Vereinzelt Bienen mit verkrüppelten Flügeln

  • Hallo liebe Imkergemeinde,


    ich habe heute (mal wieder) einige Zeit damit verbracht, meine Bienen zu beobachten. Dabei sind mir insgesamt 4 Bienen auf dem Boden vor dem Flugbrett aufgefallen, deren Flügel unterschiedlich stark verkrüppelt und sie somit flugunfähig waren. Meiner Beurteilung als Anfänger nach würde ich auf jüngere Bienen tippen, da sie relativ stark behaart waren. Leider habe ich verpasst, Fotos zu machen.

    Ich habe ein schwächeres (vorgestern saßen dort die Bienen auf ca. 4,5 Wabengassen) und zwei stärkere Völker.

    Ein Eingrenzen, zu welchem meiner drei Völker die kranken Bienen stammen ist schwierig, da alle drei Völker dicht nebeneinander stehen. 3 der kranken Bienen habe ich am Boden auf der Seite des schwächeren Volks gefunden (ganz links), eine Biene am stärksten Volk (ganz rechts, ca. 1,5 m neben den anderen Funden).


    Zwei mögliche Begründungen habe ich bisher ausmachen können:


    1. Deformed wing virus begünstigt durch hohen Varroabefall durch schlecht wirkende Varroabehandlung im letzen Jahr:

    --> Kann ich schlecht beurteilen. Die Völker habe ich vor wenigen Wochen von meinem Imkerpaten erhalten, der mir versicherte, wie üblich gegen Varroa behandelt zu haben, was ich ihm uneingeschränkt glaube. Jedoch kann eine Behandlung auch aus verschiedenen Gründung mal nicht richtig effektiv sein. Die Länge des Hinterleibs und auch die sonstige Erscheinung der Bienen war unauffällig.


    2. Kalte Nächte (bis -5°) bis vor einigen Tagen hat dazu geführt, dass das Brutnest nicht vollständig gewärmt werden konnte.

    --> Könnte bei mir zutreffen, da wie erwähnt, ein Volk etwas schwächer ist und bis vor ca. 5 Tagen die Temperaturen nachts/morgens noch empfindlich niedrig waren (bis -5°).


    Was meint ihr - woran kanns liegen und sind Maßnahmen zu treffen (wenn ja, welche)?


    Viele Grüße,

    Pascal

  • Mit 1. liegst du richtig. DWV wird von der Varroa übertragen und deshalb ist das Volk wohl auch das Schwächere.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hallo,


    ... ganz ruhig.


    Ferndiagnosse wenn es nicht komplett ausgebildetet Flügel bzw. verkrüppelte Flügel sind:

    für mich DWV, auch wenn dies sehr früh im Jahr ist und ich nicht glaube, das da überhaupt eine Behandlung im letzten Jahr ablief.


    Tipp um es Morgen festzustellen:

    bei DWV sieht man zumeist Milben auf den Bienen,

    mach eine Bienenprobe

    z.B. so: LINK zum BI Kirchhain


    Anschließend ggf. eine AS-Stoßbehandlung (Schwammtuch) ....

    Tagestemperatur passt dazu grundlegend.


    An Kälteschaden würde ich hier nicht denken.


    GrillGruß

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Also wenn da mal vier Bienen ein bisschen komisch aussehen, dann erstmal keine Panik.

    Jetzt ist das Wetter gut, schau mal in die Völker rein, ob da noch mehr Bienen mit kaputten Flügeln sind und ob auf den Bienen viele Varroen sitzen.

  • Hallo liebe Imkergemeinde,

    Moin zusammen, moin Pascal!


    einige Zeit damit verbracht, meine Bienen zu beobachten.

    Herrlich, oder?! Meines Erachtens ist bzw. beginnt derzeit hierfür ohnehin die mit Abstand tollste Zeit des Jahres, allein ob des aus den Fluglöchern strömenden Duftes.


    Dabei sind mir insgesamt 4 Bienen auf dem Boden vor dem Flugbrett aufgefallen, deren Flügel unterschiedlich stark verkrüppelt und sie somit flugunfähig waren.

    Nicht mehr so herrlich. DWV oder Verkühlung, beides spricht nicht gerade für den Zustand des Volkes aus dem diese Bienen stammen.


    Meiner Beurteilung als Anfänger nach würde ich auf jüngere Bienen tippen, da sie relativ stark behaart waren.

    Was ziemlich wahrscheinlich ist, da Bienen mit DWV nie allzu alt werden sondern sie m. E. meist binnen weniger Tage nach dem Schlupf aus dem Volk laufen um zu sterben.


    3 der kranken Bienen habe ich am Boden auf der Seite des schwächeren Volks gefunden

    Könnte ein Indiz für ihre Herkunft sein, muss es aber nicht. Ich habe beobachten können, dass das Gros verkrüppelter Bienen vor Fluglöchern sich in irgendeiner Form an Helligkeit oder Dunkelheit in Abhängigkeit zum Sonnenstand zu orientieren scheint. Sprich sie laufen entweder Richtung Sonne oder tendenziell in "dunklere" Bereiche vor den Fluglöchern.


    Die Völker habe ich vor wenigen Wochen von meinem Imkerpaten erhalten, der mir versicherte, wie üblich gegen Varroa behandelt zu haben, was ich ihm uneingeschränkt glaube. Jedoch kann eine Behandlung auch aus verschiedenen Gründung mal nicht richtig effektiv sein.

