Das Sanieren von CPV (Chronischer Paralyse Virus)

  • Hier mal ein Link wie CBPV ausschaut (Stewart Spinks):

    Interessantes Video.


    Stewart Spinks spricht davon, dass er das Volk bis auf die zitternden Bienen okay findet und stark.


    Nun, so aus dem Video und die Entfernung war mein Eindruck, dass da relativ wenig verdeckelte Brut war und, wo verdeckelte Brut sichtbar war, dies mir doch ziemlich löcherig vorkam. Von einem Legegang der Königin konnte ich nicht viel sehen ...


    Sehen denn die Brutnester bei Euch wirklich okay aus?


    Auch ich sehe ein paar solcher zitternden Bienen bei einem Ableger. Das begonnene Brutnest der jungen Königin hat mich wegen seines etwas löcherigen Aspekts bereits ein Kreuz zur besonderen Beobachtung an die Kiste machen lassen.


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Das ist plausibel. - Daraus kann man aber nicht schließen, dass CPBV erblich bedingt wäre.

    Das Virus nicht, aber womöglich die Anfälligkeit an dem Virus zu erkranken.


    Gruß Chris

    Ok. Verstehe. Eine Hypothese zur Genetik.


    Hier eine Studie zur horzontalen Verbreitung von CBP-Viren, die deine Beobachtungen erklären könnte: Wenn bei einer Königin CBP-Viren nachgewiesen werden können, dann auch in ihrer Spermatheka, ihren Eierstöcken, und auch in den Eiern und Larven. Siehe hier: https://aem.asm.org/content/72/1/606.short (Chen, Y.P., Pettis, J.S., Collins, A., and Feldlaufer, M.F. (2006). Prevalence and transmission of honeybee viruses. Appl Environ Microbiol72:606-611.)

  • Vollkommen korrekt,

    eine vertikale Krankheitsübertragung (infizierte Königin gibt Das Virus an ihre Eier weiter) ist von einer genetischen Disposition nur schwierig zu unterscheiden. Für die Behandlung des Einzelvolks spielt es aber nur eine untergeordnete Rolle, ob die Töchter einer Königin erkranken, weil sie eine entsprechende genetische Disposition haben, oder weil sie bereits bei der Eilage infiziert werden. Ein Austausch der Königin hätte in beiden Fällen gute Chancen auf Erfolg.
    Für den Züchter spielt es natürlich eine große Rolle, was die Bewertung der Schwesternvölker eines an CBPV erkrankten Volkes angeht.

    Wenn es eine genetische Disposition für CBPV Anfälligkeit gibt, hätte natürlich eine entsprechend disponierte aber noch gesunde Königin eine schlechtere Chance gesund zu bleiben, als eine andere. Für die Heilungsaussichten spielt es insofern also doch wieder eine Rolle.

    Gruß
    Ludger

  • Die Kunstschwarmsanierung ist das effektivste Mittel bei einem Volk mit hochgradigen Virusausbruch.


    Wenn das Volk es nicht schafft nach der Sanierung durchzustarten mit neuer Königin. Hätte es auch mit der entfernten Brut keine Chance mehr gehabt. Brut bedeutet Arbeit und kranke Brut, die durch den Virus geschädigt wird, bedeutet keinen gesunden Ersatz für das Volk. Es ist, wie bei Varroa, der Schaden ist grösser, als was wir im Volk wahrnehmen. Man muss manchmal hart beurteilen, was man retten möchte und auch retten kann.



    Da CPV oft mit hohem Varroaschaden assoziiert ist, sagte mir Guido Eich, wer gut die Varroa im Griff hat, hat auch viele der Viren im Griff.

  • Bloß entfernt man beim KS Verfahren die gesunde Brut, und arbeitet ausschließlich mit dem adulten (und ggf. infizierten) Volksteil... - ob das die Lösung ist?

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Die Kunstschwarmsanierung ist das effektivste Mittel bei einem Volk mit hochgradigen Virusausbruch.

