Wesensgemäß

  • Auf Wunsch einer anderen Anfängerin, melde ich mich (der Anfänger) hier nochmals zu Wort. Wer nur Honig im Kopf hat oder ein großer Imker werden will, der möchte bitte woanders lesen.


    Ich hatte zu CBPV nur geschrieben:

    „… Als erstes würde ich mal nix extra desinfizieren=Gewissensberuhigung. Was hat die "Cleanheit" gegenüber der Natur dem Menschen beschert? Immunschwäche vielleicht ...

    Denkt an die Bienen=Natur, nicht an Honig und "große Imkerin/großer Imker".

    Ob CBPV, DWV, Varroa, Dingsbums oder wie sie alle heißen ... eingreifen bedeutet immer stören/auch vernichten von Möglichkeiten ...

    Ich will aber nicht alles (pauschal) schlecht reden - bitte nicht so negativ sehen.

    Eigentlich geht es aber nicht um die Imkerei, es geht um die Honigbienen, damit geht es natürlich auch um uns, nein, nicht um die Imker, es geht um die Menschheit!“


    In wissenschaftlichen Studien ist oft zu lesen:

    Durch die ständigen Desinfektionen in allen Menschen- und Tierbereichen sind Antibiotika oftmals wirkungslos geworden. Allergien bei Mensch und Tier haben massiv zugenommen.Egal ob es um Die Menschheit geht oder um die Tierwelt, eigentlich um die gesamte Natur, unsere Lebensgrundlage, wir berauben uns unserer Basis.

    Auch wenn wir nie Antibiotika verabreicht bekommen haben, in Fleisch und Co ist genug zum wirkungslos machen.


    In einem engl. Bienen-Forum habe ich gelesen und dem stimme ich zu (frei übersetzt):


    Ich glaube, dass diese Logik einen Wert hat:

    Sie sagen, wenn alle Insekten sterben, würden wir kurz danach folgen (ungefähr 4 Jahre)

    Sie sagen, wenn alles Leben im Boden sterben würde (wie Würmer e.a.), würden wir noch schneller folgen (ungefähr 18 Monate)

    Sie sagen, wenn alles bakterielle Leben jetzt aufhören würde zu existieren, würden wir auch aufhören zu existieren (ungefähr im selben Moment)


    Ende!


    Rolf

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."

  • Das ist eine berechtigte Richtung zu denken,

    jedoch haben Antibiotikaresistenzen nichts mit Desinfektion zu tun, sondern mit der ebenfalls von dir benannten Überverwendung von Antibiotika.


    Da sollte man scharf trennen.


    Gruß Thorsten

  • Richtig, Thorsten. Und die Über-Desinfektion unserer Sicherheits- und Sauberkeits-bedürftigen Gesellschaft führt eher zum Anstieg der Allergien (das Immunsystem will arbeiten).

    Also scheint unser "in-die-berechtigte-Richtung-Denkende" noch etwas Training mit dem Denken zu brauchen. Unverzagt weiter probieren! ;)

    Seit 2005 Sächsischer* Hobby-Imker mit ca. 10 Völkern in DNM

    * sie summen weicher als die nicht-sächsischen Bienen

  • Hallo Rolf,

    Desinfektion im Bereich der Imkerei, findet normalerweise durch Ausflämmen, allenfalls durch Auskochen mit Natronlauge statt. In beiden Fällen wird kein klassisches Desinfektionsmittel (z.B. auf Isopropanolbasis) eingesetzt, wo es in Ausnahmefällen tatsächlich zu Resistenzbildung kommen könnte, vergleichbar zu Antibiotikaresistenzen.


    Desinfektion in dieser Form wird außerdem normalerweise nur eingesetzt, um amerikanische Faulbrut zu bekämpfen. Normalerweise beschränkt man sich auf Wabentausch und Auskratzen der Beuten. Beim Thema CPBV, wo noch wenig Erfahrungen mit der Krankheit bestehen, mag der eine oder andere Überlegungen anstellen, die sonst nicht in Betracht gezogen werden. Aber wenn du genau liest, auch mit der Fragestellung - ob das denn hilfreich sein könnte, oder notwendig ist.


