Jetzt rächt sich der Geiz!!!

  • Hallo Imkerinnen und Imker!
    Ich weiss nicht ob es bei euch auch durch die Presse ging, aber hier in Niedersachsen häuften sich die Nachrichten, daß es sehr viele Völkerverluste gegeben haben soll. (Angeblich wegen der "Milbe")
    Das hat mich doch sehr gewundert, weil das ja nun wirklich nichts Neues mehr ist. Als aber sogar im Radio darüber ein Bericht kam das bei vielen Imkern alle Völker eingegangen sein sollen wurde ich doch unruhig. War vielleicht eine neue, gegen alles resistente Milbe unterwegs???
    Nachfrage bei Kollegen: Ja, ja, viele Verluste!


    Also habe ich etwas gemacht, was man eigentlich nicht tut: Bei zwei Völkern habe ich kurz reingesehen, als es heute nicht ganz so kalt war.
    Gottlob alles in Ordnung, keinerlei Brut und die Bienen in einer schönen Traube. Einen Schreck habe ich aber bekommen, als ich die Futtervorräte gesehen habe: Fast alles weg, gerade mal noch eine Wabe!!


    Nun gehöre ich zu denen die es beim Einfüttern eher ein bischen zu gut meinen, ich hatte auch noch im Herbst überlegt ob ich doch noch eine Futterwabe rausnehme, denn zuviel ist ja auch nicht gut. Gottlob habe ich es nicht getan!


    Als ich das aber gesehen habe war mir sofort klar was passiert ist:
    Nicht die Milbe, sondern der Geiz des Imker war´s!! Die letzten Jahre flogen die Bienen ja meist noch im November und Ende Januar gings auch schon wieder rund! Da haben viele Imker letzten Herbst viel zu wenig eingefüttert!!


    Bei einem derart langen und strengen Winter wie in diesem Jahr verbrauchen die Bienen doch ein bischen mehr als sonst! Wer da im Herbst am Futter gegeizt hat erlebt jetzt eine böse Überraschung.
    Ich werde auf alle Fälle dieses Jahr sobald es losgeht eine großzügige Reizfütterung ansetzen, denn das Frühjahr ist ja auch noch sehr gefährlich und bestimmt verhungern dieses Jahr viele Völker :cry:


    Hoffentlich gehören Eure nicht dazu!

  • Hallo Obstbrenner,
    wenn jetzt die Völker keine Futtervorräte haben, dann liegt es mit Sicherheit nicht an mangelnder Fütterung, denn so wenig kann kein Imker, der noch so wenig weiß, einfüttern, der Grund dürfte evtl. darin liegen, dass die Völker ihrer Futtervorräte beraubt wurde. Eine Grundsatzregel, die jeder Anfänger beherrschen sollte, sagt aus, dass ein einzargiges Volk 15 l Zuckerwasser, ein 2 zargiges 20 l, ein Buckfastvolk 25 l +/- 5 l, je nach klimatischen Standort oder Aufstellung (Bienenhaus, Freiaufstellung). Meine Völker haben nach der Abschleuderung 10 l Zuckerwasser als "Erhaltungsfütterung" bekommen, danach bekamen sie ihr geschildertes Winterfutter, wenn 20 l Vorräte vorhanden sind, dann verbraucht ein Volk bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht mal die Hälfte. In diesen Wintermonaten ist ein Verbrauch von 400 - 500 g im Monat die Regel. Ein Volk verhungert erst, wenn es sehr stark in Brut gegangen ist, da in starken Brutmonaten wie April oder auch noch Mai, falls die Witterung nicht gut ist, der Verbrauch 4 - 5 kg pro Monat betragen kann. Es kann mir keiner erklären, dass jetzt ein Volk verhungert ist, das ist reines Imkerlatein. Viele Grüße aus dem kalten Niederbayern

  • Hallo Franz Xaver!


    Du hast mit Deinen Ausführungen vollkommen recht, ich denke nach Deinem Beitrag auch, daß ich mit meiner Einschätzung daneben liege und den Futterverbrauch überschätzt habe.
    Eigentlich ist es wohl auch so, daß ein stabiler, kalter Winter für die Biene besser ist als ein Winter mit ständig wechselnden Temperaturen, wo die Winterkugel dann ständig gelockert wird.


