Bitte um Hilfe

  • Hallo!


    Ich bin Jungimker (20 Jahre) in Österreich, habe die Bienen aber nur als Hobby. Obwohl die Ausbeute immer recht hoch ist (durchschnittlich 47,3kg pro Stock in den letzten 4 Jahren) versuche ich immer etwas zu verbessern. Bisher habe ich immer erst ab Mai/Juni gezüchtet und das hat auch immer recht gut funktioniert, sodass ich eigentlich nur ein-und zweijährige Königinnen habe. Ich überwintere meistens 15 Völker obwohl ich nur Platz für 11 Ertragsvölker habe (im Winter stehen 4 übereinander, was im Sommer aber natürlich nicht mehr möglich ist) und löse im Frühjahr die schwächsten auf und verstärke damit die anderen. Soviel zu meiner bisherigen Praxis. Ich überlege heuer schon im Frühjahr zu züchten. Ich habe mir das so vorgestellt: Zu dem Zeitpunkt, wenn ich normalerweise das Volk in den Honigraum gebe, also verdeckelte Brut raufhänge, möchte ich außer einer frisch bestiftelten Brutwabe alle Brutwaben samt Königin in die obere Zarge hängen und die beiden Räume durch ein Fliegengitter trennen, sodaß der obere Stock sein eigenes Flugloch hat und die Bienen innen nicht durchkommen (feines Gitter), aber den gleichen Geruch haben. Die Flugbienen kommen natürlich unten zurück - fliegen sich ja nicht neu ein. Die ziehen sich unten aus der vorhandenen Wabe eine Jungkönigin und sobald diese legt möchte ich die Völker wieder vereinen und natürlich die alte, obere Königin liquidieren. Das Vereinen dauert vielleicht ein Monat, denn man muss ja den alten Stock durch Entnehmen von Brutwaben schwächen, sodass der untere stärker ist.
    Ich praktiziere dieses System bis jetzt nur, wenn ein Volk schwärmen will und das funktioniert eigentlich sehr gut, sodass mir noch nie ein Schwarm hinausgezogen ist. Dabei macht man sich zunütze, dass ein Volk ohne Flugbienen nicht schwärmt und die Weiselzellen selbst abbeißt (Flugbienen kommen ja unten zurück).
    Der Vorteil meiner angedachten Vorgangsweise wäre, dass das Volk dieses Jahr nicht schwärmen (wollen) wird was ja Erntenachteile mit sich bringen würde.
    Mein Problem/meine Frage ist folgendes: Ich weiß, dass eine Königin die beste Legeleistung im Jahr nach ihrer Geburt hat. Aber ich habe keine Erfahrung, wie sich eine Königin, die im April geboren wird noch in diesem Jahr entwickelt. Wie schnell kommt sie auf eine annehmbare Legeleistung?


    Ich wäre euch sehr verbunden, wenn ihr mir weiterhelfen könntet.
    Danke jetzt schon,
    ciao,
    Christian Aichinger

  • Hi,


    wenn die Königin so früh geboren wird, kannst Du davon ausgehen, daß sie ein volles Trachtvolk einwintert.
    Die Legeleistung beginnt-Tracht und Ammenbienen vorausgesetzt-schon einige Tage nach Begattung.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Christian!


    Genau so eine Idee hatte ich auch schon mal und bin damit begeistert sofort zu meinem Imkervater dem Imkermeister Ernst Länger gelaufen, um das gleich in die Praxis umzusetzen.


    Zu meiner großen Verwunderung hatte aber der Ernst auch schon einmal die gleiche Idee gehabt und das auch schon mehrfach ausprobiert, so u.a. am Bieneninstitut.


    Ergebnis: Alles Käse!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


    Warum?


    Es hat sich gezeigt, daß zwar durch "Vergewaltigungsmaßnahmen" recht früh eine Königin gezogen werden kann, was nutzt aber die beste Königin ohne die Drohne?? Damit kann man dann zwar eine super Buckelbrut aufbauen, ob das aber soviel bringt ist noch nicht erwiesen :-)


    Und daran soll es hapern! Die Drohne braucht schon als Made eine optimale Ernährung und seeeehr viel Zeit und Wärme um sich vernünftig zu entwickeln. Damit nicht genug! Die Drohne ist ja nicht gleich nach dem Schlüpfen einsatzbereit, sondern braucht ja bekanntlich viel länger als eine Königin. Und es nutzt nichts wenn ich nur eine Drohne habe! Es müssen sehr viele Drohnen da sein, damit die sich dann auch sammeln können. (Selbstredend nicht von dem Volk aus dem die Königin stammt)
    Hierzu müßtest Du dann noch eine separate Drohnenzucht in speziellen Völkern aufbauen, da ja zu diesem Zeitpunkt noch keine anderen natürlichen vorhanden sind.


