Warme Bienen

  • Hallo ihr Lieben,


    ich muss hier mal eine spontane Frage loswerden die mich schon einige Tage beschäftigt...


    Nach meinen bisherigen "Nachforschungen" sind die grossen Honigländer, also Honig exportierenden Länder, meist in Breiten vertreten in denen es soetwas wie richtig kalte Winter garnicht gibt (Brasilien, Mexiko, Spanien...).


    Diese Bienen müssen ja dann gänzlich andere Arten sein. Es gibt keine speziellen Winterbienen.


    Tracht gibt es das ganze Jahr über(?).
    Wenn dem so ist wozu sollen dann die Bienen mit grossem Energieaufwand Berge an Honig sammeln und deponieren welches für die heimischen Bienen ja den Sinn hat den Winter (die trachtlose Zeit) zu überstehen? - Wie kommt es dann zu derartig guten Honigerträgen? Wie wird in solchen Ländern (ökologisch) die Varroa behandelt wenn das ganze Jahr Saison ist?


    Wo ist mein Denkfehler?


    Viele Grüsse
    Wolf

  • Hallo,


    schade, dass noch niemand auf meine Anfrage geantwortet hat. :cry:


    Gestern bekam ich eine kurze mail von einer Imkerfamilie auf La Palma (Kanarische Inseln). Dort soll es ebenfalls so etwas wie Saison geben. Tracht also auch nur in den Monaten April bis Juni. - So richtig glauben konnte ich das aber nicht, zumal sie ihrer mail Fotos mit prächtigen Blüten anghängt haben die darstellen sollen wie es zur Zeit auf der Insel aussieht. Auf meine diesbzgl. Frage habe ich aber dann keine Antwort mehr erhalten. Naja, es war auch etwas spät, hier 1:00 Nachts und dort auch schon 23:00 Uhr. Vielleicht bekomme ich ja heute noch eine Antwort...


    Viele Grüsse
    Wolf

  • Natürlich gibt es fast überall Trachtpausen - z. B. Trockenzeit oder langanhaltende Regenzeiten usw...

  • Hallo Ostwolf,


    wo ist dein Denkfehler willst du wissen?
    die Honig exportierenden Länder sind nicht nur warme Länder. Argentinien oder China z.B. haben auch kalte Landstriche! aber vielleicht ist es ja auch was ganz anderes warum diese Länder so viel Honig exportieren können!
    vielleicht weil in diesen Länder zum ersten nicht viel Honig konsumiert wird! denn bei mir lässt jedes mal der Absatz an Honig stark nach, wenn es sehr heiß wird, dann will schein bar niemand Honig essen!
    vielleicht ist es aber auch der Umstand, daß Arbeitskräfte in diesen Ländern sehr billig sind, und es daher überhaupt möglich ist große Mengen an Honig billig und ohne großes Können zu produzieren!


    Grüße

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • vielleicht ist auch die Nektar Ausscheidung nicht immer gleich! ich kenne das von Südfrankreich, wenn dort der Mistral bläst dann ist zwar warm und schönes Wetter aber Honigen tuts nicht!
    zur Varroabehandlung:
    Soviel ich weiß wird in Argentinien und z.T. in Brasilien die Varroa überhaupt nicht behandelt!


    aber deine Gedanken sind irgendwie interresant, werde noch mehr nach denken und später mich noch mal melden!


    Grüße

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Toyota,


    mich interessierten speziell die warmen Regionen. Subtropisch/Tropisch, die Äquatorialzone. Kenia ist auch ein starker Honigproduzent. Führend in der Weltrangliste der Honigexporteure ist auch Mexiko (nach China). Innerhalb Europas ist es Spanien welches am meisten Honig produziert.
    Einen interessanten Link hierzu gibt es unter: http://www.hamburg.de/Behoerde…/honig-010216-1221_de.pdf (Adobe-Acrobat-Reader erforderlich). Sehr interessant auch der nachfolgende. Hierin geht es speziell um Bienenzucht in Afrika: http://www.beekeeping.com/apiacta/bienenzucht_afrika.htm


    Ich habe vielleicht etwas komische Vorstellungen, aber irgendwie kann ich mir eine tropische/subtropische Region ohne Blüten nicht so richtig vorstellen - egal zu welcher Jahreszeit. Wenn dem so ist: Welchen Sinn macht der intensive Honigeintrag der Bienen. Es gibt doch dann ganzjährig Futter genug?


    Hier in Rumänien sind die Arbeitslöhne auch sehr niedrig. Doch wird die Imkerei hier kostenmässig auf einem bezahlbaren Niveau betrieben. So kostenmässig, dass sich Imkerei hier im Grunde fast jeder leisten kann.
    Ich hatte anfangs auch daran gedacht künftig Mitarbeiter einzustellen. Meine Partnerin meinte jedoch, wer sich in diesem Bereich auskennt hält sich selber Bienen, und da hat sie wohl recht. Hier ist es wie in Westeuropa. Die Imker machen ihren Job alleine, bestenfalls mit ihrer Familie.


