Geschlossene Böden und kleine Fluglöcher

  • In den letzten Monaten werden ja wieder mal verstärkt die geschlossenen Böden als die bessere Form der Bienenhaltung propagiert.

    Argumentiert wird damit, dass die Gitterböden nur zur Varroadiagnose erfunden wurden und auch nur zur Diagnose offen sein sollten und dass schon vor Varroazeiten eigentlich Konsens war, dass geschlossene Böden gut seien.

    Auch seien geschlossene Böden besser für die Klimatisierung von Bienen und Honig.

    Ebenfalls verstärkt propagiert werden auch kleinere Fluglöcher in Anlehnung an die Maße, die Seeley empfiehlt.


    Meine Frage an Einraum-Imker mit Großraumbeuten wie Dadant oder ähnlich ist, wer von Euch das so macht und was für Erfahrungen ihr damit bezüglich Feuchtestau im Inneren so habt.


    Denn wenn ich das so mache, habe ich größere Probleme mit feuchten, um nicht zu sagen nassen Ecken und Beutenwänden hinter dem Schied. Das Flugloch ist sop breit, wie Waben vor dem Schied hängen, also ca. 15-20cm breit, aber nur 7-10mm hoch. Damit ist es nahe an den propagierten, angeblich optimalen Maßen.


    Weil die üblichen Beuten heute nur mit Gitterboden geliefert werden, behelfe ich mir mit vollständigem Einschieben der Varroawindel, um den geschlossenen Boden zu testen. Das geht problemlos, man muss halt nur selbst mal gelegentlich die Windel reinigen, weil die Bienen wegen dem Gitterboden das nicht selbst machen könne.


    Ich glaube durchaus, dass geschlossene Böden und kleine Fluglöcher besser für die Bienen sein können, jedoch gefällt mir ganz und gar nicht die Nässe, die sich dabei entwickelt, bevorzugt wenn schon viel Brut da ist, es gleichzeitig aber noch sehr kühl nachts wird wie jetzt im März bis Mai. Im Sommer ist das Feuchteproblem kaum vorhanden. Aber jetzt steht schon nach einer Nacht bei wenigen Grad über Null eine kleine Wasserlache auf der Windel. Honigräume sind schon drauf.


    Bisher hatte ich die Windel auch schon ganzjährig drin, aber immer ca. 1cm offen, da war das Problem klein bis nicht vorhanden, aber jetzt im Testlauf bei vielen Völkern gleichzeitig mit ganz eingeschobenen Windeln bin ich bisher gar nicht überzeugt.


    Wie sind Eure Erfahrungen, ist es bei euch auch so, macht ihr was anders?

  • Argumentiert wird damit, dass die Gitterböden nur zur Varroadiagnose erfunden wurden

    Stimmt bei mir, vor der Varroa hatte ich nur Trogbeuten mit geschlossenen Böden...

    dass schon vor Varroazeiten eigentlich Konsens war, dass geschlossene Böden gut seien.

    Stimmt, das habe ich auch einmal geglaubt. Seit ich offenen Gitterböden in DD habe, möchte ich die aber nicht mehr vermissen! ;-) Ich habe die Vorteile des offenen Gitterbodens zu Schätzen gelernt. :-)

  • FranzXR

    ja, offene bzw. bei mir nur teilweise offene Gitterboden sind ein Zustand, der auch bei mir weitgehend bewährt ist und zu dem ich jederzeit zurückkehren kann und auch werde, wenn ich keine andere Lösung für das Wasser finde.


    Jedoch bin ich durch (kleinere) Zwischentest in den Vorjahren durchaus auch überzeugt davon, dass die Belüftung für die Bienen bei geschlossenen Böden eigentlich leichter ist. Ob die propagierte bessere Honigtrocknung dadurch tatsächlich auch besser erfolgen kann, kann ich für meine Verhältnisse bisher weder bestätigen noch ausschließen.


    In diesem Jahr, wo ich mal bei größerer Zahl den ganz geschlossenen Boden ausprobieren möchte, fällt mir jetzt halt sehr unangenehm diese Nässe auf.


    Das Flugloch auch vor dem Leerraum hinter dem Schied öffnen will ich eigentlich nicht, weil da vermutlich keine Wächterbienen aufpassen werden.

    Alternativ könnte ich das Flugloch auch schmaler, dafür höher machen (2cm), vielleicht ist das für den Bien so besser zu belüften?


    Vielleicht hat ja jemand genau diese beiden Alternativen schon mal ausprobiert und kann berichten.

  • dass die Belüftung für die Bienen bei geschlossenen Böden eigentlich leichter ist.

    Zu welcher Jahreszeit glaubst Du das die Belüftung so besser wäre?


    Bei geschlossenen Boden gibt es nach meiner Erfahrung hauptsächlich Probleme mit der Feuchtigkeit bei schwachen Völkern oder im Frühjahr wenn es draussen noch kalte Nächte hat, die Bienen aber schon Brüten.


