Sterbende Bienen draußen am Bienenstock

  • Hallo Bienenfreunde,

    ich habe eine Frage zu etwas, was ich an einem Bienenstock beobachtete und nicht ganz verstand. Vielleicht könnt Ihr mir dabei helfen.

    Vor wenigen Tagen lag die Temperatur knapp über +10°C und es herrschte Flugbetrieb bei einem Ableger. Am Ende des Tages sank die Temperatur unter +10°C und ich stellte fest, dass diverse Bienen sehr nah am Flugloch erstarrten. Ich wunderte mich, warum sie nicht einfach reingeflogen waren. Deswegen stelle ich mir selbst folgende Frage:

    Haben es die Bienen nicht in die Beute geschafft, obwohl sie nur wenige Zentimeter davon entfernt waren, oder wussten die Bienen, dass sie eh dem Tod nah waren und deswegen lieber draußen blieben, um nicht im Stock zu sterben?

    Ich danke Euch für Eure einleuchtenden Kommentare.

    Viele Grüße vom

    Berlimker

  • Also die Grenztemperatur bei den Bienen liegt bei ungefähr 12 Grad Celsius. Unter dieser lauert bei Inaktivität der Kältetod, oberhalb dieser bleibt die gesunde Biene flugfähig. Erklärt ziemlich genau Deine Beobachtung.

  • In bestimmten Situationen verlassen die Bienen, die ihren nahenden Tod spüren, den Stock, um draußen zu sterben und dadurch die Kolonie nicht unnötig zu belasten. Da ich die erstarrten Bienen so nah am Flugloch vorfand, war ich mir unsicher, ob es an diesem Sozialverhalten zugunsten der Kolonie lag, oder ob sie einfach buchstäblich "kalt" erwischt wurden und zufällig sehr nah aneinander dicht an der Beute herumlagen.

  • Guten Mittag zusammen!


    In bestimmten Situationen verlassen die Bienen, die ihren nahenden Tod spüren, den Stock, um draußen zu sterben und dadurch die Kolonie nicht unnötig zu belasten.

    Richtig. Allerdings tun sie das meines (diesbezüglich zugegebenermaßen ausschließlich theoretischen) Wissens zufolge aber heraus fliegend oder mindestens noch krabbelnd. Letzteres sieht man sehr deutlich an verkrüppelten Jungbienen im Hoch- und Spätsommer, welche sich dann brutsatzweise aus dem Flugloch schleppen und dann draußen vor der Beute verenden.


    Da ich die erstarrten Bienen so nah am Flugloch vorfand, war ich mir unsicher, ob es an diesem Sozialverhalten zugunsten der Kolonie lag, oder ob sie einfach buchstäblich "kalt" erwischt wurden und zufällig sehr nah aneinander dicht an der Beute herumlagen.

    Ganz genau das. Ich behaupte, diese Bienen wurden im Wortsinne kalt erwischt bzw. waren so erschöpft und abgearbeitet, dass sie an den letzten paar Zentimetern vor dem wärmenden Bien gescheitert sind.

    Imker sollte nicht vergessen, dass die derzeit ausfliegenden Bienen zum absoluten Großteil um die ~6 Monate alt sind. Da kann dann jede noch so kleine Restanstrengung zu viel sein und lebensbeendende Wirkung haben.

    Das sie sich selbst dann noch zusammenraufen liegt offenbar im Naturell der Bienen.


    Schöne Grüße

    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo Patrick,

    vielen Dank für Deine super einleuchtende Erklärung. Diese Bienen scheinen wirklich rausgeflogen und zurückgeflogen zu sein und es trotzdem nicht in die Beute geschafft zu haben. Wie Du sehr gut erläutert hast, war der Grund hierfür nicht nur der Temperaturabfall, sondern auch die Erschöpfung der betroffenen Bienen, die seit so vielen Monaten u.a. mit der Wärmeerzeugung im Stock beschäftigt waren. Diese Erschöpfung führte dazu, dass sie bei der Rückkehr - nachdem sie beim Fliegen eine Menge ihrer Energiereserve verbraucht hatten - unter tieferer Temperatur auf den Boden fielen und die letzten Zentimeter nicht mehr geschafft haben.

    Schöne Grüße zurück

    Berlimker

  • Imker sollte nicht vergessen, dass die derzeit ausfliegenden Bienen zum absoluten Großteil um die ~6 Monate alt sind. Da kann dann jede noch so kleine Restanstrengung zu viel sein und lebensbeendende Wirkung haben.

    Da dürfte es ja keine Jungbienen erwischen und auch beim Reinigungsausflug bleiben viele auf der Strecke, besonders wenn sich die Bedingungen kurzfristig verschlechtern. Das zum Einen. Zum Anderen kann man beinahe alle dieser liegengebliebenen Bienen durch erwärmen wieder so fit machen, dass sie alleine und mit voller Power wieder in ihr Flugloch fliegen. Darunter sind auch viele mit großen Pollenhöschen, also Jungbienen! Im Frühjahr steht schon manches Mal bei mir ein mit Stoff abgedecktes Glas mit verklammten Bienen auf der Heizung. Die waren manchmal schon so "tot", dass sie nicht mal mehr stechen konnten und sind denoch restlos aus eigener Kraft ins Flugloch gekommen.

  • Wie Du sehr gut erläutert hast, war der Grund hierfür nicht nur der Temperaturabfall, sondern auch die Erschöpfung der betroffenen Bienen, die seit so vielen Monaten u.a. mit der Wärmeerzeugung im Stock beschäftigt waren.

