Unsere Varroakonzepte in Zeiten des Klimawandels - tut sich da was?

  • Ergänzen muss man bezüglich des Klimawandels noch: Es werden nicht nur die Brutzeiten länger, sondern auch die Sommer heißer. Die AS-Anwendung erschwert das.

    Wenn wir öfter behandeln, brauchen wir schonendere Behandlungweisen. AS und OS-Träufeln sind da problematisch. Bei einmaliger Sommerbehandlung brauchen wir eine hohe Wirksamkeit.

    Ich sehe als Lösung, die Völker zeitig im Hochsommer brutfrei machen und OS.

    Dringend nötig wäre die Zulassung der Bedampfung. (Fast) Jeder macht es, aber in ein offizielles Behandungskonzept kann es immer noch keinen Eingang finden.

    Da bin ich völlig bei dir! Das beste Konzept wäre es wohl in der Tat, die Völker nach dem Abernten als Kunstschwarm abzukehren, dann auf MW zu setzen und zu behandeln. Die Altwaben werden konsequent eingeschmolzen - ich weiß... schade um die Brut... aber da stecken ne Menge Milben und Viren drin...
    Dann erwischt man erstmal mind. 95% der Milben (vielleicht sogar mehr). Anschließend sollte man im Winter noch eine Restentmilbung machen und durch die Kontrolle der Windeln auch im Herbst den natürlichen Milbenbefall kontrollieren.


    Kunstschwärme, die ich nach dem Abschleudern mit HR-Bienen und ner jungen Königin erstelle, werden i.d.R. die besten Völker im nächsten Jahr. Ich kann das jedem nur empfehlen.


    Völker, die durchbrüten, sind nicht das ideale Zuchtziel! Wir brauchen Völker, die eine Brutpause einlegen... spart Futter, Bienenmasse und macht es der Varroa schwer.


    Über AS oder OS oder Amitraz oder oder oder … es ist und bleibt Chemie und die sollte so sparsam wie nur irgendwie nötig in die Völker eingebracht werden.


    Ein anderer Ansatz ist die Züchtung varroatoleranter Bienen. Dazu gibt es bundesweit in vielen Buckfast-Landesverbänden Projekte, die ganz erfolgsversprechend sind. Ist sicher ein guter Weg.

    "Die Zukunft der Honigbiene liegt in den Kreuzungen!" - Bruder Adam

  • ...Bei mir ist's genau umgekehrt: Ich will die TBE auf Ende Juli verschieben, weil Ende Juni zu viel Zeit für ein wiedererstarken der Milbenpopulation lässt.

    Es kommt darauf an, was man der Entnahme der Brut als weiteren Entmilbungsschritt nachschaltet.

    Es zeigt sich ein weiterer möglicher Vorteil von FangW-Entmilbung gegenüber TAM (Tierarzneimitteln):

    Die FangW-Methode wählt nicht nur die vermehrungsträgsten Varroen zur Weiterzucht aus (=Schlechtestenauswahl; bei TAM dagegen: Bestenauswahl), sondern er zieht sich auch über einen längeren Zeitraum hin, resp. die Entmilbungswirkung dauert mit derselben Intensität über einen längeren Zweitraum an als bei TAM, deren Wirkung ja nach der Anwendung mehr oder weniger schnell absinkt.

    Diesen Wirkungszeitraum der FangW kann der Imker im Juni starten (hier: ohne Ertragseinbußen 2 Wochen vor Ende der Winterlindenblüte) und durch entsprechende FangW-Nachschaltung problemlos mit uneingeschränkter Fängigkeit mit nur 2 FangW-Schritten (Tag 7: Entnahme der FangW mit Brut, die am Tag 0 noch unverdeckelt war, Tag 17: Entnahme der FangW, die am Tag 0 als einzige LeerW eingehängt wurde, Rest mit LeerRä. aufgefüllt) bis in den Juli hinein verlängern.

    Die TAM-Anwendung am Tag 0 dagegen läßt in ihrer Wirkung sofort nach, wenn der TAM-Schirm nicht aufgespannt bleibt (etwa durch Blockbehandlung oder Langzeitverdunstung o.ä.).