    Das bedeutet, daß die Bienen bereits im Februar mit dem Drohnenbau anfangen müßten. Dazu wirst Du sie aber selbst unter "Gewaltanwendung" schwerlich bringen, weil die Bedingungen dafür einfach noch nicht vorhanden sind!! Und die Drohnen sind echte Sensibelchen. Wehe es kommt noch mal ein kurzer Kälteeinbruch. Dann werden die nicht mehr verhätschelt, weil sich die Bienen um die normal Brut kümmern und sind sofort unfruchtbar oder tot!
    Ganz zu schweigen davon das die Königin ja auch nur bei Sonnenschein und mindestens 23° ausfliegt und wo hat man diese Bedingungen schon im April??


    Zwar sollen einige dieser April-Königinnen befruchtet worden sein, die Völker sollen sich aber ausnahmslos sehr schlecht entwickelt haben und dann bald umgeweiselt haben. Das Ergebnis sah auf alle Fälle immer so aus, daß im Herbst die natürlichen, kraftstrotzenden Mai und Juni Königinnen ausnahmslos deutlich besser da standen.
    Selbst Versuche mit künstlicher Befruchtung sollen sehr enttäuschend ausgefallen sein. Anscheinend hatten die Bienen schon im Hinterkopf, daß eine gewaltsam gezogene April-Königin immer nur eine Übergangs- und Notlösung sein kann.


    Der Ernst hat mir erzählt, daß er in diese frühe Zucht sehr viel Arbeit gesteckt hat und ein für ihn wichtiges Ergebnis herausgekommen ist:


    Der Imker muß von der Biene lernen, nicht umgekehrt.
    Denn die Biene hat so ca. 30-70 Millionen Jahre lang gelernt, was das richtige ist.


    Tja, und da der alte Besserwisser Ernst mit seinen schlappen 70 Jahren (!) Bienenerfahrung als Imkermeister und Züchter schon das eine oder ander mal Recht behalten hat, habe ich die Umsetzung meiner Idee dann doch noch einmal verschoben. Ich kann also aus eigener Erfahrung gar nichts beitragen. Ich habe aber auch noch von keinem einzigen seriösen Züchter gehört, der vor Mitte Mai begattete Königinnen aus Deutschland anbietet.


    Falls Du es aber machst, schreib Deine Erfahrung doch mal hier rein!


    Mit imkerlichem Gruß


    Andreas[/b]

  • Hallo, Andreas,
    Deine Begeisterung in allen Ehren, aber gleich zehn Mal ist ein bisschen viel.
    Ich habe abonniert und jedes Mal kommt ein Beitrag auf ein Blatt Papier.
    Ich möchte das nicht ändern.
    Dein Beitrag war mit einem Mal schon gut genug!
    Macht Spass, auch einmal andere Beiträge zu lesen, nur nicht so oft den gleichen.


    Ich wünsche Dir viele gesunde Bienen


    Margret

  • Hallo Christian, der Andreas hat vollkommen recht, zu so einem frühen Zeitpunkt wirst Du wahrscheinlich Deine Völker dazu kriegen, Königinnen nachzuziehen, aber was fehlt, sind die Drohnen. "FRÜHZUCHT IST MÜHZUCHT" . Versuche lieber Deine Völker stark und ohne Schwarmstimmung durch die Frühtracht zu bringen und züchte danach. Das hast Du doch bisher recht erfolgreich praktiziert, oder? V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • hallo Andreas
    Magret meinte, daß dein obiger Beitrag 10 mal an uns alle gesendet wurde.Das liegt, glaube ich, an irgend einer Zeitbegrenzung. Da müßte Hartmut etwas dazu sagen können.
    Am besten, man schreibt seine Beiträge außerhalb des Forums(wenn es etwas länger werden soll), und kopiert sie dann in den Nachrichtentext, und ab geht die Post.
    Gruß Guido

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Hallo zusammen.
    In obigen Beiträgen ist die Rede von Drohnen: ...und natürlich nicht von dem Volk aus dem die Königin stammt.....
    Ich habe, wie schon mal erzählt, drei Völker und weit und breit keine anderen Imker. Ich glaube - auf meine Frage - antwortete mir Sabi(e)ne, dass das Inzucht gibt.
    Jetzt frage ich mal, wie macht sich Inzucht bei Bienen bemerkbar?


