Aus alten Futterwaben Wachs gewinnen?

  • Hallo Imker und -innen,


    ich, ein echter "Jungimker" mit meine 33 Jahren habe jetzt schon 2 Jahre begeistert Bienen und habe bisher meine alten Waben nicht wiederverwendet, da ich keinen Sonnenwachsschmelzer besaß. Ich möchte mir nun einen zulegen und wollte mal die erfahrenen Imker fragen, was ich mit meinen vielen alten Futterwaben mache (ausser halt jetzt zuhängen oder eventuell in Ableger geben). Viele haben steinharten Honig drin, den ich nicht mehr herausbekomme. Kann man die vollen Waben einfach in den Sonnenwachsschmelzer legen, oder sind die ein Fall für den Müll/Kompost? Es werden nämlich immer mehr Waben, die sich da ansammeln!


    Herzlichen Dank


    Christian

  • Hallo, Christian,
    du kannst sie entweder bei der Ablegerbildung dazuhängen, oder für die Wintereinfütterung nehmen. Dann aber nicht so, wie sie sind, sondern aufmachen, ein paar Stunden in Wasser einweichen und dann zuhängen. Das Einweichwasser kannst du in kleinen Portionen auch noch verfüttern. In kleinen Mengen deshalb, damit es nicht zu gären anfängt.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Christian Peters,


    auf der einen Seite macht es sicherlich Sinn das in Waben gelagerte Futter wieder zu verwenden. Ob man es aufkratzt, für Ableger verwendet, als Reservefutter einsetzt, ausschleudert oder währed der Herbstfütterung dazuhängt bleibt jedem selbst überlassen und ist denkbar.


    Auf der anderen Seite birgen solche Waben aber auch Probleme wie kandiertes Futter, welches viel Kraft von den Bienen erfordert; sie müssen schließlich Wasser eintragen, ihr Mandibulardrüsensekret bereitstellen und auch genügend Jungbienen (Stockbienen) zur Verfügung haben, die die Kristalle verflüssigen können.


    Weiterhin sind Krankheiten zu nennen die, besonders im Frühjahr, in Form von Ruhr, Nosemasporen, Amöbenzysten für schwache Völker ein ernst zu nehmendes Problem darstellen können und lange Zeit auf den Waben (evtl. unsichtbare Kotspritzer, infiziertes Futter) überdauern können.


    Begasen der Waben mit Essigsäure ist eine gute Form zur Unterstützung der Hygiene. Schwefeln bildet in Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit Schweflige Säure (H2SO3) auf der Oberfläche der Waben und unterstützt die Konservierung von Futter- und Pollenvorräten.


    Erhitzte Ätznatronlauge 1-3%ig (Kaustik Soda) tötet sicher alle Arten von Keimen, Sporen, Bakterien und hilft sogar zuverlässig bei der Faulbrutsanierung (3%ig), wobei Rähmchen von ausgeschmolzenen Waben, Kästen und Arbeitswerkzeuge damit zu waschen sind.


    Betreffend der Verwendung von Futterwaben vertrete ich die Ansicht, solange sie von gesunden Völkern stammen, sie im Frühjahr in die unteren Bruträume durchschnittlicher Völker zu geben (1-2 Waben pro Volk). Das Umtragen durch die Bienen bringt Aktivität, fördert den Putztrieb und die Eiablage der Königin. Am besten sollten die Futterwaben aber erst im Rahmen der Weidenblüte dazu gehängt werden, da kaltes Wetter ohne Flugtätigkeit die Bienen heraustreibt (Wasserholen).
    Ableger allerdings sollten ihre Qualität unter Beweis stellen können und aus eigener Kraft Waben bauen, Brut anlegen und Pollen / Futter einlagern können. Dies gibt schon in der aktuellen Saison einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Königin, und hilft die Qualität für die Überwinterung einzuschätzen.