  • Das beste Konzept wäre es wohl in der Tat, die Völker nach dem Abernten als Kunstschwarm abzukehren, dann auf MW zu setzen und zu behandeln. Die Altwaben werden konsequent eingeschmolzen - ich weiß... schade um die Brut... aber da stecken ne Menge Milben und Viren drin...

    Das halte ich für übertrieben. Wenn die Winterbehandlung gut angeschlagen hat, sind auch im Juli noch recht wenig Milben in Volk. Bei meinen Brutscheunen fallen bei der Behandlung meist relativ wenig Milben. Da ist ein solches Extremverfahren nicht nötig. Schade um die Bienenmasse, die man gut für die Völkervermehrung verwenden kann.

    Aber hier würde ich den Befall beobachten. Es gibt natürlich immer Ausreißer und - ja nach Standort auch Reinvasion.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo rall0r ,


    ich habe die Historie etwas anders in Erinnerung, hier kurz meine Erinnerungen - stark verkürzt:

    • Als die Varroa kam (70er) hat man EINE Behandlung im Jahr gemacht, meist eine Sommerbehandlung, damals galt das Bienenvölker gefährdet sind wenn sie mehr als 10000 Varroen haben (Carnicas haben damals bei mir von Mitte Januar bis höchstens Mitte Oktober gebrütet - irgendwann im Oktober hatten wir immer den ersten Schneefall - auch wenn der am nächsten Tag wieder weg war) - auch gab es damals noch Imker die bis in die frühen 80ern gar nicht behandelt haben...
    • In den 80er/90er kam irgendwann die Einsicht das eine Behandlung im Jahr nicht mehr ausreicht und man hat festgestellt das immer öfter schon 5000 Varroen im Volk tödlich sein können...
    • Zwei Sommerbehandlungen UND eine Winterbehandlung sind für mich eine relativ neue Erscheinung in jüngster Zeit (OK, das ist für mich "irgendwann kam das in den letzten 20 Jahren" :-) ) - auch hat man die Schadschwelle kontinuierlich nach unten korrigiert...


    Daher kam bei vielen die Einsicht das "immer mehr und öfter behandeln" eine Sackgasse ist! - Und wenn ich hier oft lese das bis zu 50 mal im Jahr behandelt wird, spätestens dann weis ich das das stimmt.


    Aber das war in anderen Gegenden evtl. ein leicht anderer zeitlicher Ablauf, aber die Tendenz/Abfolge war überall gleich.


    Seit mindestens 10 Jahren hat man, weltweit gesehen, erste Nachweise von Instituten das Varroatoleranz durch Genetik bedingt ist. Varroatoleranzzucht von einzelnen ist allerdings schon älter, ich kenne dazu Bestrebungen in Europa und Deutschland seit den 90ern. Allerdings systematische Varroatoleranzzucht ganzer Zuchtverbände/Zuchtgruppen unterstützt durch Institute kenne ich erst sein 5/6 Jahren in Europa und Deutschland.


    Soweit meine Erinnerungen...


    Zu Deiner Frage:

    • Natürlich muss man die geänderten Umweltbedingungen beim Varroakonzept berücksichtigen und ggf. eine Brutfreiheit herbeiführen wenn bestehende Konzepte und Mittel überleben sollen. Eine verlässliche und flächendeckende Brutfreiheit im Sommer durch Hitze konnte ich allerdings noch nicht beobachten.
    • Was Institute empfehlen ist eine Sache, was Imker, in jeweils ihren Gegenden, machen ist eine andere Sache... (Imker hören sich normalerweise die Empfehlungen an, überlegen wo und wie die Institute imkern die zu den Empfehlungen führen und passen das ganze auf IHRE Gegend an, bzw. bessern in den ersten Jahren der neuen Vorgehensweise, diese an bis sie funktioniert.)