    ***Varroa
    Es ist genau umgekehrt. Probleme mit der Varroa hat man in Argentinien nicht aber in Brasilien. Hierzu nur einen Link: http://www.lk-wl.de/bienenkunde/2002auerhammer.htm. Auszug: "Auch die Widerstandsfähigkeit der Afrikanisierten Biene gegenüber Krankheiten und Parasiten kam der Imkerschaft gelegen. Die meist mehr als 1.000 Bienenvölker pro Betrieb wissen sich sogar gegen die Varroa-Milbe selbst zu helfen. 1972 wurde diese über Paraguay nach Brasilien eingeschleppt und ist inzwischen über den gesamten Kontinent verbreitet. Varroatose-Schäden blieben im tropischen Brasilien jedoch aus. Obwohl dort bis heute keinerlei Varroa-Bekämpfung durchgeführt wird, sind durchweg weniger als 5 % der erwachsenen Bienen von Milben befallen. An einen Import dieses Bienenmaterials nach Europa ist wegen ihrer Aggressivität nicht zu denken. Da sie mit den von uns bewirtschafteten Bienenrassen nah verwandt sind, können wir an ihnen jedoch lernen, welche Eigenschaften ein Bienenvolk Varroa-tolerant machen."


    Leider hat sich der Kontakt mit der Imkerfamilie auf La Palma nicht fortgesetzt. Nach deren Angaben soll die Varroamilbe bis dorthin noch nicht vorgedrungen sein.


    Viele Grüsse
    Wolf

  • Hallo !


    Die Varroatoleranz der Bienen in sub- bzw. tropischen Ländern ist m.E. nur auf die kürzere Verdeckelungs- bzw. Schlupfzeit der Bienen zurückzuführen. Ein paar Zehntelgrad bringen da schon sehr viel, weil sich die Varroa weniger vermehrt.

    mfG, Rohringer Franz
    aus dem schönen Salzkammergut

  • Hallo.
    Weil hier auch Spanien im Gespräch ist, wil ich auch was dazu sagen.
    Spanien ist gross und hat Klimazonen vom Norden - wo die Winter genauso kalt sein können wie in Deutschland - bis in die Mitte - wo in den Nächten durchaus Temperaturen unter null herrschen, zum Süden - wo die Temperaturen das ganze Jahr im Plusbereich liegen, es aber noch regnet. Dann gibt es die Wüstengegend (hier lebe ich) wo so um die 300 mm Regen/Jahr fallen. Zum Schluss gehören auch die "paradisischen Inseln" (Kanaren) zu Spanien, auf denen mehr oder weniger gleichbleibende Temperaturen das ganze Jahr über herrschen. ...und überall gibt es Bienen :D .
    Ich bin, wie Ihr wisst, der absolute extensive Hobbyimker, der im Grunde nichts davon versteht, sich einen (Jungend) Traum erfüllt hat indem ich einfach drauflosprobiert habe. ...und siehe da, in dieser begnadeten Ecke der Erde ist es mir sogar gelungen Honig zu ernten. Ich kann es mir leisten, ab und wann die Beuten anzuheben und wenn sie mir schwer genug erscheinen, schaue ich rein und "ernte dann".
    Vor paar Wochen habe ich gemerkt, dass bei einem meiner 3 Völker wenig Betrieb war und ich stellte fest, dass es keine Brut - also keine Königin - gab. Ich habe diesem Volk zwei Waben mit möglichst viel unverdeckelter Brut reingehängt, die beiden Beuten im Standort vertauscht und nun funktioniert wieder alles.
    Und nun zur Tracht: Der normale Imker dieser Gegend (und ich kann nur von dieser ganz kleinen Ecke Spaniens sprechen) hat seine Beuten auf dem Land und hofft, dass es im Frühjahr ein paar mal regnet, damit die Wildpflanzen blühen. Landwirtschaft d.h. Felder, Äcker und Wiesen gibt es nicht. Alles Wachstum ist der Natur überlassen. Es gibt allerdings Mandel- und Olivenplantagen Was dann blüht
    sind oftmals Tymian, wilder Lavendel, Rosmarien, usw. Natürlich auch jede Menge Unkräuter. Wenn die Frühjahrblühte vorbei ist, wird geerntet und dann ist für den Rest des Jahres Sendepause. Also müssen auch hier die Bienen für Vorrat sorgen.
    Nun zu meinem Standort. Ich wohne in einem locker bebauten Wohngebiet und wie (Ostwolf?) schon schrieb : hier blüht dauernd etwas - auch im Winter. Diese nur, weil die Leute Ihre Gärten bewässern. Sonst wäre auch hier absolut Ebbe. Ausserdem bin ich von Gewächshäusern umgeben (insgesamt 15000 Ha) in denen mit Hilfe von Bewässerung gerade im Winter (eben wegen Wüstenklima; im Sommer ist es so heiss, dass nichts mehr geht) die Tomaten, Gurken, Zuchini, Obergienen, Erdbehren, später dann Melonen und Wassermelonen geerntet werden, die Ihr derzeitig in Euren Supermärkten kaufen könnt. Und alles das blüht ja auch !!
    Also hätten es meine Bienen nicht nötig auf Vorrat zu bauen. Ich denke aber, dass es den lieben Mädels so in den Genen liegt, das sie gar nicht anders können. Zu meiner grossen Freude :D


