Stellt die insektizide Spritzbrühe eine Gefahr für die Wasserholer dar?

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    ;) Es geht ja auch nicht um Dich.

    Ich habe den Ersteller dieses Themas nach meinem besten Wissen und Gewissen beraten.

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  • Eigentlich wollte ich hier nicht mehr kommentieren, aber das Thema ist nicht unwichtig und hier lesen viele Imker mit. Daher nun doch noch mal ein Beitrag zum Thema Guttation und PSM, da ich nicht möchte dass nun einige Kollegen das ungesunde Halbwissen hier aufschnappen und sich fortan unnötige Sorgen machen.


    Zu dieser Jahreszeit ist Guttation kaum vorhanden, da Temperatur und Wind das von den Pflanzen ausgeschiedene Wasser fast augenblick zur Verdunstung bringen. Lediglich in den sehr frühen Morgen- und Abendstunden bilden sich die bekannten Tropfen und gelegentlich bei besonderen Wetterlagen. Anders ist das im zeitigen Frühjahr und im Herbst, wenn es deutlich kühler ist. Hier kann Guttation durchaus auch länger, im Extremfall ganztätig auftreten.


    Allerdings stellt Guttation und die damit verbundenen potentiellen PSM-Einträge kein Problem dar. Das hat verschiedene Gründe.

    • Wenn es guttiert, dann guttiert es meist überall. Also auch an den Gräsern und Pfanzen rings um die Beuten. Es gibt keinen Grund für Bienen, weiter als nötig zu fliegen. Das tun sie auch nicht.
    • Guttationswasser wird tatsächlich gelegentlich von Bienen als Quelle genutzt, jedoch nicht allzu häufig.
    • Nennenswerte PSM-Rückstände finden sich nur bei systemischen Mitteln im Guttationswasser(Systemeische Mittel werden von der Pflanze über die Wurzeln aufgenommen und im Pflanzenkörper verteilt und schützen diese so gegen beißende und saugende Schädlinge - leider landet ein Teil des Wirkstoffs aber auch in Nektar und Pollen)

    Ich führe seit vielen Jahren beruflich Studien zur den potentiellen Auswirkungen von Pestiziden auf Bienen durch. Vor allem in den Jahren kurz vor dem weitgehenden Verbot der Neonics um 2013/14 waren dabei auch einige Studien zum Thema Guttation. Ich habe damals viele Stunden an Feldern verbracht und versucht Bienen zu beobachten, die Guttationswasser aufnehmen. Gibt nicht viel, was noch langweiliger ist, aber das nur am Rande... Diese Studien waren als Worst-Case-Szenarien ausgelegt, wie im Rahmen der Zulassungsstudien üblich. D.h. die Bienen standen direkt an den Feldern, auf welchen mit Neonics gebeiztes Saatgut ausgebracht wurde und anschließend die Keimlinge aufliefen. Natürliche Wasserquellen gab es keine in der näheren Umgebung, dies war eine der Vorraussetzungen der Standortwahl. Selbstverständlich gab es auch Kontrollgruppen.


    Wir haben beobachtet, ob und wie viele Bienen das Guttationswasser nutzen und welche Effekte das ganz konkret auf die Völker hat. Bei Mais geschah es tatsächlich das Guttationswasser gelegentlich aufgenommen wurde, bei anderen Feldfrüchten kaum. Mais ist hier auch der absolute Worst-Case, da wir hier ein sehr großes Samenkorn haben, also viel Wirkstoff drauf ist und in der Folge von den Pflanzen aufgenommen wird. In den jungen Pflanzen, die kurz nach Auflaufen guttierten konnten wir im Guttationswasser dann auch Konzentrationen der Wirkstoffe messen, die tatsächlich in dem Bereich lagen, in dem toxische Effekte auf die adulte Biene erwartbar waren. Nur... Null Effekte. Keine erhöhte Mortalität, trotz täglicher Erfassung. Kein ungewöhnliches Verhalten. Keinerlei Effekte auf Brut und Volksstärke messbar, trotz wöchentlicher Erfassung während der Expositionsdauer und weitergehender Erfassung bis ins Folgejahr. Nichts. Nada. Hat die einfach nicht interessiert. Testgruppen 25 vs 25, teils größer.


