Wachs: woher nehmen wenn nicht...

  • Der objektive Rat an Neuimker kann daher nur lauten: Keine MW von Herstellern, die auch mit Wachs handeln bzw. Wachs ankaufen, die ohne von Imkern gesteuertes QMS arbeiten oder aber: Kontrolle statt blindem "Vertrauen", d.h. jedes gekaufte MW-Paket beproben (Achtung: MW-Pakete müssen keine homogene Charge, sondern können durchaus eine Mischung enthalten) und genau untersuchen lassen. Alles andere wäre Blindflug, dessen Risiko zuallererst die Bienen, in schlimmeren Fällen auch die betroffenen Imker zu tragen haben (sofern sie aufmerksam genug hinsehen).

    Alternative: Naturbau. Honigertrag sollte da - v.a. in den ersten beiden Anfangsjahren der Imkerei - eine untergeordnete Rolle spielen. Die Optimierungen kommen erst später mit der zunehmenden Praxiserfahrung, ganz von alleine und ganz sicher.

    Mein Rat wäre ein anderer: Neuimker, die keine Möglichkeit sehen, aus vertrauenswürdiger Quelle Mittelwände zu beziehen, sollten ganz normal Mittelwände aus dem Imkereihandel kaufen. Die Wahrscheinlichkeit, die Bienen damit tödlich zu schädigen, ist gering, das ist dadurch belegt, dass an dem letzten Wachsskandal nur sehr wenige Imker zu leiden hatten, jedenfalls nicht durch den Untergang ihrer Völker.

    Nachdem die Imkerei aber läuft, sollte der Anfänger auf eigene Wachsproduktion umsteigen und bei einem vertrauenswürdigen Umarbeiter Mittelwände herstellen lassen (oder selbst). Solche Umarbeiter sind in diesem Forum genannt worden (Röckl, Frankenwachs, Köhne & Albrecht, ...). Das können auch Imker mit wenigen Völkern machen, wenn sie ihre Wachsproduktion mit der von anderen Imkern zusammentun und gemeinsam die Umarbeitung in Auftrag geben.

    Gruß Ralph

  • Ich würde mir als Anfänger auch nicht allzuviele Sorgen machen. Gerne rückstandsfreies oder Biowachs, viel Naturbau, aber dann wird das schon.


    Für meine bestehende Imkerei lasse ich meine Mittelwände aber bewusst bei einem Umarbeiter walzen, der auch mein überschüssiges Biowachs aufkauft.

    Ich liefere das als eine Charge an, diese wird vor Ort zusammen gereinigt, meine Mittelwände werden gewalzt, und dann wird das Restwachs berechnet.

    Biowachs bringt ja schon etwas Geld ein, weit mehr, als die Umarbeitung für meine neuen Mittelwände kostet.

    Der Umarbeiter bildet dann wiederum größere Chargen vom Biowachs, die dann analysiert werden.

    Sollte es Probleme geben, werden die einzelnen Lieferungen (also z.B. mein Wachs) geprüft.

    So bekomme ich eine "kostenlose" Zusatzüberwachung, die mir weitere Sicherheit gibt.

    Das finde ich recht elegant.

    Es wäre ja immerhin auch möglich, dass ich derjenige bin, der Ungewolltes in den Wachskreislauf einbringt.

  • ...normal Mittelwände aus dem Imkereihandel kaufen. Die Wahrscheinlichkeit, die Bienen damit tödlich zu schädigen, ist gering

    Die Frage, die sich v.a. beim Start in die Imkerei stellt, ist doch zunächst eine prinzipielle: Nehme ich mit MW aus dem Handel verfälschtes oder vorbelastetes Wachs in meine Imkerei auf? Leider muß diese Frage i.d.R. mit Ja beantwortet werden.

    Ob dies ein Bienenvolk gleich umbringt, hängt vom Geschick bzw. Aufwand ab, den der Umarbeiter betreibt, gewisse Grenzen beim Abmischen einzuhalten bzw. von den konkreten Lebensumständen des betreffenden Volkes, resp. von der Frage, ob noch weitere, ungünstige Faktoren hinzukommen, die der Imker im Zweifel nicht vorhersehen bzw. nicht beeinflussen kann (z.B. Trennmittelreste auf den MW, Pestizide, Wetter, Pollenmangel, aber auch bestimmte TAM-Behandlungen als Stressoren usw.).