    Nicht ganz so schnell... Nehmen wir an, dass das Volk eine Disposition für CPV hat, die Königin aber noch nicht selbst infiziert ist. So wurde z.B. in Versuchen gezeigt, dass die Königin es vermeidet von kranken Bienen Futter anzunehmen, solange noch fitte gesunde Pflegebienen da sind, die sie versorgen.

    Dann würde das Virus hauptsächlich horizontal zwischen den adulten Bienen weitergegeben, die Bienen in der Brut (auch hauptsächlich von gesunden Bienen gepflegt), wären aber noch gesund. Eine Kunstschwarmsanierung wäre in diesem Fall nicht sinnvoll, da die falschen Bienen aus dem Volk entfernt werden.


    Gruß
    Ludger

    p.s. sehe grade Ralf war schneller.

  • (...) sagte mir Guido Eich, wer gut die Varroa im Griff hat, hat auch viele der Viren im Griff.

    Wenn ich mir vorstelle, wie das war in meinen ersten Imkerjahren (damals!!! 😂), dann war die Windel nach dem Perizin komplett braun. Was heute als extremer Befall gilt, war vor 20 Jahren ein Witz. Dafür hätte niemand behandelt. Da fielen in 24h 15.000 Milben. Trotzdem hab ich in dieser Zeit nie ein Volk an die Varroa verloren. Heute fallen 200 Milben, das Volk ist tot und der Imker 'hat die Varroa nicht im Griff'? Wer hat denn den Imker im Griff? Ich hoffe, der Guido Eich meine das nicht so eindimensional, wie es als Zitat klingt.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Wir haben eben inzwischen verweichlichte Bienen? Zu viel Gehätschel und Getätschel?

    :u_idea_bulb02:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Ludger Merkens Du behauptest, dass die Kunstschwarmsanierung alle Ammenbienen entfernt aus dem Volk?


    Nein, dass stimmt nicht. Nur die Jungbienen 0-2 Tage alt können dabei verloren gehen, weil sie noch nicht ausgeflogen sind. Doch ab dem dritten Tag fliegen sich die Jungbienen ein und werden dann zu Ammenbienen. Da man auch in eine Beute die Bienen abfegen kann, ist der Verlust der Ammenbienen gering.

    Das erlebt man schon bei der Königinnenzucht, wenn man schnell einen Anbrüter erstellt.

    Und wer sagt, dass das was schlüpft, dem Volk hilft?


    rase Dass liegt am ehesten bei dir. Ich habe noch Situationen, wo im Volk 10 000 bis 12 000 Milben sind und solche Völker überleben. Aber das ist eigentlich nicht gewünscht und ich versuche so ein Ausmass an Befall zu vermeiden und genauso gut, wie du zu behandeln. Leider habe ich nicht deine Vorteile bei der Behandlung. Aber vielleicht wird es jetzt besser, Dank deiner Videos.

  • Hier noch der Link zu einem Vortrag zu CBPV (ab Min. 33:30) von Kirsty Stainton bei der National Honey Show:


    Kirsty Stainton präsentiert Zahlen. In UK und in USA hat sich das Virus binnen weniger Jahre sehr stark verbreitet. - Sie zeigt wie CBPV von PSM unterschieden wird. - Sie vertritt die These, dass der Körperkontakt zwischen Bienen für eine Infektion ausreicht, und dies der Hauptübertragungsweg wäre. (Futteraustausch nicht notwendig.) - Und sie stellt klar, dass CBPV für Generationen in den Bienenvölkern bleiben und nachgewiesen werden kann, ohne sichtbare Symptome.


    Ihre Empfehlungen sind Platz in der Kiste, Abstand zwischen Kisten, kein Austausch von Material oder Waben von Kiste zu Kiste, Wabenhygiene/-erneuerung, Desinfektion von Kisten und Werkzeug, und genereller Fokus auf Hygiene.


    Die ersten 30 Min. sind ebenfalls sehenswert, finde ich.