Wir haben es satt 2020

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    Gerade ist mir aufgefallen, dass die alljährliche Großdemo zur Agrarwende dieses Jahr im Forum noch gar nicht auftaucht.

    Ist schon morgen.

    Wir haben es satt


    Gerade in diesem Jahr dürfte wichtig sein, dass viele Verbraucher, Vertreter aus Umwelt- und Naturschutz, aber vor allem auch in der Landwirtschaft Tätige (z.B. auch wir Imker) klar machen, dass sie sehr wohl für eine Agrarwende eintreten.

    In der medialen Öffentlichkeit wurden die Bauerndemos der letzten Monate ja vor allem so interpretiert, dass die Landwirtschaft sich vehement gegen jeden Wandel stellt...

    Der DBIB gehört, wie in den vergangenen Jahren auch, zum Trägerkreis.


    Grüße,


    Thomas

  • Glyphosat wird fast flächendeckend in ganz Deutschland angewendet, es gibt wohl keinen Imker dessen Bienen in ihrem Flugkreis nicht damit in Kontakt kommen. Ist Biesenthal ein Einzelfall durch einen Anwendungsfehler oder müssen wir uns alle Sorgen machen?

  • Glyphosat wird fast flächendeckend in ganz Deutschland angewendet, es gibt wohl keinen Imker dessen Bienen in ihrem Flugkreis nicht damit in Kontakt kommen. Ist Biesenthal ein Einzelfall durch einen Anwendungsfehler oder müssen wir uns alle Sorgen machen?

    Müssen wir!

    Nicht jeder kann seine Bienen in zusammenhängende BIO-Flächen oder mitten in eine größere, etwa 30ha große Extensivfäche stellen. Und auch solche Glücksfälle sind zu klein, um den Flugkreis von Bienen abzudecken.

    Wenn die Landwirte nach Alternativen fragen, dann nicht ganz zu Unrecht.

    Welche wären es denn? Mehr Mechanik, andere Verfahren, andere Anbaufolgen der früchte, mehr Früchte in der Fruchtfolge u.a.m.

    Das macht aber die Produktion nicht billiger! Dessen müssen sich alle bewußt sein.

    Und schon greift die Industrie auf die billigeren Importe zurück.

    Und was folgt daraus?

    Sibierische Steppe? Wälder wie im Mittelalter? Landwirtschaft?? ;(

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Also ich bin auch der Meinung das Glyphosat kein flächendeckendes Problem ist, mit so gravierenden Auswirkungen. Da muss sehr viel Glyphosat im Boden sein, wenn die Pflanze es aufnimmt und dann in den Blüten das noch an die Bienen im Nektar weitergibt. Da liegt irgendwo ein Fehler vor.

    Ich habe einmal Totalverlust durch Glyphosat erlitten, als die Wiese vor meinen Beuten totgespritzt wurde und die Bienen morgens Tautropfen auf dem Gras gesammelt haben. Ein anderes Mal wurde ein blühendes Feld totgespritzt, da gab es größere Bienenverluste.


    Also Glyphosat im Honig da gehört schon einiges dazu, meine ich.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • ...;(

    Wenn die Landwirte nach Alternativen fragen, dann nicht ganz zu Unrecht. ...

    ... was haben die Landwirte nur vor der Einführung vin Glyphosat gemacht ?????????????


    Gruß Finvara


    ... ach ja , jetzt weiß ich`s wieder : .... verödete Landschaften, Hungersnöte, Millionen Hungertote in Deutschland, Wucherpreise in den Supermäkten , .............

