Beutendeckel

  • Moin zusammen,

    ich will euch ja nicht den Spaß nehmen, aber vielleicht erwartet ihr etwas viel von so einem simplen Deckel.

    Dieser Wunsch nach einer möglichst "schimmelfreien" Beute sehr löblich. Und diffusionsoffen ist auch immer gut.

    Aber versucht euch doch mal die realen Gegebenheiten genau anzuschauen:

    - hohe natürliche Luftfeuchtigkeit in der Beute -> kein Vergleich mit den 40% in unseren Wohnungen,

    - sehr starkes Temperaturgefälle auf engstem Raum -> 35...37° -> 0° aktuell -> Taupunkt direkt in der Weichfaserplatte -> kaum eine Chance, auch mit zuerst trockenem Material, den Taupunkt auf die Aussenfläche zu verlagern -> Dämmung ohne Folie wird immer feucht! (Brut +kalte Aussentemp.)


    Mein Fazit:

    - Ich würde die Weichfaserplatte nicht ohne Innendeckel (Sperrholz) oder Folie auflegen.

    - Hinterlüftung der Blechdeckel (o.ä.).

    - Für eine optimale Dämmung wäre eine dickere Weichfaserplatte besser! Taupunkt liegt dann auf der Oberfläche...

    - Schimmel in Beuten kann auch mit einer "diffusionsoffenen" Deckelkonstruktion auftreten. Es gibt m.E. eher einen Zusammenhang mit der Volksgröße vs. Kistengröße.

    - Auf die Honigtrocknung hat die Deckelkonstruktion (in den hier diskutierten Varianten) keinen signifikanten Einfluss! Auch hier sind m.E. Trachtverlauf, Volksgröße, HR-Anzahl, Gitterboden, Deckelflugloch... viel ausschlaggebender!


    Gruß Jörg

  • Man kann das ja nach Bedarf variieren.

    Ich habe über den Waben zeitweise eine Folie, darauf DWD Agepan, im Winter darüber eine Schaumstoff-Isolation und darüber eine lose aufliegende Siebdruckplatte.


    Wenn HR drauf sind, verwende ich keine Folie. Erstens kitten sie mir zu dieser Zeit den Deckel sowieso nicht fest, zweitens nutze ich während der Tracht wirklich gerne alles, was zur Feuchteregulierung beiträgt, drittens muss der Deckel dann nicht wärmen und viertens nervt die Folie bei den Durchsichten.


    Ab dem Einfüttern kommt die Folie dann drauf. So kitten sie mir den Deckel nicht fest, die Futtertaschen lassen sich gut befüllen, indem man nur ein Stück umschlägt, der Deckel bleibt trocken und wird nicht durch Verdunstung noch kälter und die wenigen ggf. unter der Folie gebildeten Kondenswassertropfen dienen den Bienen als Tränke.


    Ganz undogmatisch

    Kikibee

    Nächstes Imkerforumstreffen am 26-28.3.2021 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda!

  • Bei mir fand eine Maus im Dezember die im Innendeckel von oben erreichbare Dämmplatte zerlegenswert attraktiv. Deswegen habe ich nach Reinigung ein ASG oben drauf gelegt.
    Die Filz/Putzwolle vom Weber finden Mäuse überall gut, die muß hinter Gitter.

  • Für eine optimale Dämmung wäre eine dickere Weichfaserplatte besser! Taupunkt liegt dann auf der Oberfläche...

    Hallo Jörg,

    hier hast Du imho einen Denkfehler. Wenn die Dämmung dünn ist, bleibt die äußere Oberflächentemperatur so warm, dass nichts kondensiert. In der dickeren Dämmung liegt der Taupunkt innerhalb der Platte.


    Anmerken wollte ich noch, dass nahezu jede Fassadendämmung so funktioniert. In der Styroporschicht sammelt sich im Winterhalbjahr Wasser, welches im Sommer wieder raus diffundieren muss. Meist funktioniert das auch. Bei schattigen Nordfassaden auch mal nicht. Diese Dämmungen werden dann jedes Jahr ein wenig feuchter. Merkt aber kaum jemand. Die Heizkostenrechnung wird allenfalls ein zwei Jahre mit dem Vorher verglichen und man ist zufrieden.


