Bin ich zu gierig?

  • danke für die Scheuklappen.


    Man kann immer Extreme wie die Textilbranche mit Billigproduktion in Bangladesh (Minikosten) und Absatz in reichen Industrieländern (in Relation dazu Maxiverkaufspreise) finden, sicherlich aber auch die vom anderen Ende mit Minimargen.

    Im Einzelhandel schwanken die Werte der Handesmargen offensichtlich grob zwischen 50% und 20%. Diese Werte sind ihrerseits aber nur Mittellwerte des jeweiligen Produktportfolios. Es gibt also auch in einer Sparte, die eine z.B. 35%-Handelsmarge erzielt Produkte, die deutlich niedriger, oder auch deutlich höher liegen.


    Hier geht es aber doch um Honig.
    Der ist gefragt, vor allem regional und bio und wenn er das bestehende Portfolio attraktiv aufwerten kann. Um den zu erhalten, sind solche Händler also bereit, auf Marge zu verzichten, was nichts anderes bedeutet, als das wir Imker eine gute Position haben können (je nach Händler).


    Und da mag es interessant sein, was die Händlerseite so denkt, wirklich wichtig für uns und z.B. den TO-Fragesteller ist aber doch, was beim Honig tatsächlich geht.

    DAS war seine Frage und die wurde zwischenzeitlich doch wohl auch von anderen dergestalt beantwortet, dass man als Durchschnittsimker nicht gleich von sich aus den armen Händlern zuliebe mit Abschlägen > 30% an die Händlerseite herantreten sollte, will man sich nicht über's Ohr hauen lassen.


    Nach meinem Verständnis sollte man in einem Imkerforum doch vor allem versuchen herauszufinden, wie das Maximum beim Honigverkauf erzielt werden kann und wo es liegen könnte, statt von sich aus möglichst hohen Handelsmargen der Wiederverkäufer das Wort zu reden.

    Aber klar, ich habe nicht daran gedacht, dass die meisten hier wohl nur nebenbei Imker sind. Wer im Hauptberuf im Einzelhandel seine Brötchen verdient, wird selbstverständlich auch in einem Imkerforum trotzdem eher seine Hauptinteressen vertreten wollen.

    Und ja, ich bin so naiv zu denken, dass das meiste Geld da bleiben sollte, wo die höchste Arbeitsleistung dafür erbracht wird, also beim Produzenten. Dass geht nicht immer, siehe Milch, Textilien... aber da wo es noch geht, wie beim regionalen, deutschen Honig von kleineren Imkereien, da sollte man nach meinem Verständnis nach Kräften zusammenarbeiten, um diese Situation zu behalten.

  • Ein kleines Gegenbeispiel, dass ich erlebt habe:

    Ich war in einem Rewe, der von einem Kaufmann betrieben wird. Der Kaufmann legt viel Wert auf Regionalität. Im Regional Regal stand der Honig von einem sehr großen regionalen Imker. Zu einem Preis, der niedriger war, wie der ostdeutsche Honig im DIB Glas. (Die Namen und Preise nennen ich jetzt explizit nicht)

    Ich fragte den Kaufmann: was stimmt denn mit diesem regionalen Honig nicht:

    Kaufmann: Der Honig ist spitze und verkauft sich gut.

    Ich: warum ist der denn so billig?

    Kaufmann: Die Spanne passt. Ich verdiene genug daran.

    Ich: dann solltest du dem Imker einen besseren Preis zahlen.

    Kaufmann: Ich zahle den was er will. Und der will nicht mehr.


    Mein Fazit:

    Gute Imker (und Landwirte) sind oft nicht die besten Kaufleute.



    (Ich bin von Berufswegen kaufmännisch versaut worden😊)

  • Aber klar, ich habe nicht daran gedacht, dass die meisten hier wohl nur nebenbei Imker sind. Wer im Hauptberuf im Einzelhandel seine Brötchen verdient, wird selbstverständlich auch in einem Imkerforum trotzdem eher seine Hauptinteressen vertreten wollen.

    Warum sollte jemand das tun? Davon hat er ja nichts. Ich finde es im Gegenteil wertvoll und spannend, auch die Ansichten der "Gegenseite" zu hören und so nicht nur eine Perspektive zu haben. Davon lebt ein Forum und das relativiert auch manche Ansichten.


    Nichtsdestotrotz stimme ich dir natürlich zu, dass es hier ein Imkerforum ist und Ziel des Threads sein sollte, den maximalen Nutzen für Imker zu erzielen.

  • Gierig?


    Gier und ihrer Befriedigung sind letztlich reziprok, auf gut Deutsch: Je mehr man zu bekommen begehrt, desto weniger bekommt man letztlich.


    Deshalb ist die Gier als solche nichts ehrenrühriges, solang der Markt halbwegs ausgeglichen ist, ansonsten läge Wuchern und Mißbrauch einer Vormachtsstellung vor. Bei Honig ist das sicher nicht der Fall.


    Man kann demnach gierig sein und einen Maximalpreis wenigstens zu erzielen vermuten, sollte sich aber immer vor Augen halten, daß man letztlich nur den Verkaufspreis zu erzielen imstande ist, den ein Kunde, der manchmal auch erst noch gefunden werden muß, zu bezahlen bereit ist.


    So banal das ist, so habe ich doch oft das Gefühl, daß das nicht allen Verkäufern bewußt ist. Das Premiumsegment ist nämlich arg limitiert (i.d.R. deutlich kleiner als das Volumensegment) und setzt andere Konkurrenten deutlich überragende Qualität voraus, die man mit Honig nur schwer erreichen bzw. anbieten kann!


    Um bei der Imkerei zu bleiben: Teures Hobby, die Amortisation liegt in weiter Ferne, die viele Arbeit wird letztlich für immer unhonoriert bleiben, aber das grämt mich nicht...

  • Je mehr man zu bekommen begehrt, desto weniger bekommt man letztlich.

    Der Spruch taugt allenfalls für's Poesiealbum (und entbehrt im Übrigen jeder Logik).

    Wer zu wenig verlangt, wird zu wenig bekommen. Die schlechteste Antwort auf das, was man verlangt, ist ein "Ja". Man kann sich dann niemals sicher sein, ob man nicht mehr bekommen hätte.

    Also: Hoch Pokern! Mit dem Preis runtergehen kann man immer noch. Preise steigern ist viel schwieriger, wann man zu tief eingestiegen ist.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Je mehr man zu bekommen begehrt, desto weniger bekommt man letztlich.

    Der Spruch taugt allenfalls für's Poesiealbum (und entbehrt im Übrigen jeder Logik).

    Wer zu wenig verlangt, wird zu wenig bekommen. Die schlechteste Antwort auf das, was man verlangt, ist ein "Ja". Man kann sich dann niemals sicher sein, ob man nicht mehr bekommen hätte.

    Also: Hoch Pokern! Mit dem Preis runtergehen kann man immer noch. Preise steigern ist viel schwieriger, wann man zu tief eingestiegen ist.

    Da würde ich den "Gefällt mir" Butten doppelt klicken, wenn es denn ginge.

    Es gibt keine Probleme, es gibt nur Aufgaben.

  • Je mehr man zu bekommen begehrt, desto weniger bekommt man letztlich.

    Der Spruch taugt allenfalls für's Poesiealbum (und entbehrt im Übrigen jeder Logik).

    Wer zu wenig verlangt, wird zu wenig bekommen.

    Wohlan! Dann rege ich an, um die Sache zu verdeutlichen, für ein Glas Honig beispielsweise mehrere Dutzend Euro zu verlangen. Das wird den Ertrag und Gewinn sicher ungemein steigern.