Das Sanieren von CPV (Chronischer Paralyse Virus)

  • Bleibt die Frage nach dem WARUM? Warum hier sinkend, und dort steigend? Und warum ggf. in DEU aktuell eine Trendwende? - Ich habe keine Ahnung. (Vielleicht hat es doch was mit Verbreitung von AS zu tun.)

    Ich würde die Frage umformulieren: Was wird in Deutschland von den Imkern anders gemacht als in US und UK?

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Das warum ist nicht zu klären.

    Warum kam es 2017/2018 zu geschätzten 25100 Grippetoten? Die schwerste Grippewelle seit 30 Jahren?


    Warum hat die spanische Grippe 1918 solche Auslasse angenommen? Dabei ist der Erreger, ein und derselbe, der heute die Grippe auslöst.


    Viren sind Faktoren abhängig. Feuchtigkeit, bei Corona vermutlich die erhöhten Erkrankten durch die kühlen Hallen, Witterungs abhängig. Dazu das Futter, ein Mangel oder zu viel Tracht. Transporte Stress durch Räuber. Etc.


    Auch in Deutschland gibt es viele betroffene Völker. Nur nicht jeder erkennt das Problem. Und kommt es zu ungewöhnlichen Klima oder Trachtereignissen kann der Virus sich besser oder schlechter verbreiten.


    Ob immer nur Varroa hohe Verlustzahlen macht, kann ich nur bedingt glauben. Oft kommt doch noch ein anderer Faktor dazu, eben auch Viruserkrankungen.



  • In den UK und den USA gab's stetig steigende Werte von 1% in 2011 bis 46% in 2016 in UK, und von 0% in 2009 bis 18% in 2017 in den USA.


    Vergleichend dazu gab es beim Bienenmonitoring in Deutschland 2013 einen sehr hohen Nachweis von 35,8% CBPV in den Proben, dann sinkend 2014 auf 20,7%, 2015 nur mehr 3,3%, und 2017 weiter sinkend auf 1,5% ... aktuellere Zahlen sind scheinbar nicht veröffentlicht.

    Für diese Unterschiede kann es mglw. auch andere Erklärungen geben, die nicht unmittelbar mit dem Virus zusammenhängen, z.B.:

    - unterschiedliche Melde- und Registrierungssysteme (m.W. gibt es in USA bzw. UK kein dem deutschen Bienenmonitoring vergleichbares Untersuchungssystem)

    - Die mikrobiologischen Anzeige von CPBV-Spuren und das Auftreten von klinischen Erkrankungszeichen in den Völkern kann man nicht gleichsetzen. Worauf beruhen die Zahlenangaben aus USA, UK (verdachtsunabhängige mikrobiologische Beprobung oder Augenscheinsangaben von Imkern?)

    - Schärfung der jeweiligen Diagnosesysteme (imkerliche Fortbildung/Sensibilisierung vs. unveränderte Laborauswertung)

    - statistische Unterschiede, z.B.: Wie wurde die Durchseuchung gemessen: pro Imkerei, pro Bienenstand oder gar bezogen auf jeweils diagnostizierte Völker? Je nachdem - da können sich bereits unterschiedliche Betriebsgrößen signifikant auswirken ganz unabhängig von den vermehrten viralen Ansteckungsmöglichkeiten in industriell-imkerlichen Massenbetriebsweisen.

    - u.s.w.

  • Worauf beruhen die Zahlenangaben aus ... UK (verdachtsunabhängige mikrobiologische Beprobung oder Augenscheinsangaben von Imkern?)

    Hier der Link zu einer aktuellen Studie, veröffentlicht im Mai 2020 von Professor Giles Budge, die den aktuellen Stand in UK abbildet: https://www.nature.com/articles/s41467-020-15919-0

    Zitat

    Disease prevalence

    A total of 79,873 apiary visits to 24,186 beekeepers were conducted by government bee health inspectors during the period 2006 to 2017 (Supplementary Fig. 1). The majority of visits occurred during the active beekeeping season, between April and September (Supplementary Fig. 2). Although most visits were initiated by NBU inspectors (non-call-outs ~82% of visits), some were conducted in response to call-outs by beekeepers with concerns about honey bee health (~18% of visits; Supplementary Fig. 2). Interestingly, the frequency of call-out visits to amateur beekeepers (<40 colonies) was about double those of professional beekeepers with ≥40 honey bee colonies, suggesting professional beekeepers were less likely to call out a NBU inspector.


