Das Sanieren von CPV (Chronischer Paralyse Virus)

  • Habe bei einem Volk etwas ganz ähnliches entdeckt, mit einem mir neuen Symptom:


    ein paar Dutzend Drohnen, innen auf dem Gitterboden, die fast alle zittern.

    Teilweise bäumten sie sich vorne unkontrolliert auf, fielen auf den Rücken, blieben eine Sekunde liegen bleiben, und brachten sich dann wieder in die Ausgangsposition.


    Das Zittern wirkt auf mich anders als das CBPV-Zittern, das ich letztes Jahr sah.


    Kennt Ihr dieses Umfallen und über den Hinterleib auf den Rücken fallen?


    Liebe Grüße;

    humml

  • Ich hab gestern eine Beobachtung gemacht, die ich nicht so recht einschätzen kann.


    An einem Stand werden massiv die Drohnen rausgeworfen und liegen tot vor der Tür. So weit, so normal. Allerdings waren vorm Flugloch auch einige unterwegs, die das typische CBPV-Zittern hatten, hauptsächlich Drohnen. Bei der Durchsicht waren auch Zitterer auf den Oberträgern unterwegs, wieder die Drohnen.


    Hat jemand da eine Erklärung für? Habe erstmal dokumentiert und auch eine Probe eingefroren, wer weiß, wozu man die nochmal braucht.

    Ich hab ergänzend noch mal 2 Fotos angehängt. Für CBPV scheint mir aber der Totenfall mittlerweile recht hoch.

    Alternativ noch eine Vergiftung. Momentan wird in der Kartoffel gespritzt, gehen die da massiv dran, wenn sonst nur Läppertracht herrscht? Dagegen spricht natürlich wieder, dass vor allem Drohnen betroffen sind.


    Ich werde nächste Woche mal den BSV kommen lassen. Ob der dann noch was erkennt, sei mal dahingestellt, aber diese Woche ist er beruflich unterwegs.


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  • Für CBPV scheint mir aber der Totenfall mittlerweile recht hoch.

    Für CBPV scheint mir der Totenfall normal zu sein - da kann man den Totelfall in oft in KG messen, es sind dann aber nicht nur Drohnen betroffen, sondern auch vor allem Arbeiterinnen. Aber wenn gespritz wird dann kann es auch eine Vergitung sein. Sende den Totenfall zur Analyse ein, dann "weist" Du hinterher mit Sicherheit was los ist/war...

  • Das sieht wirklich nach Vergiftung aus. Bitte ziehe davon eine Probe. Dazu gibt es gute Anleitungen.


    Das ist wirklich sehr auffällig. Viruserkrankungen sind vom Bild anders, , sie töten nicht auf einen Schlag viele Bienen, sondern beginnen mit wenig und Steigerung und man hat häufig bei noch lebenden Bienen Krankheitssymptome, wie Zittern, stolpergang, haarlosigkeit....etc. Hier ist aber sehr schnell, sehr viele Bienen betroffen ohne dass ich am Bild Veränderungen der Bienen gesehen habe. Ist auchTotenfall in der Beute? Oder gibt es da Auffälligkeiten.. ( Zittern Orientierungslosigkeit kann auch Gift verursachen.) Ich würde beim Bieneninstitut anrufen, die machen da versuchen und können vielleicht Tipps geben.


    Ich würde bei Verdacht auf Gift. Beute zu machen und flüssig füttern. Damit verdünnt man Gifte und das Volk kann sich vielleicht erholen. Das würde ich für drei Tage zunächst, als sofortmassnahme machen. Nur mein Gedankengang.


    Aber erst mit Bieneninstitut reden!

  • Bei Vergiftungen genügt es wenn eine Handvoll Bienen das Mittel abbekommen und es dann durch Verteilung im Stock zu massivem Schaden führt…

    „Wenn Bienen den Mindestlohn erhalten würden, würde ein Glas Honig mehr als 132.000 Euro kosten „🤔

  • Hallo zusammen,


    ich möchte hier einmal eine Sache zur Diskussion stellen, die mir aufgefallen ist, von der ich aber zum einen Unsicher bin, ob ich aus meiner Beobachtung die richtigen Schlüsse ziehe und (deshalb) zum anderen, ob ich sie nocheinmal ausprobieren soll. Vorausschicken möchte ist noch, dass ich über Ableger spreche, nicht über Wirtschaftsvölker.


    Vereinfacht könnte man ja sagen, dass CBPV v.a. eine Erkrankung der erwachsenen, evtl. sogar der älteren Bienen ist. Ich will mich nicht versteigen, halte es aber für plausibel, dass auch die Virenlast in älteren Bienen höher ist, sie also infektiöser sind, als jüngere Bienen.