    Eine Holzfaserplatte hat eine wesentlich höhere Wärmespeicherkapazität, was oft nicht bedacht wird. Dadurch ergibt sich in der Dämmung eine Tag-Nacht-Phasenverschiebung, was die Fassade abends länger warm hält, auch im Winter, ein wesentlicher Vorteil ggü. Polystyrol.


    Zurück zum Thema:

    Meine Einschätzung ist, dass die entstehende Feuchtigkeit in der Platte akzeptabel ist, muss eben durch ausreichende Lüftung im Sommer wieder trocknen. Ich denke das sollte funktionieren, gute Hinterlüftung vorausgesetzt, ist ja kein Putz drauf, wie beim Haus.


    Grüße lukas

  • Für eine optimale Dämmung wäre eine dickere Weichfaserplatte besser! Taupunkt liegt dann auf der Oberfläche...

    Hallo Jörg,

    hier hast Du imho einen Denkfehler. Wenn die Dämmung dünn ist, bleibt die äußere Oberflächentemperatur so warm, dass nichts kondensiert. In der dickeren Dämmung liegt der Taupunkt innerhalb der Platte.


    Und wie kommst du zu dieser Schlussfolgerung?

  • Ich denke, die Ergebnisse einer knappen theoretischen Taupunktberechnung (Die immer gut ist) werden hier überlagert von anderen Faktoren. So reicht schon eine milde Wintersonne auf den Deckel aus, um diese aufzuwärmen und so über die Belüftung die Dämmung zu trocknen.

    Aber anders als z.b. bei den chemischen Zerfallsprozessen von Oxalsäure kann das alles ja wirklich einfach empirisch überprüft werden: Wenn, besonders in dieser Jahreszeit, die Beute trocken und schimmelfrei Ist, dann funktioniert es wohl. Sichtbares Kondenswasser geht für mich gar nicht. Ein gutes Holzfeuchtemessgerät gibt sogar Quantifizierbares.

    Und wenn die Lösung dann noch schlicht Ist, dann ist doch gut. Mir sind diese Innendeckelkonstruktionen zu kompliziert, und bei Langstroth ist der beespace oben, so dass die Dämmung einfach aufgelegt werden kann.

    Ein Verzicht auf eine innere Dampfbremse sorgt für Feuchtetransport nach außen. Wasser, das ich weder im Beutenmaterial noch im Honig haben möchte.

    Im direkten Vergleich fand ich das Ergebnis beeindruckend.

  • Nur, einen Spanngurt würde ich nicht drum zurren wollen.

    Nee, das macht man ja auch nicht Blechdeckel.


    Kurz OT zum Wandern:

    Deckel runter, Dämmplatte runter.

    Dann Bienenfluchtrahmen aufs Propolisgitter und Gurt rum.

    Gibt zusammen mit dem offenen Gitterboden ordentlich Lüftung, und notfalls kann man durch die Bienenflucht noch etwas Wasser eingießen...


    Darf man sowas heutzutage noch? :liebe002:

    Wo schon Händeschütteln...:/

  • llo Jörg,

    hier hast Du imho einen Denkfehler. Wenn die Dämmung dünn ist, bleibt die äußere Oberflächentemperatur so warm, dass nichts kondensiert. In der dickeren Dämmung liegt der Taupunkt innerhalb der Platte.


    Und wie kommst du zu dieser Schlussfolgerung?

    Ich habe in meiner Ausbildung auch Bauphysik gelernt, also die Grundlagen. Dazu gehört auch Taupunktberechnung. Ist lange her, aber die Grundprinzipien weiß ich noch.

  • Und das bedeutet dann, dass eine dünne Dämmung trocken bleibt und die dicke feucht wird?8)

  • Wenn ich im Winter im dünnen T-Shirt draußen Sport mache, dann ist das hinterher trockener als ein dicker Pullover. Ob ICH jetzt so ganz dünn (wenn auch trocken) bei windigen Minusgraden als angenehmer empfände, ist nochmal eine andere Frage.

    Nächstes Imkerforumstreffen am 26-28.3.2021 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda!

  • Dafür ist dann unterhalb der dünnen, innen trockenen Platte eine Tropfsteinhöhle. Ganz ohne Studium lässt sich das schon ganz deutlich an einer innen beschlagenen Fensterscheibe beobachten.


    Gruss

    Ulrich