    Gruß

    Franz

  • sind auch im Juli noch recht wenig Milben in Volk

    na Ja , du siehst die nicht, aaber in der Brut können die schon stecken.(je nach Jahr)

    Bienenmasse geht nebst Brutfläche ja schon im Juli (hier) zurück, Drohnen werden rausgeschmissen, und der Befall steigtab dann stark in der weniger werdenden Brut. Der Punkt an dem die Drohnen rausgeschmissen werden, den versuche ich zu treffen. Ab dem kanns schon losgehen.....

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.

    sine missione

  • na Ja , du siehst die nicht, aber in der Brut können die schon stecken.(je nach Jahr)

    Bei einer TBE, bei der erst die Muttervölker und dann die Brutscheunen behandelt werden, sehe ich die schon - und zwar tot auf der Windel.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Insgesamt irritiert mich an so gut wie allen Konzepten und Anweisungen, dass sie keine Rücksicht auf das lokale Klima nehmen und auch nicht wirklich darauf hinweisen. Vermutlich befürchten die Verfasser, dass sie die Imker sonst verwirren und überfordern könnten. Ich richte die Varroabehandlung nicht nach fertigen Konzepten aus, sondern nach meinen Bienen, und damit fahre ich bisher ausgesprochen gut.


    Gruß von Kikibee

    Du triffst den Nagel auf den Kopf: Die Bienenhaltung ist entscheidend durch die jeweiligen Klima- und Trachtbedingungen am Standort beeinflusst. Irgendwelche Anweisungen sind da nur ein grober Hinweis wie es gehen könnte, man kann das nicht 1:1 übernehmen.


    Ein Beispiel: Überall steht, dass die Bienen wohl brutfrei sein sollen, wenn der erste Nachtfrost drei Wochen her ist, also irgendwann im Dezember. Bei mir ist es so, dass die Bienen schon Ende Oktober bzw. Anfang November brutfrei sind (ich weiß das, weil ich MS sprühe und dazu die Waben ziehe). Die hören einfach auf zu brüten. Einen Zusammenhang mit der Temperatur konnte ich noch nicht entdecken. Also behandle ich eben schon im November. Frost ist mir schnuppe.


    Es gibt bei all dem aber auch immer Ausreißer. Deshalb habe ich auch schon Völker mit MS behandelt die noch kleine Restbrutflächen aufwiesen (Bierdeckelgroß). Zur Sicherheit habe ich die nach auslaufen der Brut noch einmal nachbehandelt. Es sind dort aber keine nennenswerten Milbenzahlen zusammengekommen.


    Ich habe also für mich an meinem Standort für meine Bienen beschlossen, im November zu behandeln und ggf. kleine Brutflächen einfach zu ignorieren. Bei mir klappt das.


    In anderem Klima und Standort wird meine Methode u.U. versagen (Gründe dafür gäbe es genug) und der Imker muss sich was anderes überlegen. Aber das kann wirklich nur der jeweilige Imker leisten, der seine örtlichen Verhältnisse eben sehr gut kennen muss. Das kann einem kein Institut abnehmen.


    Gruß

  • ...Bei mir ist's genau umgekehrt: Ich will die TBE auf Ende Juli verschieben, weil Ende Juni zu viel Zeit für ein wiedererstarken der Milbenpopulation lässt.

    Diesen Wirkungszeitraum der FangW kann der Imker im Juni starten (hier: ohne Ertragseinbußen 2 Wochen vor Ende der Winterlindenblüte) und durch entsprechende FangW-Nachschaltung problemlos mit uneingeschränkter Fängigkeit mit nur 2 FangW-Schritten (Tag 7: Entnahme der FangW mit Brut, die am Tag 0 noch unverdeckelt war, Tag 17: Entnahme der FangW, die am Tag 0 als einzige LeerW eingehängt wurde, Rest mit LeerRä. aufgefüllt) bis in den Juli hinein verlängern.

    Die TAM-Anwendung am Tag 0 dagegen läßt in ihrer Wirkung sofort nach, wenn der TAM-Schirm nicht aufgespannt bleibt (etwa durch Blockbehandlung oder Langzeitverdunstung o.ä.).