    Scheint eine logische Schlussfolgerung, diese wurde aber leider auf einem unrichtigem Faktum aufgebaut und ist daher falsch. Überprüfe das bitte selbst, indem Du zeitnah diese Bienen aufsammelst, erwärmst (unbedingt auf Luftzufuhr achten, sonst ersticken sie!) und zurück fliegen lässt.

    Diese Erschöpfung führte dazu, dass sie bei der Rückkehr - nachdem sie beim Fliegen eine Menge ihrer Energiereserve verbraucht hatten - unter tieferer Temperatur auf den Boden fielen und die letzten Zentimeter nicht mehr geschafft haben.

    Ein optimal warmer Flugmuskel kann optimal arbeiten und hat auch noch Reserve, wenn die Biene mal zum Verschnaufen ne Pause machen muss wie jedes Lasttier.:)

    Manchmal eben erst kurz vorm Flugloch, besonders wenn der erste Anflug schief gegangen ist. Dann reicht nach ein paar Atembewegungen die Restwärme zum Neustart meist nicht mehr aus, vor allem bei noch Jungbienen mit wenig Erfahrung.

    Tiefe Temperaturen über Stunden oder gar Frost töten diese Bienen natürlich dauerhaft. Einfach mal "verklammte Bienen" oder Kältestarre bei Honigbienen googeln.

    Einmal editiert, zuletzt von 28052021 ()

  • Hallo Berlimker,

    kann das von Schillbee bestätigen.


    Hatte am Freitag vor einer meiner Beuten eine "tote" Biene mit blauen Pollenhösschen aufgehoben, eigentlich nur wegen der Pollenfarbe....... Sie lag schon seitlich zusammengekrümmt, so wie andere Tote vor der Beute. Nicht die Einzige.

    Ich legte sie kurz aufs Fensterbrett ( zufällig Sonne drauf,warm) um mir ausm Haus meine "Pollenfarbentabelle" zu holen.

    Zu meiner großen Verwunderung musste ich feststellen, sie regte sich ein gaaaaanz wenig.

    Also in die Handfläche gelegt, in die Sonne gehalten und beobachtet:

    Erst die Fühler bewegt, Fühler geputzt, Beine bewegt, Kopf geputzt, Zunge geputzt, langsames krabbeln und nach ca. 4 Minuten Abflug in die Beute !

    Ich war baff, die war für mich augenscheinlich tot?!

    Zum Glück nicht und ich probierte es bei noch anderen "Totgemeinten".

    Die Meisten hatten Pollenhösschen, also offensichtlich auf dem RÜCKFLUG, nicht ins Flugloch geschafft und am kalten Boden bis zur Starre erschöpft.

    Fazit: Ist ein gefährlicher "Ritt" für die Ladys bei Temperaturen um ca.10-15 °C.

    Es lohnt sich, ein bisschen Wärme zu spenden 😁

    LG

    Martin

  • Vielen Dank, Schillbee und Martin, für Eure Erkenntnisse! :):thumbup:

    So wie es aussieht und Ihr es auch beschreibt, gehen die Bienen ein großes Risiko ein, indem sie nah an der tiefsten Flugtemperatur (nämlich 12°C) rausfliegen. So kann es vorkommen, dass die Temperatur während des Flugs zurück zur Beute auf ein gefährliches Niveau sinkt. Wegen der durch die Flügelmuskeln produzierten Wärme schaffen es die Bienen zwar bis zur Beute, aber sobald sie auf dem Flugbrett oder daneben landen, werden die Flügelmuskeln nicht mehr betätigt. Dadurch bleibt die durch sie produzierte Wärme aus und die Bienen verklammen.

    Ich werde sie das nächste Mal am Ende des Tages einsammeln und wieder aufwärmen ;)

  • Das so absolut darzustellen ist meiner Meinung nach Quatsch. Meine fliegen derzeit so wie heute bei 6°C los, werden etwas von der Sonne vielleich 9 bis 10°C erwärmt.

    Da sehe ich bei 12°C gar kein Problem auch nicht bei Schatten. Und Muskelbewegung erwärmt auch noch.

    Wenn der Boden kalt ist, ok geb ich dir Recht, aber nicht bei 12°C im Schatten. Bei den Temperaturen plus Sonnenschein rappelt es in und vor der Kiste mit akuter Staugefahr am Flugloch.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Ich bin da ganz bei Bernd. Ab 6 Grad wird vereinzelnd geflogen. Ab 8 Grad schauen alle meine Völker vor die Tür und ab 10 Grad wird normal geflogen. 12 Grad als Mindesttemperatur halte ich für nicht korrekt.


    Viele Grüße

    Ron

  • Hallo Bernd,

    die Außentemperatur lag knapp über 10°C, als die Bienen rausflogen, aber darunter, als sie zurückkamen. Zumindest im Schatten, wo die Beute steht. Und der Boden besteht aus Kieselsteinen. Deswegen war´s wirklich zu kalt für sie.

  • Klingt für mich so, als ob sie knapp über der Temperaturgrenze heraus geflogen sind, und knapp unter der Temperaturgrenze (bei der die Bienen erstarren) wieder heim kamen.

    Freier Imker

    Ohne DIB oder Verein

    Nicht vorbelastet

    Offen für alle Anregungen

  • Heute haben wir nur 5,5 °C und ab und zu Sonne, die Bienen holen Wasser, an der Flugintensität ist erkennbar wieviel Brut gepflegt gepflegt wird. Wer jetzt nicht fliegt, hat keine Brut und wohl keine Königin. Habe einen Verdächtigen. Verklagte Bienen nicht zu sehen, da nur Wasser geholt wird. VG