    Jetzt mache ich mir aber erst Recht Sorgen und bin ratlos:
    Hatte meine Völker noch mal mit dem Stethoskop abgehört:
    Ergebnis: Hatte mich zu früh gefreut! 4 Völker kaputt! (Bei mir sind das 40%) Die Waben waren ratzekahl!! Räuberei kann das nicht sein, ich habe im November noch mit der Hakenwaage durchgewogen.
    Bei anderen Imkerkollegen hier sieht es ähnlich aus, die wissen auch keine Erklärung. Einer wollte sich noch mal mit dem Institut in Celle in Verbindung setzen. Die Behandlungen wurden alle ordnungsgemäß durchgeführt.
    Das einzige ungewöhnliche war, daß wir hier im letzten Herbst eine außergewöhnlich gute und sehr späte Heidetracht hatten. Mir hatte mal ein alter Heideimker gesagt, daß die Heidetracht immer teuer bezahlt wird.
    Kann das daran liegen?? Mir fällt nichts ein....


    Gruß aus der Heide



    Andreas

  • genauso ratzekahl habe ich meine 50 % der Völker, die bei mir über den "Jordan" gingen auch noch vor Wintereinbruch gefunden. Ich wußte aber vorher schon, dass dies so sein würde, denn die Überlebenden waren auch bei kalter Witterung hyperaktiv. Besonders das "Buckfastvolk" war das Eifrigste, denen kommt bei solchen Situationen ihre volksstärkere Überwinterung sehr entgegen. Normalerweise hättest du bei den Kästen auch Wachsteilchen finden müssen, denn das "Abschroten" fingen Sie, solange es die Witterung erlaubte, auch noch an.
    Betrachte das Ganze als den normalen Verlauf des Lebens, dieses Jahr sieht es vielleicht wieder ganz anders aus.

  • Hi,


    ich habe bis jetzt Eure Kommentare zu den Völkerverlusten nicht kommentiert, da ich mir nicht ganz sicher bin ob es mich nicht auch noch trifft.


    Aber eines ist mir aufgefallen. honigmayerhofer und Obstbrenner berichten das Ihre Völker, die eingegangen waren, ganz leer waren (was das Futter betrifft). honigmayerhofer berichtet auch sehr gut wieviel er eingefüttert hat und das ein Volk in einem Wintermonat nur 400-500g brauchen würde.
    Aber für welchen Zeitraum sind die 20-25l Winterfutter, ist hier der August mit dabei? Und wieviele wirkliche Wintermonate hatten wir?


    Bitte entschuldigt meine Ignoranz, aber ich hatte fast 15 Jahre ausgesetzt mit dem Imkern und imkere jetzt wieder seit 2 Jahren.
    Das Winterfutter kommt bei mir erst in der ersten Septemberhäfte rein, sodaß dies die Angaben für September bis einschließlich April sind. Vorher, nach dem Abschleudern und vor der Wintereinfütterung wird nur soviel gefüttert wie notwendig ist. Normalerweise hatten wir in unserer Gegend so zwischen Mitte Juli und Anfang September genügend Läppertrachten, sodaß nur max. 5kg zugefüttert werden mußte.


    In diesem Jahr war dies ganz anders. Ich mußte von Juli bis Anfang September fast 15 kg pro Volk zufüttern (also ca. 10kg mehr als normal, oder mehr als ich "gewohnt" war).
    Und, heuer haben meine Mädels warscheinlich (ich hab es nach dem 1.Oktober nicht mehr genau kontrolliert) bis Mitte Dezember gebrütet, normalerweise stellen sie bei uns das Brutgeschäft Anfang Oktober bis Anfang November ein - längeres Brutgeschäft heißt normalerweise auch mehr Futterverbrauch. Zumindest waren die Temperaturen bis Mitte Dezember so hoch das meine Bienen bis dahin fast täglich geflogen sind. Ich muß auch sagen das wir bis jetzt nur 2 so typische Wintermonate hatte (Januar und Februar) wie es hier geschildert wurde.


    Da stellt ich mir doch die Frage ob hier tatsächlich "genügend" Wintervorat vorhanden war. Und wie Ihr kalkuliert, mit oder ohne August, mit oder ohne 2ter Julihälfte? Und wie Ihr im Herbst ein längeres Brutgeschäft berücksichtigt?



