Muss ich wirklich rühren?

  • Hallo Zusammen,


    wie es sich für einen Anfänger gehört, mach ich mir jetzt schon Sorgen über die erste Honigernte:D.

    In 2 Völkern Zander habe ich jeweils den ersten Honigraum schon so gut wie voll. Die Tracht bestand wenn ich das richtig einschätze zu 80% aus Kirsche, Birne und Apfel, da meine Völker auf Streuobstwiesen stehen und zu dieser Blütenzeit am stärksten eingetragen haben. die restlichen 20% wird ein Mischmasch aus Löwenzahn und sonstigen Blumen sein. Jedoch kein Raps in der Nähe.

    Eigentlich mag ich keinen cremigen Honig und laut einem kleinen Händler über den ich den Honig vertreiben will, ist dieser bei uns auch nicht wirklich gefragt.

    Solltet ihr mir jedoch sagen, dass ein solcher Frühblütenhonig steinhart wird, werde ich wohl nicht ums rühren kommen, da ich meinen Kunden sowas natürlich nicht anbieten will.

    Was sagen die Honigprofis unter euch dazu? Habe schon viele Themen durchgearbeitet aber konnte keine für mich zutreffende Situation finden. Bei den meisten geht es um Rapshonig.


    Könnte ich den Frühblütenhonig auch drauf lassen und im Juli mit der Sommertracht (bei uns viel Kastanie und Wald) schleudern, in der Hoffnung dass er dadurch flüssiger bleibt?

  • Ein Frühtrachthonig bleibt nicht flüssig. Die Alternative zu cremig ist also hart (je nach Trachtzusammensetzung) oder körnig.

    Wenn kein größerer Raps- oder Löwenzahnanteil dabei ist, kann man den Honig schon drauf lassen. Die Frage ist, ob die Bienen noch Lust haben, weiter einzutragen, wenn die Scheuern voll sind.

    Falls Aussicht auf einen flüssigen Sommerhonig besteht, ist eine Mischung mit Frühtracht aber auch keine gute Idee, wenn Du keinen cremigen Honig willst.

    Honig ist eben ein Naturprodukt, das man nicht nach Wunsch konfigurieren kann.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Du wirst ihn dann erwärmen müssen, weil Du ihn sonst nicht abfüllen kannst. Kannst ihn natürlich auch sofort nach dem Klären abfüllen. aber dann wird er wirklich hart. Manche mögen das, manche nicht. Hab mir auch schon mal einen Löffel verbogen an meiner Schaumschicht vom Frühjahr, die ich natürlich immer für mich extra aufhebe.

    LG

  • Frühjahrshonig drin zu lassen, ist keine gute Idee - er könnte zu fest werden in den Zellen, den erntest Du dann nicht.

    Auf die Eingangsfrage gibt es eine eindeutige Antwort: Nein. Du MUSST NICHT rühren, Du kannst es. Ich bin jährlich von Rapsfeldern umgeben, die einen schönen hellen Honig ergeben. Einen Teil habe ich schön cremig gerührt, einen Teil nicht - dieser wurde (meist) sehr fest, aber der vielbeschworene Betonhonig ist mir noch nicht passiert. Wenn doch - Auftauen und Bearbeiten ist immer möglich.

    Ich bin eindeutig kein "Honig-Profi".

    Seit 2005 Sächsischer* Hobby-Imker mit ca. 10 Völkern in DNM

    * sie summen weicher als die nicht-sächsischen Bienen

  • Hallo, die Kundschaft will endeutig cremig gerührt. Zudem steigt beim cremigen Honig die Verbrauchsmenge, da der Honig nicht mühevoll abgeschabt werden muss.

    Viele verwechseln leider streichzart mit pampig.

    Bis bald

    Marcus

    40 Wirtschaftsvölker auf DN 1,5, 8 Miniplus, 20 Ableger Dadant, Zander und DN, Waage 401

  • Wenn deine Vermutung zur Zusammensetzung stimmt, wirst Du relativ grobe Kristalle im Honig bekommen wenn Du nicht rührst. das knirscht dann beim essen. Hättest Du Raps wäre das anders, der kristalliesiert zwar sehr schnell, aber sehr fein.

  • Okay, aber wenn ich ihn zum Abfüllen erwärme dann wird er im Glas bei den Kunden hart nehme ich mal an?

    Also bleibt mir wohl nichts anders übrig als den Honig zu rühren :-(


    schritte : solang er nur etwas kristallisiert und knirscht wäre mir das recht. Habe aber angst dass er wirklich hart wird, so dass man ihn nicht mehr aus dem Glas bekommt.

  • Guten Mittag Ritzbert!

    Eigentlich mag ich keinen cremigen Honig und laut einem kleinen Händler über den ich den Honig vertreiben will, ist dieser bei uns auch nicht wirklich gefragt.

    "Eigentlich" ist für mich so eine Art Unwort - was genau sagt es aus? Nüschde. Also eigentlich. :wink:

    Im Ernst: Wenn du für dich zu dem Schluß kommst, dass du deinen Honig lieber mit groben Kristallen oder aber sehr hart magst, dann ist das ja vollommen in Ordnung. Dementsprechend kannst du den Honig für dich dann ja ganz ungerührt ungerührt lassen.


    Wenn der "kleine Händler" etwas sagt...

    Nunja, ich wäre sehr vorsichtig damit, mich drauf zu verlassen. Völlig wertfrei gemeint. Beabsichtigst du denn überhaupt, über eben diesen Händler zu verkaufen?

    Solltet ihr mir jedoch sagen, dass ein solcher Frühblütenhonig steinhart wird, werde ich wohl nicht ums rühren kommen, da ich meinen Kunden sowas natürlich nicht anbieten will.

