Das Sanieren von CPV (Chronischer Paralyse Virus)

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    Hattet ihr auch dieses Jahr ungewöhnlich lange Trachtpause ?

    Bei mir von Anfang bis ca. 21. Juni. Ab da flogen Sie dann in die Linden.


    Meine Theorie:


    Trachtpause -> kleineres Brutnest -> mehr Varroen pro Brutzelle -> CBPV hat bessere Eintrittsmöglichkeiten durch Bisswunden...


    VG

  • Hattet ihr auch dieses Jahr ungewöhnlich lange Trachtpause ?

    Jein. Ich hab kürzlich gehört, dass jemand zufüttern musste. Wir haben zwar nicht gefüttert, aber ich kann die Honigräume ohne weiteres handhaben :-? Aber wann hätten sie sammeln sollen? War ja immer schlecht Wetter. In den Regenpausen haben sie halt sich selber erhalten.

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Auch jein.

    Meine stehen am Stadtrand zwischen Gärten und Gartenanlagen, da ist viel Läppertracht.

    Es gab auch eine kurze Zeit, in der weniger reingekommen ist. Honigräume sind nicht sehr schwer, das stimmt.

  • Meine Theorie:


    Trachtpause -> kleineres Brutnest -> mehr Varroen pro Brutzelle -> CBPV hat bessere Eintrittsmöglichkeiten durch Bisswunden...

    ... nur zum Überdenken: Kann es sein, dass du ABPV schreiben wolltest? ... Weil CBPV hat einen anderen Übertragungsweg.


    Hier mal ein Link wie CBPV ausschaut (Stewart Spinks):


    Und hier:

  • Das sind Theorien. Das ist alles noch weit weg von Gewissheit.

    Ja es sind fast alles nur Hypothesen, man weiß ja wenig über das Virus und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Die Hypothesen kommen halt auf weil es eine Belastung für die Bienen aber noch viel mehr für den Imker(psychisch) ist. Wir wollen ja alle das es unseren Bienen gut geht.


    Fakt ist wohl das es ein sehr altes Virus ist, es gibt Beschreibungen die über 2000 Jahre alt sind.

    Somit sind Wirt und Virus vermutlich gut aneinander angepasst und ein plötzliches Massensterben nur an CBPV halte ich für eher unwahrscheinlich.

    Ich konzentriere mich jetzt auf die Varroabehandlung und Wabenhygiene und dem Rest wird man dann wohl sehen.

  • rase : Da du schon einiges probiert hast:

    Kann man die befallenen Völker irgendwie clustern, sprich: Haben die Gemeinsamkeiten, wie beispielsweise die selbe Herkunft (die befallenen Völker sind eher einem Züchter oder sogar einer Zuchtmutter zuzuordnen), und wenn umgeweiselt wurde, und das eine erfolgreiche Maßnahme war, war es dann eine andere Herkunft?

    Vielleicht kann man so genetische Präpositionen erkennen, bzw. als Ursache ausschließen?


    Ansonsten, Stichwort "Verflug", und damit Weitergabe von Krankheiten:

    Am Wochenende habe ich meine Begattungseinheiten von der Belegstelle geholt.

    Ich habe eine Buckfastbelegstelle angefahren, mit Begattungseinheiten, in denen ausschließlich graue Carnica Arbeiterinnen waren.

    Als ich gestern den Begattungserfolg geprüft habe, habe ich festgestellt, dass gefühlt mindestens ein Viertel bis ein Drittel der Arbeiterinnen auf einmal rote Ringe hatte.

    Anders gesagt: Obwohl die BGA alle in Einzelaufstellung stehen, farblich und von der Form her unterschiedlich sind, ist der Verflug enorm.

    Mein erster Gedanke war, "so hat sich also die Varroa so schnell verbreiten können" - aber das gilt natürlich auch für andere Krankheiten.

    Das aber nur als Randnotiz.

  • Viertel bis ein Drittel der Arbeiterinnen auf einmal rote Ringe hatte.

    Bienen aus Einheiten, wo die Königin nicht begattete wurde, betteln sich gerne in anderen Einheiten mit König ein. Es muss nicht unbedingt Orientierungslosigkeit sein, es ist auch oft gewollt.

    Der Pessimist ist ein Optimist, der aus seinen Erfahrungen gelernt hat.

  • rall0r

    ich bin zwar nicht Ralf aber kann dir berichten was wir hier in der Gegend die letzten 2 Jahre beobachtet haben.


    Befallen waren hier sowohl Carnica als auch Buckfastvölker (stand- sowie belegstellenbegattet).

    Die Nachkommen (Töchterköniginnen, standbegattet) der Völker die CPBV hatten, zeigten nahezu alle dieselbe Anfälligkeit mit verschiedener Ausprägung. Also wenn, dann von einer Königin nachziehen die kein CPBV hat und damit umweiseln.

    Innerhalb einer Geschwistergruppe gab es auch Völker die CBPV zeigen und welche die Gesund bleiben. Also eine Beschränkung auf eine Zuchtlinie würde ich jetzt nicht geben wenn nur gesunde Völker selektiert werden.


