Erstellung eigenen eigenen Wachskreislaufs mit eingeschmolzenen Altwaben (Thema in der aktuellen Biene)

  • Die Imkerei Pientka bewirtschaftet wohl so ca. 250 Völker mit halben Mittelwänden im Brutraum und reinem Naturbau im Honigraum.

    Die haben in Celle von drei Kilo Wachsüberschuss pro Volk und Jahr gesprochen. Hat mich erstaunt.

  • Wie sind eure Erfahrungen damit und welches Vorgehen würdet ihr empfehlen?

    Bisher kann ich mir den Luxus nicht leisten, das Wachs in gutes und schlechtes zu separieren. Da meine Völkeranzahl immer noch wächst, bin ich wegen der Mittelwände in den Honigräumen auf jedes Gramm angewiesen, egal, woher. Natürlich begann ich mit gekauftem Wachs, also Mittelwänden. Ergo wird auch mein Wachs mit Paraffin, Pestiziden & Co. verunreinigt bzw. belastet sein. Mit der Zeit wird sich das logischerweise aber immer mehr verdünnen.


    Ich hoffe, auf weitere Mittelwandkäufe möglichst vollständig verzichten zu können.

  • Es rutscht zwar etwas in Richtung OT, aber trotzdem:

    Mich würde interessieren, ob die Leute von der Naturwabenbau-Fraktion einen nennenswerten Überschuss an Wachs produzieren.

    Ich habe in diesem Jahr mit 3 Naturbauvölkern angefangen. Das erste (weil ich auch (zu-?)viel über die Wachsproblematik gelesen habe) nur auf Schiffsrumpfleisten an den Oberträgern. Das Volk hat Quer-/Wirrbau angelegt, der mir den Rest der Saison das Leben sehr schwer gemacht hat.

    Für die nächsten Zargen/Schwärme habe ich einem Naturbauimker 100g Wachs abgekauft und damit Anfangsstreifen angelegt. Ab dann ordentlicher Bau wie im Lehrbuch. Im Sommer musste ich ein Volk auflösen, zu dem Zeitpunkt 1,5 Warré-Zargen bebaut. Die Waben habe ich eingeschmolzen und 250g Wachs daraus gewonnen. 50g davon sind wieder zu Anfangsstreifen für ein ausreichendes Zargenlager für die nächste Saison geworden.


    Wachsnettobilanz also bei mir im ersten Jahr + 100g


    Wenn ich für die Zukunft von einer Honigernte von 1-2 Zargen/Volk ausgehe, kann ich also pro Volk mit einen Wachsüberschuss von ca. 250 rechnen.

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré-Beuten, in dieser Saison „klassische Magazinbetriebsweise“ im Naturbau, aktuell 9 Völker

  • Ja gut, man wird aber nicht jedes Jahr neu Naturbau anlegen lassen, d.h. es fällt immer nur etwas aus der Wabenhygiene bzw. Entdeckelungswachs an.

    Im Gegenzug braucht man auch nicht soviel neu einsetzen.

    Benutzt man da eigentlich für die Honigwaben Mittelwände oder läßt man die auch Naturbauen.

  • Das hängt von der Betriebsweise ab. Bei Warré klassisch wird zargenweise geerntet und Presshonig gewonnen. Das habe ich auch vor. Also ja jährlich Erneuerung der abgeernteten Zargen.

    Anfängerin 2019, Ökotante, Warré-Beuten, in dieser Saison „klassische Magazinbetriebsweise“ im Naturbau, aktuell 9 Völker

  • Wachsen kommt von Wachs - im übertragenen Sinn. Wenn man vergrößern will, braucht man Wachs. Zudem sind MW aus Entdeckelungswachs spröde und brechen leicht, so dass dies als einzige Quelle nicht ausreichend ist.


    Zu unterscheiden ist, ob es um "reines Bienenwachs" per se geht oder ob es um verwendbares Wachs geht.


    Ersteres ist kaum noch zu bekommen; denn Einlagerung von Pestiziden, Fungiziden und Glyphosat Abbauprodukte (AMPA) lassen sich in der modernen Agrarwirtschaft kaum verhindern. Darüber hinaus reichern sich im Wachs aufgrund des Kreislaufs auch lipophile (fettähnliche) Behandlungsmittel gg. Varroa etc. an, so dass mit der Zeit ein erheblicher Fremdstoffanteil im Wachs verbleibt.


