Private Besamungsstellen?

  • Guten Morgen, allerseits!
    Gibt es irgendwo in Deutschland private Besamungsstellen? Das heißt, gibt es irgendwo jemanden, dem ich meine Königinnen und Drohnen schicken kann und der dieses Geschäft dann gegen Entgelt erledigt?


    Das mit den Belegstellen ist mir zu kompliziert, erst wieder EWKs und so, aber für die paar Mädels lohnt es sich nicht, sich erst selbst ein teures Gerät zu kaufen und Lehrgänge zu besuchen...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    mit schicken is nich, so viel ich weiss. Wenn, dann müßtest du dich schon mit deinem Material zu einer Besamungsstelle bemühen. Da müsstest du mal bei eurem LV nachfragen, der hat die Adressen von den Besamern. Die Last für die Besorgung von reifen Drohnen liegt dann natürlich bei dir.


    Alternative:
    Schick' mir deine Jungfern (im Käfig) und lass' sie mal Urlaub auf unserer Belegstelle machen. Wenns nur ein paar sind, kein Problem! Deine Dröhneriche müssten aber zu Hause bleiben...

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    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Sabi(e)ne,
    ach wär das schön, aber leider geht’s nicht. Natürlich gibt es Lohnbesamer, die dir deine Königin besamen, die sitzen übrigens meist bei den Bieneninstituten. Allerdings fangen die für drei Königinnen nicht an. D.h. Du musst zu einem vorgegebenen Termin deine Juffern dahin bringen und den Samen der potentiellen Väter in der Spritze dabei haben. Oder aber tiefgefrorenes Sperma kaufen, gibt’s z.B. auch in Mayen. Dann bist Du aber auch wieder auf deren Abstammungen angewiesen. Es gibt tatsächlich eine Dame, die fährt in einem Wohnmobil durch Deutschland und bietet ihre Dienste an. Die arbeitet meines Wissens in Hohen Neuendorf, und die kommt zu festgelegten Terminen. Ich weiß von unseren Kollegen Buckfastzüchtern davon, die waren sehr zufrieden. Aber es lohnt sich nur für größere Züchtergruppen, die will ja auch Geld sehen.
    Du weißt doch, was ein geschlechtsreifer Drohn macht, wenn man ihn nur schief beguckt ? Genau, es macht „schwupp“ und schon stülpt er dir sein „Ding“ entgegen. Was meinst Du, was in dem Postpaket los wäre, wenn Du sie schicken würdest ? Es hängt also, wie im richtigen Leben, mal wieder an den Männern. Und das mit dem Samenraub klappte nur bei einem gewissen Herrn Becker in der Besenkammer …
    Ergo, einfacher und billiger, wenn’s denn Instrumentell besamt sein soll, gleich die Königin in Eilage kaufen.
    Oder aber tatsächlich die Mädels in ein EWK oder Miniplus und auf eine Insel deiner Wahl, oder auch eine Landbelegstelle. Aber vom Geld und vom Aufwand her ist es allemal besser.
    Noch ein Tipp:
    Viele Züchter schließen sich zusammen und machen schon im Frühjahr Termine für Sammeltransporte. Da musst Du dich mit deiner Zuchtplanung nach richten, aber die Sache wird natürlich günstiger.
    Wir haben das so geregelt, dass man nicht auf eine bestimmte Insel festgelegt ist, sondern derjenige, der die Tour fährt, fährt verschiedene Inseln an. Und eigentlich sollte es auch kein Problem sein, deine Buckfastköniginnen mitzunehmen.
    Danke für den Buchtipp, gefällt mir.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo,
    vielen Dank für die netten Antworten!
    Mal gucken, was im Frühjahr überhaupt noch so lebt, bevor ich anfange, Dates für die Mädels zu machen :P


    Aber es hört sich irgendwie nach einer Marktlücke an, grübel, grübel...