    Anders als im englischsprachigen Bereich, sind in Deutschland keinerlei Antibiotika in der Bienenhaltung zugelassen. Entspechend gibt es hier in diesem Bereich auch keine Resistenzen. Genauso sind viele der in Amerika und auch England breit eingesetzten systemische Varroazide (Taufluvalinat, Coumaphos, Amitraz) hier in Deutschland nicht zugelassen, nicht mehr im Handel oder allenfalls als verschreibungspflichtige Ausnahmemedikamentation im Einsatz. Allgemein wird auch in der konventionellen Imkere vom regulären Einsatz dieser Wirkstoffgruppen abgeraten, um diese Stoffe für Ausnahmefälle in Reserve zu haben. (Bayvarol hat einige Verbreitung)


    Selbst Ameisensäure (und Milchsäure) werden inzwischen seltener eingesetzt. Oxalsäure (gesprüht, oder sublimiert) allerdings erlebt zur Zeit einen kleinen Hype. "Modern" sind in Deutschland hingegen Brutentnahmeverfahren, Kombinationen von Oxalsäure mit künstlicher Brutfreiheit oder auch das uralte Bannwabenverfahren. Steril ist in einer Beute eigentlich nie etwas.


    Schau dich mal hier im Forum und auf Vortragsveranstaltungen (so es sie denn wieder gibt) um.


    Gruß
    Ludger

  • Hi Rolf,


    danke für das Thema, mir ist aber nicht ganz klar worauf du hinaus willst:


    CBPV ist eine Erkrankung verursacht durch ein Virus. Wir wissen was die Symptome sind, die Übertragungswege sind bekannt und die Konsequenzen einer CBPV Infektion sind auch bekannt. Mit Glück ebbt die Krankheit von selbst ab, wenn's dumm läuft stirbt das Bienenvolk.


    Das hat mit wesengemäß oder 'großer Imker der nur an Honig denkt' nichts zu tun. Dem Virus ist das völligst Wumpe wieviel Honig der Imker am Ende des Jahre ernten will oder ob er auf Naturbau setzt oder nicht.


    Dem Virus ist auch mit Antibiotika nicht bei zu kommen. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Desinfektion einer Beute mit Feuer/Lauge tötet das Virus (hoffentlich) ab - da entsteht keine Resistenz die sich über den Honig irgendwie auf den Menschen oder die Bienen auswirken kann.


    Durch eine wirkungsvolle Behandlung - sofern das bei CPBV denn Möglich ist - vernichtet man auch nicht wirklich Möglichkeiten. Ja, theoretisch beeinflusse ich die Evolution der Bienen. Tut man nichts, hat man vielleicht das 'Glück', dass nur die Völker überleben deren Immunsystem eine natürliche Wiederstandkraft gegen diesen Virus haben. Da muss ich aber dann auch in Kauf nehmen dass alle anderen Bienen krepieren. Wenn's dumm läuft sind alle hin.


    Ich stimme zu: Man muss sich überlegen was man tun, denn alles hat Konsequenzen. Wenn das Haus aber gerade brennt, ist nicht die Zeit sich zu überlegen ob ein Neubau als Passivhaus nicht ökologisch sinnvoller wäre. In einem solchen Augenblick heißt's Wasser Marsch und löschen!

  • Resistenz von Mikroorganismen (MO) ggü. Antibiotika (AB) entstehen bei deren Falschdosierung (zu niedrig, zu kurz), da die MO "lernen", das AB abzubauen oder sich anderweitig dagegen zu schützen. Die genannten mögl. Gehalte z.B. in Fleisch sind eher viel zu niedrig, um Resistenz auszulösen. Zudem trägt man ja i.d.R. nicht über lange Zeit einen pathogenen Keim mit sich herum oder isst täglich riesige Mengen an Fleisch. Klar, AB gehört nicht ins Fleisch - darum sollte man sehr auf die Quelle achten.


    Und Desinfektionsmittel sind keine AB, sondern meist auf alkoholischer Basis aufgebaut mit Stoffen, welche unspezifisch Membranen und damit Bakterienzellen schädigen, ebenso die Capside von Viren.


    Derartige "Rundschläge" sind mir zu oberflächlich und ignorieren Fakten, welche die Vorschreiber schon nannten. Alternativlose Szenarien sind mir suspekt. Da werden Interessen verfolgt oder der/die Verkünder hat zu kurz / zu eng gedacht.


