"Schwierige" Kundschaft

  • Hallo liebe Imker,


    ich hab da mal ein Problem...ich hatte gestern in unserem kleinen, feinen Verkaufsraum einen etwas unangenehmen Besuch. Vor einigen Wochen hatte mich ein interessierter Kunde telefonisch kontaktiert, ob er bei uns Honig kaufen kann. Klar, logisch. Der junge Mann war sehr nett, und hat direkt gefragt, ob er bei uns bspw. auch 100kg Honig kaufen kann. Das hat mich erstmal etwas verwundert. Auf meine Frage, was er denn damit vor hat: er verkauft den Honig in Albanien (er selbst ist Albaner). Man ist ja immer offen für alles, und ich habe ihm mitgeteilt, daß er sich gerne dieses Jahr nach der ersten Schleuderung melden kann, dann kann ich ihm sagen, wie viel wir geerntet haben etc. und was man machen kann.


    Seither hat mich die Familie des jungen Manns viermal "besucht". Jedesmal wurde Honig in eher untypischen Mengen gekauft (zehn Gläser plus, und das ca. alle 14 Tage). Soweit so gut. Alles sehr freundlich, auf die Frage, wofür man so viel Honig braucht: "wir schicken den nach Albanien".


    Gestern besucht mich dann ein weiteres Mitglied dieser Familie - zusammen mit drei weiteren Personen - die - wie soll ich es vorsichtig sagen: ich allesamt nicht zum Geburtstag einladen würde. Ich hab just letztes Wochenende angefangen, die letzten Eimer Honig aus 2019 abzufüllen. Der Mann machte mir sehr "eindringlich" klar, daß er jetzt hier allen Honig mitnimmt, und er gibt mir 5 EUR je Glas. Da wurde schon angefangen, vom Abfülltisch (der in unserem Verkaufsraum steht) die unetikettierten Gläser einzupacken. Ich hab ihn darauf hingewiesen, dass der Honig 5,50 EUR kostet, daß ich keine unetikettierten Gläser (DIB Glas) rausgeben darf, und das ich ihm auch nicht den kompletten Honig, den wir noch haben, verkaufen werde, da wir Stammkundschaft haben, die auch was wollen.


    Er hat daraufhin verlangt, daß ich die Gläser jetzt sofort etikettiere, da er diese nur mit dem deutschen Etikett in Albanien hochpreisig verkaufen kann. Das habe ich abgelehnt. Er hat mir daraufhin wortlos den exakten Betrag für die Gläser, die sie eingepackt haben (zum Glück hab ich tatsächlich noch einen Eimer Honig im Keller für die Stammkundschaft) aus einem großen Geldbündel rausgezählt und in die Hand gedrückt (aber halt "nur" 5 EUR je Glas) und die vier Personen sind verschwunden. Letzte Worte: "ich komme dann wieder, wenn neuer Honig da".


    Das Ganze ging so schnell, war so aufgeheizt und ich - da bin ich jetzt ehrlich - so eingeschüchtert, dass ich ziemlich fertig war. Ich weiß, daß es nach nem billigen Roman oder schlechten Film klingt...aber hat jemand hier sowas schonmal erlebt?


    Ich hab jetzt erstmal auf unserer Website und in Google die Imkerei offiziell geschlossen. Zum Einordnen: ich hab aktuell 17 Bienenvölker, also alles absolute Liebhaberei.


    Wird unser Honig im Ausland so teuer verkauft, daß solche "Eskapaden" Sinn machen?

  • Gibt nix, was es nicht gibt. Solange die Leute zahlen, verkauf ich allen Honig. Wenn nicht, dann nicht. Ob Albaner, Klingone oder Lieschen Müller ist mir dabei egal.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Es geht doch gar nicht um die Herkunft des Käufers.


    Aber ich frag mich halt, ob unser Honig tatsächlich so hochpreisig in anderen Ländern ist, daß quasi Gewalt angedroht wird, wenn man jemandem Gläser nicht verkaufen möchte, weil man noch was für die eigene Stammkundschaft haben möchte. Ich mach ja das gleiche mit meiner Stammkundschaft. Da wollte auch jemand vor Weihnachten zwanzig Gläser für Weihnachtsgeschenke. Ich hab ihm zehn gegeben, damit ich für die anderen auch noch was habe, da ich ja nicht so viel Honig im Keller hab. Der hat das verstanden.