    Und hier noch der Link zu Giles Bugde bei Researchgate. Viele seiner Veröffenlichungen betreffen Bienen.: https://www.researchgate.net/profile/Giles_Budge

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von vosp ()

    • HR zum Ausschlecken nur den eigenen Völkern geben?
    • HR auch im kommenden Jahr wieder den gleichen Völkern geben?
    • Für jedes Volk ein eigener Stockmeißel?
    • Gleiches gilt für Futtergeschirr (wobei man das zwischendurch gut desinfiziert bekommt)?
    • Königinnen, die man nicht selber gezogen hat - vorher in Quarantäne?
    • usw. usf.

    Schon beim Schreiben denke ich mir, das ist alles logistisch gar nicht machbar, erst recht nicht bei hohen Völkerzahlen.

    Wenn Du das "pro Stand" siehst, statt "pro Beute/pro Volk", dann ist es machbar. Innerhalb eines Standes werden sich Viren verbreiten, sofern Du nicht sofort eine Charantäne, oder einen Charantänestand, einrichtest...

    (Mein Vater hatte auch einen Satz Werkzeug pro Stand.)

  • Das klingt plausibel.

    Ich habe jetzt zwischen den Durchsichten Stockmeisel und Hände desinfiziert.

    Beim abgeschwefelten Volk habe ich die Rähmchen verfeuert und die Waben entsorgt.

    Beuten und Zubehör habe ich ausgewaschen (Styrodur) und danach alles mit Flächendesinfektionsmittel aus der Humanmedizin abgesprüht. Ich hoffe, das hilft.

    Ich möchte nicht das gesamte Material entsorgen müssen.

    Es zeigen alle Wirtschaftsvölker vereinzelte Zitterbienen.

    Deswegen habe ich mich dieses Jahr für AS entschieden. Mal schauen.

    Die Windelkontrolle bei allen zeigte keinen übermässig hohen Milbenfall.

    Allerdings war das bei meinem abgeschwefelten Volk deutlich anders.

  • Ich konnte doch noch aktuelle Daten für 2019 für Deutschland finden. - Die "gefühlte Zunahme" von CBPV ist leider bestätigt.

    Zitat

    Chronisches Bienenparalysevirus konnte in 12,3 % der eingesandten und untersuchten Frühjahrsproben sowie in 22,2 % der Herbstproben gefunden werden. Sequenzanalysen zeigen eine genetische Verwandtschaft zu bereits hier in Mitteleuropa bekannten CBPV-Varianten.


    2018 wurde das Projekt „Viroscan“ als interdisziplinäre Kooperation des Bieneninstituts Kirchhain mit dem Institut für Virologie der Universität Gießen begonnen. - Ein Zwischenbericht zum Projekt findet sich im Jahresbericht des Bieneninstutut Kirchhain auf Seite 3.

    Hier der Link zum Download: https://llh.hessen.de/bildung/bieneninstitut-kirchhain/

  • Im Beitrag #124 wird Folgendes gefragt:

    Die Frage bei CBPV ist, tritt es bei Berufsimkern, die einfach viele Völker an einem Stand, vielleicht mit einer Genetik haben, vermehrt auf?

    Die schon im Beitrag #130 verlinkte epidemiologisch Studie “Chronische Bienenlähmung als ernsthafte Bedrohung für Honigbienen (Original: Chronic bee paralysis as a serious emerging threat to honey bees)” hat dazu für England und Wales die Angabe:

    Zitat

    Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Risiko einer chronischen Bienenlähmung bei Bienenhausbesuchen bei professionellen Imkern im Vergleich zu Amateuren 1,5 (CI 1,4–1,6) Mal höher war. Frühere Fälle von chronischer Bienenlähmung in England wurden positiv mit der Koloniedichte korreliert, was den Zusammenhang mit professionellen Imkern erklären könnte, die natürlich eine höhere durchschnittliche Anzahl von Kolonien an einem Bienenstandort haben (12,9) als Amateure (4,9). Viele Managementpraktiken unterscheiden sich zwischen Amateur- und Berufsgruppen, und es ist bekannt, dass einige, wie das Hinzufügen von Pollenfallen, chronische Bienenlähmungssymptome hervorrufen.

    (Original: "Our results indicate that the risk of chronic bee paralysis being recorded during apiary visits was 1.5 (CI 1.4–1.6) times greater for professional beekeepers when compared to amateurs. Previous cases of chronic bee paralysis in England have been positively correlated with colony density, which could explain the link with professional beekeepers who naturally have a higher average number of colonies on an apiary site (12.9) compared to amateurs (4.9). Many management practices will differ between amateur and professional groups, and some, such as the addition of pollen traps, are known to induce chronic bee paralysis symptoms.")

