Flügelschneiden als Schwarmverhinderung?

  • Hallo an Alle,
    ich fange zur Zeit mit einem Volk als Hobbyimker an.
    Ich finde gerade alles ganz spannend und möchte gerne alles richtig machen, da wurde ich mit der Frage geschockt ob ich auch meiner Königin die Flügel stutzen wolle. Ist das wirkliche Praxis?
    In der Literatur habe ich nichts darüber gelesen, wer macht das eigentlich? Gibt es Imker die das wirklich machen? Gebt mir mal Eure Meinung darüber.


    Grüsse

  • Hallo Detlef
    Es ist Praxis und macht den Bienen gar nichts. Die Königinn fällt so vor die Beute, und der Schwarm sucht nicht das weite.
    Gruß Guido

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • dieses Thema ist auch in den Fachkreisen umstritten. Es gibt Züchter, die sagen, dass aus einer kupierten nie eine vollwertige Königin wird. Die Völker merken dies auch und weiseln früher um. Die anderen sagen, dass dies eine gute Sache wäre, da einem das Volk bei einem Auszug erhalten bliebe. Ich persönlich mach es nicht, wäre aber bei einem vernünftigen Argument für das Flügel schneiden leicht umzustimmen.

  • Hallo zusammen, was spricht für das Flügelschneiden bei der Königin? Ein Schwarm sucht nicht das Weite, sondern zieht wieder zurück in die Beute. Bei Aussenständen erspart es Anfahrtswege und Arbeitszeit. Man kann einen anderen, längeren Betreuungsrhythmus einführen. Das heisst mehr Zeit für den Imker, oder mehr Völker, oder Zeit für die Zuchtarbeit. Das gilt natürlich auch für den Heimstand.-Nicht immer kann man seine Völker einfach so im natürlichen Einklang abschwärmen lassen. Oft fehlt die Zeit, häufig wollen das auch die lieben Nachbarn nicht. Und der Verlust eines Schwarmes ist auch ärgerlich. -Man hat ein einfaches Mittel zur Altersbestimmung seiner Königinnen. Gerade Jahreszahl wird z.B. der rechte Flügel gestutzt, bei ungerader der linke Flüel. Für Wirtschaftsvölker ist das völlig ausreichend, da man diese in der Regel keine Königin belässt, die älter als zwei Jahre ist.-Wenn man in seinen Völkern eine Königin ohne gestutzten Flügel sieht, weiß man sofort, das das Volk umgeweiselt hat oder noch dabei ist.- Das Volk bleibt trachtstark und wird nicht durch Schwärme geschwächt. Es bekommt eine Königin aus einer Schwarmzelle, die für viele Imkerja als besonders wertvoll gilt, weil sie vom Schlupf aus dem Ei auf Königin gepflegt wurde. Na Xare, ist da ein oder mehrere Argumente dabei, die Dich übezeugen können? V.H. und frohe Ostern wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,


    stimmt alles, was du geschrieben hast. Trotzdem werde ich mich nicht-mehr- dazu hingeben, mein wertvollstes Tier in einem Volk (Herr Büchler schreibt im letzten "Spiegel" treffend "Super-Organismus") absichtlich zu verstümmeln.
    Welcher Dressurreiter schneidet seinem Gaul schon ein Ohr ab ? :cry:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Liebe Bieneninteressierte!


    Seit einigen Wochen schaue ich immer gerne einmal wieder in diesem Forum vorbei, denn ich schreibe momentan eine Maturarbeit über ein Teilgebiet der Imkerei.
    Dies soll nun mein erster aktiver Beitrag werden :D 
    Auch zum Thema Flügelschneiden habe ich während meiner Recherchen etwas herausgefunden, vielleicht können mir Imker zustimmen oder aber widersprechen:
    Das Problem beim Versuch der Schwarmverhinderung durch Flügelstutzung scheint mir zu sein, dass das Volk trotz Flügelstutzung in Schwarmstimmung bleibt! Wenn man sich die möglichen Gründe für das Schwärmen ansieht, erscheint mir dies auch logisch - ausser, das Schwärmen wäre durch das höhere Alter der Königin bedingt, die durch ihren "Sturz" aus dem Stock ja ihr Leben lässt.


