Schwarmsaison 2020

  • Sehr schön! Aber kaum einer will das!

    Komisch, ne!? Was kann's schöneres geben, als so eine potentielle Faulbrutschleuder, die keiner findet und in deren gammeliges Wabenwerk jedes Jahr ein neuer Schwarm einzieht, um dann im nächsten Herbst an der Varroa zu verrecken und so die Sporen jedes Jahr aufs neue an die räubernden Bienen aus den x Mal sanierten Völkern zu verteilen? Das ist Natur pur! Sehr schön! In so'nem Sperrgebiet kommt man dann endlich wieder zur Ruhe, die doofe Wanderei ist doch eh zu nah an der industriellen Bienenhaltung. Dann schnitzen wir uns alle 20cm dicke Deckel und gehen allen anderen auf den Sack. Junge, Du hast doch Lack gesoffen...

    Tja Ralf, was soll ich machen? Eiche umlegen, abfackeln! Wenn ich sie einsammeln könnte, würde ich es ja versuchen. Was wäre Dein Vorschlag?

  • Lassen, und beobachten. Ich bin da zwiespältig. Ich hab ja nix gegen das Volk, aber die reine kind(l)ische Freude wie bei Keinimker oder dem Schiffer kann ich halt auch nicht nachempfinden. Für mich wär das Existenzbedrohend.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • rase , ist schwierig, gerade für die Profis, aber auch für die Hobbyimker, deren Herzblut dran hängt.

    Andererseits wäre es für die Schweinebauern auch praktisch, wenn endlich alle Wildschweine gekeult würden, damit sie keine Schweinegrippe in die Zuchtbestände einschleppen können.

    Oder wenn wir endlich alle Vögel vom Himmel schießen würden wegen der Vogelgrippe. Zuchtbestände von Gänsen waren betroffen und die Bio-Freilandhühner mussten in den Stall. Das geht ja garnicht. Also, weg mit den Wildtieren, die stören nur.

    Und solange wir nicht alle, aber wirklich alle Mäuse, Hamster und Stechmücken eliminiert haben, haben wir eh keine Ruhe.

    Ich fürchte, wir müssen wilde Schwärme, die sich in die letzten vorhandenen Baumhöhlen verkriechen zähneknirschend akzeptieren.

    Viele liebe Grüße

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • rall0r :

    Oh man !

    Beim lesen war ich immer wieder zwischen Lachen und zischenden Lufteinziehen bei den Stichen...

    Ich hatte noch nicht das Abenteuer des Schwarmfangs ( irgendwie finde ich es jetzt noch aufregender)

    Aber wenn es mal so kommen sollte, hoffe ich , das es irgendwie doch glatt laufen soll ^^.

    Sehr heldenhaft durchgezogen ! Respekt und schnelle auch mentale Genesung !

    LG

    Martin

  • Als ich heute Abend den Papiermülleimer eingesammelt habe, hingen unter dem Pappdeckel vielleicht 2,5 KG Bienen.

    Jetzt wohnen sie in einer richtigen Beute und werden dann beizeiten umgeweiselt.

    Ich weiss noch nicht so recht, was ich mit dem Restvolk anstelle - vielleicht zu Ableger verwursten, aber mir gehen die Kisten aus.

  • Ich fürchte, wir müssen wilde Schwärme, die sich in die letzten vorhandenen Baumhöhlen verkriechen zähneknirschend akzeptieren.

    Seh ich ja ähnlich. Nur sich lautstark freuen, oder wie der Schiffer medienwirksam befeuern muß man es als Imker ja nicht. Frag mal jemanden, der wiederholt seine Völker sanieren mußte, wegen regelmäßigem Sporeneintrag von außen... Da gönne ich niemandem, nichtmal meinen Feinden. Schon garnicht deren Bienen.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Guten Abend,


    leider nicht so aufregend, wie die Geschichte von rall0r , aber ich wollte euch trotzdem an unserem Schwarmfang teilhaben lassen.


    Lg, Miriam :)

    Es ist absolut beeindruckend, wie ihr die Prinzessinnen in diesem Getümmel findet. Chapeau!

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré klassisch, aktuell 4 Völker

  • Es ist absolut beeindruckend, wie ihr die Prinzessinnen in diesem Getümmel findet. Chapeau!