    ... alle sagten das es unmöglich ist, .... bis einer kam der das nicht wußte

  • Es geht natürlich ohne Glyphosat aber nur mit mehr Personal. Meine Vorfahren wie von vielen anderen auch, waren Bauern oder in der Landwirtschaft tätig. Ich habe noch mit dem Pferd Flügen gelernt. Hektarweise Rüben gehackt und bevor ich zur Schule kam mich im Spargelstechen versucht. Heute will das kein Jobsuchender mehr machen. Wenn es heute einen gesetzlichen Mindestlohn gibt, sollten auch die Preise für Grundnahrungsmittel (Milch, Getreide, Fleisch) einen fairen Mindestpreis für den Erzeuger haben und in der Tierhaltung tiergerechte Standarts durchgesetzt werden. Das Kartellamt muss den Preisdrückern (Supermarktketten) bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen das Handwerk legen. Das reicht, ich schreib mich hier sonst noch in Rage. VG Jörg

  • Das Zeug wird wohl in so einigen vielen Lebensmitteln zu finden sein. Da die Lobby der Agrar Industrie wohl deutlich mehr Einfluß auf die Politik hat, als die Imkerschaft, liegt es wohl auf der Hand, wessen Interessen wohl eher vertreten werden.

  • Jetzt hat mir doch tatsächlich jemand Bier in mein Glyphosat gemischt!


    Was haben die Bauern nur vor dem Glyphosat gemacht? Ganz einfach da gab es so schöne Sachen wie Natriumchlorat (was für sie Biene tatsächlich recht unschädlich ist, aber nicht für den Boden), DNOC, 2,4-D, Phenylharstoffe. Gegen einige davon wirkt Glyphosat wie ein Streichelzoo.


    Das man sich als Imker keine Sorgen machrn muss, das man nicht so schnell Gylphosat im Honig hat, das ist ein Märchen was man sich abschminken sollte. Wenn man im Schwarzwald oder in der Robinie steht, dann hat man recht gute Chancen das die Belastung nur minimal ist. Aber überall anders würde ich drauf Wetten das 90% der Proben positiv getestet werden würden.

    Wie kommt das Glyphosat den überhaupt in den Honig? Pflanzen haben auch eine gewisse Tolleranz gegenüber Glyphosat, bauen es aber nicht vollständig ab, also wird es, da es Wasserlöslich ist, mit allen Säften transportiert und gelangt so auch in den Nektar. Gerade die Landwirtschaftlich genutzen Pflanzen die von den Bienen angeflogen werden, sind aber extra so gezüchtet, das die Tolleranz gegenüber dem Glyphosat besonders hoch ist. Was natürlich zu mehr Glyphosat im Nektar führt.


    Was ist aber mit den Wildpflanzen? Einige Pflanzen sterben einfach, andere haben aber auch eine Tolleranz oder sogar Resistenz entwickelt. Wenn die Pflanze die stirbt jetzt während der Blüte gespritzt wird, ist sie auch nicht sofort tot, sondern stirbt mit der Zeit, in dieser Zeit gibt sie einen Teil des Glyphosats in den Nektar ab, die Tollerante kann dies auch noch später tun. Bekannt ist aber auch dss die Konzentration mit Abstand zur Spritzung abnimmt, d.h. ist das Spritzen während der Blüte auch so gefährlich.


    Gutation ist ein weiteres Problem.


    Was können die Landwirte tun. Ersteinmal muss man ganz Eindeutig sahen, das viele Landwirte auch gerne ohne so Sachen wie Roundup arbeiten würden, das wird aber schwer bei der aktuellen Agrarpolitik und noch schwerer bei der vergangenen. Auch gibt es auch hierzulande schon Probleme mit Resistenzbildungen, wie ich in Australien war, konnte man dies live Beobachten, was passiert wenn die Resistenzen zunehmen. In den USA ist das in einigen Gebieten so extrem das dort die Landwirtschaft zum erliegen gekommen ist.

    Wer hat schonmal was von der Prämie für pfluglose Bodenbearbeitung gehört? Das war faktisch ein entweder du Spritzt mit Roundup oder du bekommst nicht nur diese Förderung nicht.

    Die Chemische Landwirtschaft wurde in der Vergangenheit nicht nur massiv Gefördert, sondern auch Gefordert!

