Das Sanieren von CPV (Chronischer Paralyse Virus)

  • CBPV/ABPV hat nichts mit Varroa zu tn und kann fast ganzjährig auftreten. Dazu gab es in diesem Jahr bereits einen Thread... - und ja, es scheint so zu sein das CBPV/ABPV in diesem jahr häufiger auftritt oder aufgetreten ist...

    Den Thread hab ich sehr wohl verfolgt. Es freut mich, dass du so sicher bist, dass CBPV nichts mit der Varroa zu tun hat. Mein Sachstand aus dem Thread und den verlinkten Vorträgen, insbesondere Interview mit Dr. Martin Kärcher war: "Nichts Genaues weiß man nicht".

    Das ist es ja, was bedingt was? Und was ist zu tun? - dass das nicht bedingt wird!

    Meine Erfahrung aus den letzten Jahren ist, dass eine ganzjährig gesunde Ernährung und die Distanz zwischen den Völkern nicht unwesentlich dazu beitragen das Einzelvolk gesund zu erhalten.

    Ein Volk steht nun das 2. Jahr ohne jegliche Bearbeitung und hat die Jahresabschlusskontrolle (Bienenmasse, Futtermenge) bestanden und steht somit am Beginn seines 3. Jahres.

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Den Thread hab ich sehr wohl verfolgt. Es freut mich, dass du so sicher bist, dass CBPV nichts mit der Varroa zu tun hat. Mein Sachstand aus dem Thread und den verlinkten Vorträgen, insbesondere Interview mit Dr. Martin Kärcher war: "Nichts Genaues weiß man nicht".

    Hallo Rainfarn ,


    für mich ist das realtiv einfach, im Frühjahr also die Varroalast sehr niedrig war, traten diese Viren mit Krankheitsbild, bei den mir bekannten Imkern, relativ häufig auf - im Sommer als die Varroalast hoch war, waren die Symtome dieser Viren bedigten Krankheit sehr niedrig. Klar ist das Varroen alle möglichen Arten von Viren übertragen können, aber einen direkten Zusammenhang sehe ich nicht.

    OK, natürlich ist der Kommentar oder das Zitat ""Nichts genaues weis man nicht" in diesem Zuammenhang völlig richtig, bedeutet aber nur das der Dr. Martin Kärcher es nicht besser weis :-) ...


    Gruß

    Franz


    P.S.: Ich bin Imker und kein Virologe, daher ist diese "einfache Sichtweise" für mich gut genug ;-) ...

  • FranzXR

    Im Frühjahr haben wir was für Völker?

    Völker, deren Bienen den Winter überstanden haben, die dann sich anstrengen, um eine Erneuerung des Volkes zu erzielen. Das sind noch keine Völker im Maximum der Volksstärke. Auch die Versorgung mit Nektar und Pollen ist machmal ein Problem. So sind diese Völker, allein schon durch ihre Altersstruktur und die Volksstärke, sowie die Versorung anfälliger für Erkrankungen.

    Ein Wirtschaftsvolk in voller Pracht dagegen, mit vielen Bienen kann deutlich mehr Hygieneverhalten zeigen, aber auch deutlich mehr Bienen verlieren bis der Imker etwas merkt. Die Altersstruktur und die Volkserneuerung geht viel schneller....


    Wenn man eine Erkrankung bewerten will, braucht es viel Beobachtung. Da Imker aber dazu neigen,, ihre Völker immer als gut hinzustellen und oft keine Stockkarten zu schreiben oder objektiv auch nur die Volksstärke zu messen, bleibt hier viel im Dunkeln.


  • P.S.: Ich bin Imker und kein Virologe, daher ist diese "einfache Sichtweise" für mich gut genug ;-) ...

    Ich fürchte, da befindest du dich im Irrtum. Es macht für die Behandlung des Phänomens einen extremen Unterschied, ob Varroa als Vektor eine (wichtige) Rolle spielt, oder nicht.


