Frage zum Preis eines ausgewinterten Wirtschaftsvolks

  • Doch, kann mir vorstellen, dass Angebot an Völkern auch die NAchfrage übersteigen kann. Dummerweise kann man die im Gegensatz zum Honig nicht bis nächstes Jahr einfach einlagern. Da muss man dann überlegen, ob man unter Wert verkauft oder mehr Völker behält. Zur Not kann man die ja auch auf eigenem Honig überwintern, wenn man den nicht will. Es ist auch weniger Arbeit, wenn man die Völker extensiver nutzt und vielleicht sind nächstes Jahr die Preise wieder besser.

    Ich bin Hobbyimker und kann es mir leisten, dass ich dann ein paar Völker mehr habe. Dann mache ich weniger Vermehrung für die Überwinterungsreserve und gut.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • 200 Euro sind hier ganz weit weg von realistisch. Zweizargig werden Völker für ca. 150 Euro angeboten (DNM 12 Rähmchen pro Zarge), einzargige Ableger wechseln für 120 Euro - unter Nachbarn und Bekannten auch für 100 Euro - den Besitzer. Von daher würde ich nie im Leben - naja, also zumindest nicht momentan - 200 Euro dafür ausgeben.

    Viele Grüße

    Holger

  • manu_nr , wir müssen unterscheiden zwischen dem nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen kalkuliertem Preis und dem Preis, der sich am Markt durch Angebot und Nachfrage ergibt. Der tatsächliche Selbstkostenpreis mag bei Dir bei 200€ liegen, der Marktpreis ist indes 50€ niedriger. Dies liegt auch daran das Freizeitimker wie ich einer bin, der Erlös aus dem Honigertrag nicht von vordergründigen Interesse ist. So habe ich nur Freude an Erträgen die ich aus selbstbezogenen Völkern erziele. Erwerbsimker vermehren selbst mit Überschuss. Bei größeren Winterverlusten wollen sie auch günstig einkaufen. Wenn schon der Honigpreis oft nicht kostendeckend ist, schlägt sich dies auch im Preis für Wirtschaftsvölker nieder. Mach jetzt aus jedem WV 3 bis 4 Ableger und verkauf diese im Frühjahr für 100,-€, das geht am Markt. VG Jörg

  • Hi,


    bei den Rähmchen kann ich das noch so stehen lassen, aber die restlichen Kosten


    finde ich etwas hoch gerechnet. Ableger bekommen 2 Mittelwände, den Rest dürfen


    sie aus Anfangsstreifen bauen. Macht ca. 7 Mittelwände ( bei 2-zargig ) = 3,50€ ( 15€/KG )


    25 KG Futtersirup kosten mich ca. 15€. ( ApiGold )


    Damit komme ich gesamt auf ca. 40€ Materialkosten für ein Volk. Ohne die Bienen und die


    Arbeit zu rechnen. Allerdings werden die Völker bei uns überwiegend auf einer Zarge verkauft.


    Somit sinken die Materialkosten noch einmal um gut 10€.


    Bei dem Wert bin ich absolut bei dir. Eine Rapstracht sollte bei einem guten Volk locker


    200/250€ einbringen, und das sollte dieses eigentlich auch kosten.


    Leider ist hier bei uns 120€/Volk schon recht viel. Meistens werden sie für 100€ verkauft.


    Gruss Joachim

  • Da muss man dann überlegen, ob man unter Wert verkauft oder mehr Völker behält.

    Genau... Der Honiglagerbestand ist noch recht hoch. Wenn man die Völker immer behält, hat man irgendwann keine Zeit, Familie und Kellerräume mehr...


    Ich habe das Material für die Ablegererstellung und es macht verdammt viel Spaß.

    Also fette Sammelbrutableger, Königinnen ziehen und ab geht die Luzi.

    Steingarten ist Keingarten
    Für alle die, die kein Imker sind: gemeint ist Schottergarten, reimt sich aber nicht so prickelnd...

  • Auch wenn ihr euch das nicht vorstellen könnt, gibt es Gegenden in denen das Völkerangebot die Nachfrage übersteigt.

