Anruf bzgl. Wespennest - Umsiedeln erlaubt? Tipps & Tricks oder Empfehlungen: HowTo?

  • Hallo zusammen,


    auf Anhieb habe ich im Forum nicht direkt eine Antwort auf meine Frage finden können. Oder ich habe Sie übersehn: Sorry!

    Als Neuimker erreicht mich heute ein Anruf aus der Ortschaft a la: "Wir haben ein Bienennest auf dem Balkon" etc..

    Hingefahren, nachgesehen: Natürlich entpuppte sich das Bienennest als Wespennest ;-)


    Im diesem Fall leben die Wespen in direkter Nähe der Menschlichen Bewohner auf einem kleinen Balkon unter Bankirai Brettern recht nah am Eingang zum Schlafzimmer mit zwei Kleinkindern unter 5 Jahren. Auf der kleinen Terrasse herrscht ordentlicher Flugbetrieb. Ich habe durch einen Spalt einen kleinen Teil des Nestes sehen können und Tippe auf die Deutsche Wespe. Nestbau und Aussehen der Wespe würden passen. Es scheint also keine "besonderes geschützte" Wespenart zu sein.


    Kann/darf man als Imker Wespen "umsiedeln"? Sonst rückt nach mir mit Sicherheit der Schädlingsbekämpfer an.


    Falls ja:

    - Gibt es Erfahrungen bzgl. des Verteidigungsverhaltens? Reicht ein Schleier? Oder eher Jacket? Handschuhe?

    - Lacht nicht: Hilft ein Smoker?

    - Tipps zum Handling?

    - Gibt es besondere Wespenkisten? Oder nur Marke Selbstbau?


    Ich würde das Nest vorsichtig lösen und zuerst an einem Rähmchen oder "Deckel" befestigen und in einem Ablegerkasten parken!?

    Davon ausgehend, das die Arbeiterinnen dem Pheromon der Königin folgen werden, könnte ich doch dann nach Sonnenuntergang den Ablegerkasten samt Inhalt umsiedeln, oder nicht?


    Vielleicht gehe ich das ganze auch viel zu kompliziert an :-)


    Für Tipps & Tricks bin ich ebenfalls dankbar.

    LG Marcus

    Blutiger Anfänger auf 12er Dadant mod. (Ries) mit Buckfast-Damen in der Hütte :love: :-)

  • Zuviel der Ehre!

    Grundsätzlich darf man nicht besonders geschützte Arten umsiedeln sofern ein ausreichend "vernünftiger Grund" gegeben ist und man es fachlich ausreichend gut machen kann.

    Bitte kein Smoker und Ganzkörperstichschutz - die sind kleiner und agiler als Bienen, stechen auch gut durch normale Anzüge. Also was langärmliges drunter ziehen und Arbeitsschuhe mit Lederhandschuhen.


    Leider folgen die meisten Arten *nicht* der Königin wie die Bienen - klappt also leider auch nicht ganz so einfach wie ein Schwarmfang. Umbauen in einen anderen Kasten und am alten Standort stehen lassen bis sich die Tiere dort gesammelt haben und dann am Abend verbringen, ist ein guter Ansatz. Aber weit genug weg - min. 5 km ist ein guter Richtwert. Sonst fliegen sie zurück.

    Schau mal bei Aktion-Wespenschutz.de vorbei; Peter Tauchert hat dort viele Umsiedlungen dokumentiert!


    Schulungen mache ich jedes Jahr in Hohen Neuendorf; in Berlin wollen wir auch noch weitere im Winter anbieten...in Schleswig Holstein soll auch noch eine laufen... da erzähle ich das ausführlicher. 2 Tage lang...


    Herzliche Grüße

    Melanie

  • Ich hatte auch schon öfter solche anfragen.

    Folgendes hat funktioniert. Ganzes Nest im einen Honigeimer, dort dann Löcher rein für den Transport( mit einer Stecknadeln). Dann an den neuen Standort fahren aufhängen und ein Flugloch in den Honigeimer schneiden.


    Gestern hab ich eins umgesiedelt,recht klein.Nur witziger weiße hängt jetzt an der alten Stelle schon wieder ein neues Nest nach nur einem Tag ? Das war wohl nur ein zweites Nest ??


