre Bienen etablierten. Aber es gibt noch einige Imker, die sich um den Erhalt der dunklen Bienen bemühen. In einigen Teilen Österreichs gibt es Schutzgebiete für sie. Von dort und aus unseren Nachbarländern beziehen diese ihre Königinnen. Entgegen der landläufigen Meinung sind diese weder besonders aggressiv oder schwarmlustig, dies trifft nur für eine Unterart der dunklen Biene zu, der "Heidebiene". Da diese früher weit verbreitet wurde, hielt man deren Eigenschaften allgemein fur die Eigenschaften der dunklen Biene. Für Hobbyimkerei wie sie Dir vorschwebt ist sie eigentlich ideal: wenig agressiv, schwarmträg, robust. Und Deine Koniferengartenwüste kann sie dank ihrer guten Flugkraft auch leicht überwinden. Gute Infos findest Du unter www.dunkle-bienen.de. V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.