Position zur Situation der Honigbienen

  • Kann man sich der Auffassung der Demeter-Imker anschließen? 0

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    Werte Imkerkollegen,


    hiermit möchte ich Euch gerne die


    "Erklärung der Bundesfachgruppe Demeter-Bienenhaltung zum Bienensterben in Deutschland"


    zur Kenntnis und zur Diskussion geben, die inzwischen an die Presse gegeben wurde und außerdem in Kürze direkt an die Ministerin Frau Künast und weitere Verantwortliche gegeben wird:


    Sehr geehrte Frau Künast,


    Seit dem Spätsommer 2002 können wir unter den hier lebenden Völkern der Honigbienen ein beispielloses Bienensterben beobachten. Schätzungen zufolge sind bislang mindestens 50-60% der Bienenvölker eingegangen.
    Mit dem Verschwinden der Honigbienen aus unserer Landschaft droht eine Bestäubungskatastrophe. Die meisten Pflanzen unserer Kulturlandschaft sind für nachhaltige Fruchtbarkeit und Qualität ihrer Früchte auf die Bestäubung durch die Bienen angewiesen.
    Eine wesentliche Ursache für das Bienensterben liegt nach unserer Ansicht in dem sich dramatisch verschlechterndem Nahrungsangebot für Honigbienen und andere Insekten infolge der Methoden und Maßnahmen der modernen Landwirtschaft.
    Beispielhaft sei hier nur die zunehmende Silagebereitung zur Gewinnung des Futters für Kühe und Rinder angeführt. Noch vor wenigen Jahren bestand das Futter dieser Tiere vorwiegend aus Frischfutter und Heu. Mittlerweile jedoch werden die Tiere hauptsächlich mit Silage gefüttert. Um diese zu gewinnen, mäht der Landwirt seine Wiesen 5-7 mal, je nach Region und Witterungsverlauf im Jahr - in aller Regel jeweils vor der Blüte. Als Folge davon gibt es kaum noch blühende Wiesen, die den Insekten als Nahrungsgrundlage dienen können.
    In den Feldkulturen finden die Bienen aufgrund der Unkrautregulierung ebenfalls keine ausreichenden Nahrungsquellen mehr. Eine Ausnahme bildet der blühende Raps, der aber auch nur im Frühsommer eine Versorgung bietet.
    Dieser Raps ist jedoch mit einem Insektizid gebeizt, dessen Wirkstoff (Imidacloprid) die Bienen vermutlich ebenfalls stark schädigt.


    In der ausgeräumten Feldflur sind Hunger und Mangelsituationen für die Insekten zur alltäglichen Erscheinung geworden. Nektar kann in der Imkerei zumindest zeitweise durch Zucker ersetzt werden. Auf Blütenpollen hingegen sind die Insekten zu ihrer Ernährung und der Versorgung ihrer Brut unabdingbar angewiesen.
    Finden die Bienen in Feld und Flur kaum noch Blütenpollen, so werden sie mangelernährt, ihre Lebenserwartung sinkt, sie sind geschwächt und werden ein leichtes Opfer der Varroa-Milbe und anderer Krankheitserreger.


    Die Imker der Bundesfachgruppe Demeter-Bienenhaltung wollen mit dieser Erklärung die Öffentlichkeit auf die in der Insektenwelt herrschende Not- und Mangelsituation aufmerksam machen.


    Wir wenden uns an Sie, Frau Künast, mit der Bitte, die Imker dabei zu unterstützen, gemeinsam mit Landwirten, Naturschützern und den zuständigen Behörden, nach Möglichkeiten zu suchen, damit für die in unserer Kulturlandschaft lebenden Insekten wieder günstige Lebensbedingungen geschaffen und erhalten werden können.


    Kontaktadresse: Günter Friedmann, 89555 Steinheim-Küpfendorf 37



    Viele Grüße


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Zur Kenntnis und zur Diskussion:


    Pressemeldung von Demeter vom Dienstag, 29. April 2003


    Demeter-Imker bei Künast:
    Bienensterben durch Futtermangel mitverursacht


    Das beispiellose Bienensterben in Deutschland alarmiert inzwischen auch die Politik. Der Demeter-Imker Günter Friedmann, im Januar ausgezeichnet mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau für seine besonders artgerechte Bienenhaltung, konnte am heutigen Dienstag Verbraucherschutzministerin Renate Künast über die dramatische Situation informieren. "Durch die intensive Landwirtschaft herrscht in einer weitgehend ausgeräumten Feldflur Mangel an Nektar und vor allem an Blütenpollen für die Insekten. Dadurch werden sie geschwächt und sind anfälliger für Krankheiten", erläuterte Friedmann, der als Bienen-Spezialist des Bundesverbandes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) www.BOELW.de für alle Bio-Imker spricht.
    Das Nahrungsangebot für Honigbienen und andere Insekten habe sich vor allem dadurch verschlechtert, dass es kaum noch blühende Wiesen gäbe, weil die Bauern zunehmend Silage statt Heu bereiten und so bis zu sieben Mal im Jahr mähen, meist vor der Blüte. In den Feldkulturen fänden die Bienen durch die chemische Unkrautregulierung ebenfalls keine Nahrungsquellen mehr. Schwächend wirke zudem vermutlich ein Insektizid, mit dem der Raps gespritzt werde.
    In diesem Winter seien fast 60 Prozent der Bienenvölker eingegangen. Das stelle nicht nur für die Erwerbsimker und den deutschen Honigmarkt ein Problem dar, sondern für die gesamte Gesellschaft: "Es droht eine Bestäubungskatastrophe."
    Friedmann unterstrich, dass die meisten Pflanzen unserer Kulturlandschaft für nachhaltige Fruchtbarkeit und Qualität ihrer Früchte auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen sind.
    Die biologisch arbeitenden Imker hoffen nun, gemeinsam mit Künast und den zuständigen Behörden, mit Landwirten und Naturschützern die Weichen rasch so umzustellen, dass den Insekten wieder günstige Lebensbedingungen angeboten werden können.

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    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21