    :-?. Da ich diesen nicht kenne mag ich mir keine wertendes Urteil erlauben, aber wenn der Kollege halbwegs vernünftig arbeitet, dann sollte (!) man davon ausgehen können, dass die Völker in 2019 angemessen und vor allem auch nachweislich wirksam behandelt wurden.


    Kalte Nächte (bis -5°) bis vor einigen Tagen hat dazu geführt, dass das Brutnest nicht vollständig gewärmt werden konnte.

    Das wäre aus meiner Sicht die "schöne" Variante für die Völker. Allein, ich kann`s aus dem Bauch heraus nicht ganz glauben.


    sind Maßnahmen zu treffen (wenn ja, welche)?

    Ich sag` mal ja.

    Folgende hielte ich für durchaus nicht abwegig:

    bei DWV sieht man zumeist Milben auf den Bienen,

    mach eine Bienenprobe

    z.B. so: LINK zum BI Kirchhain

    und dann bei Bedarf

    Anschließend ggf. eine AS-Stoßbehandlung (Schwammtuch) ....

    Tagestemperatur passt dazu grundlegend.

    .

    Unabhängig davon würde ich auch mal bei meinem Paten nachfragen wie oft, wann und mit was er denn "wie üblich" behandelt hat (Winterbehandlung?). Die Antworten könnten dir dann Aufschluß über den zu erwartenden Zustand bzw. Milbenstatus der anderen 2 Völker geben.


    Viel Erfolg und schöne Grüße

    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Danke euch für die Meinungen und Ratschläge.


    Vielleicht kann ich heute noch ein Bild einer betroffenen Biene machen und reinstellen.


    Bei den letzten Durchsichten habe ich keine einzige Varroa oder Bienen mit verkrüppelten Flügeln gesehen, habe aufgrund der Temperatur aber auch alles sehr zügig erledigt und mehr auf den Futtervorrat und die Brut geachtet.


    Was ich gelernt habe, ist in der Imkerei keine vorschnellen Maßnahmen zu treffen, sondern überlegt und mit Ruhe vorzugehen. Besonders, weil mir vor kurzem noch (außerhalb des Forums) geraten wurde, das schwächere Volk nun ein paar Wochen Ruhe zu gönnen, werde ich die nächsten Tage erst einmal nur beobachten, wie sich die "Fall"zahlen (unbeabsichtigtes Wortspiel...) entwickeln.

    Bei Kälteschaden sollten die Fallzahlen in den nächsten Tagen evtl. sogar noch ansteigen oder gleich bleiben, dann aber in den weiteren Tagen wieder bis auf 0 sinken.


    Viele Grüße,

    Pascal

  • Moin,

    ich habe auch mal ein paar Völker von einem betagten Imker übernommen (Wg Aufgabe der Imkerei).

    Die waren auch Behandelt "wie üblich" und unauffällig. Ich hab dann eine AS Lanzeitbehandlung gemacht am 3. Tag -nein ab dem 3. Tag war die Windel rotbraun für mehrere Tage, das das Volk noch gelebt hat! Zu der Zeit war wohl die Vierenlast noch nicht so gross. Womit ich sagen will: Bei "wie üblich" immer nachfragen was bei dem Imker denn üblich ist.

    LG

    Martin

  • Du kannst ja auch mal unter alle eine Windel schieben und Milben zählen. Bei drei Völkern kannst du dann auch etwas vergleichen.

    Wenn das verdächtigte Volk auch einen höheren Milbenfall verzeichnet, hast du zumindest einen weiteren Anhaltspunkt für DWV, wenn nirgendwo was fällt, dann vielleicht eher für verkühlte Brut.

  • Hallo,

    Moin,

    ich habe auch mal ein paar Völker von einem betagten Imker übernommen (Wg Aufgabe der Imkerei).

    Die waren auch Behandelt "wie üblich" und unauffällig. Ich hab dann eine AS Lanzeitbehandlung gemacht am 3. Tag -nein ab dem 3. Tag war die Windel rotbraun für mehrere Tage, das das Volk noch gelebt hat! Zu der Zeit war wohl die Vierenlast noch nicht so gross. Womit ich sagen will: Bei "wie üblich" immer nachfragen was bei dem Imker denn üblich ist.

    LG

    Martin


    Da wäre ich drangeblieben,

    ein Volk das eine sehr große Varroalast aushält, ohne Schäden zu zeigen ist doch prädestiniert für Nachzuchten ... im Hinsicht auf das Herausbilden einer Toleranz ....


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Moin Bienenknecht

    hatte ich auch gemacht! das hat auch gut funktioniert bis ein Nachbarimker agressive Bienen vermehrt hat, auf den gedanken eine Belegsetelle zu nutzen bin ich damals nicht gekommen-was so im nachhinein schade war!


    LG Martin

  • Heute habe ich insgesamt zwei Bienen mit den beschriebenen Symptomen gefunden (vor/in der Nähe des schwachen Volkes) und fotografiert. Die ersten beiden Bilder zeigen die gleiche Biene.


    Um 10 Uhr vormittags habe ich die Varroa-Windeln eingesetzt - danke für den Tip rall0r .

    Kontrolle um 17:00 Uhr hat bei keinem Volk eine einzige Varroa gezeigt. Aussagekräftig wirds natürlich erst in ein paar Tagen.

    Die Windel des schwachen Volkes sah so aus:


    Kann man aus diesen Informationen und Bildern bereits mehr ableiten?


    Danke und viele Grüße,

    Pascal