Brutscheune nachschaffen lassen - Ende Juli

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich möchte dieses Jahr eine Brutscheune selbst nachschaffen lassen.

    Einfach um das Ergebnis mal mit eigenen Augen gesehen zu haben.


    Der (für mich) optimale Ablauf wäre, gar nicht in die Nachschaffung einzugreifen.

    Dann nämlich rechne ich damit, dass die Bienen in ihrer Not wirklich eine der ältesten Maden krönen.

    Spätestens im Frühjahr hoffe ich auf eine Umweiselung und somit eine gute (soweit es die Genetik und Begattung zulassen) Königin.


    Zellen brechen und Umhängen von Brut wären natürlich eine Option (eine von vielen), ich mag aber gern beobachten, was aus der Nachschaffung entsteht und wie es sich weiterentwickelt.


    Besteht aktuell wohl noch die Gefahr des Abschwärmens, wenn mehrere (alle) Zellen stehen bleiben?

    Ich vermute eher nicht, würde mich aber über Eure Einschätzung freuen.


    Liebe Grüsse;

    humml

  • Nein, da schwärmt nix - wie auch: keine Brut kaum Vorräte und eher Notstand.


    Man kann das machen, wenn die Milbenlast der Einheit nicht so hoch ist. Sie setzen erst WZ an, wenn ausreichend Bienen geschlüpft sind. Das kann bis zu 5 Tg. nach Bildung des SBA's sein.


    Probieren geht über studieren ;)

  • Dann nämlich rechne ich damit, dass die Bienen in ihrer Not wirklich eine der ältesten Maden krönen.

    Willst Du riskieren, dass die Bienen noch im Herbst umweiseln?

    Experimente mit vorhersehbar schlechtem Ergebnis muss dem lebenden Material nicht antun.

    Man kann auch mit Nachschaffung bessere Königinnen ziehen. Das wurde hier an verschieder Stelle schön erklärt.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Habe das letztes Jahr so gemacht, Brutwaben aus 2 Wirtschaftsvölkern in eine Kiste und 3 Wochen zugelassen, dann Oxalsäure gesprüht. Start war in der letzten Juli-Woche. Ist aber ein Spiel mit dem Feuer. Ich war drauf eingestellt eine Rückvereinigung zu machen, aber hat geklappt, das Volk war im Frühjahr eines der stärksten.


    Dieses Jahr habe ich 1. ein bisschen früher angefangen und 2. nach 9 Tagen Zellen gebrochen und meine Wunschgenetik zugefügt. In dem fall ist der Brutsammler auch ein echter Kracher, die Kiste hat Brutwaben aus 9 Völkern, ist fast wie ein Adam-Starter.... Teile dann auf 3 + x (Kö Verlust meiner letzten Serie, da mache ich am Samstag das erste mal die Kisten auf) Einheiten auf, restliche Bienenmasse geht zu ein paar Schwächeren Ablegern. Dann habe ich keinen einzigen freien Boden mehr. Hoffe das bleibt bis zum Frühjahr so....

  • Hallo Wolfgang,

    ich gebe mir mit unseren Bienen sehr viel Mühe.


    Bisher habe ich IMMER das gemacht, was ich für das Sicherste für den Bien hielt.

    Egal, ob das für mich einen Mehraufwand und/oder Kosten mit sich bringt.

    Dazu gehörte unter anderem auch, bei den Brutscheunen alle Zellen zu brechen und sie mit einer begatteten Königin vom Züchter zu versehen.


    Wie man aus einer Nachschaffung das Maximum für das Volk rausholt, ist mir geläufig.

    Es geht mir hier aber genau um das Gegenteil:

    ich will ein einziges Mal die Bienen machen lassen und die Entwicklung beobachten.


    Deinen Einwand mit den 'Tierversuchen' finde ich gut und mutig. Viele schauen nur weg, wenn etwas passiert, was sie verwerflich finden!


    Ehrlich gesagt sehe ich aber das Problem nicht.

