Ab welcher Honigmenge muss man „aktiv“ verkaufen?

  • Mir macht die Arbeit mit den Bienen Spaß, ich habe aber wenig verlangen, mich irgendwann auf den Wochenmarkt zu stellen um den Honig loszuwerden. Ich habe aber noch weniger Lust ein hochwertiges Lebensmittel wegzuwerfen.

    Das finde ich eine sehr gute Einstellung, danke! Und sie beinhaltet dann auch gleich die einfache und klare Lösung für dich.

    Wie gefühlt fast alle mir bekannten Imker liegt dir die Arbeit an den Bienen sehr viel mehr als die des Vermarktens, letzteres ist bei den allermeisten sogar äußerst unbeliebt. Vielleicht auch ein Grund für die imer noch weit verbreiteten desaströsen Preise.


    Wer Bienen gut halten will, bekommt aber zwangsläufig viel Honig. Frei nach Hans Beer: Wer keinen Honig ernten will, sollte Kaninchen halten...


    Die Lösung lautet also:

    Wer den Honig nicht vermarkten will, darf keine oder höchstens so viele Bienen halten, dass er den Honig ohne den gefürchteten Vermarktungsaufwand an die Kunden bringen kann.

    Ich kann mir absolut nicht vorstellen, warum es mehr Spaß machen soll, 20 statt 5 Völker zu halten, wenn man gar nicht an einem Mehr an Honig und der damit verbundenen Verarbeitung udn Vermarktung interessiert ist.


    Mehr Völker bedeuten nur mehr Arbeit insgesamt, aber weniger Zeit pro Volk.


    Mit weniger Völkern ist man viel weniger Sachzwängen ausgeliefert, kann vielmehr Freude an der Tätgkeit an sich haben, hat viel mehr Kontakt zum Einzelvolk.

  • und generiert neue Kunden. ...wenn man dann 2 schlechte Honigjahre in Folge hat, wie ich zB , ist man vor Weihnachten ausverkauft. Dann muss man die Leute vertrösten, und oder mehr Bienen halten...

    Oder man kauft was zu ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Danke! 😊

    Ich sehe (aktuell) die Imkerei als Freizeitvergnügen zur Entspannung an. Ich war vor vielen Jahren im Vertrieb tätig, zum Schluss habe ich sogar Autos an den Mann und die Frau gebracht. Das Verkaufen an sich wäre also nicht das Problem, aber es macht eben keinen Spaß. Wenn ich anfangen würde die Imkerei unter dem Aspekt des Gewinn erzielens zu betreiben, müsste ich meinen Stundenlohn im Job zugrunde legen und dann wäre der Honig recht teuer. Bei meinen anderen Hobbys muss ich kräftig zuzahlen, da ist es schon klasse, in der Imkerei die Ausgaben wieder zu erwirtschaften und wenn noch etwas hängen bleibt um übers Wochenende in Urlaub zu fahren, oder in einem anderen Hobby was zu investieren reicht das vollkommen aus.

    Ich denke, ich werde mal 5 Völker als (Zwischen) Ziel anpeilen und dann schauen was und wie es so läuft. An Lagerfläche mangelt es zur Not nicht und wer weiß, vielleicht komme ich ja doch irgendwann auf den Geschmack mit Weihnachtsmannmütze auf dem Weihnachtsmarkt stehen zu wollen um Honig zu verkaufen. 😁

  • Wegwerfen musst du den Honig auch nicht. In sehr guten Jahren mit viel zu viel Honig oder viel zu wenig Abnehmern gibt es immer andere Optionen. Die örtlichen Tafeln, ein örtliches Kinderheim und Kloster sind dann bei mir die dankbaren Abnehmer. Damit verdiene ich dann eben keine Euro, dafür ein gutes Gefühl.


    Da die Imkerei auch bei mir Hobby ist, bleibt es auch beim Haustürverkauf. Dieser läuft bei mir auf dem Land allerdings derzeit hervorragend. Ich vergrößere gerade, um überhaupt mal wieder ein paar Eimer zu viel zu haben.


    Manchmal geht es gut, manchmal stockt es. Schwer abzuschätzen und nicht zu berechnen. Taste dich ran und schau, was bei dir geht.

  • Je nach deinem persönlichen Umfeld wirst du die Ernte von 2 - 10 Völkern nebenbei verkaufen können. Wenn du viele Kollegen, Freunde und Bekannte hast oder an einem Ort wohnst, wo keine anderen Imker verkaufen, dann wirst du viel los. Das, was du somit verkaufen kannst, ist dann das Limit, was nebenbei so gehen kann.


    Meine Erfahrung zeigt, dass bei guter Qualität des Honigs die Leute wiederkommen und auch durch Mundporpaganda für eine Erweiterung des Kundenkreises sorgt. Viele Kunden hat mir auch beschert, dass ich für Weihnachten oder so auch mal im Kollegenkreis, in der Nachbarschaft oder an das Personal im Kindergarten usw. kleine Gläschen mit Weihnachtskarte verschenkt habe. Seitdem kaufen einige der Beschenkten regelmäßig bei mir ein.


    Der Tipp wäre also mal langsam anfangen und dann bis zur Sättigung deiner Strategie vergrößern. Damit wirst du langsam wachsen und irgendwann stagniert es dann - zumindest, wenn der Honig so ist, dass Kunden wiederkommen. Wenn das Limit nach 5 Jahren immer noch bei 3 Völkern liegt, musst du überlegen, ob du alternative Vertriebsmöglichkeiten suchst, klein bleibst oder die Bienen großteils auf eigenem Honig überwinterst.

    Irgendwann muss das Zeug aus dem Lager ja auch mal raus und somit ist der alte Imkerspruch mit "eine Ernte vekauft, eine im Lager und eine auf dem Volk" vielleicht eine gute Richtlinie. Dann hast du Puffer für schlechte Honigjahre aus den guten, aber auch immer frischen Honig und keine überlagerte Ware.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Was verstehst du unter "aktiv" verkaufen? In meinem ersten Jahr mit erstmal zwei Völkern hatte ich gerade genug, um 6 Monate Eltern, Schwester mit Familie und die nähere Verwandtschaft zu versorgen. Ein paar Gläser gingen an meine direkten Arbeitskollegen. Im zweiten Jahr hatte ich mit vier Völkern schon große Mühe, auch die Arbeitskollegen zu versorgen. Und da kamen schon Anfragen an mich von zwei Straußwirtschaften (Winzer mit Gastrobetrieb), einige Gläser (erst mal Probeweise) für den Weiterverkauf abzugeben. Und seit Januar habe ich auch eine Anfrage von einem Brötchenlieferanten auf Lizenzsystembasis. Er möchte meinen Honig in sein Angebot mit aufnehmen. Und ich habe erst mal auf 8 Völker aufgestockt und weiß nicht, ob ich die Nachfrage schaffen werde. Eigentlich war meine Obergrenze, langfristig mit maximal 10 Völkern aus dem Winter zu gehen, die ich bewirtschaften möchte. Wenn das so weiter geht :eek::eek::eek: