Beutendeckel

  • Naja, der Vergleich hinkt.

    SD-Wert Glas?

    Ja, sicherlich. Eine Glasscheibe ist dampfdicht. Aber die Problematik mit dem Taupunkt kann man da natürlich auch beobachten.

    Auch die vorhergehenden Milchmädchenrechnungen mit der wärmeren Oberfläche oder dem T-Shirt im Winter waren schon Nonsens.

    Ohne Dampfsperre kondensiert die warme Luft am Taupunkt. Liegt dieser nicht auf der Oberfläche (aussen) der Dämmung so wird diese nass. Die Hinterlüftung gleicht das wieder aus.

  • Das ist ja richtig Jörg, ich find Theorie und Berechnung auch wirklich wichtig.

    Und erste Grundregel im Feuchteschutz: im Zweifel innen dichter als außen. Deswegen kann bei fehlender innerer Folie (=Dampfbremse) außen der Blechdeckel nicht auf der Dämmung aufliegen.


    Aber hier ist's doch so einfach:

    Kondenswasser, feuchtes Material = Problem.

    Alles trocken = weitermachen.


    Die 22mm Weichfaser bleibt bei mir trocken.

  • M.E. müssen wir zwei Fragestellungen unterscheiden.


    Legen wir mehr Wert auf Wärmedämmung oder auf die Abführung überschüssiger Feuchtigkeit? Reden wir von Sommer oder Winter? (Gleich vorweg: Man könnte auch einfach besser lüften...)


    Ich gehe (ohne Berücksichtigung der Lüftungsoption) mal vom Winter aus:


    In der Beute ist es immer wärmer als draußen, auch wenn die Bienen hauptsächlich die Wintertraube beheizen und diese nach isolieren. Solange ich orangefarbene Bilder mit einer Wärmebildkamera machen kann, heißt das, dass Wärme abgestrahlt wird. Diese Wärme beheizt die Luft in der Beute. Die Beute hält diese Luft beisammen (je nach offenem Boden und Wind) und verlangsamt die Wärmeabgabe nach draußen an die kältere Umgebung durch die isolierende Wirkung des Beutenmaterials. Für die Wärmedämmung ohne Berücksichtigung der Feuchtigkeit gilt, dass diese umso besser ist, je dicker und besser das Dämmaterial. Bis dahin ist es einfach.


    Wenn es nicht gerade regnet und vor allem, wenn die Bienen in Brut sind und aufgrund des heftigen Stoffwechsels enorm viel Wasserdampf produzieren, ist die absolute Luftfeuchtigkeit innen hoch und oft größer als draußen. Das stört niemanden, solange die relative Luftfeuchtigkeit überall unter 100% liegt und daher nirgends Wassertropfen kondensieren. Leider ist das aber nicht immer der Fall.


    Zum einen können die Bienen mehr Wasserdampf produzieren, als über Belüftung oder Diffusion aus der Beute abziehen kann. Zum anderen können schlechter gewärmte, gelüftete oder isolierte Ecken der Beute lokal die Luftfeuchtigkeit auf über 100% ansteigen lassen, so dass dort Wasser kondensiert. Auch bis hierher ist es noch einfach.


    Für die weitere Betrachtung muss man unterscheiden, ob sich auf der Innenseite eine Dampfsperre (Folie, ggf. auch wasserdichte Propolisierung etc) befindet oder nicht.


    Habe ich eine solche Dampfsperre und möchte verhindern, dass an der Innenseite Wasser kondensiert und innen runtertropft, dann muss ich die Dämmung dick gestalten, so dass die Wärme in der Beute bleibt und die relative Luftfeuchtigkeit nicht kritisch ansteigt.


    Habe ich keine Dampfsperre, dann diffundiert die Feuchtigkeit in das Dämmmaterial. Im Sommer ist das kein Thema, weil es auch draußen so warm und lufttrocken ist, dass diese Feuchtigkeit gleich weiter abtransportiert wird. Im Winter wird die feuchte Luft auf ihrem Weg von innen nach außen abkühlen und irgendwo/irgendwann kondensieren, nämlich dann, wenn sie für die jeweilige Temperatur zu viel Feuchtigkeit enthält. Die Frage ist, wo das passiert.


    Eine gute/dicke Dämmschicht führt dazu, dass wenig Wärme nach draußen gelangt, also ist die Temperaturdifferenz von innen nach außen besonders groß. D.h. innen enthält die in diesem Fall wärmere Luft besonders viel Wasser, bevor sie kondensiert. Die Außenseite der Beute dagegen ist besonders kalt, weil kaum Wärme durchkommt, und die Luft dort kann viel weniger Wasser halten als die in der Beute. Ist die Luft in/auf/an der Außenseite der Beute zu kalt, kondensiert das viele Wasser auf dem Weg nach außen. Ggf auch im Dämmmaterial, das dann erst mal wieder trocknen muss.


    Eine schlechte/dünne Dämmung führt dazu, dass viel Wärme von innen nach außen gelangt, so dass die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen kleiner wird. Zum einen bleibt es innen schon gar nicht so warm und zum anderen führt die Ableitung der Wärme nach außen zu einer wärmeren Außen-Oberfläche der Beuten. Auch enthält die kühlere Luft, die in der Beute in die Dämmung diffundiert, ggf. schon gar nicht dieselbe absolute Luftfeuchtigkeit (es könnte aber sein, dass die überflüssige Feuchtigkeit schon in der Beute kondensiert). Auf dem Weg nach draußen wird diese Luft nicht so stark abgekühlt wie im gut gedämmten Fall (weil von vornherein innen nicht so warm, aber dafür auf der Außenseite der Beute relativ wärmer als gut gedämmt), so dass die Feuchtigkeit noch als Dampf bis nach draußen gelangt, bevor sie von der kalten Umgebungsluft restabgekühlt wird und bei trockenem Wetter gleich vom Wind wegtransportiert wird.

    Fazit: Das Dämmmaterial bleibt ggf. trockener, wenn nicht schon innen das Wasser runterläuft , aber es wärmedämmt auch nicht so gut.


    Ein weiterer Aspekt:

    Die Dämmwirkung beruht auf der schlechteren Wärmeleitung der eingeschlossenen Luft, je nasser das Material, desto besser die Wärmeleitung und desto größer der Wärmeverlust.


    Was mir fehlt, sind Werte zur Diffusionsrate von Wasserdampf in Holzdämmstoffen bei kalten Temperaturen. Ehrlich gesagt glaube ich, dass dieser Effekt durch Weiterleitung von Wasserdampf im Winter eine sehr geringe Rolle spielt, wobei das auch deutlich vom Wind abhängen dürfte. Wenn allerdings das Wasser innen am diffusionsoffenen Dämmstoffdeckel kondensiert, dann wird es durch Kapillarkräfte hineingezogen, was in einem nassen Deckel resultiert, der schlechter isoliert und beim Trocknen abkühlt.


    Für mich, die ich in erster Linien Wert auf Wärmedämmung lege, heißt das, dass ich in der kalten Jahreszeit innen eine Dampfsperre anbringe (=Folie) und ansonsten schaue, dass ich eine ausreichende Belüftung einrichte, die die Luftfeuchtigkeit in der Beute gar nicht erst so hoch ansteigen lässt, dass ich ein eklatantes Feuchtigkeitsproblem habe.


    Habe fertig.

    Kikibee

    Erfinderin des Eimerkragens.

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  • Ich find den Deckel super. Auf der anderen Seite vom Teich mit höherer Luftfeuchtigkeit machen die sich darüber schon länger Gedanken. Ich hab dazu viel gelesen auch was verschiedene Dämmstoffe angeht. Aus eigenen Beobachtungen ist den Bienen aber mehr geholfen wenn sie in großen starken Völkern geführt werden. Bei denen hab ich noch nie Schimmel beobachten können.

    Der Beste Tipp den ich bisher gelesen habe ist einfach nach der Auffütterung Sägespäne oder Kleintierstreu in den Fütterer zu kippen und darauf einen hinterlüfteten Deckel. durch den Aufstieg kann die Luftfeuchte entweichen. Sägespäne dämmen gut und sind diffusionsoffen. Der Hinterlüftete Deckel trocknet dann das Kondenswasser aus der obersten Schicht. Die Hinterlüftung kann ganz einfach erreicht werden indem man an den Ecken jeweils 5mm Sperrholzstreifen zwischen Fütterer und Innendeckel legt. Darauf dann ganz normal den Blechdeckel. So muß man nichts anschaffen und kann es einfach mal ausprobieren. Für Kunststoffkästen müsste man dann eben einen Lüftungsaddapter bauen, wobei die Segeberger das Kondenswasser optimal ableiten nur leider ohne Hinterlüftung.

  • Das ist eine gute und schon öfter praktiziert Möglichkeit.

    Siehe Warre‘-Beute.

    Auf meinen Beuten war noch nie etwas anderes drauf. 150mm hoch aufgeschüttet geht im Winter wie im Sommer. Älteste Füllung ohne auszuwechseln ist aktuell am Beginn der 6 Saison.

    Nässe, Schimmel? Nein.

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?