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    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne, Du bist doch sonst bei Deinen Bienen für Bio?! Hast Du schon mal gehöhrt/gelesen, das Bio-Imker künstliche Besamung als "Vergewaltigung" der Königin bezeichnen? Ich finde, für den "Kleinbedarf" eines Hobbyimkers reicht die Standbegattung vollkommen. (Jetzt habe ich wohl mal wieder Öl ins Feuer gekippt, aber holt ruhig weit und kräftig gegen mich aus, kann einiges einstecken) V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo, Lothar,
    natürlich versuche ich so "bio" wie möglich zu arbeiten.
    Und natürlich weiß ich, daß die Bioverbände künstliche Besamung strikt ablehnen. Das halte ich allerdings für einen schweren Fehler.
    (jaja, ich weiß, ich häng mich auch gerade sehr weit aus dem Fenster)
    Entscheidene Zuchtfortschritte in angemessener Zeit (ich bin keine 20 mehr! :D ) kannst du nur machen, wenn du die Begattung kontrollierst.
    Was nützen mir Belegstellen, egal, ob an Land oder auf einer Insel, wenn die dortigen Drohnenvölker nicht zu meinen Mädels passen? Oder wenn ich gezielt einmal(!) Inzucht betreiben möchte?
    Da gibt es keine andere Möglichkeit. Und Standbegattung, umzingelt von Carni X Landbiene, möchte ich eigentlich nur zum Ausprobieren.
    Ich wage zu hoffen, daß von meinen zehn Völkern (5 verschiedene Herkünfte), die alle auf kleinen MWs sitzen, fast alle überleben werden (toi,toi,toi).
    Das richtig harte Jahr für sie wird das nächste.
    Ich glaube, es ist nachvollziehbar, daß ich am liebsten diese zehn Völker kreuz und quer paaren würde, um herauszukriegen, wer welche Eigenschaften wie vererbt. Und um im nächsten Herbst eine sehr breite Basis für 2004 zu haben, mit bekannter Genetik.
    Klar werde ich auch von jedem Volk ein paar standbegatten lassen, aber ich habe nicht viel Hoffnung, daß da was Tolles rauskommt.


    Daß das Verfahren gegen die Instinkte der Königin ist, verstehe ich schon, aber meinst du, den Milchkühen oder Schweinen heutzutage geht das anders?
    Zeig mir eine Möglichkeit, ohne Besamung zu einer von mir gewünschten Paarung zu kommen!?

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    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne,


    die Antwort auf Deine Frage zur kontrollierten Begattung könnte die 'Mondscheinbelegstelle' sein. Ich kann leider darüber noch nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber ich weiss von anderen Imkern, bei denen es funktioniert. Ich werde es nächstes Jahr auch ausprobieren.


    Es muss sich um ein sehr altes Verfahren handeln, um kontrollierte Standbegattungen machen zu können. Im Prinzip machst Du nichts anderes, als Deine Königinnen mit den Drohnen Deiner Wahl zu einem Zeitpunkt fliegen zu lassen, zu dem keine anderen Drohnen mehr unterwegs sind. Nicht unbedingt im Mondschein :wink: , aber am Spätnachmittag, wenn alle anderen Jungs wieder brav zuhause sind.


    Die Königinnen kommen mitsamt den selektierten Drohnen in Begattungskästchen, Kieler o. ä., und sind die meiste Zeit im dunklen, kühlen Keller. Am Spätnachmittag/frühen Abend (noch mit Sonnenschein) werden sie so aufgestellt, dass sie in die Sonne ausfliegen können, was sie dann auch tun. Achte auf immer gleiche Aufstellung der Kästen, dann fliegen sie sich ein und sammeln auch Pollen. Du musst trotzdem dafür sorgen, dass sie immer gut gefüttert sind. Teilweise fliegen sie wohl auch noch in der Dunkelheit (zumindest die Mellifera), so dass man sie eventuell erst spätabends oder frühmorgens erst wieder in den Keller holen kann.


    Es dauert wohl etwas länger, bis die Königin in Eiablage geht, ca. 3 Wochen, habe ich mir sagen lassen. Das Hin- und Herschleppen der Kästchen ist natürlich viel 'Hantier', aber es ist eine praktikable Möglichkeit 'vor Ort zuhause' für die gewünschten Begattungen, besonders, wenn Belegstellen für Deine Rasse/Linie weit weg sind :D


    Sonnige Grüße aus dem Rheinland,


    Hedwig
    Melli-Imkerin

  •  
    Hallo Melli-Hedwig,


    ob das funktioniert?
    Die Königinnen fliegen i.A. zu Drohnensammelplätzen in etwa 3 km Entfernung, die Drohnen in etwa 10 km. (Ein kleiner Trick der Natur, um Geschwisterpaarung zu vermeiden. Wegen den besondern Verhältnissen bei der Geschlechtsbestimmung der Bienen gibt es sonst große Lücken im Brutnest).
     
    Bei einem Erfolg könnten das auch freundliche Spätheimkehrer des Nachbarn gewesen sein.