    Zum Schluss wil ich Euch noch verraten, dass ich oft nicht mitbekomme, wenn die lieben Mädels schwärmen.Ich halte es, wie Ihr seht, sehr extensiv und natürlich . Ich sehe nur ab und zu lehre Königinnenzellen. Das tut mir auch nicht leid, denn ich denke, wenn ich den einen oder anderen Schwarm in die Natur entlasse kann das dieser nur guttun :D 
    Und noch was - und haltet mich nicht für deppert - meine Angetraute und ich mögen eigentlich gar keinen Honig. Ich musste einfach mal probieren, ob ich auch Honig herstellen (lassen) kann.


    Mannn soviel wollte ich gar nicht schreiben. Aber so eine Erläuterung lässt sich nicht immer im Telegrammstiel verfassen. Langweile ich Euch ??
    Mit guten Frühjahrgrüssen aus der Wüste. Pedro. (Heintzelmann ist mein Nachname :wink: )

    In diesem Sinne. Pedro.
    (aus dem sonnigen Spanien)

  • Hallo Pedro,


    ich hatte dir vor ein paar Tagen eine email geschrieben aber leider keine Antwort erhalten...


    In der Nähe von Almeria ist eine Bekannte von uns. Sie arbeitet dort (das ist das leidenschaftlichste "Hobby" der Rumänen :D ). Wir haben sie gefragt ob sie sich mal in der Region umschauen könnte wie es mit Imkerei bestellt ist. Nach dem heutigen Anruf erhielten wir eine Bestätigung dessen was du gerade geschildert hast. Eine trachtreiche Region ist es also nicht gerade.


    Da sieht es mit den kanarischen Inseln dann wohl schon besser aus. :)


    Verstehe ich dich richtig? Deine Bienen fliegen in die Gewächshäuser? - Ich habe mich schon immer gefragt wie in Gewächshäusern die Bestäubung funktioniert... Ich bin nicht aus der Branche, deshalb vielleicht etwas unbedarft.


    Viele Grüsse
    Wolf

  • Hallo Ostwolf!
    Ich war vor 30 Jahren 3 Jahre lang in Tanzania als Entwicklungshilfer tätig. (Sumbawanga lag 8 Grad südlich des Äquators)
    Dort hat es von Oktober bis April täglich geregnet (Aber nicht den ganzen Tag, sodass Bienen durchaus fliegen können). Um die Zeit der Winternsonnenwende gab es eine kurze Trockenzeit von etwa 2 Wochen. Und von Mai bis Oktober fiel dann kann einziger Tropfen mehr und das Land wurde braun und mit dem blühen ist da auch nicht mehr viel los. Tanzania ist ein Nachbarland von Kenia (Du erwähnst dieses Land als Beispiel), also ist es dort ähnlich.
    Bei uns in Europa gibt es den Winter und in den Tropen die Trockenzeit. Ausgenommen die tropischen Regenwälder, wo es tatsächlich immer wieder regnet. Aber dieses Zone ist nicht sehr breit.
    Übrigens: Ich hatte damals mit der Imkerei noch nichts am Hut, kann also über die Imkerei dort nicht sagen.
    Schönen Gruß
    Fritz

    Fritz Eder
    (Hobby-Imker mit 4 Carnica-Völkern in DN im Garten - 335 m Seehöhe)

  • Hallo Wolf.
    Hatte ein paar Probleme mit dem Rechner. Deine mail ist jetzt beantwortet.Allerdings ist die mail Adresse eine deutsche. Ist das OK?
    Also, ich kenne die Bedingungen (Tracht usw.) auf den Kanaren nicht. Besser als hier denke ich schon. Es kommt aber sehr darauf an, auf welcher der >Inseln Du Dich niederlassen willst. Im Norden regnet es noch einigermassen, die südlichen Inseln sind aber auch wüstenartig !!
    Soweit ich weiss, wird viel Honig in der Gegend von Valencia produziert. Dort gibt es Orangenplantagen von Horizont zu Horizont. Was nach der Orangenblühte ist, weiss ich allerdings auch nicht. Auch in Zentralspanien soll eine ergiebige Gegend sein. Näheres weiss ich aber auch hierüber nicht.
    Ich denke, wie ich schon schrieb, man muss sich vor Ort erkundigen und sich die Gegend ansehen. Du siehst, um den Ausflug nach Spanien wirst Du halt nicht herumkommen :D:D 
    Ja, ja, die Bienen fliegen auch in die Gewächshäuser. Die Gemüsebauern leihen sich hier aber zur Bestäubung Hummeln während der Blühte aus. Wo der Vorteil liegt ? Keine Ahnung.


    Viel Honig wünscht allen Pedro.

    In diesem Sinne. Pedro.
    (aus dem sonnigen Spanien)