Pressemitteilung 01/2020 – Varroamilben überlebende Biene – VSB-Projekt des LBMV e.V.

  • Klimaerwärmung, Insektensterben, Pandemie – ein Schreckensszenario jagt das andere. Jetzt könnte man sich verstecken, sich in sein Schneckenhaus zurückziehen und seine kleine heile Welt suchen. Doch wie andere Menschen sich für Umweltschutz oder gesunde Ernährung engagieren, so setzen wir, die Imker des Landesverband Buckfast Mecklenburg-Vorpommern e.V. ( LBMV ), uns verstärkt gegen das Bienensterben durch die Varroamilbe ein.

    Als Imker im LBMV haben wir neben unserem Hauptschwerpunkt der Zucht und Haltung der Honigbiene vielfältige Berührungspunkte mit der Umwelt, Natur, Politik und Landwirtschaft und befinden mit ihnen in einer Symbiose. Gerade im Bereich der Honigbiene macht ein besonderer Parasit – die Varroamilbe – es den Imkern weltweit immer schwerer Bienenvölker gesund und nachhaltig zu führen. Mehr und mehr wird der Einsatz verschiedener Behandlungsmethoden auf mechanischer, biochemischer oder gar chemischer Art erforderlich. Jahr für Jahr verschlingen diese Behandlungsmethoden viel Zeit und hohe Summen an Mitteln, doch ein Erfolg der Maßnahmen wird jedes Jahr unsicherer.


    Die durchschnittlichen jährlichen Winterverluste an Bienenvölkern durch die Varroamilbe und Folgen der Milbe von 15-25% allein der in Deutschland gemeldeten ca. 1Mio Bienenvölker ergibt schon eine stattliche Anzahl von 150.000-250.000 Bienenvölkern, die somit im Frühjahr für die Bestäubung in der Natur und Landwirtschaft fehlen (vor Varroa-Zeiten betrugen die Winterverluste lediglich 5-10%). Nicht gerechnet die immer wieder aufgewendeten Subventionen für Behandlungsmittel in den einzelnen Bundesländern, entsteht durch die Varroamilbe und ihren Folgen ein großer finanzieller Schaden in Höhe von mehreren Millionen € nur in Deutschland.

    Darum beteiligt sich der LBMV mit seinem Varroa-survived-Bee-Projekt ( „Varroamilben überlebende Biene“, kurz VSB ) an der Züchtung einer Honigbiene, die ohne imkerliche Sonderbehandlung die Varroamilben und ihre Folgen bei einem verwertbaren Honigertrag überleben kann. Mit unserem VSB-Projekt arbeiten wir Hand in Hand mit anderen Projektgruppen und namhaften Forschungseinrichtungen im Bundesgebiet und Europa zusammen.

    Wir haben die letzten Monate genutzt und in unseren Bienenvölkern nach Königinnen gesucht, die Völker mit einer höheren „Widerstandskraft gegen die Varroamilbe“ hervorgebracht haben. Diesen Mai/Juni werden wir davon 120 bis 150 Bienenköniginnen vermehren und mit ausgesuchten Drohnensperma instrumentell besamen. Diese neuen Königinnen bilden die Basis zur Entwicklung kleiner Testvölker. Dabei stellen viele Mitglieder des LBMV jeweils diese kleinen Volkseinheiten für die neuen Königinnen zur Verfügung.


    Nach einigen Wochen Entwicklungszeit und dem Schlupf zahlreicher Bienen-Nachkommen der neuen Königinnen werden wir Mitte Juli jedes dieser kleinen Völkchen gezielt mit einer abgestimmten Menge von Varroamilben infizieren. Bis zum August haben dann Varroamilben und die kleinen Völkchen eine ausreichende Entwicklungszeit genommen, um dann ausgezählt zu werden. Dabei werden wir mit Hilfe von binokularen Mikroskopen das Vorkommen und die Entwicklungsstadien der Varroamilben in den Brutzellen der kleinen Völker ermitteln.


    Die Königinnen aus jenen Völkern mit den wenigsten Milben sind dann wieder potentielle Kandidaten für einen weiteren Vermehrungszyklus im nächsten Jahr. Allerdings steht diesen Kandidaten noch die härteste Prüfung bevor. Sie sollten den Winter ohne weitere Behandlungsmaßnahmen gegen die Varroamilbe überstehen.

    Die Selektion dieser Königinnen garantiert am Anfang nicht sofort jeglichen Verzicht auf Behandlungsmittel in unseren Völkern, aber es ist erklärtes Ziel diese Behandlungsmittel stetig zu minimieren und so Schritt für Schritt eine komplett behandlungsfreie Völkerführung zu erreichen.

    Allein diese an sich kleine Teilaufgabe in unseren Imkereien verbraucht viele Ressourcen an Bienenvölkern, Zeit, gefahrenen Kilometern, Geld unserer Mitglieder und so sind wir beständig auf der Suche nach weiteren Unterstützern für unser Projekt.


    Dies kann durch aktive Mitarbeit bei der Königinnen-Aufzucht, der Stellung von Varroamilben belasteten Spendervölkern, dem Auszählen an den Mikroskopen oder auch durch mittelgebundenes Sponsoring zur Beschaffung von Equipment für die Völkerführung, instrumentelle Besamung, virologischen Untersuchungen unsere Drohnen und Zuchtvölker, Varroamilben Beschaffung, Mikroskope etc. sein.


    Wir würden uns sehr freuen, wenn sich interessierte Sponsoren, Helfer, Imker und Nichtimker bei uns melden und sich mit einbringen möchten.

    Mit unserem VSB-Projekt „Varroamilben überlebenden Biene“ möchten wir als LBMV e.V. Hand in Hand mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten, um deren Ansätze der ganzheitlichen, nachhaltigen Bewirtschaftung zu unterstützen.


    Zu unseren einzelnen Aktivitäten sind Presse und Medienvertreter gern eingeladen, sich einen Überblick über den steinigen Weg zu einem großen Ziel zu verschaffen. Weitere Informationen und Ansprechpartner finden Sie auf www.buckfast-mv.de.


    Die nächsten Termine unseres Projektes sind:

    17.05.2020 Drohnenvölkerbonitur (https://de.wikipedia.org/wiki/Bonitur)

    12/13.06.2020 Spermagewinnung von ausgesuchten Drohnen für die instrumentelle Besamung

    13/14.06.2020 Instrumentelle Besamung von ca. 150 Königinnen


    Mit imkerlichen Grüßen

    Bernd Pflugrad

    LBMV Presse und Öffentlichkeitsarbeit

    presse@buckfast-mv.de

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

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  • Danke Bernd und Team!

    NUR so kann es klappen! Ich hoffe ihr findet ein paar Unterstützer, Gönner und vor allem geeignete, helfende Hände! Wenn jeder Imker den Wert von nur 1kg Honig spenden würde, das wäre unvorstellbar!

    Es ist tatsächlich für sehr viele nicht zu glauben was da an Arbeit dahinter steckt! Ich finde es absolute Spitzenklasse von euch - viel Glück!


    Lg aus dem Westen Österreichs ;):thumbup: