• Hallo,


    auf der suche nach Bienenvölker für meinen Neuanfang als Imker habe ich mit einem Züchter telefoniert und dabei erwähnt, daß für mich die Sanftmut der Völker herausragend wichtigste Eigenschaft sein soll. Daraufhin hat er die Behauptung aufgestellt, daß alzu sanftmütige Völker auch die anfälligsten (gegen Krankheiten ) seien.
    Ist da was dran?


    Gruß
    Peter M

  • Hallo Peter!


    Mit der Sanftmut ist das so eine Sache.
    Beinahe alle Imker, Institute, Gurus usw behaupten, daß die Bienen in wenigen Generationen ohne Schaden auf Sanftmut gezüchtet werden können, weil diese (vererbbare) Eigenschaft unabhängig ist von allen anderen Eigenschaften (Vitalität, Gesundheit).


    ...allein mir fehlt der Glaube.
    Ich habe mehrere Völker, die man als "stechfreudig" bezeichnen kann.
    Alle haben super überwintert und sind bis jetzt in hervorragendem Zustand,
    im Gegensatz zu den zehn "Lämmchen", von denen ich die Hälfte verloren habe.


    Ob das ausschließlich daran lag, daß die "bösen" im Wald (tiefer Schatten) überwintert haben
    oder zumindest teilweise auch an einer höheren Widerstandskraft,
    kann ich mit dieser Beobachtung leider weder beweisen noch widerlegen.


    Nach meinem Dafürhalten ist die Behauptung, daß sanftmütige Bienen immer anfällig sind und stechfreudige Bienen immer gesund sind, zu pauschal.
    Die Behauptung, daß Vitalität mit Verteidigungsbereitschaft NICHTS zu tun hat, halte ich aber für ebenso fragwürdig.



    Viele Grüße,
    Erwin

  • Hallo zusammen, sanftmütige Völker können aber genauso vital sein wie stechlustige. Außerdem ist Sanftmut keine messbare Eigenschaft, sondern subjektiv. Ich kenne auch Erwin´s Standpunkt, das bei anderen guten Eigenschaften, man auch von einen stechfreudigen Volk nachziehen könnte. Völker verhalten sich auch bei verschiedenen Imkern unterschiedlich: Der eine wird "in die Büsche" gejagt, während der andere ruhig mit dem selben Volk arbeiten kann. Hatte Altmeister Sklenar nicht recht, wenn er behauptete, die Stechlust der Bienen ist anerzogen, nicht angeboren. Bekannt dürfte z.B. sein, das manchmal "sanfte Lämmer" sich bei anderen Imkern zu "Teufeln" entwickeln. V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo, Lothar,
    das hängt, glaube ich, entscheidend vom Arbeitsstil des einzelnen Imkers ab! Wer drangeht wie Blücher, braucht sich nicht zu wundern, oder?
    Je ruhiger der Imker, desto besser. Keine Hektik, keine Attacken! Deswegen kann das Verhalten auf Dauer eigentlich immer nur von der Person beurteilt werden, die ständig damit arbeitet. (Wenn mein Männe drangeht, ist immer Alarm angesagt, viel zu hektisch! Bei mir bleiben sie schön sitzen, so nach dem Motto: Mach das Licht aus, wenn du fertig bist)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Also zum Thema Sanftmut und Anfälligkeiten für Krankheiten möchte ich folgendes sagen:
    Mit Sicherheit gibt es einen Zusammenhang zwischen einer stärkeren Aktivität (Abwehrverhalten) und den Anfälligkeiten für Krankheiten, soweit sie über den Putztrieb zu beeinflussen sind.
    Ich denke aber, dass dieser oft vermutete Zusammenhang daraus entstanden ist, dass in vielen Linien die Sanftmut über ein hohes Maß an Inzucht erreicht wurde. Man sollte sich deshalb die einzelnen Linien / Abstammungen unter diesem Aspekt betrachten. Ich selbst kombiniere verschiedene Linien seit jetzt 8 Jahren mit meiner " Zuchtlinie" und habe gesunde und sanftmütige Völker.

  • Hallo zusammen,
    Hallo Frank!