    Korrigiere mich bitte, falls ich mich irre:


    Eine Königin wird nachgeschafft.

    Es kann anschliessend zur Fehl- oder Nichtbegattung kommen.


    Für diesen Fall habe ich eine begattete Königin in Reserve, die sich seit Monaten in Eilage befindet.


    Andernfalls regiert eine Nachschaffungskönigin, mit vermutlich suboptimaler Leistung, was das Volk bemerkt und umweiselt.

    Das kann ggf. noch dieses Jahr, oder kommendes Frühjahr passieren.


    Auch bei der Unweiselung besteht wieder die Gefahr, dass die neue Königin nie vom Begattungsflug zurückkehrt.


    ABER: Das Volk verabschiedet sich ja nicht von der Nachschaffungskönigin, bevor die Neue sich unter Beweis gestellt hat.

    Somit sehe ich auch Deinen Einwand mit der Unweiselung im Herbst nicht als kritisch an.


    Der einzige Punkt, der mir Sorgen machte, war die Möglichkeit, dass beim Stehenlassen aller Zellen ein Teil des Brutsammlers abhaut.

    Dann nämlich hätte ich diese Bienen durch einen imkerlichen Fehler aus meiner Obhut befördert.

    DAS wäre in meinen Augen ein grober Schnitzer.


    Ich würde mich wirklich freuen, wenn Du mich auf Denkfehler hinweist, sofern Du welche erkennst.

    Ich schätze Deine Meinung 🙂


    Hallo Rene,

    ähnlich habe ich das bisher auch gehalten. Allerdings habe ich nicht einen riesigen Brutsammler gemacht, sondern gleich mehrere kleinere (nicht kleine!), die dann so auch als Einheit die neue Königin bekommen haben und später auf Mittelwände umgezogen sind.


    Diesmal geht es mir aber genau darum, nicht reinzufummeln.

    Danke trotzdem für Deine Antwort 🙂


    Liebe Grüsse;

    humml

  • Eine Königin wird nachgeschafft.

    Es kann anschliessend zur Fehl- oder Nichtbegattung kommen.

    Nein, schlechte Königinnen sind nicht zwingend nicht- oder fehlbegattet.

    Man erkennt also erstmal die Qualität nicht. Sie werden aber oft bald umgeweiselt. Da ist der Herbst die denkbar schlechteste Zeit. Deswegen würde ich solche Experimente nicht im Hochsommer machen.

    Somit sehe ich auch Deinen Einwand mit der Unweiselung im Herbst nicht als kritisch an.

    Und wo sollen dann die Drohnen für die Begattung herkommen?

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Und wo sollen dann die Drohnen für die Begattung herkommen?

    Er schrieb, er hätte für diesen Fall die begattete Königin in Reserve. Es handelt sich also um ein Experiment mit Sicherungsnetz. Soweit alles ok.


    Problematisch wird die Geschichte erst, wenn es ausnahmsweise mal so richtig gut geht. Die Königin im nächsten Jahr normale oder sogar gute Erträge bringt und das Volk auch sonst brauchbar zu bearbeiten ist. Dann neigt man nämlich dazu aus dem Einzelfall Schlüsse ziehen zu wollen.


    Gruß

    Ludger

  • Und wo sollen dann die Drohnen für die Begattung herkommen?

    Jetzt sind doch noch welche da, zumindest bei uns in der Gegend. Es sind nicht so viele wie im Frühjahr, aber vorhanden sind sie.


    Wir haben letztes Jahr die Brutscheunen nachschaffen lassen, mit dem Gedanken, ggf. umzuweiseln heuer. In einem Volk blieben durch einen Kommunikationsfehler obendrein die Fangwaben komplett (behandelt bei Brutfreiheit wurden alle).


    Das Volk mit/aus den Fangwaben ist mickrig, erstaunlicherweise behauptet es sich aber trotzdem gegen die stärkeren Völker. Es ist von den Fallzahlen der Varroen her eins der moderatesten, die wir haben. Klar, es ist klein, aber es fallen doch auffällig wenig Varroen.