    Dafür spricht, dass es Berichte selbst von ausgeprägteren Fällen gibt, die mit Einsetzen der Sommertracht immer weniger Symptome zeigen und am Ende der Saison "geheilt" sind (zumindest weitestgehend ohne Symptome): die älteren, infizierten Bienen arbeiten sich regelrecht kaputt und werden so rechtzeitig ausgeschieden, die Krankheit wird sozusagen ausgeschwemmt.

    Dementsprechend wird hier im Faden u.a. empfohlen, beim Verstellen/Isolieren infizierter Völker garnicht unbedingt abzuwarten, bis alle Flugbienen zurück sind, wie man das normalerweise tut, sondern eher tagsüber abzuwandern, um Flugbienen auszuscheiden.


    Andersherum war in meinem Falle wahrscheinlich die Vorgehensweise bei der Bildung der Ableger (lange brutlose Zeit, wohl im Zusammenspiel mit dem schlechten Wetter, also viele alte Bienen eng zusammengedrängt in der Kiste) der Grund dafür, dass die Krankheit sich in diesen besonders "gut" entwickeln konnte, diese jedenfalls besonders ausgeprägte Symptome entwickelt haben.


    Ich hatte an einem Stand (nach dem Abräumen des am stärksten befallenen Ablegers) zwei weitere Ableger auf zwei nebeneinander stehenden Ständern, beide mit moderaten Symptomen (Totenfall innen etwas stärker, als üblich, "Wartegruppe" vor der Security am Flugloch etwa 5-6cm Durchmesser).


    Einige Zeit später musste ich feststellen, dass einer dieser Ableger hoffnungslos weisellos geworden war. Da ich meine paar Wirtschaftsvölker (nach früher TBE gerade wieder auf dem Weg zur Trachtstärke) wg. weiterer weiselloser Ableger um die dritte Brutwabe hätte erleichtern müssen und sich die Wiederaufnahme der Bruttätigkeit in den Ablegern noch weiter verzögert hätte (Annahme: die alten Bienen noch älter geworden und noch mehr auch nicht mehr ganz junge Stockbienen angesteckt hätten), habe ich mich stattdessen dazu entschieden, den weiselosen Ableger gut einzuräuchern und am Stand vor den weiselrichtigen Ableger zu fegen.


    Viele dieser Bienen - und nach meinem Eindruck viele der jüngeren, sie saßen eher verwirrt herum - sammelten sich daraufhin auf dem Beutenständer, auf dem die Beute gestanden hatte. Die Flugbienen waren eher in der Luft und suchten die Beutenfront (Anflugbretter zu Beginn der CBPV-Symptome entfernt). Ich habe mich dann kurzfristig dazu entschieden, die weiselrichtige Beute auf den freien Platz dieses Beutenständers um zu stellen, 1. um den jüngeren Bienen (die ich ja behalten wollte), das Auffinden der Beute zu erleichtern und 2. um gleich auch die schwächeren Flugbienen des weiselrichtigen Volkes auszudünnen.

    Einige Tage später, bei der nächsten Kontrolle habe ich die Beute aus Grund Nr. 2 wieder an den alten Platz auf den ursprünglichen Ständer gestellt.


    Der Ableger ist jetzt fast so stark, wie ein Wirtschaftsvolk und zeigt kaum CBPV-Symptome mehr, der Totenfall auf dem Boden hat normales Niveau erreicht, obwohl erheblich mehr Bienen in der Kiste sind. Das vereinigte Volk sieht erheblich besser aus und bekommt morgen einen Honigraum.


    Die Frage ist, ob das trotz oder (zumindest auch) wegen meiner Vorgehensweise der Fall ist.


    Akut ist die Frage, weil ich ein drohnenbrütiges Volk auflösen muss und das einzige stärkere Jungvolk an diesem Stand CBPV-Symptome aufweist, die sogar etwas stärker sind, als die oben beschriebenen. Wie man eigentlich vorgeht, hat mir zuletzt bienenfred freundlicherweise nochmal erklärt, dem will ich auch gern folgen!


    Ich frage mich aber vor dem Hintergrund der Entwicklung oben, ob es nicht eine Überlegung wert ist, den weiselrichtigen (CBPV-belasteten) Ableger einfach an den Platz des (symptomlosen) drohnenbrütigen Volkes zu stellen, um die angeschlagenen Flugbienen auszudünnen, in der Hoffnung, damit die Virenlast im (neuen) Volk zu senken. Die Brutwaben des drohnenbrütigen Volkes würde ich dann davor abkehren, wäre für die also der "ursprüngliche" Platz (was immer das den Stockbienen helfen mag).

  • Laborbefund ist da. Bei allen Proben wurde CBPV nachgewiesen. In zwei Fällen noch zusätzlich BQCV, was ich als Virus bisher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, bei einem dieser beiden Völkern konnte noch DWV nachgewiesen werden.