    Das kann man jetzt nicht innerhalb kürzester Zeit verschwinden lassen.

    Aber warum wurde dies überhaupt gemacht? Ganz einfach weil man so mit wesentlich weniger Aufwand, höhere Erträge erzielen konnte (nichts anderes als wenn man eine größere Schleuder kauft oder eine Entdecklungsmaschine). Man bedenke früher waren bis zu ~42% der Deutschen in der Landwirtschaft tätig, heute sind es 2%, Ein Landwirte versorgt heute 170 Menschen und nicht mehr weniger als 10, wobei die auch noch selber Zuhause den Garten bestellt haben.


    Mit diesen Grundlagen kann man jetzt anfangen die Diskussion ein wenig differenziert zu betrachten:

    Was wird gefordert:

    Die Produktivität der Landwirte darf nicht sinken, sondern muss eher steigen.

    Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Düngern und allem Chemischen soll sich verringern.

    Lebensmittel dürfen aber auch nicht teurer werden, es sind Gleichzeitig noch so viele andere Projekte zu Finanzieren.


    und jetzt Versuch diese Punkte mal alle unter einen Hut zu bringen?


    Ich halte die meisten aktuellen Ansätze schon im Ansatz zum scheitern verurteilt.

    Das ganze müsste viel Vollumfänglicher gestaltet werden. Den Einsatz von Chemischen Agrarhilfstoffen können wir sehr einfach verringern, da wäre z.B. die Förderung von Technik die eine gezieltere Anwendung erlaubt. Z.B. durch Entwicklung in Dochtstreichgeräte die hinter einem Traktor passen. Der Einsatz von Herbiziden/Pestiziden auf Basis von Kieselsäuren (ist tatsächlich als sehr Wirkungsvoll erforscht) und natürlich Verbesserung der Mechanischen Unkrautbekämpfung.

    Das ganze muss aber auch für die Landwirte interessant gestaltet werden, entweder durch Preissteigerungen für ihre Produkte oder aber durch Förderungen für den Einsatz solcher Methoden.

    Bei diesen Veränderungen muss aber auch Akzeptiert werden, das es zu einer Reduktion der Produktion kommen kann, bzw. wird. Diese Reduktion sollte aber nicht durch Import abgefangen werden, dann verlagern wir das Problem nur in das Ausland. Um das anzugehen müsste man also die Lebensmittelverschwendung reduziert werden, man muss einmal Bedenken wie viel unserer Lebensmittel wir jedes Jahr wegschmeißen, sowohl Industriell (z.B. durch die Nichtverarbeitung von nicht EU-Konformen Grunderzeugnissen, wie unförmigem Gemüse), als auch im Supermarkt (vieles was noch nicht verdorben ist, kann z.B. weiter zu Tiefkühlkost oder Tierfutter verarbeitet werden) oder aber im Haushalt (es ist Einfach schier unglaubliche wie viele Menschen Lebensmittel vor dem erreichen des MHD schon wegwerfen). Das bedeutet also das man auf all diesen Ebenen anpacken müsste, also die Entsorgung von nucht verdorbenen Lebensmitteln in Verkaufsstellen angehen (wie es z.B. Frankreich passiert) und auf Lebensmitteln das MHD nicht mehr angeben, sondern nur ein Verkaufsfähig bis und wie bisher bei kritischen Produkten ein zu verbrauchen bis (Hätte auch den Charm das alle Produkte die über daVerkaufsdatum rüber sind Problemlos bei der Weiterverarbeitung wären, da sie noch vor der Haltbarkeitsgrenze stehen würden).


    Und dies ist nur ein kleiner Ausschnitt und soll nur ein Bisschen zum Nachdenken über die Komplexität der Situation anregen, den genau diese wird definitiv nicht dargestellt.

    Leider läuft die gesamte Diskussion über diese Thema in den meisten Kanälen in eine ganz andere Richtung.