    Gruss aus Spanien Pedro.

    In diesem Sinne. Pedro.
    (aus dem sonnigen Spanien)

  • @Margret
    Guido
    @Alle mit Abbo


    Ich bitte vielmals um Entschuldigung, daß wusste ich nicht!
    Da ich eine beruflich genutzte DSL Flatrate habe, hatte ich den Forumsbeitrag so ca. 1 Stunde im Hintergrund stehen.
    Das der alle 10 min. gesendet wird konnte ich ja nicht ahnen, kommt auf alle Fälle nicht noch einmal vor.

  • Hallo Andreas
    Das ist das gute am Forum.
    Jetzt lesen alle deinen Beitrag und lernen was dabei. ( Ich auch :wink: )
    Deswegen nehmen wir deine Entschuldigung an. :D 
    Gruß Guido

    Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel,attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen.
    Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand,Eis in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreiend
    "Wow, was für eine Fahrt!"....

  • Eine Frage vorweg: Wieso verdeckelte Brut in den Honigraum ? Was hat Brut im Honigraum zu suchen ? Das waren jetzt zwei Fragen :wink: Zum Zuchtzeitpunkt ist alles geagt, warum die "biologische Uhr" verstellen, wo doch die Bienen seit mehreren Jahrhunderten alleine bestens damit klarkommen. Ich halte von dieser Einstellung den Bienen gegenüber gar nichts.


    Hans

  • Also zum Thema Frühzucht darf ich mich den Vorrednern anschließen. Die Möglichkeiten einer optimalen Begattung sind regelmäßig dann, wenn auch die Völker auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung sind. Dies ist meist in der Zeit von Mai-Juni.
    Dann sind auch genug Drohnen vorhanden. Zum Thema Inzucht möchte ich noch sagen, dass die Biene auf Grund ihrer Vererbung inzuchtanfällig ist. Deshalb hat die Natur schon mit der Mehrfachbegattung dem vorgebeugt. Außerdem beugt der Flugradius von 5-10km dieser Beeinträchtigung vor.
    Sollte der Kollege aus Österreich wirklich in einem relativ bienenfreien Gebiet leben, sollte er am besten seine Königinnen auf einer Belegstelle außerhalb seines Einzugsgebietes begatten lassen. Ansonsten alle zwei Jahre die Hälfte seiner Völker mit anderem Material beweiseln, um solchen Schäden vorzubeugen. Anzeichen für Inzucht können schwache Völker und Anfälligkeiten für Krankheiten sein.

  • Nachdem eure Meinungen meiner Idee gegenüber eigentlich durchwegs negativ waren, werde ich mein Vorhaben auf ein oder zwei Völker begrenzen (und dann davon berichten)
    Meine Bienen sind sicher nicht inzuchtgefährdet, es gibt genug andere Imker in der Umgebung.
    Warum verdeckelte Brut in den Honigraum? 1. wird er dadurch besser angenommen, es gehen mehr Bienen rauf und 2. gebe ich - außer in Ausnahmefällen, wenn ein Volk schon 4 Honigräume hat - keinen zweiten Brutraum. Meine Königinnen sind aber durchwegs sehr gut und die Kapazität von einem Raum (10 Waben - Einheitsmaß) reicht nicht aus, sodass ich in der Hauptentwicklungsphase alle 2 Wochen im Brutraum nachsehe ob das Volk schwärmen will und dabei alle dunklen, verdeckelten Brutwaben in den Honigraum hänge und sie durch frische Mittelwände ersetze. So baut ein Volk im Jahr zirka 20 Mittelwände. Habe also einen hohen Wabenumsatz, was ich auch brauche, weil in letzter Zeit des öfteren Laubbäume gehonigt haben und der Honig geht nicht aus der Wabe raus - kristallisiert schon drinnen aus, egal wann man schleudert - ist eine ziemliche Arbeit und bringt nicht viel, ich hasse es also ziemlich.
    So, hab wieder mal weit ausgeschweift.
    Etwas noch: habe heute meine Völker erstmals geöffnet (Totenfall hatte ich natürlich schon früher entsorgt) und bin höchst zufrieden. Haben alle jetzt schon zwischen 6 und 8 Brutwaben. Habe die Brutnester unangetastet gelassen und nur die an die Brutnester angrenzenden Honigwaben entdeckelt. Hoffe, das Wetter bleibt gut.
    Werde, wenn gewünscht, weiter berichten.
    Schöne Grüße aus dem kleinen Österreich,
    mfG, :lol: 
    Christian