    Wie verbreitet inzwischen Verfälschungen sind, zeigen z.T. die von manchen Händlern mittlerweile vorgezeigten Wachsanalysen. Ein Umarbeiter aus dem Taunus bspw. behauptet werbend "nur unverfälschtes, reines Bienenwachs" einzusetzen, zeigt aber auf seiner HP Analysen mit 15,7% bzw. sogar 16,5% Gesamtkohlenwasserstoffanteil. Es gibt sogar Händler, die immer noch mit "Echtem Bienenwachs nach RAL", also "nicht über 18,5%" werben. Dabei wissen wir, daß unser unverfälschtes Bienenwachs max. 14,5% KW haben kann, afrikanisches gar nur 11,5%. Da wurde also - durch wen auch immer - mit FremdKW gestreckt. Wir können und dürfen die Augen nicht davor verschließen: MW aus dem Imkereihandel sind i.d.R. nicht nur aus "reinem, unverfälschtem Bienenwachs".

    Mglw. ist das der eigentliche Grund, warum der "Runde Tisch Wachs" keine Ergebnisse gebracht hat, nicht fortgesetzt wird und auch sonst keinerlei Aktivitäten beim DIB mehr zu erkennen sind: Der MW-Markt ist mittlerweile flächendeckend verunreinigt. Halten wir uns die Fakten aus dem letzten Wachsskandal noch einmal vor Augen: Es wurden (u.a. von Mitgliedern des IF) jeweils 40 t Chinaimport von "Bienenwachs" (in Wirklichkeit pures Erdölsynthesewachs) im Jahr 2014, 40t in 2015 und 40 t in 2016 recherchiert. Mit 40t könnte man ein Jahr lang sämtliche in D gehaltenen Bienenvölker mit MW ausstatten. Das ist die Größenordnung, der wir ins Auge sehen müssen, ob es uns gefällt oder nicht. Ob es noch weitere solche Importe gab und in welchem Umfang, ist hier nicht bekannt geworden.

  • Es wurden (u.a. von Mitgliedern des IF) jeweils 40 t Chinaimport von "Bienenwachs" (in Wirklichkeit pures Erdölsynthesewachs) im Jahr 2014, 40t in 2015 und 40 t in 2016 recherchiert. Mit 40t könnte man ein Jahr lang sämtliche in D gehaltenen Bienenvölker mit MW ausstatten. Das ist die Größenordnung, der wir ins Auge sehen müssen, ob es uns gefällt oder nicht. Ob es noch weitere solche Importe gab und in welchem Umfang, ist hier nicht bekannt geworden.

    Ich will ja nix beschönigen, aber alleine der D.I.B. zählt 870.749 Völker (DBJ 2/2020), dazu noch die "freien".

    Daraus ergibt sich ein deutlich höherer Mittelwandbedarf als 40t.

  • ribes ,du machst ja richtig ALARM !!! Gut so.

    Es wurden (u.a. von Mitgliedern des IF) jeweils 40 t Chinaimport von "Bienenwachs" (in Wirklichkeit pures Erdölsynthesewachs) im Jahr 2014, 40t in 2015 und 40 t in 2016 recherchiert.

    Jahresbericht der LWG Bayern für 2017... : 1/3 aller auf Verfälschung untersuchten Wachsproben war verfälscht!

    Dabei wissen wir, daß unser unverfälschtes Bienenwachs max. 14,5% KW haben kann, afrikanisches gar nur 11,5%.

    Fakten sind Fakten. Da braucht man nicht drüber streiten! - Allerdings bieten Zahlen auch Interpretationsspielraum, denke ich.


    Frage: Wenn der LWG Bayern 2017 1/3 der Wachsproben als verfälscht getestet hat, dann sollten doch 2/3 i.O. sein, oder gibt's da noch weitergehende Infos dazu?



    1. Feststellung: Das Vertrauen ins System ist verloren gegangen.


    2. Feststellung: Nach der Aufregung folgte keine generelle Systemänderung. (Aus Gründen?!)


    3. Feststellung: Eine Laboranalyse mit Gaschromatografie, Feststellung des Kohlenstoffanteils, und der Messung der Schadstoffe/Pestizide bringt Klarheit. - Verfälschtes und mit Schadstoffen verunreinigtes Wachs kann man erkennen.


    4. Feststellung: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner! - Es gibt für jeden eine individuelle Lösung! - Für die einen zu benötigtem Wachs zu kommen, und für die anderen Vertrauen wieder aufzubauen.



    Der 1. Schritt zur Lösung ist die Akzeptanz der Situation.


    Der 2. Schritt ist Analyse, Information und Transparenz. (Das machst du gerade, aber ich denke, akzeptieren kannst du die Situation noch nicht.)


    Der 3. Schritt ist Lösungen und Mitstreiter suchen. (Z.B. eine größere Charge Blockwachs gemeinsam einkaufen, und beproben lassen, schafft Sicherheit.)