    Feuchterer Honig könnte mit Dickwaben zusammenhängen, das muss nicht unbedingt nur was mit der Belüftung zu tun haben... - In Florida und in Karlifornien schwören viele Imker bei geschlossenen Böden auf ein Spundloch im HR gegenüber dem Flugloch - da haben die immer Luftzug, aber ich möchte das bei uns nicht im Winter oder Frühjahr testen...

  • Mit "besser" meine ich, leichter für die Bienen, einen vernünftigen Luftstrom herzustellen. Denn genau dabei stört der offene Gitterboden rein strömungstechnisch sehr, das ist ja nichts Neues.


    Wenn du jetzt meinst, dass das Nässeproblem nur in der Übergangsphase besteht, wäre das auch eine hilfreicher Hinweis und deckt sich mit meinen bisherigen Stichproben. Doch es bleibt das "Gefühl", dass auch wenn im Sommer keine Nässe zu sehen ist, möglicherweise doch die Luftfeuchte vielleicht höher ist.


    Ich gehöre nicht zu denen, die immer locker mal 15% Honigfeuchte erreichen, doch umgekehrt habe ich jetzt auch keine großen Probleme mit zu nassem Honig.

    Doch rein theoretisch müsste der Honig mit nur einer Beutenöffnung, auf die sich die Bienen einstellen können, sogar besser zu trocknen sein. Genau das wird ja aktuell wieder als eines der Argumente für den geschlossenen Honig genannt.


    Nur beißt sich das ein wenig mit der beobachten Nässe jetzt auf den Schubläden, weshalb ich das Thema u.a. gestartet habe.

  • Noch eine Ergänzung: mein Eindruck ist, dass die Bienen nur den Brut- und Honigraum belüften, nicht aber den Leerraum hinter dem Schied! Der ist ihnen womöglich völlig egal.

    Es fragt sich halt, ob und wenn ja wie sich das ggf. auf die Honigtrocknung im HR auswirkt. Vielleicht bleibt die Feuchte ja einfach hinter dem Schied und steigt - weil kälter - nicht in den HR hinauf und das einzige Problem wäre dann, dass die Kisten hinter dem Schied eher mal vergammeln könnten.

  • ein Rohrlüfter funktioniert am Besten wenn die Flügel die Fläche ausfüllen- Fluglöcher max 2x Beespace hoch bzw rund, es können auch mehrere Öffnungen sein.

    Magazinimker streiten sich seit über 60 Jahren über geschlossene versus offene Böden, nicht erst seit Varroa.

    Aktuell füllen die Bienen noch nicht die Räume aus und belüften und schützen ihre Brut bei Nachttemperaturen von maximal 5°C. Da bilden sich schon Kondensationspunkte, den je mehr Brutwärme erzeugt wird, desto mehr Wasser und Luftfeuchtigkeit fällt an, ohne das die gesamte Beute belüftet wird.

    Die Klimaanlage zur Nektartrocknung wird erst bei entsprechenden Eintrag und Bienenüberschuß in Gang gesetzt, sonst bleiben die nicht besetzten Waben über Nacht kalt.

    Später hängen sich die Flugbienen auch über Nacht hinterm Schied auf.

  • Ich habe dieses Jahr die Böden durchgehend drin.
    Ich habe aber auch die Fluglöcher durchgehend über die volle Breute offen – im Winter mit 8mm Mäusegitter. Die Völker sind stark wie nie und mit Schimmel habe ich dieses Jahr erstmals keine Probleme.
    Das ist natürlich keine Studie, nur meine eigene Beobachtung.

    Hans

    Die Glücklichen sind neugierig. (F. W. Nietzsche)

  • Hallo Han Kle,

    diese Beobachtung habe ich auch gemacht.

    Auch wenn ich dauerhaft "geschlossene Böden" habe und ein "immer gleiches" Flugloch.

    Schimmeln kann da auch nichts. So sieht es zumindest aus.

    Das ist natürlich auch keine Studie, aber Erfahrung. ;)

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Zu Dadant kann ich natürlich nichts sagen.

    Ich habe etliche meiner Trogbeuten 120 umgebaut und mit Gitterböden versehen.


    Richtig ist die Schilderung, dass im Frühjahr durch die hohen Temperaturunterschiede eben das Kondenzwasser entsteht.

    Bei den Trogbeuten, die ich aufgrund der Maße nicht umzubauen waren, steht dann das Wasser in den Beuten. Insbesondere in dem hinteren Raum, der nicht Bienen besetzt ist, entsteht dann Schimmel. Einen ähnlichen Effekt könnte ich mir bei Dadant hinter dem Schied vorstellen.

    Selbiges entsteht ja auch bei schwachen Völkern in den Magazinbeuten.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Für Rassevielfalt.