    Meines Erachtens ist das Flügelschneiden nicht als solches als eine Lösung für das Schwarmproblem zu sehen, sondern eher als Möglichkeit, das Schlimmste vorerst zu verhindern, etwas Zeit zu gewinnen und sich nach einer optimaleren Lösung für das Problem unzusehen.


    Liebe Grüsse, Jonas Bamberger

    Iß Honig, mein Sohn, denn er ist gut, und Honigseim ist deinem Gaumen süß.
    Sprüche 24,13

  • Hallo Michael, Dein Dressurreiter wird bestimmt nicht seinem besten Pferd die Ohren abschneiden, aber er wird verhindern, das es ihm wegläuft. Hallo Honigbär, das Schwarmproblem löst das Flügelschneiden bestimmt nicht, das geht nur durch Auslese schwarmträger Bienenstämme. Es überbrückt aber die Schwierigkeiten, die beim Schwärmen entstehen. Denk nur einmal an den Verlust durch wegfliegende Schwärme, gerade nach so einer schlechten Auswinterung wie dieses Jahr. Die Imker werden auch immer älter, nicht jeder ist mehr in der Lage, den Schwärmen hinterher zu klettern. Wenn ein Volk erst in Schwarmstimmung ist, ist die sicherste Methode der Schwarmverhinderung die Wegnahme der Königin (nach Bruder Adam). Genau das passiert hierbei. Die Schwarmstimmung schlägt um, die Bienen gehen über, eine Königin aus den Schwarmzellen zu behalten, es sei denn, sie gehöhren einer schwarmlustigen Abstammung an. Züchter wenden sowieso andere Massnahmen zur Schwarmverhinderung und zur Kennzeichnung der Königinnen an. Aber ich schrieb ja auch, das ich das Flügelstutzen für Königinnen in Wirtschaftsvölkern befürworte. V.H.w. Lothar

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  • Hallo Lothar,
    hast recht. Aber es war ja nur mal ein Vergleich. Wenn du die Königin nicht verlieren willst, mußt du aber schon so schneiden, daß sie gar nicht mehr fliegen kann, sonst landet sie vor der Kiste irgendwo im Gras und stirbt dort.
    Ich habe den Königinnen meiner Pflegevölker routinemäßig die Flügel geschnitten, da die ja immer am Rande der Schwarmstimmung gehalten wurden.
    Seitdem isch mit Sammelbrutablegern züchte, hat sich das Problem gottlob auch gelöst.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-


  • Hallo Michael,

    Zitat

    ... die Königin nicht verlieren willst, mußt du aber schon so schneiden, daß sie gar nicht mehr fliegen kann, sonst landet sie vor der Kiste irgendwo im Gras und stirbt dort ...

    Wenn der Schwarm auszieht geht die Königin sicher mit raus, auch wenn ihr alle Flügel fehlen.



    Hallo an alle Neu-Imker, die sich noch nicht an der Königin vergriffen haben,


    ihr wird natürlich kein Flügel abgeschnitten, es wird nur mit einem feinen, scharfen Scherchen ein Vorderflügel um 1/4 gekürzt.
    Die Königin wird dadurch nicht beeinträchtigt, sie stiftet anschließend gleich weiter. Auch ihr Volk reagiert nicht auf diese leichte Verstümmelung, zB. wird nicht vorzeitig umgeweiselt. Wenn die Schwarmverhinderung immer klappt, bleibt sie solange wie jede andere unverletzte Königin im Volk.