    Das andere kam ok raus und war so ziemlich das erste am Start, das gut Frühtracht eingetragen (und leider auch postwendend gefuttert) hat.


    Insofern würde ich sagen, mach einfach. Geschwärmt sind die Brutscheunen letztes Jahr nicht mehr, und das, obwohl da viel vergleichsweise schwarmlustige Genetik drin mit drin ist/war :) Da hatten wir heuer im Frühjahr ordentlich mit zu kämpfen.

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Hallo Wolfgang,

    in unseren Völkern hat's aktuell noch Drohnen.

    Haben dieses Jahr keine Drohnenbrut geschnitten, daher hat die Anzahl schon deutlich abgenommen, aber es gibt eindeutig noch zahlreiche Herren in den Völkern.

    Auch an den Ständen zweier anderer Imker habe ich welche beobachtet.


    Wenn die Damen später in diesem Jahr nicht mehr umweiseln können (eben weil's dann keine Drohnen mehr gibt), machen sie's bei der erstbesten Gelegenheit im Frühjahr. Auch okay.

    Oder täusche ich mich da?

    Als kritischen Punkt vermute ich hier den Aufbau einer überwinterungsfähigen Einheit.


    Mein Hinweis auf die Fehl- bzw Nichtbegattung sollte ein Szenario darstellen, in dem ich (selbstverständlich) eingreife.

    Ich lasse kein Volk (aus Interesse) drohnenbrütig werden, oder so. Damit ist ja auch keinem geholfen.


    Der 'natürliche' Ablauf interessiert mich eben. Nachschaffung als Notlösung, Umweiselung zur Schaffung einer vollwertigen Königin.

    Und das auch nicht, um zukünftig die paar Kröten für eine vernünftige Königin zu sparen.


    Hoffentlich sieht man mich jetzt nicht auf einer Stufe mit Leuten, die den Schwarmakt und das anschliessende Verrecken des Volkes in einem Baumstumpf so herrlich natürlich und romantisch finden 😕


    Liebe Grüsse;

    humml

  • Hoffentlich sieht man mich jetzt nicht auf einer Stufe mit Leuten, die den Schwarmakt und das anschliessende Verrecken des Volkes in einem Baumstumpf so herrlich natürlich und romantisch finden

    Du, wenn Leute nicht differenzieren können, ist das deren Problem, nicht Deines.

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Ich finde es gut, wichtig und richtig auch einmal Experimente zu machen. Man könnte es auch Forschung nennen. Wie soll man denn lernen und beobachten wenn man nicht auch mal experimentiert?


    Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin gegen Tierexperimente und alles was den Tieren Schaden zufügt.


    Bei dem Versuch die Brutscheune einfach mal machen zu lassen sehe ich dahingehend kein Problem. Zur Not kann man das Volk mit einem anderen vereinen, wenn es nicht klappt oder die begattete Reservekönigin zusetzen.


    Von dem her ausprobieren, davon lernen und im besten Fall lässt du uns an deinen Erkenntnissen teilhaben, dann lernen wir alle davon.


    Zur eigentlichen Frage: im Normalfall sollten sie nicht schwärmen. Die zuerst geschlüpfte Prinzessin beseitigt die anderen von alleine.

    Ich beobachte übrigens das gleiche derzeit. Ich habe am Dienstag eine Brutscheune gebildet und bin gespannt was daraus wird.


    Viele Grüße

    Flo

  • Ich finde es gut, wichtig und richtig auch einmal Experimente zu machen.

    Ja, aber wozu? Wenn es gut geht, ist nichts bewiesen, wenn es schiefläuft war es erwartbar.

    Es ist schwer genug am Optimum zu arbeiten, warum soll man dann gezielt schlechte Ergebnisse ausprobieren?

    Experimente sind sinnvoll zur Verbesserung. Außerdem gilt es im allgemeinen als klug, wenn man aus den Fehlern anderer lernt, ohne sie selbst zu machen. Also wozu das Ganze?

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)