Stellt die insektizide Spritzbrühe eine Gefahr für die Wasserholer dar?

  • Folgender Hintergrund: In "weiter Entfernung" zum Heimatstand habe ich ein Phaceliafeld vor Augen, welches ich gerne anwandern möchte.

    Einfach vier Völker auf dem Anhänger + zwei Honigräume drauf und bis … da stehen lassen, weil ich nicht jede Woche kontrollieren will. Dieses Risiko möchte ich so wohl eingehen.

    Aber.... nebenan ist eine Beerenobstplantage. In diesem Jahr besonders, hat durch den fehlenden Frost die Kirschessigfliege die besten Bedingungen(!) und der Beerenbauer wird formal ganz sicher korrekt spritzen. Wenn es aber warm sein wird, sehe ich die Gefahr, daß meine Bienen sich in den Beeren und durch die Spritzbrühe mit Tränke versorgen wollen.

    Bisher habe ich noch nie und nirgendwo eine Bienentränke erfolgreich betrieben. Die Damen haben immer Besseres gefunden.

    Bin ich jetzt zu ängstlich oder besser, weiß jemand ein 100%iges Patent für eine Bienentränke? Für funktionierende Tips bin ich sehr dankbar.

    Ich bin gespannt ...Klaus

    Es war schon schöner auf der Welt, als ich noch den Überblick hatte. Sofie Pfister-Odermatt

  • Ich sehe da kein Risiko. Stell deine Bienentränke nicht direkt in die Beerenbäume, dann passiert da auch nichts. 30 m abseits und gut ist. Wenn du dich wohler fühlst, kannst du die Bienentränke auch noch durch zwei übereinander gestellte Zargen o. Ä. gegen Drift schützen, was in dieser Entfernung aber auch nicht mehr nötig wäre.


    In den Beeren selbst wird die Spritzlösung nur als hauchfeiner Film ausgebracht, der möglichst schnell abtrocknen soll - das ist so gewünscht, damit der Wirkstoff auf dem Blatt usw bleibt und nicht abtropft. Hier haben die Bienen eigentlich keine Gelegenheit viel einzutragen.


    Grüße von einem, der schon ein paar Driftstudien mit Bienen gemacht hat :thumbup:

  • weil ich nicht jede Woche kontrollieren will.

    Das wäre schon mal schlecht, da man je nach Typ der Tränke öfters nach dem Wasser sehen sollte.

    Aber.... nebenan ist eine Beerenobstplantage.

    Das wäre dann ein schlechter Standort. Geht es nicht weiter weg? Vielleicht ist abseits eine natürliche Wasserstelle zu finden. Denn Wasser müssen sie haben. Sie fliegen schon mal 300 m bis zu einer Wasserstelle oder nehmen mindestens im selben Umkreis Tau- und Guttationswasser auf. Hier ist auch mein Widerspruch zu @Lecters Aussage:

    In den Beeren selbst wird die Spritzlösung nur als hauchfeiner Film ausgebracht, der möglichst schnell abtrocknen soll - das ist so gewünscht, damit der Wirkstoff auf dem Blatt usw bleibt und nicht abtropft. Hier haben die Bienen eigentlich keine Gelegenheit viel einzutragen.

    Der tagsüber eingetrocknete Wirkstoff wird jeden Morgen durch den Tau neu aktiviert. Zieht er in die Pflanze ein und diese erzeugt Guttationswasser ist der gleiche negative Effekt. Da hilft nur Eines und das ist Abstand! Selbst wenn eine Tränke vorhanden ist gibt es immer noch eine Anzahl Bienen, die sich solcher Wasserquellen bedienen.

  • Llecter , Du bist ja Experte. Werden Pyrethrine noch immer eingesetzt oder welche Substanzklasse kommt da zur Anwendung ?


    Und - wie schädlich sind diese bez. Bienen ?


    Danke für eine kompetente Antwort!