    Dein Hinweis:
    "Ich denke aber, dass dieser oft vermutete Zusammenhang daraus entstanden ist, dass in vielen Linien die Sanftmut über ein hohes Maß an Inzucht erreicht wurde. "


    Inzucht wäre tatsächlich eine sehr einleuchtende und auch schlüssige Erklärung für meinen Denkfehler! (jetzt wo du's sagst.. Herkunft der Königinnen meiner "Lämmchen")


    Ich eine Verallgemeinerung gewagt, die ich in diesem Licht so nicht mehr aufrecht erhalten möchte.


    Viele Grüße


    Erwin

  • Hallo,


    die Erfahrungen aus der Kombinationszucht zeigen dass Sanftmut nicht mit Inzucht zusammenhängen muss. Der Vergleich hinkt zwar immer, aber ist ein sanftmütiger Mensch anfälliger gegen Tuberkulose und in der Arbeit stinkfaul? Wohl nicht und er läßt sich wohl auch nicht gerne von einem Saufbruder eine überziehen wenn er bedroht wird.


    Sanftmut, Verteidugungsbereitschaft, Fleiss und Krankheitsfestigkeit sind Eigenschaften die in der Zucht getrennt voneinander isoliert oder angereichert werden können. Die Selektion und die richtige Vorgehensweise machts. Einfach ists jedoch nicht. Manchmal basieren so verallgemeinernde Aussagen auf einer zu geringen (Selektions)Basis an Völkern. Da mag es ja so gewesen sein, wie derjenige es sagt.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Sabi(e)ne, genau das meinte ich. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht das Selbe. Hallo zusammen, wenn bei Züchtern die Zuchtlinien sanftmütiger sind, denn auch darum, weil man die zur Zucht notwendigen Arbeiten bei solchen Völkern einfach besser machen kann. Wenn man versucht, mit möglichst wenigen Eingriffen bei seinen Völkern auszukommen, kann man stechlustigere Völker ruhig akzeptieren. Aber, jetzt kommt ein kleiner Einwand, nur bei Eingriffen des Imkers an der Beute, unbeteiligte Nachbarn etc. sollten nicht belästigt werden. V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo und Guten Morgen,


    als Neuimker mit meinen derzeit drei Völkern mach ich ja Augenblicklich ständig immer neue Erfahrungen. Meißt handelt es sich hierbei um gute, angenehme Erfahrungen - es läuft alles recht gut. Aber jetzt kommts: gestern so um die Mittagszeit, ich hatte gerade Besuch von einem anderen Jungimker der mich immer um die starke Entwicklung meiner Völker beneidet, wollten wir mal sehen wie der Flugverkehr so ist, standen so ca. 5m seitlich versetzt zu den Flugöffnungen sogar noch hinter Kopfhoch wachsenden Himbeersträuchern als wir von den Bienen attackiert wurden. Wir haben uns dann langsam zurückgezogen, wurden dabei aber noch etwa 20-30m verfolgt.Wir haben uns dann nach einiger Zeit nochmal vorsichtig genähert ( ich wollte einfach nicht wahr haben was da gerade passiert war ), da ging en die Angriffe wieder und noch häftiger los. Ich hatte eine Biene im Haar von der ich mich befreien konnte wurde aber von einer anderen ins Ohr gestochen - und das mehr als 5m vom Stand entfernt. Ich habe mich dann erinnert, das ich vor Wochen schon mal eine ähnliche Situation hatte die aber ohne Stiche abging. Gut, ich wurde immer mal beim Bearbeiten gestochen ( in die Hände, obenrum war immer Verschleiert ), das habe ich ja noch in kauf genommen . Aber sowas? Ich mache mir nun auch Sorgen um Kinder und Nachbarn. Mein Problem ist auch, ich habe die Völker so gekauft und weiß nichts über die königinnen ( Carnica ), nur das sie von 02 sind, sonst nichts. Meine Überlegung ist nun, die Völker so bald wie möglich mit sanftmütigen Königinnen der F1 Generation umzuweiseln. Was würdet ihr mir empfehlen? Ich will auf gar keinen Fall mein erstes Jahr mit Bienen als das Jahr der Stiche in Erinnerung behalten.
    Gruß
    Peter M

  • Hallo Peter
    Wenn schlechtes Wetter war (Gewitter in der Luft), werden die Bienen als agressiv,auch wenn die Völker in einer Volltracht stehen (Raps).
    Wenn sie aber auch mit Rauch stechlustig sind, sollte man sie umweiseln.
    Aber es kommt halt auf die Anforderungen eines jeden auf seine Bienen an. Ich selbst will ohne Schleier an den Bienen arbeiten können, denn es beeinträchtigt mich doch sehr.
    Gruß Guido