    CBPV (ohne Varroa) ist eine Krankheit, die ausschließlich die adulte Biene betrifft. D.h. die Brut, die aus einem CBPV kranken Volk schlüpft ist normalerweise noch gesund. Eine Brutentnahme ist demzufolge unsinnig. (Auch wenn man damit die Varroa aus dem Volk bekäme)

    Wenn CBPV von der Varroa aber übertragen wird, muss damit gerechnet werden, dass dann auch die Brut bereits vermehrt mit dem Virus infiziert wird. (Milbe infiziert sich an kranker adulter Biene und infiziert die nächste Larve, in deren Zelle sie sich vermehren möchte) Eine Behandlung des Virus würde dann deutlich schwieriger, wenn keine gesunden Bienen mehr nachschlüpfen und womöglich hoch infizierte Ammenbienen im Volk herumlaufen. (junge Bienen sind ohne Varroa als Vektor auch noch nicht stark infiziert.)

    Die Frage - überträgt Varroa den Virus, oder nicht, ist also für die praktische Imkerei ausgesprochen wichtig.


    Bis vor kurzem war der Forschungsstand der, dass CBPV nicht in Varroamilben nachgewiesen werden konnte. Demzufolge wurde davon ausgegangen, dass keine Assoziation von CBPV mit Varroa besteht, (was nebenbei auch deiner Beobachtung entspricht). Es gibt jetzt eine jüngere Untersuchung, in der erstmals CBPV aber doch in Varroa (und in zwei Ameisenarten) nachgewiesen werden konnte.

    Damit könnte diese Einschätzung, dass hier keine Assoziation besteht, in Zukunft kippen und eine (präventive) Varroabehandlung noch wichtiger werden.

    Wir (ich und Ralf) werden am kommenden Montag in unserem CBPV Special auf Youtube aber einiges zu dem Thema vertiefen.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo Night Shadow , hallo Ludger Merkens ,


    danke für Deinen Kommentar, aber bei mir scheint das Jahr anders abzulaufen :-)

    • Der Hochpunkt des CPV bedingten Einbruch war, bei mir bei den betroffenen Völker, nach der Frühtracht, also als die Winterbienen schon lange weg waren und die Volkstärke hoch mit lauter neuen Bienen - OK, die Angabe "Frühjahr" war offensichtlich zu ungenau...
    • Die Versorgung mit Pollen ist bei mir im Juli/Anfang August auf dem Tiefstpunkt
    • Das Hygieneverhalten der Bienen ist zu "Nichttrachtzeiten" höher als bei Volltracht...

    Dies "just for your info" - vielleicht hat ja jemand ähnliche oder evtl. auch ganz andere Erfahrungen in diesem Jahr gesammelt...

    Ich fürchte, da befindest du dich im Irrtum. Es macht für die Behandlung des Phänomens einen extremen Unterschied, ob Varroa als Vektor eine (wichtige) Rolle spielt, oder nicht.

    Das ist durchaus möglich das ich mich irre ;-) :-) ...

    CBPV (ohne Varroa) ist eine Krankheit, die ausschließlich die adulte Biene betrifft. D.h. die Brut, die aus einem CBPV kranken Volk schlüpft ist normalerweise noch gesund.

    Wenn das stimmt, warum dann der folgende Satz?

    Wenn CBPV von der Varroa aber übertragen wird, muss damit gerechnet werden, dass dann auch die Brut bereits vermehrt mit dem Virus infiziert wird.

    Das ist zwar richtig, aber was nun, ist die Brut nicht infiziert oder ist die bereits infiziert? Da sind wir dann wieder bei "nichts genaues weis man nicht", oder hast Du Quellen die das wissen?


    Gruß

    Franz


    P.S.: Ich weis schon ziemlich genau, was, wann in welchem Volk, los war... ;-)

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  • Hallo FranzXR ,

    Wissensstände ändern sich - Mit der Unsicherheit wirst du leben müssen.


    Momentan musst du davon ausgehen, dass beides sein könnte. Also musst du schauen, ob du weitere Indizien heranziehen kannst, ob die Brut bereits krank ist oder nicht. (z.B. weil du die Geschichte oder den Varroastatus der betroffenen Bienen kennst) Nähere Untersuchungen werden hoffentlich aufzeigen, wie "wichtig" die Rolle der Varroa als Vektor ist.