    Gruß
    Franz


    P.S.: Bei uns hat die Haselnuß bereits Ende Dezember geblüht, was die Bienen aber nicht mehr ausnutzen konnten und dann ist alles vereist...

  • [quote='Franz Robeller']Hi,


    Aber eines ist mir aufgefallen. honigmayerhofer und Obstbrenner berichten das Ihre Völker, die eingegangen waren, ganz leer waren (was das Futter betrifft). honigmayerhofer berichtet auch sehr gut wieviel er eingefüttert hat und das ein Volk in einem Wintermonat nur 400-500g brauchen würde.
    Aber für welchen Zeitraum sind die 20-25l Winterfutter, ist hier der August mit dabei? Und wieviele wirkliche Wintermonate hatten wir?
    quote]


    Hallo Franz,
    ich habe nach den Abschleudern 10 Ltr Zuckerwasser 3:2 pro Volk gefüttert. Als Winterfutter bekamen die Einzarger 14 ltr. Apiinfert und die Zweizarger 20 ltr Apiinfert. und das im Zeitraum M. bis E. September, das Bukivolk erhielt die letzte Gabe im Oktober. Im Dezember habe ich die leeren, toten Völker weggeräumt, diese können unmöglich verhungert sein.

  • Hallo Franz Xaver,


    Zitat

    ich habe nach den Abschleudern 10 Ltr Zuckerwasser 3:2 pro Volk gefüttert. Als Winterfutter bekamen die Einzarger 14 ltr. Apiinfert und die Zweizarger 20 ltr Apiinfert. und das im Zeitraum M. bis E. September, das Bukivolk erhielt die letzte Gabe im Oktober. Im Dezember habe ich die leeren, toten Völker weggeräumt, diese können unmöglich verhungert sein.


    Danke für diese Info, ich bin Deiner Meinung das die Völker bei dieser Menge nicht verhungert sind. Aufgrund meiner Beobachtung wollte ich es einfach genau wissen.


    Nochmal Danke
    Franz

  • So, mittlerweile habe ich noch mal mit dem Imker gesprochen, der die toten Bienen hat untersuchen lassen!
    Ergebnis: NICHTS! Kein übermäßiger Milbenbefall, sonst auch nichts.


    Bin momentan dabei mich der Meinung vom Franz-Xaver anzuschließen und das als den natürlichen Lauf der Dinge zu sehen.


    Ein Volk das ausreichend eingefüttert ist und einen halbwegs normalen
    Winter wie wir ihn dieses Jahr nun mal haben nicht übersteht paßt nicht in unsere Gegend. Da hat der Franz-Xaver Recht: Die Natur ist konsequent und nicht immer zimperlich!


    Eigentlich ist der Grund warum die Völker zusammengebrochen sind auch egal: Keine Winterbrutpause, zu aktiv, zu früh in Brut oder was auch immer. Es wird wahrscheinlich doch so sein, daß diese eigentlich für diese Gegend "untauglichen" Bienen durch die letzten beiden sehr milden und kurzen Winter gekommen sind und sich auch noch vermehrt haben, vielleicht ja sogar durch den frühen Bruteinschlag einen Vorteil hatten.


    Dieses Jahr war aber nichts mit kurz und mild, sondern mit lang und hart.


    Vielleicht sind auch noch andere Faktoren dazugekommen, die ich jetzt nicht erkenne. Tatsache ist aber, daß es die eine Hälfte der Bienen ja aus irgendeinem Grund geschafft hat und auch noch gut im Futter steht.
    Und mit denen beginnt der Kreislauf des Lebens halt von Neuem!


    Ich habe auf alle Fälle wieder etwas dazugelernt, bin auch nicht mehr ganz so deprimiert wg. der Verluste und freue mich schon auf den Frühling wenn es wieder losgeht...


    Grüße aus der Heide


    Andreas

  • Mich verwundert auch etwas der Zuckerverbrauch. Zwar haben bei mir alle Völker bis jetzt gut überlebt, doch müssen sie wahrscheinlich notgefüttert werden. Hätte ich mich im letzten Herbst nicht durch Zufall verrechnet und ihnen 20 statt 26 Kilo Zucker gegeben, wären sie jetzt schon beinahe verhungert. Im Moment habe alle noch zwischen 6 und 8 Kilo. Muß eine Notfütterung erfolgen, oder reicht es bis zum Obstblütenbeginn?


    Liebe Grüße,
    Ralf