    Jepp. Und diejenigen, die wissen was ein Volk kann; bringt; wert ist, die handeln selten. Deswegen mach Staffelpreise. Ein Volk 250€, zehn Stück je 200, ab fünfzig 150€. Dann entspannt sich das alles.


    Kalkulation: 8 Rähmchen 16€ + ein Kilo Wachs 15€ + eine schlupfreife Zelle 8/12€( 1,5*Einsatz um den Begattungsverluste einzupreisen) + 20kg Futter 15€ + Afa Material 10€ sind 68€. Dazu fünf Stunden Arbeit. Als Hobbyimker zahlst Du da keine Steuern, also setz ich mal 20€/h an (und ich brauche echt keine 5h/Ableger). Sind 168€.


    manu_nr Du hast keinen Namen, Deine Völker konkurrieren mit 1 Wabe-gibt-1 Volk-Pia Aumeierschrott, ich würde angesichts dessen, was der Markt hergibt auch nicht mehr zahlen wie 150€.


    Just sayin'

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • manu_nr Du hast keinen Namen, Deine Völker konkurrieren mit 1 Wabe-gibt-1 Volk-Pia Aumeierschrott, ich würde angesichts dessen, was der Markt hergibt auch nicht mehr zahlen wie 150€.


    Just sayin'

    Jepp. Das ist das Problem. Wie gesagt, will ich nicht den großen Reibach machen. Aber meine Selbstkosten plus Arbeit möchte ich schon bezahlt bekommen. Und deswegen sind die 200 Euro pro Volk nicht nur angemessen, sondern die unterste Preisgrenze für den Verkauf.


    In der Zukunft werde ich mich dann wohl an die Faustformel von 50 Prozent der Bestandsvölker als Nachzucht über Ableger halten und mögliche Winterverluste über Zukauf ausgleichen.

  • Ja und viele machen extensive Schwarmvermehrung, manche sogar 2 Ableger je Volk. Das ergibt ein Überangebot wo leider um 10 € gefeilscht wird. Sagt man 130 wird sich einfach nicht mehr gemeldet.

  • Jo, um nebenbei reich zu werden, eignet sich die Imkerei nicht so richtig. Trotzdem ist mir als Berufsimker der Neid meiner Vereinskollegen sicher. Plus so manches dummdreistes Gespräch. Wenn ich die mit einpreisen würde, kostete das Volk 300+€

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Wie hoch sind denn Deine Arbeits-/Selbstkosten, wenn Du Tennis spielen gehst?

    Das ist wieder eine Argumention im Sinne von "die Imkerei ist doch für dich nur ein Hobby. Warum willst du damit Geld verdienen?". Natürlich kosten die meisten anderen Hobbys nur Geld anstatt zumindest einen Teil der Ausgaben zurück zu bringen.


    Ich sehe es eben so, dass ich eine Leistung erbringe von der jemand einen Vorteil hat und ich dafür eine bestimmte Vergütung fordere. Das ist nichts anderes, als wenn mir jemand nach Feierabend mein Bad fliest und dafür seinen Lohn verlangt. Da kann ich auch sagen, "du hattest Spaß an deiner Arbeit. Warum willst du jetzt auch noch Geld dafür haben?".


    Der Vergleich hinkt vielleicht etwas, aber sinngemäß argumentiere ich hier, dass man sich in der Mitte treffen kann, wenn beide Seiten durch die gegenseitige Arbeit einen Vorteil haben.

  • Jo, um nebenbei reich zu werden, eignet sich die Imkerei nicht so richtig. Trotzdem ist mir als Berufsimker der Neid meiner Vereinskollegen sicher. Plus so manches dummdreistes Gespräch. Wenn ich die mit einpreisen würde, kostete das Volk 300+€

    Deswegen bezeichnen wir uns Imker nunmal allgemein als Kollegen, unabhängig davon, ob Hobbyimker oder Berufsimker. Und ein bestimmter Preis ist dir gegenüber auch ein Zeichen von Fairness. Unabhängig davon, ob es der Preis für Honig oder ein Volk ist. Wenn ich den Preis drücke hast du darunter zu leiden. Und deswegen möchte ich einen angemessenen Preis nehmen.