    Gruß

    Ludger

  • CBPV (ohne Varroa) ist eine Krankheit, die ausschließlich die adulte Biene betrifft.

    2006 wurde in einer Studie nachgewiesen, dass in den Eierstöcken, Eier, Larven, und Puppen CBP-Viren enthalten sein können. (Prevalence and Transmission of Honeybee Viruses, 2006)

    Zitat

    D.h. die Brut, die aus einem CBPV kranken Volk schlüpft ist normalerweise noch gesund. Eine Brutentnahme ist demzufolge unsinnig.

    ...

    Wir (ich und Ralf) werden am kommenden Montag in unserem CBPV Special auf Youtube aber einiges zu dem Thema vertiefen.

    Ich bin gespannt darauf, welche wissenschaftlichen Untersuchungen/Nachweise ihr beide dazu noch gefunden habt.


    Denkbar sind ja mehrere Infektionswege der Brut. - Zum einen vertikal von der Königin zu den Eiern, wobei dann das Virus bereits innerhalb vom Ei befindet (oder nur auf der Oberfläche?). - Oder durch die Übertragung durch die Ammenbienen. Einmal oberflächlich bei der Pflege. - Und durch den Futtersaft.


    Und wenn dem so ist, stellt sich die Frage: Wieso ist von kranken Ammenbienen gepflegte Brut gesund (?), wenn das Virus über Kontakt übertragen wird?


    Oder anders gefragt: Führt mit CBPV infizierte Brut zum Krankheitsausbruch bei geschlüpften Bienen? Und wenn nein, warum nicht?

    • Der Hochpunkt des CPV bedingten Einbruch war, bei mir bei den betroffenen Völker, nach der Frühtracht, also als die Winterbienen schon lange weg waren und die Volkstärke hoch mit lauter neuen Bienen - OK, die Angabe "Frühjahr" war offensichtlich zu ungenau...
    • Die Versorgung mit Pollen ist bei mir im Juli/Anfang August auf dem Tiefstpunkt
    • Das Hygieneverhalten der Bienen ist zu "Nichttrachtzeiten" höher als bei Volltracht...

    In diesem Scenario würde ich davon ausgehen, dass Varroa keine Rolle spielt und versuchen die alten Bienen aus den Völkern zu bekommen.

    Pollenmangel ist als Auslöser einer latenten CBPV Erkrankung bekannt.


    Gruß
    Ludger

  • 2006 wurde in einer Studie nachgewiesen, dass in den Eierstöcken, Eier, Larven, und Puppen CBP-Viren enthalten sein können. (Prevalence and Transmission of Honeybee Viruses, 2006)

    Ich bin gespannt darauf, welche wissenschaftlichen Untersuchungen/Nachweise ihr beide dazu noch gefunden habt.

    Ja, genau diese Studie macht mich eigentlich optimistisch, dass Eier und Larven im wesentlich noch gesund sind. Wenn du den Artikel komplett liest, findet sich, dass die nachgewiesenen Infektionsraten der Brutstadien um Faktor 10^9 - 10^10 niedriger liegen, als bei Bienen mit CBPV Symptomen.

    Bei Larvenstadien konnten wenige 100 Viruspartikel gefunden werden, während bei Bienen mit CBPV Symptomen in der Größenordnung um 10 Billionen Viruspartikel vorliegen.


    Gruß
    Ludger

  • Es war eine Beobachtung meinerseits und ob die Varroa das CBPV jetzt überträgt oder nicht, lässt sich daraus nicht ableiten. Was mir auffällt, ist die Häufung der Fälle im Frühjahr zum Einen und das Auftreten zum jetzigen Zeitpunkt, bei Völkern, die unter einer hohen Belastung stehen.

    Pollenmangel ist an dem Standort des Imkers ausgeschlossen.

    Es hätte sein können, dass es dem Ein oder Anderen ähnlich geht und er seine Beobachtungen ebenfalls teilt.