  • Ich habe dieses Jahr jede Menge leere braune bis fast tiefschwarze Futterwaben. Die helleren habe ich bereits meinen Ablegern zur Verfügung gestellt. Nun habe ich mir auch erst vor vier Wochen einen Sonnenwachschmelzer gekauft. Nachdem ich zuerst nicht verstanden habe, weshalb so viele Häutchen bei den dunklen Waben übrig bleiben, habe ich nun erstmal die jüngeren Waben eingeschmolzen, also z.B. Drohnenrahmen und alte ausgeschleuderte Honigwaben des letzten Jahres.
    Nun möchte ich danach auch noch die dunklen Waben einschmelzen. Das Wachs möchte ich eventuell zur Kerzenherstellung benutzen. Allerdings habe ich das Problem, dass nun dort noch Futter drin ist. Das meiste ist kristallisiert, jedoch gibt es auch in sehr dunklen Waben noch flüssigen Honig, der mir bei meiner Probeschmelze etwa ein Dritttel der Auffangschale gefüllt hat.
    Nun frage ich mich, wie ich diesen Auffangen kann.
    Zudem läuft aus dem Wachsschmelzer immer etwas aus. Dies führt dazu, dass der Sonnenwachsschmelzer dauernt von Bienen umflogen wird, die diesen Zucker aufsammeln. Kann ich bei diesen kleinen Mengen davon ausgehen, dass diese gleich verwendet werden? Oder muss ich befürchten, dass der bald zu erntende Honig damit verunreinigt wird?
    In den alten Waben sind auch viele, viele Wachsmotten drin. Macht es etwas aus, wenn ich die einfach mit einschmelze? Ich gehe davon aus, dass die Viecher einfach sterben.


    Freundliche Grüße
    Friedrich

  • Friedrich,
    weißt Du,
    wenn ich Du wäre, würde ich die schwarzen Waben verbrennen.
    Der ganze Schmelzaufwand bzw. Sauerei im Schmelzer lohnt nicht, zumal diese schwarzen Schwarten kaum Wachs abgeben.
    Evtl. kannst Du die Mottenlarven vor dem Verbrennen an interessierte Angler verkaufen.Die kennen die Larven meist unter der Bezeichnung "Bienenmaden".:wink:


    Herzliche Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Hallo Christian


    ich würde wie Sabine geraten hat, die Waben jetzt,für jedes Volk bzw Ableger 1 Wabe entdeckeln und nur mit dem Zerstäuber mit Wasser besprühen und dann in die Völker hängen. Bei der jetzigen Trachtlücke sind die Waben für die Völker Gold wert und wenn sie leer sind, wieder raus und einschmelzen.
    Noch ein Tipp: Niemals den Honig der beim Sonnenwachsschmelzer in der Schale ist verfüttern, der ist giftig, warum weis ich nicht, aber ich habe dadurch fast einen Schwarm mal eingebüßt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Noch ein Tipp: Niemals den Honig der beim Sonnenwachsschmelzer in der Schale ist verfüttern, der ist giftig, warum weis ich nicht, aber ich habe dadurch fast einen Schwarm mal eingebüßt.


    Hallo Drobi,


    im SoWa-Schmelzer ist es heiß.
    Da entsteht HMF - giftig für Bienen!


    Die süße Schmelzbrühe nach dem Erkalten des Wachses in den Komposter versenken und bienensicher abdecken (Erde).

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • ...Die süße Schmelzbrühe nach dem Erkalten des Wachses in den Komposter versenken und bienensicher abdecken (Erde).


    Hallo Hardy,


    Habe ich schon gemacht. Ich wäre niemals darauf gekommen, dieses ekelige Zeug zu verfüttern.
    Ist es nun gefährlich, wenn die Bienen etwas auslaufendes am Wachsschmelzer aufnehmen?



    Hallo Reinhard,


    ich habe leider schon in fast jeder "alten Schwarte" Wachsmotten drin. Diese in die Völker zu hängen, wäre sicher nicht das richtige. Also bliebe noch abbrennen. Müsste ich da irgendwas beachten?


