20% Feuchtigkeit bei voll gedeckelten Waben

  • Nettisrb

    Eine Gerade wird durch 2 Punkte definiert, ein definierter Punkt alleine (27,1% für Olivenöl) reicht also noch nicht. Aber deine Werte sind ein erster Hinweis darauf, dass dein Refraktometer zumindest im Bereich von 27-28% um 0,9% zuviel anzeigt, 20°C Luft-, Honig- und Refraktometertemperatur vorausgesetzt.


    Du kannst also das Refraktometer schon mal so weit verstellen, bis es bei Olivenöl die 27,1% anzeigt. Dann ist dein Gerät für diesen Bereich schon mal richtig eingestellt.


    Ob es danach auch im für uns wichtigen Bereich von 15-18% richtig eingestellt ist, weißt du damit noch nicht, da eine Gerade eben unterschiedliche Steigungen haben kann und du nur mit einem Punkt nicht weißt, wo die individuelle Gerade deines Gerätes "unten", d.h. bei dem für Honig relevanten Messbereich rauskommt.

    Im schlimmsten Fall verläuft die Gerade deines Gerätes derzeit so, dass sie zwar bei Olivenöl 1% zuviel anzeigt, bei Honig im Bereich von 17% aber ziemlich genau ist. Ein Justieren auf den Olivenöl-Wert würde daher dein Gerät erst so richtig falsch verstellen. Es kann aber auch genau umgekehrt sein.


    Was du also brauchst, ist ein zweiter definierter Punkt möglichst weit unten im Messbereich. Ideal wären z.b. ca. 15%. In der Praxis bietet sich aber z.B. die 19,6% an, die angezeigt werden muss, wenn du einen Glasblock mit Nelkenöl verwendest.

    Werden dann 19,6% angezeigt UND bei Olivenöl 27,1%, ist dein Gerät korrekt eingestellt und sollte im gesamten Messbereich die richtigen Werte ohne Abweichungen anzeigen.

    Kannst du aber nur einen Punkt richtig einstellen und ergibt das Abweichungen beim jeweils anderen, weicht die Gerade deines Gerätes vom Idealfall ab und die angezeigten Feuchtewerte weichen um so stärker ab, je weiter weg sie vom Justierpunkt (z.B. 19,6 %) sind. Du musst fortan also bei jeder Messung rechnen (oder in einer zu deiner Gerade passenden Grafik ablesen), welchem tatsächlichen Feuchtewert deine jeweilige Messung entspricht. Je weiter weg von dem eingestellten Punkt, desto stärker wird die Abweichung sein.


    Ich würde dann (oder eigentlich immer) empfehlen, das Gerät auf 19,6% zu justieren, nicht auf die 27,1%, weil die 19,6% näher am für Honig relevanten Bereich liegt und die Abweichungen dann geringer sind.


    Da die Temperatur so wichtig und entscheidend ist und man bei Waben extreme Schwankungen von Zelle zu Zelle hat, sind meiner Meinung nach Messungen im Feld bei den Bienen völlig nutzlos. Messungen machen erst daheim im durchgerührten und damit homogensierten und auf 20°C temperierten Honig und Refraktometer einen Sinn.

  • Ob es danach auch im für uns wichtigen Bereich von 15-18% richtig eingestellt ist, weißt du damit noch nicht, da eine Gerade eben unterschiedliche Steigungen haben kann und du nur mit einem Punkt nicht weißt, wo die individuelle Gerade deines Gerätes "unten", d.h. bei dem für Honig relevanten Messbereich rauskommt.

    Ist das üblich, dass eine Refraktometer nicht über den gesamten angegebenen Skalenbereich halbwegs genau misst? Das mit der Kurve ist ja eine schöne Erklärung. Aber das Argument läuft darauf hinaus, dass das Gerät nur an einer Stelle genau misst.

    Das ist dann ein bisschen wie das bekannte Uhrenparadox: Die genaueste Uhr, ist die, die steht. Sie zeigt zweimal am Tag die exakte Zeit an. Wenig hilfreich allerdings, so ein Zeitmesser.

    Außerdem sollte der Bereich schon bitte von 15 bis 20 % reichen.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ein intaktes Refraktometer, ordentlich geeicht misst über den ganzen beworbenen Bereich genau.

    Allerdings stimmen die abgelesenen Werte nur bei der Temperatur von 20 Grad. Es geht nicht um die Honigtemperatur, sondern um die des Gerätes. Nach dem Auftragen des Honigs und Zuklappen, wartet man 5 min. Dann hat der Honig genau die Temperatur des Gerätes. Neben dem Refraktometer sollte man ein gutes Thermometer liegen haben. Je ein Grad über 20 Grad zieht man vom abgelesenen Wert 0,2 ab. Je ein Grad unter 20 Grad, addiert man 0,2 hinzu.


    Beispiel: Abgelesen 18 %, Temperatur 27 Grad, dann hat der Honig einen Wassergehalt von 16,6 %.

    Refraktometern mit automatischer Temperaturkompensation würde ich nicht trauen. Das kann man nicht für 150 Euro, oder weniger, bauen.
    Meins hat auf der Rückseite ein Thermometer mit den Korrekturwerten.
    Gute Messgeräte sind immer teuer.

    Billige Messgeräte kann man sich sparen.

    Billig und genau ist nur die Spindel von Lukasewicz. Dafür kann der Anwender damit mehr Fehler machen.


    Gruss

    Ulrich

  • Darf ich mal kurz klugsch....:


    Nur das Eichamt eicht. Man kann geeichtes kaufen, das war dann vorher beim Eichamt.


    Wenn ich also eine geeichte Waage kaufe für den Honigverkauf, dann ist die auch vom Eichamt geeicht und ich kann mich drauf verlassen (ansonsten Reklamationsgrund).