    Zum Thema Verflug hat sich folgendes bei uns bewährt.

    Erkrankte Völker umgehend isolieren wenn möglich, also sofort auf einen gesonderten Quarantänestand.

    Kunstschwarmsarnierung kann ganz bös in die Hose gehen, weil sich der Altersschnitt im Volk rapide ändert. Kunstschwamsarnierung bei Brutkrankheiten in Ordnung, jedoch ist die Brut im Falle von CBPV das einzige Potential was die Völker noch irgendwie am Leben hält.

    Eine junge, unverbrauchte Mannschaft aber hält die Kiste innen sauber indem sie alle erkrankten Bienen rauswirft. Deswegen mit junger Brut verstärken, in dem Zug kann man auch ganz gut umweiseln.


    Dann das übliche, Flugloch klein halten und den Totenfall vor den Fluglöchern regelmäßig (alle 1-2 Tage) entfernen (könnte auch ein Übertragungsvektor sein).


    Das Problem mit CPBV ist, dass es noch nicht hinreichend erforscht ist. Man weiß also noch nicht wodurch es ausgelöst, verbreitet und eingedämmt werden kann.


    Gruß Chris

  • Flugloch klein halten

    Ich hatte es durch diesen Faden eher anders herum verstanden: Flugloch groß halten, damit der Totenfall leicht ausgeräumt werden kann?


    Innerhalb einer Geschwistergruppe gab es auch Völker die CBPV zeigen und welche die Gesund bleiben.

    Wäre das nicht über die unterschiedlichen Drohnen bei der Anpaarung erklärbar?

    Das Problem mit CPBV ist, dass es noch nicht hinreichend erforscht ist.

    Hmpf. Das ist vermutlich der wunde Punkt.

  • ... man weiß ja wenig über das Virus ...

    ... aber es gibt auch gesichertes Wissen über CBPV, wenn auch nicht umfassend.


    Hier eine Zusammenfassung von der Zentralen Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS, 2012): https://www.bvl.bund.de/Shared…_blob=publicationFile&v=3

    Zitat

    Chronic bee paralysis virus (CBPV)


    Das Chronic bee paralysis virus (CBPV) wurde erstmals 1963 aus der Westlichen Honigbiene isoliert [1] und ist weltweit verbreitet. CBPV ist keiner Virusfamilie zugeordnet, weist jedoch Gemeinsamkeiten mit den Nodaviridae (Fisch- und Insektenviren) sowie den Tombusviridae(Pflanzenviren) auf [32]. Das Genom von CBPV besteht aus zwei Segmenten einzelsträngiger RNA positiver Polarität. Bei adulten Bienen führt die Infektion mit CBPV zu einem charakteristischen Krankheitsbild, welches Zittern und den Verlust der Körperbehaarung sowie der Flugfähigkeit umfasst [33,34]. Für gewöhnlich tritt nach wenigen Tagen der Tod der infizierten Tiere ein. Ähnlich wie bei ABPV, KBV und IAPV ist auch die Letalität von CBPV von der Dosis und der Infektionsroute abhängig [35]. Neben den adulten Tieren infiziert CBPV auch Eier und Puppen, führt jedoch aufgrund einer geringen Viruslast in diesen Entwicklungsstadien nicht zu Brutverlusten [36]. CBPV wird vermutlich hauptsächlich oral (z. B. über virushaltigen Pollen) oder fäkal-oral übertragen [37]. Daneben gibt es Hinweise auf eine vertikale Übertragung von der infizierten Königin auf die Eier [21]. In einer Studie von Celle et al. wurde das Virus auch in der Varroamilbe sowie in zwei Ameisenspezies nachgewiesen, wobei noch unklar ist, welche Rolle diese Insekten als Überträger oder als Virusreservoir für CBPV spielen [38]. Auf Kolonieebene kann CBPV mit Kolonieverlusten oder mit einer erhöhten Wintersterblichkeit assoziiert sein [33,39].


    Aus dem bestehenden Wissen heraus gibt es durchaus Ansatzpunkte für eine mögliche Einflussnahme des Imkers zur Genesung des infizierten Volkes:

    Zitat

    Ähnlich wie bei ABPV, KBV und IAPV ist auch die Letalität von CBPV von der Dosis und der Infektionsroute abhängig [35]. ... CBPV wird vermutlich hauptsächlich oral (z. B. über virushaltigen Pollen) oder fäkal-oral übertragen [37].

    Bedeutet: Eine plausible Maßnahme zur Unterstützung wäre also die Virenlast im Stock zu reduzieren: Kann bedeuten alle paralysierten (gelähmten) Bienen aus dem Stock hinaus zu befördern, damit gesunde Bienen nicht mehr um sie kümmern müssen. (Kranke Bienen koten im Stock, werden ggf. noch gefüttert, und müssen tot hinausgeschafft werden.) - Wenn z.B. die Waben von betroffenen Völkern bei der Schwarmkontrolle vor dem Flugloch abgestoßen werden, bleiben gelähmte Bienen draussen. - Dann wäre plausibel die Hygiene im Stock zu unterstützen. (Der Kot von mit CBPV-Bienen ist infektiös.) Es wird also helfen bei der bei der Schwarmkontrolle den Boden und die BR-Zarge sauber zu machen, oder ggf. zu tauschen (desinfizieren in wöchentlichem Rythmus, also ein Tauschboden und eine Tausch-BR-Zarge für ein krankes Volk).