  • Wenn du den Artikel komplett liest, findet sich, dass die nachgewiesenen Infektionsraten der Brutstadien um Faktor 10^9 - 10^10 niedriger liegen, als bei Bienen mit CBPV Symptomen.

    Bei Larvenstadien konnten wenige 100 Viruspartikel gefunden werden, während bei Bienen mit CBPV Symptomen in der Größenordnung um 10 Billionen Viruspartikel vorliegen.

    Ich vermute, du sprichst von diesen Artikel hier: (Horizontal and vertical transmission of viruses in the honey bee, Apis mellifera, 2006) - Hierauf habe ich keinen Zugriff.


    Hier gibt's noch einen anderen Artikel, wo die Virenbelastung (auch CBPV) von 36 Bienenständen in Frankreich im Frühjahr, Sommer, und Herbst untersucht wurden. Jeweils bei Puppen, und bei erwachsenen Bienen. (Prevalence and Seasonal Variations of Six Bee Viruses in Apis mellifera L. and Varroa destructor Mite Populations in France, 2004) - Kurzes Zitat daraus:

    Zitat

    CBPV. Likewise, all the varroa samples that we analyzed were negative for CBPV. These results suggest that the contribution of mites to the dissemination of this virus in thecolony, if any, is small. Our data showed that CBPV was found only in adult bees, and the maximum frequency in colonies was only 4%, while CBPV infections recorded throughout the year occurred in 28% of the apiaries involved in our study (Table 2). The sporadic detection of CBPV during the year suggests that this virus might persist at undetectable levels in healthy colonies. Even if CBPV was shown to replicate in larvae after experimental inoculation (8), no CBPV could be detected inlarvae or pupae in the samples that we examined. Taken together, our findings for CBPV prevalence are in agreementwith previous observations showing that outbreaks of severedisease are erratic and exhibit no seasonal pattern (6, 28) andthat CBPV transmission might result preferentially from contact between adults of the same colony (8)

    Bemerkenswerte Ergebnisse. - Interessant auch der Hinweis (8, Bailey, L., and B. V. Ball.1991. Honey bee pathology, Harcourt Brace Jovanovich Sidcup, Kent, United Kingdom), es ist nachgewiesen, dass CBPV sich in Larven und Puppen replizieren kann.


    Bleibt also die Frage nach der Virenlast, die latent in einer Larve/Puppe/Biene vorhanden sein darf, damit CBPV nicht zum Ausbruch kommt.


    Eine weitere interessante Studie zum Nachweis vertikalen Übertragung von Viren betrifft die Untersuchung von Eiern von belgischen Züchtern: (Vertical transmission of honey bee viruses in a Belgian queen breeding program, 2015) - Hieraus ein interessantes Zitat:

    Zitat

    Remarkably, we found Apis mellifera carnica bees to be less infected with Deformed Wing Virus (p < 0.01) than Buckfast bees, and also found them to have a lower average total number of infecting viruses (p < 0.001). This is a significant finding, given that Deformed Wing Virus has earlier been shown to be a contributory factor to winter mortality, and offers interesting perspectives for breeding virus-resistant bees. However, we cannot make general conclusions about the virus-resistant state of carnica race compared to Buckfast race solely based on our data.

    Eier von Carnica Bienen hatten eine statistisch signifikant geringere Virenlast als Eier von Buckfast Bienen.

  • Bei mir war das Problem doch wahrscheinlich an die Milben gekoppelt.


    Das muss natürlich nicht überall so sein. Dieses Jahr bisher keine Symptome. Evtl. Sind auch überalterte Waben nicht ganz unschuldig …

    So'n Virus braucht nicht viel und kann überall lauern.


    Grüße Ralf

  • Eine weitere interessante Studie zum Nachweis vertikalen Übertragung von Viren betrifft die Untersuchung von Eiern von belgischen Züchtern: (Vertical transmission of honey bee viruses in a Belgian queen breeding program, 2015) - Hieraus ein interessantes Zitat:

    In diesem Thread geht es um CBPV/CPV und Co., nicht um den DWV ...