    Was wir hier tun ist kalibrieren. Das ist deutlich ungenauer, reicht für unseren Bedarf aber.

  • Nur bei Geräten, bei denen es drauf steht. In diesen Geräten muss sich etwas durch Temperaturänderung verschieben. Also bewegliche Mechanik. Deshalb bin ich dagegen. Ist noch eine zusätzliche Fehlerquelle, Und mechanische Präzision ist richtig teuer. die kann man bei den aufgerufenen Preisen nicht erwarten.

    ATC ist werbewirksam, sagt aber absolut nichts über die Korrektheit der Messergebnisse aus.


    Gruss

    Ulrich

  • Ist das üblich, dass eine Refraktometer nicht über den gesamten angegebenen Skalenbereich halbwegs genau misst? Das mit der Kurve ist ja eine schöne Erklärung. Aber das Argument läuft darauf hinaus, dass das Gerät nur an einer Stelle genau misst.

    Offensichtlich ist das tatsächlich so. Das habe aber nicht ich erfunden, sondern so habe ich einen Imker und Ingenieur verstanden, der seit einigen Jahren hier in unserer Gegend "tourt" und Vorträge zum Thema hält, weil er selbst lange gebraucht hat, bis er verstanden hat, dass und warum all' die Geräte, die er für andere kalibriert hat, unter vielen Bedingungen trotzdem wieder falsche Werte zeigten.


    Er ist der Sache auf den Grund gegangen und hat dann seinen Vortrag und Methoden ausgearbeitet, wie man mit diesen Geräten dann eben doch praktikabel genau misst. Jedes Gerät ist ein Individuum, man muss es halt einmal checken, dann kann man mit diesem einen Gerät vernünftig messen, muss halt nur immer korrigieren.


    Die oft mehr schlechte als rechte automatische Temperaturkontrolle ist ein anderes Thema und kommt als weitere Ungenauigkeit da noch oben drauf.


    Ich glaube, in sehr verkürzter Form ist sein KnowHow auch schon in einer der Bienenzeitschriften vorgestellt worden.

  • Hallo,

    hast du mal deinen Refaktometer überprüft?

    Ich teste mit nativen Olivenöl, da sollte der Wassergehalt 27 % anzeigen.

    Habe ich heute mit nativen Olivenöl getestet. Entweder hat das Olivenöl 28% Wassergehalt oder mein Refraktometer ist eben ungenau. So und nun???

    Vorsicht! Das Ölivenöl hat KEINEN Wassergehalt, erst recht nicht fast 30 Prozent, das wäre eine recht fette Kraftbrühe. Natives Olivenöl soll der Anleitung nach einen Brechungsindex - und nichts anders wird hier gemessen - haben, der dem von Honig mit 27 Prozent Wassergehalt entspricht! Was eben wohl auch nicht so ganz trivial ist, weil Honig eben auch aus unterschiedlichen Zuckersorten mit verschiedenen Brechungsindices besteht... Allgemein kenne ich Refraktometer zur "Mostgewicht"-Bestimmung - in "Grad Oechsle" zum Beispiel. Der damit messbare Zuckergehalt eines Saftes ist damit genau genug feststellbar. SO genau wie die Imker will es da aber keiner wissen!

  • Nichtmal dem ist so... irgendwo hier in den Katakomben gibt's nen Faden mit den Post von mir dazu...
    Bei mir waren es mit Olivenöl nämlich irgendwas um die 23-24%.
    Das Ende vom Lied war nach nem Abgleich am Imkerstammtisch: mein Refraktometer stimmte...

    "Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel."

  • In der Praxis bietet sich aber z.B. die 19,6% an, die angezeigt werden muss, wenn du einen Glasblock mit Nelkenöl verwendest.

    Glasblock? Also kann ich flüssiges Nelkenöl nicht zum kalibrieren verwenden?

    9 Völker Carnica, 1 Volk Buckfast in Segeberger

  • PaBa

    du benötigst vor allem den "Glasprüfkörper" wie er richtig heißt, denn du misst dessen Brechungsindex, nicht etwa den vom Öl! Deswegen nutzt das Öl ohne Glas auch rein gar nix.


    Das Nelkenöl dient nur dazu, den Kontakt zum Refraktometerprisma luftfrei herzustellen. Ob es auch andere Öle tun oder warum es genau Nelkenöl sein muss, habe ich entweder vergessen oder nie gewusst und hinterfragt.

    Wobei auch das ja noch Unklarheiten birgt, denn es gibt schließlich Nelkenöl und Nelkenblütenöl - durchaus verschieden.

  • PaBa

    du benötigst vor allem den "Glasprüfkörper" wie er richtig heißt, denn du misst dessen Brechungsindex, nicht etwa den vom Öl! Deswegen nutzt das Öl ohne Glas auch rein gar nix.

    Aber Olivenöl hat ohne Glas bei meinem Refraktormeter tatsächlich 27% ohne ein Glas, also das Refraktormeter hat einen klapbaren (Kunststoff?) Deckel. Ist das jetzt Zufall?


    Misst man mit dem Glas und verschiedenen Ölen verschiedene Werte? Stellt das Öl einen Kontakt zwischen den beiden Gläsern, also dem Glasprüfkörper und dem Refraktormeter her? Aber denn würde jede Ölsorte das Ergebnis verändern, weil die Öle ja unterschiedliche Wassergehalte haben.


    Ich hab bei meinem Refraktormeter eine zuckrige Lösung dabei, die einen festen Brix-Wert hat. Damit kann ich das Refraktormeter kalibrieren.

    9 Völker Carnica, 1 Volk Buckfast in Segeberger