    Zitat

    Neben den adulten Tieren infiziert CBPV auch Eier und Puppen, führt jedoch aufgrund einer geringen Viruslast in diesen Entwicklungsstadien nicht zu Brutverlusten [36]. ... Daneben gibt es Hinweise auf eine vertikale Übertragung von der infizierten Königin auf die Eier [21].

    Bedeutet: Es ist plausibel, dass ein Tausch der Königin zu Besserung führen kann. - Noch plausibler ist der Hinweis von rase , mit Weiselzelle und frischer Brut. [Beitrag #12]

    Zum Thema Verflug hat sich folgendes bei uns bewährt.

    Erkrankte Völker umgehend isolieren wenn möglich, also sofort auf einen gesonderten Quarantänestand.

    Plausibel, dass ein krankes Volk möglichst abseits der anderen Völker in Alleinlage stehen sollte, um Verflug auszuschließen.


    Am wichtigsten wäre aber CBPV frühzeitig/sofort zu erkennen. - Ein Imker würde die Verbreitung der CBP-Viren unterstützen, wenn von einem kranken Volk z.B. HR-Zargen reihum mit anderen Völkern tauscht, oder Ableger macht, oder Bienen für Kunstschwärme erntet.


    ... ich ... kann dir berichten was wir hier in der Gegend die letzten 2 Jahre beobachtet haben.

    Wie beurteilts du den Nutzen zu Aufwand und Risiko der Maßnahmen? - Sind deine betroffenen Völker wieder vollständig genesen?

  • Die Nachkommen (Töchterköniginnen, standbegattet) der Völker die CPBV hatten, zeigten nahezu alle dieselbe Anfälligkeit mit verschiedener Ausprägung. Also wenn, dann von einer Königin nachziehen die kein CPBV hat und damit umweiseln.

    Das ist plausibel. - Daraus kann man aber nicht schließen, dass CPBV erblich bedingt wäre.

    2014 hat Frau Dr. Meixner Ergebnisse veröffentlicht, die zeigten, dass CBPV auch an die Königin übertragen wird, wenn sie von infizierten Bienen gefüttert wird. https://www.researchgate.net/p…lity_and_Infection_Routes

    Wenn also eine Königin mit CBP-Viren infiziert werden kann, und in den Eier CBP-Viren nachgewiesen wurden, dann kann das auch nur ein möglicher Verbreitungsweg der Viren sein.


    Darüber hinaus muss man auch die imkerliche Praxis bedenken. - Es werden Bienen von verschiedenen Völkern geerntet, und daraus Kunstschwärme für Begattungseinheiten gebildet. - Wenn man Bienen mit CBPV eingesammelt hat, dann werden die entsprechend verteilt. - Und Königinnen die von CBPV-Bienen gefüttert werden, können von den Viren selbst infiziert werden. (Meixner, 2014)

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von vosp ()

  • Ich hatte es durch diesen Faden eher anders herum verstanden: Flugloch groß halten, damit der Totenfall leicht ausgeräumt werden kann

    Wenn ich aber sowieso regelmäßig den Totenfall vor dem Flugloch entfernen muss, dann mach ich den Boden grad mit sauber.

    Einem kranken, geschwächten Volk fällt es leichter ein kleines Flugloch zu verteidigen als ein Scheunentor. Es muss natürlich jetzt nicht auf eine Bienenbreite verengt werden.

    Wie beurteilts du den Nutzen zu Aufwand und Risiko der Maßnahmen? - Sind deine betroffenen Völker wieder vollständig genesen?

    Der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen steht für mich nicht zur Frage. Einem kranken Volk muss man bestmöglich helfen sofern noch Substanz da ist, ist das nicht der Fall hilft nur erlösen. Nicht missverstehen, von Päppeln halte ich nichts.


    Umweiseln ist meiner Meinung nach Pflicht, sodass ich diese Genetik ausmerze.

    Aber alle so behandelten Völker haben CPBV bisher überlebt und waren im Folgejahr auch wieder trachtreif. Das soll jetzt aber nicht als Patentrezept dienen, da das Vorgehen nicht immer zu 100% das selbe war und auch ansonsten statistisch schwer verwertbar wäre. Je nach Zeitpunkt der Erkrankung und Dauer kann sich sowas auch mal über einen längeren Zeitraum hinziehen bis die alten Bienen ersetzt sind.


    Es gab hier in der Gegend auch schon Imker die nach langem Warten und Hoffen (wird hoffentlich wieder besser und geht von allein weg) dann mit der Schwefelschnitte behandelt haben oder vor Weihnachten aufgeräumt haben.


    Gruß Chris