Obstblüte - Fluch oder Segen??

  • Hallo Leute!


    Da dieser Winter mit vielen Verlusten einherging und die mir verbliebenen Völker nicht so toll aussehen war ich ernsthaft am überlegen dieses Jahr zur Stärkung der Völker einmal die Obstblüte anzuwandern, was ich noch nie gemacht habe.


    Jetzt höre ich darüber zwei sich widersprechende Meinungen:


    1. Ist super, weil die Bienen reichlich Nektar und Pollen finden und dementsprechend gut in Brut gehen.
    (Diese Meinung ist für mich vollkommen nachvollziehbar und wird von den Imkern mit denen ich gesprochen habe bestätigt)


    2. Ist großer Käse, weil die Obstblüte die Völker sehr belasten soll.
    Leider habe ich zu dieser zweiten Meinung keine nachvollziehbare Erklärung gefunden. Das Argument: Es gibt in der Obstblüte immer mal wieder schlechtes Wetter ist doch wohl Unfug, denn diese Wettereinbrüche haben die Bienen auch wenn sie nicht in der Obstblüte stehen.


    Weiß jemand darüber mehr?


    Gruß aus der Heide


    Andreas

  • Lieber Imkerfreund Obstbrenner,


    Obstbauern und Imker halten sich leider nicht immer an Verordnungen und Gesetze, weshalb es auch zu falschem Pflanzenschutzmitteleinsatz (PSM) kommen kann.


    Wenn dann z. B. zusätzlich von Behörden und Politikern den Obstbauern vermittelt wird, sie könnten nur mit Antibiotika Feuerbrand bekämpfen, dann belastet das das Verhältnis zwischen Imkerei und Obstbau sehr stark.


    Gruß FB

  • Hallo Andreas!



    vorausgesetzt, Pflanzenschutzmittel werden nicht oder zumindest richtig eingesetzt,
    halte ich jede natürliche Blütentracht, einschließlich Obst im Frühling für entwicklungsfördernd.
    Wetterrückschläge muß ein Volk abkönnen, wenn nicht, ists eh' nicht schade drum.


    Thema Wandern:
    Mangels Erfahrung muß ich hierzu meinen Imkerpaten zitieren:
    "Mit schwachen Völkern wandern bringt nichts"


    Aus dem Bauch heraus würde ich nicht wandern, wenn deine Umgebung auch so genügend Tracht bietet.


    Viele Grüße


    Erwin

  • Hallo Obstbrenner,


    mit diesem Namen muss die Obstblüte doch direkt ein Segen sein. :D 
    Aber warum denn nicht mal die Obstblüte anwandern ?
    Ich überlege auch schon.
    Aber du musst dir natürlich auch über das Für-und Wider deine Gedanken machen. Eine Nahwanderung in ein größeres Obstanbaugebiet kann sicher lohnenswert sein, aber eine Fernwanderung über zig Kilometer ? eher kaum.
    Dann der ganze Bürokratismus: Gesundheitstest, Aufstellerlaubnis, Nachfragen beim örtlichen Wanderwart, Sprechen mit dem Plantagenbesitzer -> wegen der "Spritzerei" usw.
    Viel ernten wirst du nicht, aber wenn es dir darum geht, deinen Bienen den "Kick" ins Frühjahr zu geben, warum eigentlich nicht ?
    Aber ich würde nur wandern, wenn ich in einem ausgesprochenen Spättrachtgebiet stünde.


    @ Erwin
    Dein Imkervater hat Recht mit seiner Aussage.
    Aber nur insofern es darum geht, eine Tracht auszunützen.
    Mit Schwächlingen in die Akazie zu wandern, um Honig zu ernten, kann man getrost vergessen.
    Aber eine Nahwanderung zur Stärkung der Völker ?
    Kann man sich sicher überlegen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hmmm. Und ich dachte in meiner Anfängerhaftigkeit bislang, die Obstblüte sei alles und danach hört's fast schon wieder auf. Wo bekommen Eure Bienen dann den Honig her? Von Akazie war mal die Rede, die gibts bei uns aber kaum.


    Fragende Grüße


    Mic

  • Hallo Obstbrenner, wenn Du der Gefahr durch PSM-Spritzungen weitgehend entgehen willst, solltest Du Dir eine Gegend ausgucken, in der es viele wenig genutzte Streuobstwiesen und Hausgärten mit Obstbäumen gibt, die nicht intensiv genutzt werden. Bei diesen wird mangels wirtschaftlicher Nutzung meist nicht gespritzt und sie sind meist groß genug, das sich die Wanderung mit wenigen Völkern lohnt. V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • die Frage ist m. E. falsch, hier heißt es immer wieder, was kann die Obstblüte für die Bienen tun. Bei mir ist das umgekehrt, ich frage, was die Bienen für die Obstblüte tun können, denn der Grund, warum ich mit der Ímkerei begann, war die Absicherung der Bestäubung meiner Obstbäume durch die Bienen.

  • In der "Welt" und in der "Berliner Morgenpost" erschien am 12. März ein Artikel. Darin klagten die Obstbauern in Werder darüber, dass wegen des Bienensterbens zu wenige Völker für die Bestäubung bereit stünden. Da ich meine Völker in Berlin stehen habe und noch genug Rapshonig vom Vorjahr habe, dachte ich mir, dass wenn die Not so groß ist, ich dieses Jahr in die Obstblüte nach Werder reise. In den Raps könnte ich ja auch erst 2004 wieder wandern. Ich schrieb also den zuständigen und im Artikel zitierten Fachberater an, dass ich mit zehn Völkern kommen könnte. Er hat es nicht mal für nötig erachtet, auf mein Angebot zu antworten.
    Zunächst war ich darüber etwas verärgert und dachte mir, dass die Not ja wohl doch nicht so groß sein kann. Vermutlich diene das Gejammere nur dazu, die Verbraucher auf höhere Preise vorzubereiten.
    Inzwischen bin ich heilfroh, dass keine Resonanz gekommen ist. Die Obstbauern wollen nämlich, so steht in dem Beitrag weiter, lieber mit Paketbienen aus Neuseeland die Bestäubung sicher stellen. Für hiesige Imker, die auf solchen Plantagen ihre Völker aufstellen, besteht dadurch die Gefahr, dass sie sich möglicherweise den Beutenkäfer in die Kästen holen. Außerdem kann das fremde genetische Material der Paketbienen-Drohnen unsere Zuchtziele versauen. Obstwanderer sollten das bedenken.
    Imkerliche Grüße
    von M.W. Kohfink

  • Hallo zusammen, wie stellen sich die Obstanbauer das mit den Paketbienen eigentlich vor? Pakete mit den Bienen in die Plantage, Deckel auf und fliegen lassen? Wenn das so einfach wäre... V.H.w. Lothar

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