    Ob völlig rapsfreie Frühtrachthonige auch steinhart kristallisieren, ich weiß es nicht, vermute aber das schon.

    Ab davon ist meiner persönlichen Meinung nach ein feinsteifer Frühtrachthonig qualitativ bzw. wertig aufgemacht mit das Genialste an Honig, was es gibt.


    Könnte ich den Frühblütenhonig auch drauf lassen und im Juli mit der Sommertracht (bei uns viel Kastanie und Wald) schleudern, in der Hoffnung dass er dadurch flüssiger bleibt?

    Können könntest du, allerdings ginge ich fest davon aus, dass ebendieser Frühtrachthonig in den Waben fest und somit absolut unschleuderbar werden würde und er dir zudem dann die Waben brechen liesse, solltest du ihn mittels mehr Schleuderkraft rauszukriegen versuchen.

    Die Mischung klingt zwar grundsätzlich interessant, allerdings sollte man sie dann im Eimer / Hobbock anrühren und es nicht mittels o.g. Weg versuchen.


    Honig ist eben ein Naturprodukt, das man nicht nach Wunsch konfigurieren kann.

    Hmmm ... da in ich in vielerlei Hinsicht bei dir, denke mir aber schon, dass man mittels (Über-)Rühren / Nicht-Rühren, ggfs. Mischen verschiedener Chargen und / oder Sorten usw. durchaus einige Stellschräubchen zur Verfügung hat, das Endprodukt zumindest in eine gewisse Richtung zu "konfigurieren".


    wenn ich ihn zum Abfüllen erwärme dann wird er im Glas bei den Kunden hart nehme ich mal an?

    Ziemlich sicher, ziemlich bald.


    Also bleibt mir wohl nichts anders übrig als den Honig zu rühren

    Vermutlich.

    Was aber m. E. gar keinen unglücklich dreinschauenden Emoji nötig macht, denn das Rühren ist (für mich) eine der interessantesten und "aufregendsten" Tätigkeiten im Rahmen der Honigverarbeitung / -veredlung, insbesondere in den Anfangsjahren.


    Sonnige Grüße

    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Also bleibt mir wohl nichts anders übrig als den Honig zu rühren

    Vermutlich.

    Was aber m. E. gar keinen unglücklich dreinschauenden Emoji nötig macht, denn das Rühren ist (für mich) eine der interessantesten und "aufregendsten" Tätigkeiten im Rahmen der Honigverarbeitung / -veredlung, insbesondere in den Anfangsjahren.

    Hallo :-)


    ....Interessant......ja das glaube ich dir.... mir geht es auch weniger um die "Arbeit" des rührens sondern eher um die Tatsache dass man bei uns nur selten gerührten Honig sieht und ich daher auch befürchte, dass man ihn schlecht verkauft bekommt. (Vielleicht auch eine Marktlücke :D)


    Aber aufgrund der vielen hilfreichen Beiträgen habe ich mich nun eh entschlossen den Honig bis auf ein paar Gläser komplett zu rühren. Jetzt wäre nur noch die Frage wann :/ ?

    Klar, der Honig sollte möglichst komplett verdeckelt sein, damit der Wassergehalt stimmt, aber gibt es einen ungefähren Zeitraum, Indikatoren, sonstige Tipps?

  • Hello!


    Vielleicht auch eine Marktlücke

    Das ist die richtige Herangehensweise!

    Versuch macht kluch. Und wenn die Leute einmal "gerührt" hatten, dann werden sicherlich genug dieses Erlebnis erneut erwerben wollen.


    Klar, der Honig sollte möglichst komplett verdeckelt sein, damit der Wassergehalt stimmt, aber gibt es einen ungefähren Zeitraum, Indikatoren, sonstige Tipps?

    Rühren bitte erst nach der Ernte. :wink:

    Tatsächlich ist der Zeitpunkt zu Rührbeginn davon abhängig, wann der Honig von sich aus zu kristallisieren beginnt. Dies wiederum erkennt man an "beginnender Trübung" des Honigs im Eimer.

    Ich selber lasse den Frühtrachthonig nach der Schleuderung im Eimer für ca. 48 Stunden stehen, schäume dann einmal gründlich ab und beobachte dann täglich, ob er sich einzutrüben beginnt.

    Ist dem so kommt der Honig zum Rühren in den Hobbock und wird dort dann neuerlich ~ einen Tag stehen gelassen zwecks ausreichendem Aufsteigen der durch`s Umfüllen hereingekommenen Luftblasen.

    Danach wird dann gerührt. 2x tgl. für max 5 Minuten bei niedriger bis mittlerer Drehzahl.

    Je nach Zuckerzusammensetzung, Wassergehalt etc. ist der Honig dann meist 2,3,4 Tage später abfüllfertig, was an einem tatsächlich schön deutlich erkennbaren Perlmuttschimmer auf der Honigoberfläche zu erkennen ist.

    Dann heißt`s flott in`s Glas, auf das man nicht für jedes einzelne mehrere Minuten brauche, da der Honig schon zu fest ist um sich zügig aus dem Abfüllhahn zu begeben. :wink:

    Ist also schon ein recht kleines Zeitfenster des verarbeitungstechnischen Optimums, welches auch mal zu Nachtschichten führt, mir im Ergebnis aber unerhitzten, feinsteifen Frühtrachthonig hocherfreulicher Qualität beschert.


    Schöne Grüße

    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Patrick Johannes : Vielen Dank für deine ausführliche Erklärung, ich meinte jedoch mit meiner Frage wann ich schleudern sollte :-) damit er in den Waben nicht schon zu fest wird.

    Hatte bisher leider nur Sommerblüte/Waldhonig. Da wusste ich dass es auf ein paar Wochen hin oder her nicht ankommt. Hauptsache der Wassergehalt stimmt.