    Genau das wurde aber leider nicht gefilmt. DAS hätte ich gerne mal gesehen! :)

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Schwärme werden immer als potentielle Faulbrutschleudern beschrieben, oft so, als ob jeder Schwarm Faulbrut durch die Gegend trägt. Mir leuchtet das nicht ganz ein. Wenn von mir ein Schwarm abgeht, hat der erst mal keine Faulbrut, wenn von meinem Nachbarn ein Schwarm abgeht auch nicht und bei meinem übernächsten Nachbarn auch nicht. Unsere Region ist derzeit ausreichend entfernt von Faulbrutgebieten. Wo soll sie also herkommen? Warum sollen diese Völker mehr gefährden als die Völker, von denen sie ausziehen? Sind nicht Kunstschwärme, die ohne Gesundheitszeugnis den Ort wechseln, genauso gefährdend? Und wird Faulbrut nicht über Kunstschwärme saniert? Warum birgt dann der Naturschwarm diese Gefahr?


    Nein, ich produziere nicht reihenweise Schwärme, sondern versuche sie zu verhindern. Es interessiert mich einfach.


    Beste Grüße,

    Thanaidh

  • Schwärme werden immer als potentielle Faulbrutschleudern beschrieben, oft so, als ob jeder Schwarm Faulbrut durch die Gegend trägt. Mir leuchtet das nicht ganz ein. (...) Warum birgt dann der Naturschwarm diese Gefahr?

    Der Schwarm als solcher ist relativ harmlos. Das Problem beginnt, wenn in einer Region die AFB ausbricht, und sich das Volk im Baum wie auch andere Völker infiziert. Im Gegensatz zu den Völkern in Menschenhand ist eine Sanierung natürlich unmöglich, und wenn die AFB auch nicht ausbricht (Eric 1 z.B. dauert ja, wenn es überhaupt zu einer Klinik kommt) dann bricht das Volk eben doch, spätestens im zweiten Jahr, auf seinen Vorräten an der Varroa zusammen. Und dann kommen andere Bienen und holen sich den gesammelten Honig. Und die Sporen. Jetzt wissen wir alle, wie sehr Schwärme altes Wabenwerk lieben - im nächsten Mai zieht dort, aller Voraussicht nach, also wieder ein neuer Schwarm ein (das ist übrigens der Grund, warum manche Höhle seit Jahren durchgängig bewohnt scheint! Die Lücke von Ende September bis Anfang Mai bekommt man nicht mit.) Wenn dieser neue Schwarm dann der Varroa erliegt, war sein Wabenwerk schon vom Vorgänger mit Sporen geimpft. Und wenn Du da in der Nähe imkerst, bekommst Du so von diesem hohlen Baum jedes zweite Jahr die Sporen zurück. DAS ist das Problem, nicht der Naturschwarm. Der ist nur der Vektor für die Faulbrut.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • '%&Es ist absolut beeindruckend, wie ihr die Prinzessinnen in diesem Getümmel findet. Chapeau!

    Genau das wurde aber leider nicht gefilmt. DAS hätte ich gerne mal gesehen! :)

    So geht es mir auch.

    In meinen kühnsten Träumen wäre ich nie auf die Idee gekommen, Königinnen und diese auch noch ungezeichnet, in einem Schwarm zu suchen. Man lernt nie aus. Beim nächsten Schwarm werde ich einmal genauer hinsehen.

    Es ist mein Bestreben, jeden eigenen Schwarm zu vermeiden, andererseits gibt es für mich keine schönere imkerliche Tätigkeit, als einen Schwarm zu fangen und ihn danach in eine Beute einzuschlagen. Wenn ich sehr viel Zeit habe, lasse ich sie sogar über das Flugloch einlaufen und sehe dem Schauspiel zu.

    Es ist fast immer mein erster Gedanke, "dieser Schwarm kann nicht von meinen Völkern stammen". Das ist eine Wunschvorstellung, die zumeist nicht zutrifft. :saint:

    Derzeit betreue ich einen Neuimker, dem vermeintlich noch nie ein Schwarm abgegangen ist. Allerdings sind ihm schon mehrere gezeichnete Königinnen abhanden gekommen.:huh:

    Was will ich sagen? Die Schwarmsaison ist höchst interessant, manchmal voller Überraschungen und sehr lehrreich.