    Durch die unterschiedliche Länge beider Flügel kommt die Königin nur wenige Meter weit, der Schwarm sammelt sich irgendwo, vermisst aber seine Überlebensversicherung und kehrt zurück. Die Nachbarn bekommen das kaum mit, und wenn doch, dann sind sie erstaunt, dass die Bienen bald wieder verschwinden.


    Die Königin klettert vor dem Stock durchs Gras, manchmal sieht man sie auch in einem kleine Bienenhäufchen. Wenn man sie nicht gleich findet, ist sie verloren. Das ist der Preis für den Erhalt der restlichen Schwarmbienen.


    Bei "normalen" Bienen, denen der Schwarmtrieb noch nicht ganz weggezüchtet wurde, folgt diesem Vorschwarm nach ca. einer Woche der Singer-(vor-)Schwarm. Er kündigt seinen Auszug am Vorabend mit "Tüten und Quaken" an. Mit seiner jungfräulichen Königin kann er hoch und weit fliegen. Falls der Imker zu lange Urlaub macht ;-) , können noch ein bis mehrere Nachschwärme folgen. Um das zu verhindern, sollte man dem Heimkehrer alle Weiselzellen bis auf eine nehmen; im gleichen Jahr wird die Schwarmstimmung wohl nicht mehr auftreten.
    Beim Zeichnen der bereits stiftenden Jungkönigin stutze ich den Flügel gleich mit.


    Wenn man das Schwärmen miterlebt und Vermehren will, kann man einen Brutableger (oder Zwischenableger) bilden. Man lässt dem Schwarm nur eine Brutwabe mit Weiselzelle und gibt ihm dafür Mittelwände. Er wird diese schnell ausbauen, wenn gefüttert wird; auch bei Tracht füttern, er kann diese dann evtl. noch nutzen, da keine Brut zu pflegen ist (aber Honig!!!-Lösung 1:1).


    Das Flügelstutzen ist also keine Schwarmverhinderungs-Methode, es ist nur eine Rückversicherung, falls eine der 99 %-ig sicheren Methoden versagt.



    PS:
    Einiges aus meiner Anfängerzeit, als meine Schwarmverhinderungs-Methoden noch weit unter 100 %-Sicherheit :-) lagen:
    1)
    Eine erst nach ca. 1 Stunde gefundene Weisel, die ich ihrem Volk/Schwarm zurück gab, verweigerte das Eierlegen für immer, obwohl die Mittelwände weitgehend ausgebaut wurden.
    Mit einer erhaltenswerten Königin habe ich deswegen später zur Kontrolle der Eiablage erst einen kleinen Ableger in einem Mehrwaben-Begattungskästchen gebildet.
    2)
    Ein Schwarm sitzt 15 m seitlich vom Stock in einer dichten Brombeerhecke 30 cm über dem Boden, er denkt nicht ans Heimkommen. Nach mühsamen Freischneiden des Schwarms ergab die Kontrolle der Königin, dass höchstens 1/8 der Flügelspitze fehlte.
    3)
    Zwei dicht nebeneinander stehende Vöker, Anflugbretter bis zum Boden, die Geschwister-Königinnen sind mit Nummern gezeichnet.
    Bei Volk A am späten Vormittag Schwarmkontrolle, Königin beim Stiften, wenige bestiftete Näpfchen zugedrückt, keine älteren Zellen gefunden.
    Volk B sollte am frühen Nachmittag dran kommen, ich kam 5 Minuten zu spät, der Schwarm zog gerade aus. Königin trotz sofortiger Suche nicht gefunden.
    Während ich bei B die Mittelwände einhänge, schwärmt völlig überraschend auch A.
    Habe ich dort was übersehen? Nochmalige gründliche Kontrolle - im Restvolk A spaziert eine gezeichnete Königin, es ist die aus B.
    Sie muß auf dem daneben liegenden Anflugbrett oder direkt davor gelandet sein und ist in das Nachbarvolk gelaufen.
    Für mich unglaublich: die fremde Königin wird angenommen, die Stockmutter zieht aus!

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)