Schwarmverhinderung

  • Mal eine provokante Frage,


    von manchem Buckfastimker hört man den Satz "Eine Schwarmkonrolle kenne ich nicht mehr". Von anderen hört man "Im Dandant-Brutraum mit seinen wenigen Waben ist die Schwarmkonrolle viel einfacher als bei den vielen Flachzargen".
    Das ist irgendwie unlogisch. Wenn keine Schwarmkontrolle nötig ist, kann man auch mit Flachzargen imkern und hat dann die Nachteile der Großwabe nicht mehr (z.B. Wabenerneuerung) und genießt die Vorteile der Flachzarge ungetrübt.


    Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine Schwarmverhinderung mit Zellenbrechen artet auf der Flachzarge in Sysiphusarbeit aus. Wer schwärmende Völker auf Flachzarge hat, hat m.E. nur zwei Möglichkeiten - entweder rechtzeitige Ablegerbildung oder Brutdistanzierung.


    Grüße, Thomas

  • Na dann lasst uns mal das Winterloch stopfen und mit dem Thema Schwärme schon jetzt anfangen, und nicht erst dann, wenn sie schon ausziehen :wink: Wenn die Buckfastimker sagen, sie hätten mit dem Schwärmen weniger Arbeit, dann wird wohl gemeint sein, das sie dank der Buckfast mit Schwarmvorbeugung und Schwarmverhinderung nichts mehr am Hut haben. Ausser Zellenbrechen und evtl. Austausch der Weisel gibt es bei denen nicht allzuviel zu tun. Ansonsten hat Bruder Adam schon die Empfehlung gegeben, das die sicherste Schwarm- verhinderung die Wegnahme der Königin ist. Mit diesem Rat lässt sich die Schwarmzeit schon weniger arbeitsintensiv bewältigen. V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo,


    mit der Buckfastbiene hat der Imker in der Tat weniger Arbeit in der Schwarmzeit. Es kommt allerdings schon auf dei Gegend an in er man imkert. In meiner Gegend mache ich keinerlei Kontrole mehr, ausser vielicht bei nleuen Herkünften, die ich noch nicht kenne. Bei anderen Buckfastimkern gilt die Regel: wenn nicht etwa 30% der Völker Schwarmzellen ansetzen, habe ich was verkehrt gemacht, ganz vereinfacht ausgedrückt. Grds. wird eine ordentliche Buckfast mit dem einmaligen Zellenbrechen "zufrieden gestellt sein". Eine Wegnahme der Königin war bei mir noch nie nöitg.


    Im Jahr 2001 hatten Nachbarimker mit Carnica eine Schwarrate von 75%. Ich hatte meinen letzten ausgezogenen Schwarm vor fünf Jahren.


    Für Buckfastzüchter ist das Zuchtziel einer schwarmträgen Biene erreicht, wenn nicht sogar überschritten. Etwas mehr Aktivität in diese Richtung schadet wahrscheinlich auch nicht.

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  • Hallo Reiner
    Ich versuche auch möglichst schwarmverhindernd zu Imkern. Schwarmteufel haben auf meinen Stand auch nichts verloren, aber sonst erreiche ich das über meine Betriebsweise, wie Bautrieb ausleben lasse, genügend Raum geben, etc. Der Schwarmtrieb ist für mich etwas natürliches und sehr wichtiges für das Bienenvolk. Ohne Schwarmtrieb hätte es kein Überleben über Millionen von Jahren gegeben.
    Du schreibst unter dem Titel Evolution: die Bienen haben sich über Millionen von Jahren kaum verändert. Nach Deinen Überlegungen ist z. B. die intensive Zuchtarbeit von Bruder Adam einen massiven Eingriff in die Natur. Er hat ein Tier in einem Zeitraum eines Menschenlebens gezüchtet, in der Art der Auslese wie es die Natur kaum jemals erreicht hätte. Ich kenne die Eigenschaften der Buckis nicht und habe das Leben von Bruder Adam auch nicht studiert, deshalb meine Fragen. Wären die Buckis ohne Hilfe des Imkers, ohne Varroa, aber genügend Futter überlebensfähig. Berücksichtigte Bruder Adam die Bedürfnisse der Bienen oder züchtete er nach den Bedürfnisse der Imker?

  • Hallo Martin,


    nein, das Winterloch wolte ich nicht füllen. Diese widersprüchliche Aussage stört mich schon lange. Ich möchte, daß sich ein Buckfastimker dazu äußert. Vermutlich wird es so sein wie oft: es wird übertrieben. Auch bei der Bucki muß m.E. nach Schwarmzellen geschaut werden.