    Na, eigentlich wollte ich hier nicht mehr schreiben, aber bei der freundlichen Aufforderung :)


    Allerdings kann ich dir deine Frage leider nicht wirklich beantworten. Ich kenne mich im Beerenanbau nicht sonderlich aus, daher kann ich dir nicht sagen, welche Substanz dort zu welchem Zweck eingesetzt wird. Pyrethrine werden im Beerenanbau zumindest nicht eingesetzt, hier finde ich keine entsprechende Zulassung. Generell laufen alle Pyrethrine-Zulassungen im Obstanbau im August 2020 aus. Ob da Verlängerungen beantragt wurden und wie es darum steht falls, weiß ich allerdings nicht.


    Eine kurze Suche beim BVL ergibt diese Liste an zugelassenen Insektiziden im Beerenanbau. Das sind verschiedene Substanzklassen, von an sich harmlosen Mitteln wie Rapsöl bis hin zu fiesem Zeug wie Dazomet ist da eine breite Palette vertreten. Diese Mittel habe alle ihre eigenen Wirksamkeiten, Anwendungsgebiete und Auflagen. Das genannte Dazomet darf zB nur in nackten Boden eingearbeitet werden und dieser muss anschließend mit Folie abgedeckt sein. Mit einigen dieser Mittel habe ich schon Studien durchgeführt, andere sind mir gänzlich unbekannt. Wieder andere davon kippen Imker in manchen Gegenden sogar bewusst in ihre Beuten... (Tau-Fluvalinat zur Varroabekämpfung).


    Daher lässt sich deine Frage hier nicht pauschal beantworten. An dieser Stelle kurz der Hinweis, da ich mir hier schon vorstellen kann wie der ein oder andere schon den Zeigefinger heben möchte: Das Risiko lässt sich als Funktion von Exposition und Toxizität beschreiben. Ist eines von beiden gering oder nicht gegeben, gibt es auch nur ein geringes oder kein Risiko. Ist wie beim Autofahren. Bleibt die potentielle Todesmaschine Auto auf der Straße und ich auf dem Bordstein bin ich dem Auto (mechanisch) nicht exponiert und habe kein Risiko. Dieser Hinweis ging nicht an dich beemax , dir ist das sicher bekannt :)


    Pauschal lässt sich aber sagen, dass diese Mittel bei korrekter Anwendung kein Risiko für Bienen und andere Bestäuber darstellen. Und entgegen der landläufigen Meinung ist der Landwirt stark an der korrekten Ausbringung interessiert. Der will sich weder seine Nützlinge und Bestäuber kaputt machen, noch Ärger mit den Imkern haben. Und schon gar nicht mehr Geld als nötig ausgeben und überdosieren oder wortwörtlich in den Wind schlagen...


    Meine Aussage oben an Empetrum bzeog sich auch nicht auf die Wirksamkeit bestimmter Mittel, sondern darauf, dass in 20, erst recht in 30 m Entfernung kaum noch Abdrift messbar ist und ich daher bedenkenlos meine Bienen aufstellen würde. Ich halte das Risiko durch in der Tränke ersaufende Bienen, die dort ihre potentiellen Keime an andere Wasserholerinnen weitergeben für bedeutend größer als jenes durch PSM. Aber das mag jeder für sich beurteilen, ich bin nicht hier um irgendwen von irgendwas zu überzeugen.



    Der tagsüber eingetrocknete Wirkstoff wird jeden Morgen durch den Tau neu aktiviert. Zieht er in die Pflanze ein und diese erzeugt Guttationswasser ist der gleiche negative Effekt. Da hilft nur Eines und das ist Abstand! Selbst wenn eine Tränke vorhanden ist gibt es immer noch eine Anzahl Bienen, die sich solcher Wasserquellen bedienen.

    Mit Verlaub, das ist Unsinn. Die Mittel werden nicht durch Tau neu aktiviert und erst nicht jeden Morgen. Einmal angetrocknet ist der Wirkstoff kaum noch abwaschbar, bis er schließlich nicht mehr nachweisbar ist. Zudem bauen die Wirkstoffe rasch ab bzw. sind schnell nicht mehr bioverfügbar und sind in aller Regel bei einer abendlichen Applikation schon am nächsten Morgen kein Risiko mehr - Zum Glück nicht für Bienen, leider auch nicht für die Zielorganismen. Selbst Regen sorgt kaum dafür, er hat schlicht kaum Effekt und nur bei größeren Regenmengen wird eine geringe Menge abgewaschen ("aktiviert").