    Wenn man bedenkt, dass bei den Proben im Oktober 2020 nichts von alledem nachweisbar war, in den selben Völkern, und jetzt sich der Totenfall vor den Beuten stapelt, und ich keine Ahnung habe, wo das alles eigentlich hergekommen ist, dann ist das ausgesprochen verunsichernd.


    Im Moment bin ich unsicher, was ich als nächstes unternehmen soll. Habe die Völker teilweise tagsüber umgezogen (und so Flugbienen zurückgelassen), ein paar waren so dünn, dass ich die zu Ableger verarbeitet und dabei umgeweiselt habe (als eine Möglichkeit damit umzugehen, die ich gerade teste).


    Ich überlege, Völker aus der Linde zu nehmen, HR runter, und dann die von rase beschriebene AS Behandlung vorzunehmen, um dann umzuweiseln.

    Bisher gab es aber keine Rückmeldung, ob diese Vorgehensweise seinerzeit zum gewünschten Erfolg geführt hat.

    In Hohen Neuendorf hatte man auf Nachfrage auch nur den Tip "Abschwefeln!", aber das ist nach den Erkenntnissen und Erfahrungen, die hier zusammengetragen wurden, scheinbar ein Rat, der darauf zurückgeht, dass man eigentlich keine konkreten Erfahrungen oder Erkenntnisse vorliegen hat.


    Es sieht derzeit immer noch so aus, dass eine bestimmte Gegentik anfälliger ist als andere, und das manchen Völker gänzlich immun zu sein scheinen, obwohl sie von erkrankten Völkern umgeben sind. Daher halte ich Umweiseln für eine der besseren Ideen, damit umzugehen. Ob das aber stimmt, weiss ich natürlich auch nicht.


    Alles in allem ausgesprochen frustrierend und besorgniserregend.

  • Bei uns ist dieses Jahr NICHTS. Das finde ich auch verunsichernd. Abschwefeln ist ultima Ratio. Nimm die Linde noch mit, danach AS, vielleicht mit dem Schwammtuch (ich hab mit dem Nassenheider). Danach ggf umweiseln und dünn füttern. Viel Erfolg!

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Die Beobachtung "Bei uns ist dieses Jahr NICHTS" scheint typisch für CBPV zu sein. Ich habe inzwischen mehrfach in Studien gelesen, dass CBPV lokal gehäuft, aber nicht ausdauernd auftritt. Anders als bei Faulbrut gibt es halt keine lange anhaltend infektiösen Sporen, die in der Landschaft liegenbleiben. Bei Faulbrut haben wir lokale Häufung mit erhöhtem bleibendem Risiko, wenn erstmal Faulbrut ausgebrochen ist.


    Aber über CBPV ist viel weniger bekannt, als über Faulbrut. Also genau beobachten.


    Gruß
    Ludger

  • Mein CBPV Volk ist jetzt auch noch weisellos und ohne Brut. Das wars. Morgen abend kommt die Schwefelschnitte leider raus...

    Weiß jemand wie lange der Virus außerhalb von lebenden Wirten aktiv bleibt?
    Ich denke da an Paletten, Waben, Beuten und die toten Bienen im Gras...

    Steingarten ist Keingarten
    Für alle die, die kein Imker sind: gemeint ist Schottergarten, reimt sich aber nicht so prickelnd...



  • Weiß jemand wie lange der Virus außerhalb von lebenden Wirten aktiv bleibt?
    Ich denke da an Paletten, Waben, Beuten und die toten Bienen im Gras...

    Ich habe letztes Jahr bei meiner Recherche nichts dergleichen gefunden. Übertragungsweg

    zwischen adulten Bienen über Fütterung, eventuell Körperkontakt. Bei mir frassen Eidechsen

    die toten Bienen weg, Reste habe ich auf den Kompost. Im Gitterboden war nie was, da habe

    ich einen sehr reinlichen Bienenstamm. Beuten habe ich gelassen wie sie sind, da sie schön propolisiert waren. An diesem Punkt würde ich vielleicht mal ansetzen, wenn sich jemand dafür interessiert. 2018 (?) war ich in Mayen bei der Herbsttagung / Tag der offenen Tür. Einer

    der Vorträge war zum Thema Propolis, Vortragende Dr. Eva Frey / Hohenheim. Ich möchte jetzt nichts falsches behaupten, meine aber, dass in diesem Zusammenhang der Begriffszusammenhang „ Propolis als Teil des extrakorporalen Immunsystems der Bienen “

    fiel . Es kann sein, dass dem nicht so ist und ich es irgend woanders gelesen habe. Aber

    sie wäre ja vielleicht eine Ansprechpartnerin diesbezüglich ? :/

    immer wieder bin ich gespannt, was die Bienen anders machen...