    Freundliche Grüße
    Friedrich

  • Ja, Friedrich,
     
    ausser den örtlichen Vorschriften (Verbot von offenem Feuer etc) musst Du Dir bewusst sein, dass Du flüssiges Fett verbrennst (Schmelzendes Wachs ist ja nichts anderes).
    Also besser nicht im Kaminofen oder der Holzheizung verbrennen. Danach die Aschen untergraben oder mit Erde bedecken, weil auch dort die Bienen angelockt werden.
    Früher hat man solche Waben in einer alten Tonne o.ä. verbrannt, heute kannst Du Dir eine Kuhle graben.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Christian Peters,


    Betreffend der Verwendung von Futterwaben vertrete ich die Ansicht, solange sie von gesunden Völkern stammen, sie im Frühjahr in die unteren Bruträume durchschnittlicher Völker zu geben (1-2 Waben pro Volk). Das Umtragen durch die Bienen bringt Aktivität, fördert den Putztrieb und die Eiablage der Königin. Am besten sollten die Futterwaben aber erst im Rahmen der Weidenblüte dazu gehängt werden, da kaltes Wetter ohne Flugtätigkeit die Bienen heraustreibt (Wasserholen).
    Ableger allerdings sollten ihre Qualität unter Beweis stellen können und aus eigener Kraft Waben bauen, Brut anlegen und Pollen / Futter einlagern können. Dies gibt schon in der aktuellen Saison einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Königin, und hilft die Qualität für die Überwinterung einzuschätzen.


     
    @all warum die Futterwaben jetzt nach der Tracht nicht zusammen in einer Zarge untersetzen . Abspergitter auflegen und die Bienen das Futter umtragen lassen . Nachdem die Bienen das Futter umgetragen haben Zarge entfernen .


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Ich nehm für solche hartnäckige Fälle den Dampfwachsschmelzer. Das olle Futter kommt ins Abwasser und das Wachs sieht meist recht ordentlich aus. Nach nochmaligem Aufschmelzen und Klären geht es dann den Weg in den Umtausch.


    Wenn Futterwaben zu alt sind, tut man den Bienen keinen Gefallen mehr mit.
    Verbrennen von Wachs mit Zuckerwasser endet in einem elendlichen Schwelbrand, wenn's überhaupt anbrennt - Kompost fällt aus, man mästet nur Ameisen, Wespen und Hornissen. Wenn man richtig Pech hat, organisiert man sich auch noch eine tolle Räuberei mit allen Konsequenzen. Das Wachs zerfällt erst nach sehr langer Zeit.


    Grüße ralf_2

  • Endlich redet mal einer gegen die Stacheldrähte in den Hosentaschen.
    Und diese Kokelei erst - iih!
    Es gibt doch noch den Restmüll. :wink:
    Unsere Nachbarn schmeißen auch alles in den Kompost, was irgendwie "natürlich" erscheint - gestern erbeutete unser Megagroßkater eine Megaratte *würg* - nach dem sicher anstrengenden Nahkampf bekam ich die "geschenkt" :oops:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ist es nun gefährlich, wenn die Bienen etwas auslaufendes am Wachsschmelzer aufnehmen?


    Hi Friedrich, wie gesagt: HMF.
    Aber schlimmer noch: Auslöser für Räuberei.
    SoWa-Schmelzer wuß immer bienendicht sein.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Moin Imkers,


    Anfangs habe ich alle ollen Schinken ausgeschmolzen. Die Wachsausbeute ist recht gering.
    Die Schwarzen in Wasser einweichen soll das Ergebnis verbessern.
    Das Resultat dieser Schmelzerei ist eine große Sauerei. Mein Entsafter,
    zum Dampfschmelzer umfunktioniert, sieht aus wie Sau. Die Reste, Nymphenhäutchen,
    habe ich bei Nachbars Hühnern entsorgt, meine Wachteln fressen so was nicht,
    Drohnenwaben allerdings picken sie sehr gern aus.


    schön Tach
    Bernd

    "Wenn Neider, Hasser dich umringen, dann denk an Götz von Berlichingen."