    Over all compounds, crops, and trials, the daily dissipation showed a significant but weak correlation with precipitation (Pearson r = 0.232, p < 0.001), where rainfall explained only 5% of the overall variability (R 2 = 0.054). However, the correlation and its statistical significance were attributable to a relatively small number of measurements with exceptionally high precipitation ( Figure 4, left). When focusing on those measurements with up to 95th percentile precipitation (6.5 mm/d or less; Figure 4, right), no significant correlation was found (Pearson r = 0.034, p = 0.289), and precipitation explained only approximately 0.1% of the overall variability (R 2 = 0.001)

    Guttation ist übrigens auch kein nennenswerter Expositionspfad - vor allem bei nicht-systemischen Mitteln.

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  • Sag mal weist Du eigentlich welchen Unsinn Du da schreibst. Wenn abends solche Mittel gespritzt werden verhindert Tau das Antrocknen und damit bleibt das Zeug wirksam. Theoretisch klappt das natürlich alles, aber praktisch sind es hochwirksame Giftstoffe.

  • sondern darauf, dass in 20, erst recht in 30 m Entfernung kaum noch Abdrift messbar ist und ich daher bedenkenlos meine Bienen aufstellen würde.

    Ich glaube da gibt es ein Missverständnis. Es geht doch nicht um die Abdrift, die zur Tränke vordringt, sondern um eine Tränke anzubieten, um damit eventuell belastete Wasserstellen in der Kultur uninteressant zu machen. Oder habe ich das falsch verstanden?

  • Hallo Berggeist.

    Auch die beste Tränke verhindert nicht, dass die Bienen in der Umgebung nach anderen Wasserquellen suchen und diese auch nutzen. Die künstliche Tränke, welche man mehr als eine Woche nicht warten muss, gibt es glaube nicht. Er kommt am Besten wenn er seine Bienen weit weg aufstellt.

    Ist aber seine Entscheidung und deshalb eine gute Nacht allerseits ;)

  • Wenn abends solche Mittel gespritzt werden verhindert Tau das Antrocknen und damit bleibt das Zeug wirksam.

    Du bist aber ab und zu schon mal raußen in der Natur, oder? Klingt leider nicht so. Falls nicht, geh doch einfach gerade jetzt mal raus und befühle Pflanzen. Die sind jetzt nicht taunass. Bis da Tau kommt, ist der hauchfeine Spritznebel längst angetrocknet. Das dauert nur Minuten. Kannst du mit einem Zerstäuber auch mal testen. Würde ich dir empfehlen, dann passiert sowas hier nicht mehr:

    Zitat

    Sag mal weist Du eigentlich welchen Unsinn Du da schreibst.

    :)


    Es geht hier ohnehin nicht um Fakten, sondern um gefühlte Wahrheiten und Überzeugungen. Dagegen kann und will ich nicht argumentieren, das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Ich bin mal wieder raus.

  • Ich glaube da gibt es ein Missverständnis. Es geht doch nicht um die Abdrift, die zur Tränke vordringt, sondern um eine Tränke anzubieten, um damit eventuell belastete Wasserstellen in der Kultur uninteressant zu machen. Oder habe ich das falsch verstanden?

    Stimmt, du hast recht. Nach nochmaligem Lesen hab ichs nu auch verstanden. Da hätte ich noch weniger Bedenken, Guttation ist kein großes Thema, vor allem zu dieser Jahreszeit ist das schnell verdunstet und bietet keine nennenswerte Wasserquelle. Spritzbrühe ist sowieso kein Thema, da minutenschnell angetrocknet. Tränke würde ich auch weglassen bzw. bestenfalls aufstellen, wenns wieder mal 35°C+ werden sollte.