  • Das warum ist nicht zu klären.

    Warum kam es 2017/2018 zu geschätzten 25100 Grippetoten? Die schwerste Grippewelle seit 30 Jahren?


    Warum hat die spanische Grippe 1918 solche Auslasse angenommen? Dabei ist der Erreger, ein und derselbe, der heute die Grippe auslöst.

    Die Antwort findet man vielleicht hier ab Minute 16 in etwa.

    Aber ob man das mit CBPV vergleichen kann, weiß ich nicht.

  • Versuche mich kurz zu fassen. Die folgenden Behauptungen stammen nicht alle von mir und entstammen aus vielen Seiten lesen, praktischen Beobachtungen und sind vielmehr eine kleine Zusammenfassung. Bitte erst drüber nachdenken, bevor mich jemand kritisiert. Praktiziere selbst die TBE, fange aber an darüber etwas genauer nachzudenken.


    Jetzt mal etwas anders gedacht. Was hat sich geändert?


    1: Das Pollenangebot ist gesunken. Der CO2 Gehalt in der Luft ist stetig gestiegen. Durch steigenden CO2 Gehalt, sinkt der Proteingehalt im Pollen. Wegen sinkenden Proteingehalt, reduzierter Fettkörper, es entstehen kurzlebigere Bienen. Die zweite Auswirkung des reduzierten Fettkörpers, ist eine anfälligere Biene, auch für einen Virus. So nun kommt im Juli so ein Imker entfernt die Brut, steckt neue Rähmchen und Mittelwände in den Kasten. Durch die Entnahme der Brutwaben, sinkt die Anzahl der Ammenbienen, weil sie ja nicht mehr gebraucht werden. Wer füttert die Flugbienen mit Proteinen/Futtersaft? Genau die Ammenbienen, denn alleine von Kohlehydraten, kann keine, auch keine Adulte Biene leben. Die Zahl der Ammenbienen ist aber nun reduziert wegen fehlender Brut und es herrscht ein Ungleichgewicht. Der Fettkörper der Bienen sinkt weiter, zumindest bessert es nicht den Zustand. Zusätzlich wird durch die Entnahme der Brutwaben das gesamte Mirkrobiom des Volkes aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Wachstum des für die Versorgung mit Vitamin B12 und K zuständigen Schimmelpilzes Aspergillus wird gehemmt. Die Lage verschlechtert sich weiter und das Volk muss ganz von neuem beginnen. Eine schwere Aufgabe um dies Jahreszeit.

    2: Sinkender Proteingehalt wie in These 1, entstehenden Auswirkungen bleiben erhalten. Es wird aber anstatt einer TBE, Ameisensäure in ein Bienenvolk eingebracht. Was passiert? Wenn ich ehrlich bin, genau weiß ich es nicht. Teile der Brut bleiben zumindest erhalten und somit existieren auch mehr Ammenbienen, wahrscheinlich bleibt das Gleichgewicht erhalten. Welche Auswirkungen die Ameisensäure auf das Mirkrobiom insgesamt hat und ob der sich positiv auswirkende Schimmel Aspergillus zerstört wird, konnte ich nicht endgültig klären. Habe hierzu nicht sehr viel gefunden. Des Weiteren ist darüber nachzudenken, muss das komplette Wabenwerk wirklich jedes Jahr erneuert werden? Entsteht dadurch vielleicht mehr Schaden als Nutzen? Werde dieses versuchen zu klären, was dabei herauskommt, bin selbst gespannt. Bitte keine negativen Kommentare, es kostete genug Überwindung das hier im Forum zu schreiben.


    Mit nachdenklichen Grüßen

    Mark-o

    Der Pessimist ist ein Optimist, der aus seinen Erfahrungen gelernt hat.

  • Ich finde den Text von dir Mark-o als Anregung sehr gut.


    Es ist leider schwierig den Finger auf den richtigen Punkt zu legen.

    Eine Sache gebe ich noch zu bedenken, da es uns alle betrifft. Allergien, waren um 1900 eine Rarität, heute sind sie häufig. Unsere eigene Wohnkultur hat Einfluss auf unser Immunsystem. Doch wissen wir nicht genau, was wie gesteuert wird und wann es zu einer Veränderung führt. Dafür ist das Thema zu komplex. Es ist die Frage, ob ein Flüfelschlag eines Schmetterlings einen Sturm auslösen kann.