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Hallo Peter!
    Ich habe auch im Vorjahr erst mit der Imkerei begonnen, und hatte auch so ein Volk dabei (eines von drei), die Stechlustig waren. Ich habe mich entschlossen umzuweiseln und habe es nicht bereut.
    Wenn sie 5 m neben den Beuten noch stechen, ohne dass Du eigentlich etwas am Stock getan hast, da würde ich nicht auf besseres Wetter warten.
    Wenn so ein Stecher dabei ist, macht das Imkern keinen Spass.
    Freilich dauert es noch ein paar Wochen, bis die alten Bienen weggestorben sind. In den nächsten Wochen schlüpfen ja immer noch Bienen von der alten Königin.
    Jetzt arbeite ich zumeist ohne Schutz bei kleinen Eingriffen. So soll es sein.
    Viel Freude noch mit der Imkerei
    Fritz

    Fritz Eder
    (Hobby-Imker mit 4 Carnica-Völkern in DN im Garten - 335 m Seehöhe)

  • Hallo, alle Miteinander,
    Hallo, Peter M.


    Wenn man denn so sonntags mittags frisch gewaschen und rasiert, mit dem Rasierwasser von…. und dem Deo von…oder der Bierfahne vom Frühschoppen, gleich noch im Doppelpack am Bienenstand erscheint…
    Wenn das Wetter auch noch ein bisschen drückend ist und die Ladys sowieso schlecht gelaunt sind…..
    Dann muss man sich nicht wundern, wenn sie den Duft der Natur verteidigen, und das Übel vom Stand verjagen wollen.
    Aber ernsthaft, kann es so gewesen sein?
    Parfum und alle Wohlgerüche für Menschen, sind den Bienen ein Gräuel.
    Ich habe zur Zeit die friedlichsten Bienen der Welt, das wollte mein Nachbar seinem Besuch vorführen, zwei Damen in einer Wolke von Coco Chanel und Kölnisch Wasser, die Damen, so um die siebzig, hätten mit ihrer anschließenden Laufleistung das goldene Sportabzeichen erringen können!
    Ich habe ihm nun verboten ohne mich an den Stand heranzugehen, auch wenn er es gut meinte, denn die Damen haben meine Bienen in keiner guten Erinnerung und werde mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg halten!
    Ich liebe Parfums und Düfte, aber wenn ich an die Bienen gehe, verzichte ich darauf, ich finde es nicht lustig, gestochen zu werden!


    Ich wünsche Euch, viele gesunde Bienen


    Margret

  • Hallo zusammen
    Hallo Magret
    Darauf wollte ich mit meiner kurzen Antwort hinaus. Es muß nicht immer an den Bienen liegen, sondern das Wetter und die Umstände spielen auch eine Rolle. Deshalb kann man nicht direkt den Rat geben, umzuweiseln.
    Aber du in deiner Art hast es wieder perfekt erklärt, also ein dickes Lob meinerseits.
    Mit Grüßen aus dem Saarland
    Guido

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Hallo Margret,


    du kannst einem ja wirklich ganz schön auf den Schlips treten ( hast das ja noch relativiert durch deine Frage ob es so gewesen sein kann ): KANN ES NICHT !! Ich verabscheue Rasierwasser oder Deo und eine Bierfahne am Mittag wird bei mir wohl auch niemand antreffen. Außerdem war noch mein 10 jähriger Sohn dabei der auch attackiert wurde und der spricht sich ja schon altersbedingt von diesen Verdächtigungen frei - hoffentlich.
    Auch bei meinem Kollegen habe ich keine auffälligen Gerüche bemerkt.Habe ich auch schon erlebt, das sich meine Bienen in die mit Apfelduftschampoo gewaschenen Haare meines Besuchs verliebt haben - kann ja nicht jeden einer Geruchskontrolle unterziehen. Nein, da sind mir die anderen Erklärungen und Erfahrungsberichte schon näher an den Tatsachen. Würde aber gerne noch von weiteren Kollegen erfahren was sie erlebt haben und wie sie die Sache in den Griff bekommen haben.


    Danke
    Peter M