    Hallo Reiner,


    wie machst Du das mit dem einmaligen Zellenbrechen ohne jede Kontrolle? Garnicht reingucken heißt für mich natürlich auch nicht zu brechen. Wenn ich jedoch Zellen brechen will, muß ich vorher gucken, ob welche da sind.


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo an alle,


    es ist so wie Thomas es sagt, manches wird übertrieben. Wie ich vorher schon sagte, m.E. muss ich auch nachschauen, ob das Volk in Schwarmstimmung geraten ist. Das geht aber auch sehr schnell, da ich mit Magazinen mit 10 Großwaben (40x30) arbeite. Auf den Randwaben sind so gut wie nie Schwarmzellen und die anderen acht sind schnell kontrolliert. Wie gesagt, das mache ich nur bei neuem Material. Meine bekannten Linien kontrolliere ich gar nicht, und wenn dan mal einer schwärmen sollte, dann fällt das bei mir unter Zuchtauslese. Meine Monticola-Kombinationen brauchen einfach in solch einem Brutraum keine Kontrolle, obwohl die Kiste gebrchen voll ist. Würde ich sie auf nur einem Zandermagazin halten würden sie garantiert Wz ansetzen (so mache ich das wenn ich Könignnenzucht aus dem Schwarmtrieb heraus betreiben möchte).


    Zu Bruder Adam: er hat massiv auf die Biene eingewirkt. Das muss man so sehen. Sein Ziel war jedoch immer Bienenhaltung im "biologischen Optimum", er wollte also eine Biene die mit geringem Aufwand grossen Ertrag bringt, also ohne grosse menschliche EIngriffe zurecht kommt. Ich lese z.B. im bayer. Imkerkalender 2003 von "systematischem Arbeiten am Bienenvolk". Der Autor erwähnt etwa 15 Eingriffe von Mai bis Juli auf!! Da krieg' ich die Krise. Bei Bruder Adam waren es bei den WIrtschaftsvölkern nicht mal die Hälfte .


    Die Arbeit von Bruder Adam halte ich für einzigartig und die Zuchtweise ist sicherlich zukunftweisend. Aber man muss überall beide Seiten sehen. Die Natur "züchtet" auf Überleben und nicht auf Leistung. Der Mensch möchte aber Leistung haben. Für die Natur ist der Schwarmtrieb überlebenswichtig. Hier gilt es einen Mittelweg zu finden. Das wäre sozusagen mein Zuchtziel. Ich habe das an anderer Stelle schon mal geschrieben, mir sind 100 Völker mit 20 Kg Honig lieber als 20 Völker mit 100kg Honig, wenn ich die Völker dafür weitestgehend in Ruhe lassen kann und sie auch mit der Varroa zurecht kommen. Soweit sind wir halt noch nicht.


    Überlebensfähig ohne Hilfe des Imkers sind heutzutage wohl nur einige Perlen. Die Masse der züchterisch bearbeiteten Völker wird es wohl nicht sein. Da hat z.B. wohl die Zuckerfütterung schon zu viel kaputt gemacht. Sicher git es heute manche Völker die in der Lage wären sich selber zu versorgen und zu überleben. Diese gilt es finden und deren Merkmale züchterisch zu sichern und zu verdichten um eine überlebensfähige Linie zu bekommen. Das geht aber nur über die Züchtung und damit mit einem Eingriff in die Natur der Biene. Wir sind heute an diesem Punkt, weil der Mensch schon vor über hundert Jahren in die Natur der Biene eingegriffen hat (z.B. durch Vergrößerung der Zellen).


    Ob man nun an die Evolution oder eine Schöpfung glaubt, eines bleibt: unsere Biene heute hat einen gemeinsamen Vorfahren, die "Ur-Apis mellifera". Ihr genetischer Schatz war sehr umfangreich. Durch die allgemeinen Vererbungsregeln ist ein auseinander streben der heute vorhandenen Linien erklärbar. Wenn nun heute eine "Rasse" gewisse Eigenschaften hat, wie z.B. Varroatoleranz, dann würde es bedeuten, dass auch die Urbiene diese Eigenschft gehabt hat. Es wäre also legitim, diese Eigenschaften durch Rückkreuzung wieder einzufügen, sie war ja mal Bestandteil des Erbgutes, ist untergegangen oder einfach vergessen worden. Wieder Beispiel das Varroatoleranz. Es gibt im Osten des Iran die Meda-Biene, die heute noch Kontakt mit der Varroa hat und auch während der Eiszeit hatte - also eigentlich immer. Während der Eiszeit gab es bei uns keine Bienen. Sie verbreiteten sich vom Süden her wieder zu uns. Eine direkte Verwandschaft ist also vorhanden. Warum gibt es also bei uns nicht schon seit Jahrtausenden die Varroa? Hat es unsere Biene nicht damals geschafft, diesen Parasiten erfolgreich zu bekämpfen? Ist nur eine Theorie, aber interessant.