    @ Sabi(e)ne,
    zwei schon erprobte Möglichkeiten, zur Nachahmung empfohlen ;-) 
    1) Königin an einem Draht befestigen, der in 2 - 3 m Höhe karussell-artig im Kreis bewegt wird. Vor einigen Jahren gab es in den Imkerzeitschriften dazu Fotografien (von Koeniger, Oberursel, wurde so zum ersten Mal die Paarung fotografiert).
    Vorteil: unerwünschte Dröhneriche lassen sich mit einem Schmetterlingsnetz wegfangen ;-) 
    2) Begattungskästchen und Drohnenvolk im großen (Zirkus- J)Zelt aufstellen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo zusammen, Eure Tipps mit Mondschein- und Zirkuszeltbegattung in allen Ehren, ich würde lieber zur Spätzucht raten. Kurz bevor die Nachbarvölker ihre Drohnen abtreiben, die Völker mit den gewünschten Drohnen entweiseln (man muß die Königin ja nicht gleich abdrücken), die behalten dann die Drohnen länger. Das Terminieren mit den Königinnen ist kein Problem. Die jungen Königinnen fliegen dann, wenn nur noch unsere gewünschten Drohnen unterwegs sind. Warum sollte man nicht im August/September begatten lassen? V.H.w. Lothar

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  • Hallo Sabi(e)ne, an Deiner Stelle würde ich mich nach einen Züchter umsehen, der genau das gewünschte Zuchtgut anbietet. Von diesem Zuchtgut würde ich dann nachziehen, bewußt grade mit Standbegattung. Dieser Weg erscheint mir als einfacher als das, was Du vorhast. Bei Standbegattung bekommst Du die gewünschten Eigenschaften Deiner Völker früher oder später von den Nachbarvölkern wieder, es dauert länger. Geeduuuld! Auch wenn Du "schon" zu den Dreißigern zählst. :wink: Künstliche Begattung halte ich für gut, wenn es zum Beispiel um den Erhalt von bedrohten Bienenpopulationen geht(NIGRA). Fürden Hobby- oder Nebenerwerbsimker, der "nur" Wirtschaftsvölker braucht, reichen die anderen Methoden der Begattung . Lehn Dich um diese Jahreszeit nicht allzuweitaus dem Fenster, irgendeiner steht bestimmt mit´nem Schneeball draußen oder es geht eine Dachlawine runter :lol: Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

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  • Hallo beisammen,


    das mit dem Zirkuszeltoder ähnlich hat man am Institut in Erlangen in den sechziger Jahren ausgiebig probiert. Allerdings ohne Erfolg. Da gibt es einige Hürden, wie z.B. die Drohnensammelplätze oder der Drohnendruck. Beides hat Mann im Zelt halt nicht.


    Das mit der Spätbegattung dürfte gehen, jedoch dürfte die zu erreichende Begattungssicherheit auch nur bei etwas mehr als 50% liegen. Erstens fliegt die Königin auch eine beachtliche Strecke und zweitens besonders wenn nicht die große Menge an Drohnen da ist und drittens sind immer noch andere Drohnen da, wenn in den eigenen Völkern auch noch welche da sind.


    Das mit der "Mondscheinbegattung" soll in Australien ganz gut funktionieren. Ich werde es in diesem Jahr mal zum Spass versuchen. Jedoch ist die Überprüfung des Begattungsergebnisses schwierig.

    42

    ganz sicher

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  • Hallo Frieder, Reiner, und alle anderen interessierten Leser


    Frieder fragte "ob das [Mondscheinbelegstelle] funktioniert"?


    Es heisst 'Köhlersches Verfahren' und wird zum Beispiel von H. Peschetz in seinem Buch "Vom Anfänger zum Meister" beschrieben.


    Es funktioniert auch heute noch :D. Kollegen, die es schon seit Jahren machen, können es mit Körergebnissen belegen.
    Dieser Nachweis ist über die Flügelindices bei den Mellifera relativ einfach zu führen; da merkst Du's an den Indices, wenn ein paar Carni-Boys in der Nähe waren.


    Ich wüsste nicht, wie Du kontrollieren kannst, ob Deine Carnica-Königinnen sich auch wirklich mit Deinen handverlesenen Carnica-Drohnen gepaart hat, aber die Chance, dass Dein Imkernachbar zur gleichen Zeit auch Paarungen mit dem Köhlerschen Verfahren versucht, sind doch relativ gering, oder?


    Grüße aus dem Rheinland,


    Hedwig
    Melli-Imkerin

  • Hallo zusammen, da die Vorschläge Mondscheinbegattung und Spätbegattung recht positiv aufgenommen wurden, dürfte eine Kombination aus beiden doch eine gute Lösung sein? Hat einer vielleicht Erfahrung damit? V.H.w. Lothar

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