    Ob die Bienen im überwiegenden Fall auf derartigem Wachs leiden, ist eine Frage der eingetragenen Mengen. Es scheint, dass sie es bisher kompensieren können, sonst hätten wir überwiegend tote Völker.


    Um Missverständnisse zu vermeiden - es gehört m.E. nur ins Bienenwachs, was die Bienen selbst erzeugen! Missverständliche Qualitätsbezeichnungen wie "reines Biowachs" oder "pestizidfreies Wachs" werden beim unbedarften Käufer oft gleichgesetzt mit reinem Bienenwachs. Dem ist aber nicht so.


    Für reinen Paraffinzusatz gilt das Gleiche - es macht das Wachs geschmeidiger, ist aber aufgrund seiner Reaktionsträgheit mit anderen Stoffen chemisch eher unbedeutend und nicht toxisch - wenn's nicht zuviel wird (dann schmelzen die Waben unter Stocktemperatur, was eine ziemliche Sauerei ist) !


    Somit kann man reines Bienenwachs auch nicht mit dem eigenen Kreislauf erzeugen, jedoch über Verdünnung mit Entdeckelungs- und Neubauwachs ein verwendbares Wachs, das den Bienen offensichtlich genügt, wenn dies rezyklisiert und mit einem Teil wiedergewonnenem Brutraumwachs vermischt eingesetzt wird.


    Der eigene Wachskreislauf ersetzt - zumindest teilweise - das fehlende Qualitätsm'ment System der Umarbeiter. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und die hat man zum größten Teil beim eigenen Kreislauf.

  • Es rutscht zwar etwas in Richtung OT, aber trotzdem:

    Mich würde interessieren, ob die Leute von der Naturwabenbau-Fraktion einen nennenswerten Überschuss an Wachs produzieren.

    Ich kenne mich nicht wirklich aus mit naturwabenbau. Führe lediglich 1 Volk so seit 1 Saison zum Testen. Aber die müssten doch Wachs im Überschuss haben da sie fast keines verbrauchen oder? Nur werden die wenig Jungfernwachs vom entdecken haben, und den Rest aus ihren Altwaben was ja auch nicht soooo gutes Wachs ist. Erklärung gab's ja von Beemax

    Wer Kinder hat, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

  • Nur werden die wenig Jungfernwachs vom entdecken haben, und den Rest aus ihren Altwaben was ja auch nicht soooo gutes Wachs ist.

    Naja, die Altwaben ,wenn die nach 3 Jahren erneuert werden, ist das super Wachs.

    Da hat sich ja noch fast nix angereichert.

    Der jährliche Kreislauf mit den Mittelwänden konzentriert die Rückstände, wenn nicht verdünnt wird.

    Oder mal einen harten Schnitt machen und ab und zu einen Posten Altwachs aussondern.

  • Es rutscht zwar etwas in Richtung OT, aber trotzdem:

    Mich würde interessieren, ob die Leute von der Naturwabenbau-Fraktion einen nennenswerten Überschuss an Wachs produzieren.

    Ich gewinne mein Wachs aus dem Honigraum, in dem normale Rähmchen moderat als Dickwaben im Naturbau betrieben werden. Bei jeder Ernte werden die Waben bis auf's Holz zurück geschnitten, dabei fällt einiges an Wachs an. Außerdem halte ich im Frühjahr 3 Bauzargen (DN 0,5) vor, in denen 8 Waben neu gebaut werden - entsprechend werden 24 Waben ausgeschnitten. Pro Wabe werden ca. 30g Wachs gewonnen, bei 3 Bauzargen sind das 24x30=720g/Volk und Jahr.

    Einen Baurahmen verwende ich nicht.

    Zusammen mit dem Deckelwachs sind das ca. 1kg Wachs pro Volk und Jahr.

    Aus 700g Wachs wird der Bedarf an Mittelwänden für den Brutraum gedeckt.

    Wachs für Anfangsstreifen brauche ich nur bei der ersten Inbetriebnahme des Honigrähmchens. Bei den Folgezyklen lasse ich einen Anfangsstreifen beim Ausschneiden stehen. Daher brauche ich hierfür kein Wachs.

    Ergebnis: Ich habe einen Überschuss von ca. 300g unbebrütetem Wachs pro Volk und Jahr. Das bebrütete Wachs kann ich komplett ausschleusen.

    Gruß Ralph