    Ich finde das Thema schwierig. Die Arbeitskollegin bei der ich das Nest vom Balkon entfernt habe, hat einen Imker im Dorf. Der hat wohl nur gesagt an Wespen traut er sich nicht dran. Das ist ja auch keine Lösung. Melanie weißt du ob es in NRW Schulungen gibt zu dem Thema ??

  • Das muss etwas aufwändiger vorbereitet werden.


    Da sind noch einige andere Schritte nötig, die ich hier nicht weitergeben werde, weil man sonst mehr kaputt macht, als man hilft... Es hängt ja auch nicht nur von der speziellen Wespenart, sondern auch von der Größe des Nests ab. Ein Vereinskollege ist Hautflügel-Beauftragter des KVA, den habe ich schon mehrmals begleitet, um seine Umsiedelungen mit Video zu dokumentieren und ihm zur Hand zu gehen. Das ist auch nicht immer mal eben in 10min erledigt.

  • Ich verweise in solchen Fällen an die Untere Naturschutzbehörde bei unserem Landratsamt. Dort gibt es 2 oder 3 geschulte Berater für Hornissen, Wespen, etc. die gegebenfalls dann auch Umsiedeln.

    Wobei ich oft nicht nachvollziehen kann, warum bei manchen Mitmenschen ein Wespen- oder Honissennest unbedingt weg muss. Aber dann Bienenhotels aufstellen und Blumenwiese für die Insekten einsähen...

    Man kann sich mit sowas doch eigentlich ganz gut arrangieren.
    Dann geht man eben 1m weiter links über die Terrasse... oder lüftet das Schlafzimmer nach Sonnenuntergang. Mein kleiner Mini-Me mit 2 Jahren hat die grösste Freude daran Hummeln, Wespen, Bienen zuzuschauen und auch schon gelernt, dass man da nicht mit der Hand ran sollte. :D

    Noch weniger Probleme hatte ich allerdings mit den Hornissen, die vorletztes Jahr in meinem Garten wohnten. Von denen war so gut wie überhaupt nichts zu bemerken, ausser gelegentlichem lautem Vorbeibrummen...

    "Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel."

  • Hallo, mal eine Frage am Rande.
    Wenn man ein Wespennest in eine Kiste umsiedelt und diese neben den alten Platz stellt, finden dann die Flugwespen die neue Behausung?
    In meinem Fall war es ein Tennisball großes Wespennest oben an einem Garagentor.
    Dieses wurde in eine Kiste umgesidelt und auf die Garage ca. 40 cm vom alten Platz gestellt.
    Direkt über den Einflug zum alten Nest.

    Bienen fächeln ja den anderen Bienen zu: hallo, hier sind wir...
    Machen Wespen was vergleichbares? Oder muss da der Nest/Königinnen Geruch langen?


    Gruß Thomas

    Steingarten ist Keingarten
    Für alle die, die kein Imker sind: gemeint ist Schottergarten, reimt sich aber nicht so prickelnd...

  • Das kommt auf die Art und Nestlage an - Mittlere Wespe fliegt super zu. Im Innenraum gebaute Nester sind oft delikater, da sie dort Spurpheromone legen und laufen.

    Aber 40 cm sollte eigentlich ganz gut klappen. Im Zweifelsfall alte Anheftstelle gut reinigen oder mit Klarlack überziehen.


    Grüße

    Melanie


    P.S. Ich kenne leider nicht alle Schulungsangebote - Umweltakademien und Bieneninstitute wie auch NABU GutSunder haben sowas häufiger im Angebot. Teurer ist TÜV, die haben solche Kurse auch mal im Angebot

  • Danke für Eure Ratschläge!
    Ich glaube, das ich das dann doch lieber jemandem überlasse, der erfahrener ist. In der Theorie schien es so „einfach“ :-) Wenn sich in NRW einmal etwas zum Thema ergibt, wäre ich mit am Start!


    Schönen Sonntag!

    Blutiger Anfänger auf 12er Dadant mod. (Ries) mit Buckfast-Damen in der Hütte :love: :-)

  • in Schleswig Holstein soll auch noch eine laufen... da erzähle ich das ausführlicher. 2 Tage lang...


    Gibt es schon genauere Infos zum Termin in SH?

    Nein. Wurde noch mal angeschrieben und hatte auch geantwortet... seither Funkstille...


    Womöglich hängt es an dem Hygienekonzept, ist halt nicht so einfach. Organisiere gerade selber eine Veranstaltung und das ist wirklich aufwendig und teuer durch die Corona-Gesetzgebung.


    Grüße

    Melanie