    So, jetzt habe ich aber genug geschwafelt!

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  • Hallo,


    Thomas, zu Deiner provokanten Frage mit einer provokanten Gegenfrage: Wer sagt denn das alle Imker die mit Dadant arbeiten auch eine Buckfast haben?


    Im übrigen muß ich mich dem hier gesagten anschließen, es wird oft übertrieben. Aber ich habe von einem namhaften Imker gelesen, der behauptet das er früher "Schwarmverhinderungsmaßnahmen" von Mai bis August durchführen mußte und seit er Buckfastvölker hat, sei diese Arbeit auf wenige Wochen im Juli beschränkt. 8) 
    Also ganz ohne - nicht überall möglich
    ABER weniger oft notwendig als bei anderen Rassen.



    Gruß
    Franz

  • Hallo Reiner, Deine Frage, warum bei gemeinsaner Abstammung aller Apis mellifera- Arten, diese nicht schon viel früher mit der Varroa Bekanntschaft gemacht haben, möchte ich gerne mit einer Gegenfrage beantworten. Warum ist es der Varroa nicht gelungen, sich bei den damaligen Kontakten bei der Apis mellifera einzuleben, warum gelang ihr das nur bei der Apis cerana? Wer diese Frage beantworten kann, hält mit der Antwort den Schlüssel des Varroaproblems in der Hand! Nun zum Schwarmproblem, einen Bienenstamm o h n e Schwarmgedanken würde ich für so degeneriert halten, das ich das schon als krank einstufen würde, es sei denn, er würde still umweiseln. Aber es ist schon eine Arbeitserleichterung, wenn ich von hundert Völkern zwanzig Schwärme habe, oder von zwanzig Völkern hundert Schwärme, um mal bei diesen beliebten Beispiel-Zahlen zu bleiben. Aber nicht nur bei Buckfast gibt es schwarmträge Linien, wenn auch im Vergleich nicht so ausgeprägt. V.H.w. Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
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  • Frage an die Erfahrenen, zu denen ich nicht gehöre:


    Wie erkenne ich einen "Schwartrieb" ?
    Was sind "Schwarmzellen" und wie sehen diese aus ?

    In diesem Sinne. Pedro.
    (aus dem sonnigen Spanien)

  • Hallo, Heintzelmann,


    der Schwarmtrieb ist das Verlangen des Volkes, sich zu teilen und so zu vermehren. Bei meinen Carnis stellen sie die Arbeit ein, meistens noch mitten in der Rapsblüte, und warten auf das Verdeckeln der Schwarmzellen, damit die Hälfte des Volks mit der alten Königin abhauen kann.


    Schwarmzellen sind die Zellen für die neuen Königinnen.


    Fotos dazu findest du in jedem Imker- oder Bienenbuch.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Wenn nun heute eine "Rasse" gewisse Eigenschaften hat, wie z.B. Varroatoleranz, dann würde es bedeuten, dass auch die Urbiene diese Eigenschft gehabt hat.


    He, ich weiss es ist lange her:roll:, aber es passt...:p
    Bei Becker: "Pflanzenzüchtung" habe ich gerade was über das "Gesetz der homologen Reihe" von Vavilov gelesen. Nahe verwandte Arten, Gattungen und sogar Familien neigen parallel dazu ähnliche, vererbare Variationen auszuprägen.:

    Zitat

    Woher weiß nun aber ein Züchter, ob es erfolgversprechend ist, in nicht angepaßtem Material nach Eigenschaften zu suchen, die aus Zuchtmaterial nicht bekannt sind? ...Wenn eine erwünschte Eigenschaft in einer verwandten Wildart auftritt, dann ist es wahrscheinlich, daß sie auch in der züchterisch bearbeiteten Kulturart gefunden werden kann.
    ...Vavilovs Idee der homologen Reihe ist heute ganz selbstverständliches Gedankengut jedes Züchters.(S. 160)

    Schon von Darwin wurden bei unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten Parallelvariationen erwähnt.
     
     
    Vertrauen ist besser.:daumen:
    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • ...Vertrauen ist besser...


     
    Molle lass Dich drücken und knutschen!!!
     
    Hoffentlich versteht das auch Luxnigra,
    als Beispiel für,
    oder irgendwelche Buckfastzüchter, Carnicafanatiker, Landrassenliebhaber,etc..
     
    Deine Aussage darf UNS an der Nase holen,
    damit wir das Brett fühlen, vor der Nase!!
     
    Der
    Drohn