    Individuelle Lösungen sind für Waldi schon einige vorgeschlagen worden, unter anderem hat sich ein IF-Mitglied zu Wort gemeldet, der überschüssiges Biowachs aus eigenem Kreislauf an einen zuverlässigen Umarbeiter mit QS-System abgibt. ( Waldi ... wenn das nicht der Wink mit dem Zaunpfahl ist, oder so...) - Ansonsten kannst du auch noch deinen Imker-Paten um Rat fragen, oder deinen Verein.

  • Ich habe mich mißverständlich ausgedrückt. Gemeint war das Verfälschungspotential von 40 t, also eine Verfälschung wirklichen, reinen Bienenwachses mit rd. 4...5% Synthesewachs orientiert an dem "Spielraum", den z.B. die RAL GZ 041 bietet (14% KW aufgefüllt auf 18%, bei Afrikawachs noch mehr Auffüllung möglich). Die Hochrechnung ist ja ohnehin nur sehr grob. 1 Mio Bienenvölker, 10 MW/Volk/Jahr, 70 ... 80 g/MW usw.

  • vosp :

    zu Frage 1: Inwieweit die verfälschten Wachse auch noch Umweltgifte enthielten, konnte ich der Statistik nicht entnehmen.

    Es gab aber auch Rückstandsuntersuchungen bei Bienenwachsproben: 39% aller Wachsproben waren belastet, v.a. mit Thymol (rd. 20%), Coumaphos (rd. 17%), Fluvalinat (rd. 11%) und rd. 5% mit anderen (Brompropylat, Boscalid, L-Cyhalothrin ...).


    zu den Schritten: Echte Transparenz ist nur herzustellen, wenn man Produkt, Verfahren (vom Einkauf der Rohstoffe, über Verarbeitung bis zum Vertrieb) und System lückenlos durchschauen kann. Für diesen Zweck haben sich alle Abnehmer von Bienenwachs ein QMS zugelegt, das sie selbst steuern - nur die Imker nicht. Nach wie vor rennen wir den zufällig entdeckten wirklichen Problemfällen und den für uns eigens zur Ablenkung ausgestellten Attrappen nur hinterher, statt die Kontrolle zu übernehmen.

  • Individuelle Lösungen sind für Waldi schon einige vorgeschlagen worden, unter anderem hat sich ein IF-Mitglied zu Wort gemeldet, der überschüssiges Biowachs aus eigenem Kreislauf an einen zuverlässigen Umarbeiter mit QS-System abgibt. ( Waldi ...wenn das nicht der Wink mit dem Zaunpfahl ist, oder so...) - Ansonsten kannst du auch noch deinen Imker-Paten um Rat fragen, oder deinen Verein.


    Sollte das tatsächlich als Angebot gemeint gewesen sein, habe ich das tatsächlich leider nicht verstanden. Im Endeffekt kann ich das - mit Verlaub - aber auch in einem solchen Falle nur glauben. Trotzdem schade, aber nun auch nicht mehr zu ändern, ich habe bereits MW gekauft. Den "Mineralwassertest" haben sie immerhin betanden - wie zuverlässig der auch immer sei - und sie sind relativ hell und eher spröde. Ich werde sie so sparsam, wie möglich einsetzen.


    Denn gehört und verstanden habe ich auf jeden Fall die vielen guten Tips dazu, mittels möglichst viel Naturbau möglichst schnell eigenes Wachs ernten zu können. Der Sonnenwachsschmelzer ist bereits auf der nach unten offenen Einkaufsliste für das zweite Jahr gelandet....

  • Waldi : Mach dir nicht einen solchen Stress wegen des Wachses.


    Schätzungsweise 90% der Hobbyimker arbeiten mit gekauften Mittelwänden, die kommen auch zurecht. Ein eigener Wachskreislauf ohne Fremdwachs ist sicher das Optimum und auf Dauer anzustreben, aber es geht auch ohne. Problemlos. Hier wird von manchen Usern ein viel zu düsteres Bild geworfen. Hätte ich keine eigenen Erfahungen und würde nur nach dem IF imkern, hätte ich ja fast Panik eine gekaufte Mittelwand auch nur anzuschauen ;)


    Übrigens, auch bei Wachsverälschungen bestimmt die Dosis das Gift. Theoretisch könnte also 100% des Wachses verfälscht sein und trotzdem 0% Effekt verursachen. Daten, dass XX % der Wachsproben verfälscht sind, sagen faktisch erstmal gar nix aus. Lass dich also nicht von solchen Zahlen ins Bockshorn jagen. Außer, dass irgendwann Schadwachs ins System gekommen ist und ja, vielleicht auch noch kommt. Aber wie heißt es so schön und zumindest bis zu einem gewissen Grade auch durchaus treffend: The solution of pollution is dilution...


    Es muss nicht immer alles perfekt sein, meistens reicht auch gut genug. Du wirst genug echte Baustellen haben, grade in den ersten Jahren.