  • Habe ein gutes Verhältnis zu unseren Kurden im Ort die Döner verkaufen. Man sagte mir der Gebirgshonig aus Anatolien wäre so gut, das er in Istambul für 60 Euro das Kilo verkauft wird. Ich sagte ihm solchen habe ich auch und schenkte ihm 150g Scheibenhonig. Auf die versprochene Vergleichskostprobe aus Anatolien warte ich immer noch. Es gibt auch auf dem Balkan Leute die unglaublich reich sind, die zahlen möglicherweise viel mehr als 10€ fürs Kilo wenn er aus Deutschland kommt und umetticketirt als Maluka sicher noch mehr😜. VG

  • Dass Honig in Deutschland viel zu billig verkauft, aber auch gekauft wird, ist ein alter Hut, der Discounter-Mentalität sei Dank.


    Dennoch ist das vom TO beschriebene Kundenverhalten eines, das ich niemals nicht akzeptieren würde. Schon allein, weil es voraussichtlich erst der Anfang wäre, daher wehre den Anfängen!

    Honig kann ich auch so verkaufen, einschüchtern lassen muss ich mich dazu nicht. Mein Imkerdasein soll ja auch Spaß machen.


    4:1 ist natürlich ein ungünstiges Verhältnis und wenn tatsächlich ernsthafte Drohungen im Raum waren, pfeife ich auf solche Kunden und würde wenigstens hinterher die Sache offensiv-juristisch klarstellen und diese Leute natürlich auch nicht mehr bedienen.


    Mir ist allerdings auch schon aufgefallen, dass immer öfter Leute (junge, gebrochen deutsch sprechende Männer) an den Verkaufsstellen auftauchen, die reichlich grob und ruppig viel Honig günstig kaufen wollen. Ist wohl etwas, woran wir uns gewöhnen müssen.

    Ich bin dafür aber schon zu alt, nenne meinen Preis und dann ist entweder Ruhe oder sie werden von mir zum Aldi geschickt, weil da kiregen sie zwar nur einen DIB-Honig, aber der ist dann wenigstens spotbillig! ;-)

  • Prinzipiell würde ich sagen, dass 5 € ok sind.

    Das Vorgehen deiner "Kundschaft" geht so aber nicht!

    Ich würde mal vorsichtig bei der Polizei anfragen. Schließlich hat er dir weniger bezahlt als er hätte bezahlen müssen.

    Ggf. gibt es auch bei euch in der Gegend schon gehäuft solche Fälle...?

    Ich bilde mir ein, im Jurastudium (aber nicht abgeschlossen :-)) mal was vom Hausrecht gehört zu haben. Parallel dazu ist mir auch noch was von AGG im Ohr.

    Aber alles ohne Gewähr :-)

    Freier Imker

    Ohne DIB oder Verein

    Nicht vorbelastet

    Offen für alle Anregungen

  • Ich würde als erstes gut sichtbar eine Kamera anbringen. Alles theoretische Hausrecht der Welt nutzt bei solchen Bandenaktionen nichts. Und dann als nächstes den Honigpreis raufsetzen. Für diese Gegend sind 5,50 Euro eh zu billig.

    Hoffentlich ein wieder normales IFT am 11-13.3.2022 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda.

    Einmal editiert, zuletzt von Kikibee ()

  • Mir kam grade neulich die Frage in den Sinn, ob die größeren und bekannteren Verkäufer von euch schon Angebote bekommen haben, gegen einen kleinen Obulus Unheil von Bienen und Verkaufsräumen ferngehalten zu bekommen, ähnlich wie es z.B. in der Gastronomie ja durchaus häufig vorkommt.

  • Ich bilde mir ein, im Jurastudium (aber nicht abgeschlossen :-)) mal was vom Hausrecht gehört zu haben. Parallel dazu ist mir auch noch was von AGG im Ohr.

    Aber alles ohne Gewähr :-)

    Daß ich da das Hausrecht habe ist mir klar. In einer solchen Situation ist die Durchsetzung aber etwas mit großen Hürden verbunden, möchte man das Gesundheitssystem nicht noch weiter überlasten :/