    Also selbst unter Bedingungen, die schlimmer nicht sein könnten, gab es keine Effekte, nach seriösen wissenschaftlichen Standards untersucht. Nicht mal eben drei Völker hingestellt und geguckt was so passiert. Und bevor wieder die obligatorische Frage nach Butter und Fischen, Ross und Reiter kommt. Ich veröffentliche hier keine Daten der Studien. Das sind Daten unserer Kunden. Ihr veröffentlich auch keine Daten eurer Kunden. Glaubt es, wenn ihr mich für seriös haltet, oder lasst es, wenn ihr mich für unseriös haltet. Oder es nicht ins Weltbild passt...


    Mittlerweile sind die systemischen Saatgutbeizen auch verboten, die Frage stellt sich also eigentlich gar nicht mehr. Selbst der als "Beweis" ins Feld geführte Link spricht explizit von systemischen Insektiziden. Nach all meinen Erfahrungen, nach Studien zu genau diesem Thema, kann ich mir trotz meiner sonst blühenden Fatasie nicht vorstellen, wie Guttationswasser aus einer Beerenplantage im Juni ein Risiko für Bienen darstellen soll, welche an einem blühenden Phaceliafeld in der Nähe stehen.

  • (...) Nach all meinen Erfahrungen, nach Studien zu genau diesem Thema, kann ich mir trotz meiner sonst blühenden Fatasie nicht vorstellen, (...)

    Das spielt alles keine Rolle, wie seriös das untersucht wird oder sonstwas, wenn das nicht den eigenen Erwartungen entspricht dann sticht Hörensagen vom Kollegen seine Tante deren Nachbar jede noch so seriöse Quelle, dagegen ist kein Kraut gewachsen. Das ist das Diskussionsniveau 2020. Das hat religiöse Züge, so wie bei Impfgegnern. Damit gehen dann einerseits die Leute raus und auf die Landwirte los, oder finden den Schiffer endgeil, weil der das genau verstanden hat und diese 'Gefühle' befeuert. Das schlimme ist bloß, wenn es dann mal stimmt, und alle Kanäle diskreditiert sind, um das zu ändern :(

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Sag mal weist Du eigentlich welchen Unsinn Du da schreibst.

    Ich habe den Ersteller dieses Themas nach meinem besten Wissen und Gewissen beraten.

    Hmmja. Da ich zufällig weiß, dass Llecter sich mit diesen Themen recht intensiv beschäftigt, ich von Dir aber eher mehr Wertungen und weniger Fakten im Gedächtnis habe, habe ich schon eine Idee, wem ich hier glaube :)


    Empetrum in einem benachbarten österreichischen Forum habe ich eine Tränke aus einem umgedrehten Hobbock mit Löchern im Deckel und eine mit in einer Wasser-gefüllten Kiste schwimmenden Styproporplatte mit Torfabdeckung gefunden, beides von Praktikern und im Einsatz. Nachdem Bienen scheints mit Vorliebe an Misthaufen naschen, sollte ggf. umkippendes Wasser vielleicht nicht so tragisch sein? Ich würde aber gucken, ob nicht in der Nähe eh eine Wasserquelle vorhanden ist.


    Ich habe inzwischen gelernt, dass unsere Bienen lieber beim Nachbarn im Mini-Teich trinken als in unserem und den bereitgestellten Tränken :D; der Nachbar hat extra ein Netz auf seinen Teichrand gemacht, weil die Bienen am Anfang ertrunken sind (ist so ein Mini-Teich ohne Sumpfzone).

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Tja, wenn alles nur Schwarz und Weiss wäre, es könnte so einfach sein. Aber sind bestimmt nur die umliegenden anderen Länder, die dass nutzen. Hier ja auf gar keinen Fall.;)
    Illegale Pestizide

    Österreich Verbrauch


    p.s. Bin geimpft und hab auch nur an Karneval mal Alu auf dem Kopf.8)

    Das ist absolut eine schlechte Nachricht, egal ob geimpft oder mit Aluhut. Allerdings sind die Zahlen da schon sehr irreführend dargestellt.

    Wurden 2011 hierzulande noch rund 3,45 Tonnen verkauft, belief sich die Verkaufsmenge 2018 auf rund 5,3 Tonnen. In der gesamten Europäischen Union sind hingegen die Verkäufe Eurostat zufolge stabil bei rund 360.000 Tonnen Jahr geblieben.