    Ob "die Menschheit" wegen der momentanen Verdrängung von Insekten (im dicht besiedelten Europa ! ) gefährdet ist, steht dahin. Es wird ja auf allen Kanälen darauf hingewiesen, dass wir vor'm Abgrund stehen...


    Kaum eine Species beherrschte den Planeten jemals so, wie momentan der Mensch. Aber da mache ich mir keine Illusionen - wenn dieser sich nicht in den vorgegebenen Rahmen fügt, wird er dezimiert, durch Viren, sich selbst, Naturkatastrophen oder kosmische Ereignisse. Das lehrt die Erdgeschichte.


    Und gerade das macht einen verantwortungsbewussten Umgang mit Flora und Fauna zwingend. Würden sich 50 % unserer Zeitgenossen in ihrem Verhalten das berücksichtigen, wäre schon viel gewonnen. Ich zähle die Imkerschaft zu denen, die überwiegend mit offenen Augen durch die Welt geht und mehr tut als andere. Da ist es erst mal egal, ob die Bienen in Holz- oder Styroporkisten gehalten werden. Wichtig erscheint mir, dass man sich um sie und ihre Schwestern (die Wildbienen) kümmert.

  • Resistenz von Mikroorganismen (MO) ggü. Antibiotika (AB) entstehen bei deren Falschdosierung (zu niedrig, zu kurz), da die MO "lernen", das AB abzubauen oder sich anderweitig dagegen zu schützen. Die genannten mögl. Gehalte z.B. in Fleisch sind eher viel zu niedrig, um Resistenz auszulösen.

    Antibiotikaresistenzen entstehen dort, wo die Antibiotika eingesetzt werden. Also im Krankenhaus oder im Kuhstall. Blöd ist, dass z.T. die gleichen Antibiotika eingesetzt werden und die im Kuhstall gebildete Resistenz später im Krankenhaus Antibiotika unwirksam machen kann. Eigentlich ein Skandal.

  • Ich kenne viele, die glücklich sind, wenn ihnen der Arzt ohne genaue Diagnostik Antibiotika gegen Erkältungssymptome verordnet hat.
    In der Tiermast gibt es bei falscher Anwendung und wenn man erwischt wird zumindest noch sehr hohe Strafen.


    Gruss

    Ulrich

  • Ich kenne viele, die glücklich sind, wenn ihnen der Arzt ohne genaue Diagnostik Antibiotika gegen Erkältungssymptome verordnet hat.

    Hilf aber nur gegen Sekundärinfekte mit Bakterien, nicht gegen das Virus.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Resistenz von Mikroorganismen (MO) ggü. Antibiotika (AB) entstehen bei deren Falschdosierung (zu niedrig, zu kurz), da die MO "lernen", das AB abzubauen oder sich anderweitig dagegen zu schützen. Die genannten mögl. Gehalte z.B. in Fleisch sind eher viel zu niedrig, um Resistenz auszulösen.

    Antibiotikaresistenzen entstehen dort, wo die Antibiotika eingesetzt werden. Also im Krankenhaus oder im Kuhstall.

    Oder in Menschen, die sich nicht "compliant" verhalten und nach Verschwinden der Symptome diese absetzen. Was dann überlebt hat, kann sich gegen das eingesetzte AB wehren.


    Der hier zitierte "Kuhstall" ist ein marginales Problem gegenüber den z. B. in Indien in Abwässer landenden unzureichend geklärten Substanzen aus der dortigen AB-Produktion (Vor- und Zwischenstufen); das gilt auch für China u.a. Länder, in denen heute AB "günstigst" hergestellt werden. Dort entwickeln sich Resistenzen en masse, die natürlich verteilt werden. Die nosokomiale Infektion im Krankenhaus ist mittlerweile nicht mehr das Problem (D ca. 2000 Fälle p.a., Holland ca. 200).


    Das hat aber wenig mit Bienen und den akt. üblichen Varroabehandlungsmitteln zu tun, die m.W. keine Resistenzen bei den Milben entwickeln (OXS holt noch immer gut 90 % der Milben aus dem Volk bei Brutfreiheit).

  • Vielen Dank für eure vielen Kommentare!

    Das hat mich überrascht, auch die Kommentatoren/Kommentatorinnen, ich bin voller Hoffnung.

    Habe mir alles ausgedruckt und möcte es in Ruhe lesen.

    Ich melde mich - Danke.


    Rolf

    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."