    Danke, so ungefähr habe ich es vor. TBE u. nachgeordnete Fangwabe.

    Im übrigen war in meinen Völkern die rasante Milbenentwicklung nicht so zu verzeichnen, wie bei manchen Imkerkollegen. Ich führe es auf die Angewohnheit einer recht frühen ersten AS zurück, die meist auch die Einzige bleibt.

    Lokale Komponenten kann wirklich nur der jeweilige Imker ins Konzept mit einfliessen lassen. Manchmal wäre es auch schon hilfreich, die gängigen und vielleicht überalterten Konzepte würden einfach mal angewandt.

  • ...so ungefähr habe ich es vor. TBE u. nachgeordnete Fangwabe.

    Das von Kleingartendrohn entwickelte Konzept sieht aus guten Gründen vor, noch eine zweite FangW nachzuschalten (PDF in #1):

    TBE mit weiselrichtigem Brutsammler


    TAM führen mittelfristig in die Sackgasse, schon allein wegen ihres Wirkungsprinzips, was im Ergebnis zu einer Bestenauswahl bei den Milben zu deren Weiterzucht führt (s. Vorbemerkung in v.g. PDF).

  • Bei mir steht in diesem Jahr die Bekämpfung der Varroa durch Drohnenschnitt, TBE und Fangwabe im Vordergrund und das vor der Robinie und nach der Linde. Brutscheune mit Königin wird mit AS behandelt, daraus werden KS mit zugekauften Kö gebildet. Dann wird langsam aufgefüttert, was nicht in die Heide geht. Den Honigertrag stelle die ich zurück (habe noch genug vom Vorjahr). Und dann mal sehen was im Dezember bei Restentmilbung fällt. Danach entscheide ich wie ich in Zukunft verfahre. VG Jörg

  • ...Drohnen werden rausgeschmissen, und der Befall steigtab dann stark in der weniger werdenden Brut. Der Punkt, an dem die Drohnen rausgeschmissen werden, den versuche ich zu treffen. Ab dem kanns schon losgehen.....

    Genau - besonders im Lichte dieses Fadens:

    Milben auf Drohnen

    Da aber das Abdrängen der Drohnen keinen Stichtag kurz ist, sondern einen Zeitraum umfaßt, halte ich es für sinnvoll, gerade diesen Zeitraum mit einem varroareduzierenden Schirm abzudecken. Mein Favorit: ca. 3 Wochen lang mit FangW die besonders vermehrungsfreudigen Milben wegzufangen. Dabei unterstelle ich, daß die aus anderen Völkern vertriebenen, bettelnden Drohnen, wenn überhaupt, dann ausgereifte Milben im Gepäck haben, die also sofort in offene Brut abtauchen, ohne weiteren Reifungsfraß zu benötigen. Die 2-wöchige Fangphase im Vorfeld vor dem TBE-Start zähle ich deshalb größtenteils nicht mit, da die Drohnen hier so früh (bei Winterlindenvolltracht) noch geduldet und noch nicht vertrieben werden. Gleichwohl haben die BrW selbstverständlich bereits (vorwiegend volks-eigene) Milben gefangen, bis sie verdeckelt wurden und dann bei der TBE entfernt werden.

  • Hallo,

    naja, ... ich weiß ja nicht woher du diese Zahlen hast, aber ich kann dir versichern das die Brutzeiten auch in den achzigern und neunzigern die gleichen waren wie heute.

    ...Und hatten wir einen warmen Winter (... ja, die gab es auch damals schon ), hatten wir die selben Probleme wie heute.

    Was die Behandlungskonzepte betrifft : TBE ende Juli, gekoppelt mit Oxalsäure plus Winterbehandlung mit OS hat bisher immer ausgereicht. Ich sehe also keinen Grund zur Panik. Ganz im Gegenteil. Eine Warmzeit kann uns Imkern nur Vorteile bringen.


    Gruß Finvara

    ... alle sagten das es unmöglich ist, .... bis einer kam der das nicht wußte