    Entweder (bzw ganz sicher, 5 Tonnen sind nix!) stimmen die Zahlen einfach nicht, oder Österreich verbraucht nur 0,0015 % aller Pestizide der EU und damit tausend Mal weniger als der Durchschnitt, gemessen an der Fläche. Respekt Österreich ;)


    Und weiter...

    Zitat

    Die heuer beschlagnahmte Menge an illegalen Pestiziden würde reichen, 200.000 Quadratkilometer zu besprühen. Das ist zweieinhalb Mal die Fläche Österreichs oder das gesamte Ackerland Deutschlands.

    Wenn ich das hochrechne (1346 To auf 200.000 km²), komme ich auf rund 67 g Pestizid/ha. Es gibt durchaus Mittel, welche in dieser Menge ausgebracht werden. Da wird es aber mit der Dosierung schon nicht mehr ganz so einfach - mit der Feinwaage steht niemand am Traktor, denn Schläge von einem Hektar und weniger mögen im Osten und Norden selten sein, hier im Südwesten aber sind sie häufig. Es gibt im Gegenzug auch Mittel, da kommen 150 oder mehr Kilogramm auf einen Hektar.


    Im Schnitt ist sicher das 20fache der 67g realistisch, irgendwas zwischen 1 und 1,5 kg/ha, die meisten Mittel haben solche Aufwandraten. Dann sind wir schon nur noch bei 5% der deutschen Ackerfläche, die dann auch noch EU-weit verteilt werden muss. Dann sind wir nur noch bei 0,4 % der deutschen Ackerfläche, die einmalig (!) davon behandelt werden könnten. Wenn ich dann noch überlege, wie viele dieser Mittel von Tennisvereinen, Kleingärtnern und so weiter für nen schmalen Taler über eBay usw gekauft werden reduziert sich das nochmal beträchtlich...


    Dies nur zur Einordnung der Zahlen. Die sind in etwa so wie die Kilometerzahlen, die unsere Bienen für ein Glas Honig fliegen müssen. Rechnerisch möglich, dass sie dafür einmal quer durch die halbe Galaxie müssen, aber....


    Dennoch, das Problem besteht und es ist kein Kleines - vor allem durch die Dunkelziffer. Wenn ich lese, dass da praktisch keine Strafen folgen, dann macht mich das auch sauer. Das kann und darf nicht sein. Allerdings möchte ich hier sehr deutlich hervorheben, dass diese Artikel mit diesen sehr weit interpretierten Zahlen ein Fehlverhalten von Landwirten suggeriert, dass ich fast schon dreist finde. Schwarze Schafe gibts, aber viele sinds nicht. Jedenfalls nicht mehr als bei uns Imkern, da bin ich mir zienlich sicher.

  • Das ist absolut eine schlechte Nachricht, egal ob geimpft oder mit Aluhut. Allerdings sind die Zahlen da schon sehr irreführend dargestellt.

    Entweder (bzw ganz sicher, 5 Tonnen sind nix!) stimmen die Zahlen einfach nicht, oder Österreich verbraucht nur 0,0015 % aller Pestizide der EU und damit tausend Mal weniger als der Durchschnitt, gemessen an der Fläche. Respekt Österreich ;)



    Dennoch, das Problem besteht und es ist kein Kleines - vor allem durch die Dunkelziffer. Wenn ich lese, dass da praktisch keine Strafen folgen, dann macht mich das auch sauer. Das kann und darf nicht sein. Allerdings möchte ich hier sehr deutlich hervorheben, dass diese Artikel mit diesen sehr weit interpretierten Zahlen ein Fehlverhalten von Landwirten suggeriert, dass ich fast schon dreist finde. Schwarze Schafe gibts, aber viele sinds nicht. Jedenfalls nicht mehr als bei uns Imkern, da bin ich mir zienlich sicher.

    Zumindest haben sie versucht es als Nachricht zu verpacken, wenn auch mit nicht korrekter Zahlenbasis lt. deinen Ausführungen. Ausser der Tagessschau, finde ich nur noch eine Luxemburger Zusammenfassung und Proplanta. Letztere sehen weniger die fehlende Strafverfolgung als Problem, sondern den entgangenen Umsatz. Deine Ansicht zum suggerierten Fehlverhalten teile ich nicht, da ziemlich extreme Beispiele im Trachtgebiet vorhanden sind. Wahrscheinlich haben wir dreimal hier geschrien, als es um die Verteilung der schwarzen Schafe ging. No man´s Land.